21. March 2019

Photovoltaik Speicher lohnen sich nicht (mehr)?!

Photovoltaik-Händler und -Installateure verkaufen ihre Anlagen am liebsten zusammen mit einem Batteriespeicher.

Wir erläutern, unter welchen Bedingungen sich Solarspeicher lohnen, worauf Du beim Kauf achten solltest – und welche Alternativen es gibt.

Lohnt sich ein Photovoltaik Speicher

Fasst 20.000 Batteriespeicher in 2020 installiert

Die Speicherhersteller machen derzeit beste Geschäfte: Gut 20.000 Haushalte haben sich 2019 einen Batteriespeicher angeschafft. Damit sind in Deutschland jetzt mehr als 180.000 Heimbatterien installiert.

Dass sich derzeit so viele Haushalte für einen Speicher entscheiden wundert nicht – Solar-Händler und -Installateure werben bei ihren Kunden mit Hochdruck dafür, dass sie mit einer Photovoltaik-Anlage auch gleich einen Speicher kaufen.

Doch lohnt sich das? Eines vorweg: Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht. Ob ein Speicher wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab.

Wir erläutern hier, worauf Du achten solltest – objektiv und unvoreingenommen. Denn wir wollen Dir weder eine Solaranlage noch einen Speicher verkaufen!

Eigenverbrauch macht Photovoltaik attraktiver

Für viele Betreiber liegt der Sinn und Zweck eines Heimspeichers in erster Linie darin, mehr vom hausgemachten Solarstrom selbst zu verbrauchen. Mit gutem Grund, denn jede Kilowattstunde selbst genutzten Stroms hat heute einen Wert von etwa 30 Cent – so viel müssen Haushalte derzeit im Schnitt bei ihrem Versorger für den Strom bezahlen.

Kosten

Energie-versorger

Kosten

Photvoltaik

Gewinn pro kwh

100%
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33%
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200%
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30 Cent / kWh

10 Cent / kwH

20 Cent / kWh

Tabelle: Kosten und Gewinn Photovoltaikstrom

Da die Produktion einer Kilowattstunde Solarstrom die Anlagenbetreiber rechnerisch etwa 7 bis 11 Cent kostet, erziel​st Du mit dem Eigenverbrauch also quasi einen „Gewinn“ von 19 bis 23 Cent pro Kilowattstunde. Speis​t Du den Strom dagegen ins öffentliche Netz, bekommst Du dafür nicht einmal 10 Cent. Das deckt gerade mal die Kosten für die Erzeugung des Stroms.

Ohne Speicher kommen Haushalte in der Regel auf eine Eigenverbrauchsquote von 20 bis 30 Prozent. Mit Speicher sind es, je nach Batteriekapazität, Leistung der Photovoltaik-Anlage und Verbrauchsverhalten, ungefähr 45 bis 70 Prozent.

Stromspeicher Sparpotential


Der Gewinn bei jeder selbstverbrauchten kWh liegt bei ca. 20 Cent.


Ohne Stromspeicher kann man ca. 20-30% des Stromes direkt verbrauchen.

Kosten und Wirtschaftlichkeit von PV-Speichern

Solarstromspeicher sind in den letzten Jahren immer billiger geworden.

Kosteten Lithium-Ionen-Batterien für den Hausgebrauch 2017 im Durchschnitt noch 1.700 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität, so sind es heute nur rund 1.000 Euro.

Wobei die Preisspanne groß ist: Manche Hersteller bieten ihre Batteriepakete bereits für etwa 700 Euro pro Kilowattstunde und weniger an. Zudem bieten viele Bundesländer und auch einige Kommunen Förderprogramme für private Stromspeicher an.

2017

2018

2019

2020

100%
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88%
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71%
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59%
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1.700 € / kWh

1.500 € / kWh

1.200 € / kWh

1.000 € / kWh

Tabelle: Preisentwicklung Stromspeicher seit 2017

Allerdings ist es zu kurz gedacht, aus dem Preisverfall und der Förderung zu schließen, Heimspeicher rentieren sich jetzt in jedem Fall. Um deren Wirtschaftlichkeit abzuschätzen, solltest Du Dir vor allem einen Wert anschauen: Wie viel es kostet, eine einzelne Kilowattstunde Strom zu speichern.

Das kannst Du ausrechnen, indem Du die Zahl der Ladezyklen pro Jahr – 200 oder 250 sind hier realistische Werte – mit der vom Hersteller per Garantie zugesicherten Lebensdauer in Jahren und der Speicherkapazität multiplizierst.

Davon musst Du 15 Prozent abziehen, weil im Speicher Wirkungsgradverluste auftreten und weil die Batterien nicht komplett entladen werden. Das ergibt die Menge an Kilowattstunden, die eine Batterie im Laufe ihres Lebens mindestens speichern kann.

Schließlich musst Du diese Summe durch den Kaufpreis dividieren. Das ergibt die maximalen Kosten pro gespeicherte Kilowattstunde Strom.

Speicherkosten pro gespeicherter Kilowattstunde

Klingt kompliziert? Ist es aber nicht, wie eine Beispielrechnung zeigt:

Bei 250 Ladezyklen im Jahr, einer Lebensdauer von 15 Jahren und einer Speicherkapazität von 8 Kilowattstunden ergibt das 25.500 Kilowattstunden, die der Akku über seine Lebensdauer hinweg speichern kann (250 x 15 x 8 = 30.000, davon 15 Prozent abgezogen = 25.500).

Bei einem günstigen Anbieter bekommt man Batterien mit 8 Kilowattstunden Speicherkapazität heute bereits für 800 Euro pro kWh – macht also ohne Einrechnung von Fördermitteln ein Anschaffungspreis von 6.400 Euro. Teilt man diese Summe durch die speicherbare Strommenge, kommt man auf Kosten pro gespeicherte Kilowattstunde Strom von etwa 25 Cent pro Kilowattstunde (6.400 / 25.500 = 0,251).

Reine Speicherkosten / kWh


Die reinen Kosten für die Speicherung - ohne die Stromkosten - betragen

ca. 25 Cent.


Angenommene Lebensdauer des Speichers: 15 Jahre

Gesamtkosten gespeicherte kWh PV-Strom

Zu diesen 25 Cent Speicherkosten musst Du allerdings noch die Erzeugungskosten für den Solarstrom in Höhe von 7 bis 11 Cent hinzu rechnen. Bei einem Mittelwert von 9 Cent kostet die Kilowattstunde Solarstrom aus dem Speicher also 34 Cent – also 4 Cent mehr als der Strom, den der Versorger liefert. In diesem Fall würde sich der Speicher demnach nicht rentieren.

Stromspeicher lassen sich auch nach 15 Jahren weiterbetreiben

Speichersysteme lassen sich durchaus länger als 15 Jahre betreiben.

Dafür müssen nur die Batteriezellen getauscht werden, wenn sie schwächeln. Deren Kosten werden in den nächsten Jahren jedoch stark sinken.

Andere Komponenten wie das Batterie-Management-System oder der Laderegler können länger genutzt werden.

Das bedeutet: Aufgemöbelte Speicher werden also sehr günstig sein. Das sollte bei der Kalkulation der Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden – auch wenn sich dieser Effekt heute noch nicht in Euro und Cent berechnen lässt.

Steigende Strompreise machen Speicher attraktiv

Es gibt noch ein zweites, noch viel größeres Argument: die Entwicklung der Strompreise.

Strompreisentwicklung 2010 bis 2025 (Prognose)

Strompreisentwicklung 2010 bis 2020 + Prognose bis 2025

Es ist davon auszugehen, dass der Strompreis in einigen Jahren deutlich höher liegen wird als heute. Bei einem jährlichen Anstieg von drei Prozent kostet Strom pro Kilowattstunde schon in vier Jahren mehr als die 34 Cent aus unserem Rechenbeispiel.

Ab dann ist der Solarstrom aus dem Speicher günstiger als der, den der Versorger liefert. Mit jeder weiteren Tariferhöhung wächst der wirtschaftliche Vorteil der Batterien!

Heute PV und später Batteriespeicher kaufen?

Die Lösung scheint nahe zu liegen: Die Photovoltaikanlage wird jetzt angeschafft und der Speicher später erweitert.

Prinzipiell ist das möglich, aber:
- Eine Nachrüstung kostet oft deutlich mehr, als wenn der Speicher gleich mit dazu bestellt wird.
- Nicht jeder Speicher lässt sich nachrüsten, vielleicht willst Du Dich später für einen PV-Speicher entscheiden, der in Deiner Konstellation nicht mehr nachrüstbar ist?

Daher mein Tipp: Wenn Du Dir einen Speicher nachrüsten lassen willst, dann frage bereits jetzt, ob der Speicher Deiner Wahl auch noch nachgerüstet werden kann.

Lohnt ein Speicher ja oder nein?


Ein Speicher kann sich durchaus schon jetzt lohnen – unter Umständen sogar sehr.


Allerdings bleibt bei der Entscheidung unweigerlich

ein gewisses Maß an Unsicherheit:


Denn wie lange die Batteriezellen und die anderen Komponenten tatsächlich halten, was der Austausch der Zellen kostet und wie sich die Strompreise langfristig entwickeln, lässt sich heute nicht wirklich verlässlich sagen.

Die optimale Größe eines Speichers

Entscheidest Du Dich dafür, einen Speicher zu installieren, stellt sich als nächstes die Frage:

Welche Kapazität soll er haben?

Hier hilft eine Faustformel:
Pro Kilowatt Photovoltaik-Leistung gilt eine Speicherkapazität  von 0,7 Kilowattstunden als sinnvoll.

Bei einer 5-Kilowatt-Anlage wäre das also eine Batterie mit einer nutzbaren Kapazität von 3,5 Kilowattstunden.

Bei einem Jahresstromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden kannst Du damit einen Eigenverbrauchsanteil von 47 Prozent erzielen.

Der Autarkiegrad – also der Anteil des eigenen Stromverbrauchs, der durch Photovoltaik-Anlage und Speicher gedeckt wird – liegt in diesem Fall bei 56 Prozent.

Eigenverbauch im Verhältnis zur Speichergröße

Je größer die Kapazität des Speichers ist, desto größer ist natürlich auch der Eigenverbrauchsanteil. Im oben genannten Rechenbeispiel wächst der Anteil auf 54 Prozent, wenn Du eine Batterie mit 5 statt mit 3,5 Kilowattstunden Kapazität installierst.

Bei 6,5 Kilowattstunden sind es 58 Prozent.

Du siehst: Der Eigenverbrauchsanteil steigt nicht linear zur Speicherkapazität.

Vielmehr nimmt der Nutzen des Speichers für den Eigenverbrauch mit zunehmender Kapazität ab.

Wirtschaftlich gesehen ist es also nicht sinnvoll, den Speicher möglichst groß zu dimensionieren, um einen maximalen Eigenverbrauchsanteil zu erreichen.

Eigenverbauch oder Autarkie?

Doch vielleicht hast Du gar nicht das Ziel, möglichst viel Deines Solarstroms selbst zu verbrauchen – sondern einen maximalen Autarkiegrad zu erreichen?

Also so wenig Strom wie möglich zu kaufen zu müssen, um unabhängiger von der Energiewirtschaft zu werden? Um Dich vor Tariferhöhungen zu schützen?

Dann solltest Du den Speicher und auch die Photovoltaik-Anlage in der Tat größer bemessen. Mit einer 6-Kilowatt-Anlage und einem 8-Kilowattstunden-Speicher zum Beispiel erreichst Du bei einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden einen Autarkiegrad von 73 Prozent. Legst Du noch zwei Kilowatt bei der Photovoltaik-Anlage drauf, steigt der Autarkiegrad auf 78 Prozent.

Eigenverbrauch oder Autarkie?


Mach Dir klar, was Du willst – einen hohen Eigenverbrauchsanteil oder einen hohen Autarkiegrad.


Davon hängt ab, wie groß Photovoltaik-Anlage und Speicher sein sollten.


Und: Wenn Du Angebote einholst, müssen die Solarteure wissen, welches Ziel Du verfolgst, sodass sie die Systeme darauf hin optimieren können.

Hoher Eigenverbrauch mit kleiner PV-Anlage

Kleine Photovoltaikanlage statt Photovoltaik Speicher

Eine kleinere PV-Anlage für hohen Eigenverrbauch

Es gibt noch einen weiteren Ansatzpunkt für einen hohen Eigenverbrauch auch ohne Speicher: die Leistung der Photovoltaik-Anlage.

Je kleiner die Anlage ist, desto höher fällt die Quote aus.

Eine Musterrechnung zeigt, dass ein Betreiber einer Anlage mit 6 Kilowatt Leistung ohne Speicher bei einem Jahresstromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden typischerweise 22 Prozent seines erzeugten Solarstroms selbst verbrauchen kann.

Mit einer 4-Kilowatt-Anlage sind es bereits 30 Prozent, mit einer 3,5-Kilowatt-Anlage 33 Prozent.

Allerdings sind kleine Anlagen bezogen auf die Leistung teurer als große, da die Installations- und andere Kosten nicht proportional dazu steigen.

Wie groß sollte die Anlage also optimalerweise sein?

Um das herauszufinden, solltest Du zunächst einmal von der Eigenverbrauchsquote ausgehen, die Du realistischerweise erreichen könntest. Bei einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden und einem normalen Verbrauchsverhalten sind 25 Prozent ein typischer Wert. Dafür benötigst Du ohne Speicher eine 5-Kilowatt-Anlage.

Fazit zum Thema Speicher und Anlagengröße


Hole Dir Angebote für mehrere Anlagengrößen und -konfigurationen ein, mit und ohne Speicher.


Mache Dir vorab klar, was Dein Ziel ist (Eigenverbrauch oder Autarkie).


Rechne Dir mehrere Varianten durch (selbst, mit Stift und Zettel, Beispiele siehe oben).


So findest Du die für Dich optimale Variante.

Strom speichern ohne Batterie

Du brauchst nicht zwingend eine Batterie, um Energie aus Deiner Photovoltaik-Anlage zu speichern!

Dafür genügt bereits ein simpler Heizstab, ähnlich einem Tauchsieder, und ein gut isolierter Wassertank.

Der Heizstab erwärmt mit dem Sonnenstrom Wasser aus dem Tank, das dann bei Bedarf im Badezimmer oder in der Küche genutzt wird.

Es ist sogar möglich, auf diese Weise die Heizung zu unterstützen. Mit anderen Worten: Du kannst den Strom als Wärme speichern – und so Deine Gas-, Öl-, Pellet- oder Fernwärme-Rechnung reduzieren.

Wasser eignet sich hervorragend als Wärmespeicher: Es kann gemessen am Volumen viel Energie aufnehmen, verliert auch bei sehr vielen Zyklen nichts an seiner Speicherfähigkeit, ist ungiftig, überall verfügbar – und nicht zuletzt spottbillig. Auch Heizstäbe sind recht kostengünstig, ebenso Wassertanks.

An sonnigen Tagen kann eine 5-Kilowatt-Anlage problemlos den gesamten Warmwasserbedarf einer vierköpfigen Familie decken.

Um die typischerweise benötigten 150 Liter auf 40 Grad zu erwärmen (ein Durchschnittswert – für das Duschen benötigt man wegen der Legionellengefahr 60 Grad, für das Händewaschen genügen 20 Grad), sind gut 5 Kilowattstunden Strom nötig. Die Anlage liefert bei guten Wetterbedingungen jedoch etwa 20 Kilowattstunden Strom am Tag!

Fazit zum Thema Speicher​ung ohne Batterie


Die Speicherung von Solarstrom, der sich nicht direkt verbrauchen lässt, in Form von Wärme ist in vielen Fällen eine interessante, prüfenswerte Alternative zum Batteriespeicher!

Und was jetzt?


- Da Du jetzt weisst was Du willst, könntest Du Dir jetzt ein Photovoltaik Angebot einholen.


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Bist Du für oder gegen Speicher?


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