Ortgangblech montieren: Die Profi-Anleitung für eine sturmsichere Montage nach DIN-Norm

Zahlreiche Anleitungen erklären, wie man ein Ortgangblech anbringt. Doch entscheidend ist nicht nur das „Wie“, sondern auch das „Warum“: Eine unsachgemäße Montage kann schnell zu Undichtigkeiten, Windschäden und teuren Folgereparaturen führen.

Dieser Leitfaden geht deshalb über die bloßen Grundlagen hinaus. Er vermittelt die professionellen Standards und Techniken, mit denen Ihr Dachabschluss nicht nur gut aussieht, sondern auch extremen Wetterbedingungen über Jahrzehnte standhält – und zugleich optimal für eine spätere Photovoltaikanlage vorbereitet ist.

Die entscheidende Rolle des Ortgangblechs verstehen

Das Ortgangblech, auch Giebelblech genannt, bildet den seitlichen Abschluss der Dacheindeckung am Giebel. Seine Funktion ist dabei gleich doppelt entscheidend für die Langlebigkeit des gesamten Dachstuhls:

  1. Schutz vor Witterung: Es leitet Regenwasser gezielt zur Traufe ab und verhindert, dass Feuchtigkeit seitlich unter die Dacheindeckung eindringt und die hölzerne Unterkonstruktion beschädigt.

  2. Schutz vor Wind: Es schützt die Kante der Dacheindeckung vor Windunterströmung. Ohne ein sicher befestigtes Ortgangblech kann starker Wind die Ziegel oder Dachbahnen anheben und abreißen.

Eine professionelle Montage ist daher mehr als nur Formsache – sie ist ein entscheidender Beitrag zum Schutz der Bausubstanz und zur Sicherheit Ihres Hauses.

Planung für den Erfolg: Werkzeuge, Materialien und offizielle Standards

Eine sorgfältige Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg. Stellen Sie vor Beginn sicher, dass alle Werkzeuge und Materialien bereitliegen und die Materialauswahl zu Ihrem Projekt passt.

Werkzeug- und Material-Checkliste

Werkzeuge: Akkuschrauber, Blechschere (manuell oder elektrisch), Zollstock, Schlagschnur, Gummihammer, Kartuschenpresse

Materialien: Ortgangbleche (passend zu Ihrer Dachneigung), Spenglerschrauben (mit Dichtscheibe), Dichtmittel/Bitumenkleber, optional: Hafter (Befestigungsklammern)

Sicherheitsausrüstung: Arbeitshandschuhe, Schutzbrille, stabiles Gerüst oder eine gesicherte Leiter

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Das Fundament der Sicherheit: Relevante DIN-Normen

Die Einhaltung technischer Standards unterscheidet eine professionelle Arbeit von einer reinen Heimwerker-Montage. Für Ihre Sicherheit sind vor allem zwei Normen relevant:

DIN 18338 (Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten): Diese Norm regelt die fachgerechte Ausführung von Dacharbeiten und gibt unter anderem Vorgaben zur Befestigung und Überlappung von Blechen.

EN 1991-1-4 (Eurocode 1: Windeinwirkungen): Sie definiert die Windlasten, denen ein Gebäude standhalten muss. Die Befestigung Ihres Ortgangblechs muss diesen Kräften widerstehen können, um bei Sturm nicht zur Gefahrenquelle zu werden.

Die Beachtung dieser Standards ist der Garant für eine dauerhaft sichere und dichte Lösung.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur fachgerechten Montage

Folgen Sie diesen Schritten für eine Montage, die professionellen Ansprüchen genügt. Wir beginnen an der Traufe (untere Dachkante) und arbeiten uns zum First (obere Dachkante) hoch.

Schritt 1: Vorbereitung und Ausmessung

Messen Sie die Länge des Ortgangs von der Traufe bis zum First. Planen Sie dabei die notwendige Überlappung der einzelnen Bleche mit ein. Sorgen Sie dafür, dass der Untergrund sauber, trocken und eben ist.

Schritt 2: Das erste Blech an der Traufe anbringen

Beginnen Sie mit dem ersten Blech an der unteren Kante des Daches. Richten Sie es exakt an der Dachkante aus. Der senkrechte Schenkel des Blechs sollte die Stirnseite des Daches sauber abdecken.

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Schritt 3: Die Überlappung – hier entscheidet sich die Dichtigkeit

Legen Sie das nächste Blech an und schieben Sie es über das bereits montierte. Hier kommt der wichtigste Punkt, den viele Anleitungen vernachlässigen:

Experten-Tipp: Warum 10 cm die magische Zahl sind
Gemäß Fachregeln ist eine Mindestüberlappung von 10 cm entscheidend. Dieser Wert stellt sicher, dass selbst bei starkem Wind und Regen kein Wasser durch Kapillarwirkung unter die Bleche gezogen werden kann. Sparen Sie hier nicht an Material – es ist die günstigste Versicherung gegen teure Wasserschäden.

Schritt 4: Die korrekte Befestigung

Die Befestigung muss sowohl den senkrechten als auch den waagerechten Schenkel des Blechs sichern.

  • Senkrechter Schenkel: Verschrauben Sie das Blech seitlich am Ortgangbrett mit Spenglerschrauben. Diese haben eine Dichtungsscheibe, die das Bohrloch zuverlässig abdichtet. Halten Sie einen Abstand von ca. 30 cm zwischen den Schrauben ein.

  • Waagerechter Schenkel: Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Schrauben Sie niemals direkt durch das Blech in die Dachfläche, wo Wasser fließt.

Profi-Tipp: Mit „Haftern“ zukünftige Lecks vermeiden
Profis verwenden sogenannte Hafter. Das sind kleine Metallklammern, die unter das Ortgangblech geschoben und an der Dachlattung befestigt werden. Das Blech wird dann in die Hafter eingehängt. Der Vorteil: Die wasserführende Oberfläche des Blechs wird nicht durch Schraubenlöcher perforiert – so vermeiden Sie von vornherein einen typischen Schwachpunkt für Undichtigkeiten.

Schritt 5: Der Firstabschluss

Das letzte Blech am First muss eventuell zugeschnitten werden. Achten Sie darauf, dass der Übergang zum Firstblech sauber und dicht ausgeführt wird. Verwenden Sie hierfür geeignetes Dichtmittel, um eine dauerhaft geschlossene Verbindung herzustellen.

Ortgangblech montieren Profi-Anleitung

KRITISCHER ABSCHNITT: Die 3 häufigsten (und teuersten) Montagefehler

Die Praxis zeigt: Die meisten Schäden gehen auf dieselben drei Fehler zurück. Vermeiden Sie diese unbedingt, um die Langlebigkeit Ihrer Arbeit zu sichern.

Fehler 1: Unzureichende Überlappung

Eine Überlappung von nur wenigen Zentimetern mag optisch genügen, ist aber physikalisch unzureichend. Starkregen und Wind drücken Wasser durch den Spalt, was über Jahre unbemerkt zu Fäulnis im Dachstuhl führen kann.

Fehler 2: Falsche Schrauben

Verzinkte Schrauben aus dem Baumarkt sind für den Außeneinsatz ungeeignet. Sie rosten innerhalb weniger Jahre, was nicht nur unschöne Rostfahnen an der Fassade hinterlässt, sondern auch die Verbindung schwächt. Verwenden Sie ausschließlich korrosionsbeständige Edelstahl- oder Duplex-Stahlschrauben mit UV-beständiger Dichtung.

Fehler 3: Direkte Verschraubung auf der Dachfläche

Das direkte Durchbohren des waagerechten Blechschenkels ist der häufigste Fehler bei Heimwerkern. Jedes Loch ist eine potenzielle Undichtigkeit, da die Dichtungsscheibe der Schraube durch Materialbewegung und Witterung mit der Zeit versprödet.

Spezialszenarien: Anpassungen für Ihren Dachtyp

Nicht jedes Dach ist gleich. Je nach Bauform müssen Sie die Montagetechnik leicht anpassen.

Ortgang am Flachdach

Beim Flachdach wird oft ein Attikablech verwendet. Hier ist die Abdichtung zur Dachbahn entscheidend. Die Befestigung erfolgt in der Regel verdeckt an der Blende, und die Anschlüsse müssen mit speziellen Dichtbändern oder Flüssigkunststoff versiegelt werden.

Ortgang am Flachdach

Ortgang am Pultdach

Bei einem Pultdach gibt es einen oberen und einen unteren Ortgang. Die Montage am seitlichen Ortgang erfolgt wie beim Satteldach. Der obere Abschluss (First) benötigt ein spezielles Pultdach-Firstblech, das eine sichere Überdeckung und Wasserableitung gewährleistet.

Ortgang am Gartenhaus oder Carport

Auch bei kleineren Bauten sollten Sie nicht auf Qualität verzichten. Da hier oft leichtere Konstruktionen vorliegen, ist eine sturmsichere Befestigung gemäß EN 1991-1-4 umso wichtiger, um Schäden durch Windlast zu vermeiden.

Ortgang am Gartenhaus oder Carport

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich die Montage selbst durchführen oder brauche ich einen Fachmann?

Mit handwerklichem Geschick und der Beachtung dieser Profi-Tipps ist eine Selbstmontage möglich. Arbeiten in der Höhe bergen jedoch immer ein Risiko. Wenn Sie sich unsicher sind, insbesondere bei der Einhaltung der Sicherheitsstandards, ist die Beauftragung eines Dachdeckers die sicherere Wahl.

Was passiert, wenn meine Überlappung weniger als 10 cm beträgt?

Eine geringere Überlappung erhöht das Risiko von Wassereintritt signifikant, insbesondere bei flachen Dachneigungen und in Regionen mit starkem Wind und Schlagregen. Langfristig können so schwere Bauschäden entstehen.

Muss ich die Ortgangbleche warten?

Ein fachmännisch montiertes Ortgangblech aus hochwertigem Material ist weitgehend wartungsfrei. Es empfiehlt sich jedoch, es alle paar Jahre im Rahmen einer allgemeinen Dachinspektion auf festen Sitz und eventuelle Beschädigungen zu prüfen.

Fazit: Vertrauen in eine Arbeit, die hält

Die Montage eines Ortgangblechs ist mehr als nur das Anbringen eines Metallstreifens. Es ist eine präzise Arbeit, die über die Sicherheit und Langlebigkeit Ihres Daches entscheidet. Wenn Sie auf die richtige Überlappung, hochwertige Befestigungsmaterialien und die Vermeidung typischer Fehler achten, schaffen Sie ein Ergebnis, das nicht nur professionell aussieht, sondern auch den strengen Anforderungen deutscher Baunormen gerecht wird. So können Sie sicher sein, dass Ihr Dach für viele Jahre bestens geschützt ist.

Ein solch stabiles und perfekt abgedichtetes Dach ist dann auch die beste Voraussetzung für den nächsten Schritt in eine unabhängige Energiezukunft. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie dazu passende Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen und Dacharten abgestimmt sind.

Ortgangblech Montage Profi

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Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

Mehr über ihn und die Arbeit:
Über Patrick Thoma | Mehrklicks – KI-Sichtbarkeit | Unsere Leistungen

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