Zweirichtungszähler misst falsch: Was tun bei falscher Zählerkonfiguration?

Die Photovoltaikanlage ist auf dem Dach, der Wechselrichter summt und die Sonne scheint – ein perfekter Start in die persönliche Energiewende. Doch dann der Schock: Die erste Stromrechnung ist höher als je zuvor. Dahinter steckt aber häufig ein Problem, das sich gut beheben lässt: ein falsch konfigurierter oder angeschlossener Zweirichtungszähler. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie das Problem erkennen, richtig dokumentieren und den zuständigen Messstellenbetreiber zur Korrektur auffordern.

Die zentrale Rolle des Zweirichtungszählers

Ein Zweirichtungszähler ist das Herzstück der Messung bei jeder netzgekoppelten Photovoltaikanlage. Seine Aufgabe ist es, zwei Energieströme getrennt zu erfassen:

  1. Strombezug (Kennzahl 1.8.0): Die Energiemenge, die Sie aus dem öffentlichen Netz beziehen, wenn Ihre Anlage nicht genügend Strom produziert (z. B. nachts).
  2. Stromeinspeisung (Kennzahl 2.8.0): Der überschüssige Strom, den Ihre Anlage erzeugt und in das öffentliche Netz einspeist.

Nur wenn beide Werte korrekt gemessen werden, können Sie Ihre Stromkosten senken und die Ihnen zustehende Einspeisevergütung erhalten. Ein Messfehler führt dazu, dass Ihr eingespeister Solarstrom fälschlicherweise als teuer eingekaufter Netzstrom gezählt wird. Weitere Details zur Funktionsweise finden Sie in unserem Beitrag: Was ist ein Zweirichtungszähler?

Typische Fehlerquellen: Wie kommt es zu falschen Messwerten?

Obwohl der Zählerwechsel ein Routinevorgang ist, können dabei Fehler unterlaufen. In der Praxis sind es vor allem drei Ursachen, die zu einer fehlerhaften Messung führen:

  • Falscher Anschluss (Verdrahtung): Die häufigste Ursache ist eine vertauschte Verkabelung am Zähler. Der Zähler interpretiert die Einspeisung dann als Bezug. Stellen Sie sich vor, Ihre Zapfsäule würde das Tanken als Abpumpen von Benzin werten – der Effekt ist vergleichbar.
  • Fehlerhafte Programmierung (Parametrierung): Moderne digitale Zähler müssen für ihre Aufgabe korrekt konfiguriert werden. Ein Fehler in der Software kann dazu führen, dass die Zählwerke falsch angesteuert werden.
  • Defektes Gerät: In seltenen Fällen kann der Zähler einen technischen Defekt aufweisen, der zu unplausiblen Messwerten führt.

Unabhängig von der Ursache liegt die Verantwortung für eine korrekte Messung immer beim zuständigen Messstellenbetreiber. Dies ist im Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) klar geregelt.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: So erkennen und melden Sie den Fehler

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Zähler falsch zählt, ist ein systematisches Vorgehen entscheidend. Gehen Sie die folgenden Schritte durch, um den Fehler zweifelsfrei nachzuweisen und zu melden.

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Schritt 1: Verdacht schöpfen und Daten vergleichen

Das offensichtlichste Anzeichen ist ein unerklärlich hoher Verbrauch auf Ihrer Stromrechnung oder direkt am Zähler, obwohl Ihre Photovoltaikanlage an einem sonnigen Tag Strom produziert.

Praxisbeispiel: An einem sonnigen Mittag produziert Ihre 8-kWp-Anlage laut Wechselrichter-Display oder App rund 6 kW Strom. Ihr Haushalt verbraucht aktuell nur 1 kW. Folglich sollten 5 kW eingespeist werden.

  • So sollte es sein: Das Zählwerk für die Einspeisung (Kennzahl 2.8.0) erhöht sich. Das Zählwerk für den Bezug (Kennzahl 1.8.0) steht still.
  • So sieht es bei einem Fehler aus: Das Zählwerk für den Bezug (Kennzahl 1.8.0) erhöht sich schnell, obwohl Sie Stromüberschuss haben.

Schritt 2: Beweise sichern – Die richtige Dokumentation

Damit Sie Ihre Forderung untermauern können, ist eine sorgfältige Dokumentation unerlässlich. Machen Sie an einem sonnigen Tag Fotos oder kurze Videos, die Folgendes gleichzeitig festhalten:

  • Das Display des Wechselrichters, auf dem die aktuelle Stromproduktion (in W oder kW) zu sehen ist.
  • Das Display des Stromzählers, das den schnell ansteigenden Wert für den Strombezug (Kennzahl 1.8.0) anzeigt.

Notieren Sie sich Datum und Uhrzeit. Wiederholen Sie diese Dokumentation an zwei bis drei verschiedenen Tagen, um ein klares Muster nachzuweisen.

Schritt 3: Den richtigen Ansprechpartner finden

Ihr erster Ansprechpartner ist nicht Ihr Stromanbieter, sondern der Messstellenbetreiber. Das ist in den meisten Fällen Ihr lokaler Netzbetreiber. Sie finden seinen Namen auf Ihrem Zähler und in der Regel auch auf Ihrer Stromrechnung. Falls Sie unsicher sind, hilft unser Artikel zum Unterschied zwischen Netzbetreiber und Stromanbieter weiter.

Tipp aus der Praxis: Informieren Sie auch Ihren Installateur. Oft hat dieser einen direkten Draht zum Messstellenbetreiber und kann den Prozess unterstützen. Die Verantwortung für die Fehlerbehebung liegt jedoch nicht beim Installateur, sondern allein beim Messstellenbetreiber.

Schritt 4: Den Fehler korrekt und schriftlich melden

Kontaktieren Sie den Messstellenbetreiber schriftlich (per E-Mail oder Post), um einen Nachweis zu haben. Ihre Meldung sollte folgende Informationen enthalten:

  • Ihre Kundennummer und/oder die Zählpunktbezeichnung
  • Die Zählernummer
  • Eine kurze, sachliche Beschreibung des Problems („Mein Zähler zählt Einspeisung als Bezug.“)
  • Die von Ihnen gesammelten Beweise (Fotos, Videos) als Anhang
  • Die Bitte um eine schnellstmögliche Überprüfung und Korrektur des Fehlers
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Was passiert nach der Meldung? Der Korrekturprozess

Nach Ihrer Meldung wird der Messstellenbetreiber einen Techniker beauftragen, den Zähleranschluss zu überprüfen. Stellt der Techniker einen Fehler fest, wird er ihn vor Ort beheben.

Anschließend ist der Betreiber verpflichtet, Ihre fehlerhaften Rechnungen zu korrigieren. Hierfür werden die Zählerstände rechnerisch korrigiert und Sie erhalten eine Gutschrift. Dieser Prozess kann einige Wochen in Anspruch nehmen. Bleiben Sie hartnäckig, aber höflich. Sie sind im Recht.

Vorbeugung: Probleme von Anfang an vermeiden

Die beste Strategie ist, Fehler gar nicht erst entstehen zu lassen. Obwohl die Verantwortung beim Netzbetreiber liegt, können Sie selbst zur Qualitätssicherung beitragen.

  • Seien Sie beim Zählerwechsel anwesend: Wenn möglich, nehmen Sie sich für den Termin Zeit.
  • Lassen Sie sich die Zählerstände erklären: Bitten Sie den Techniker, Ihnen kurz die Anzeigen für Bezug (1.8.0) und Einspeisung (2.8.0) zu zeigen.
  • Führen Sie einen ersten Test durch: Prüfen Sie am ersten sonnigen Tag nach der Inbetriebnahme, ob der Zähler wie erwartet die Einspeisung erfasst. Der Prozess der Inbetriebnahme ist ein wichtiger Teil beim Projekt Photovoltaik anmelden.

Diese kleinen Maßnahmen können Ihnen viel Zeit und Ärger ersparen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer ist für den Austausch und die Funktion des Zählers verantwortlich?

Ausschließlich der grundzuständige Messstellenbetreiber – in der Regel Ihr lokaler Netzbetreiber. Er ist gesetzlich dazu verpflichtet, für eine korrekte Messung zu sorgen.

Was kostet mich die Überprüfung und Korrektur des Zählers?

Wenn der Fehler beim Messstellenbetreiber oder dessen Beauftragten liegt (z. B. falscher Anschluss), ist die Behebung für Sie kostenlos.

Mein alter Ferraris-Zähler zählt bei Sonnenschein rückwärts. Ist das erlaubt?

Nein, das Rückwärtslaufen eines Zählers ist in Deutschland nicht zulässig und gilt als Steuerhinterziehung. Ein Zweirichtungszähler ist für den Betrieb einer PV-Anlage mit Einspeisung zwingend erforderlich.

Wie lange dauert es, bis das Problem behoben und meine Rechnung korrigiert ist?

Die Erfahrung zeigt, dass die technische Korrektur vor Ort meist innerhalb von zwei bis vier Wochen erfolgt. Die buchhalterische Korrektur der Rechnungen kann sich jedoch über mehrere Monate hinziehen. Regelmäßiges, freundliches Nachfragen kann den Prozess beschleunigen.


Ein falsch zählender Stromzähler ist ärgerlich, aber kein unlösbares Problem. Mit einer systematischen Vorgehensweise und der richtigen Dokumentation können Sie Ihr Recht auf eine korrekte Messung erfolgreich durchsetzen.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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