Zeitplan für den Netzanschluss: Wie lange dauert die Anmeldung einer PV-Anlage wirklich?

Die Solarmodule sind auf dem Dach, die Sonne scheint – man könnte meinen, das Stromsparen kann sofort beginnen. Doch bevor Ihre Photovoltaikanlage offiziell Strom ins Netz einspeisen und Ihre Stromrechnung senken darf, steht zunächst ein administrativer Prozess an. Die Dauer dieses Weges durch Anträge und Registrierungen ist oft der am schwersten einzuschätzende Teil des gesamten Projekts. Dieser Artikel gibt Ihnen einen realistischen Überblick über die einzelnen Schritte und die Zeit, die Sie dafür einplanen sollten.

Der Weg zum Netzanschluss: Ein Überblick über die Phasen

Die Anmeldung einer PV-Anlage ist kein einzelner Akt, sondern eine Abfolge von Schritten, an denen verschiedene Akteure beteiligt sind: Sie als Anlagenbetreiber, Ihr Installationsbetrieb und der lokale Netzbetreiber. Der Prozess lässt sich grob in vier Phasen unterteilen.

Phase 1: Vorbereitung und Antragstellung

Noch bevor der erste Handwerker Ihr Dach betritt, beginnt der administrative Prozess. Gemeinsam mit Ihrem Fachbetrieb stellen Sie ein sogenanntes Netzanschlussbegehren (NAB) bei Ihrem zuständigen Netzbetreiber. Dieser Antrag enthält alle technischen Daten der geplanten Anlage.

  • Dauer: 1 bis 2 Wochen für die Zusammenstellung der Unterlagen.

Phase 2: Prüfung und Netzanschlusszusage

Nach Eingang Ihres Antrags prüft der Netzbetreiber, ob das lokale Stromnetz die zusätzliche Einspeisung bewältigen kann. Diese Netzverträglichkeitsprüfung ist ein entscheidender Schritt. Nach positiver Prüfung erhalten Sie die offizielle Anschlusszusage.

  • Dauer: Gesetzlich hat der Netzbetreiber dafür bis zu acht Wochen Zeit.
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Phase 3: Installation und Inbetriebnahme

Mit der Zusage in der Hand kann die eigentliche Montage der Anlage beginnen. Ist die Installation abgeschlossen, nimmt ein zertifizierter Elektriker die Anlage technisch in Betrieb und erstellt das für die weiteren Schritte unerlässliche Inbetriebnahmeprotokoll.

  • Dauer: Die Installation selbst dauert je nach Anlagengröße oft nur 2 bis 5 Tage.

Phase 4: Registrierung und finale Anmeldung

Die letzte Phase ist rein bürokratisch. Ihre Anlage muss im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur registriert werden. Anschließend meldet Ihr Installateur dem Netzbetreiber die endgültige Fertigstellung, woraufhin dieser den Zähler tauscht oder anpasst. Erst danach dürfen Sie offiziell Strom einspeisen.

  • Dauer: 1 bis 4 Wochen nach der technischen Inbetriebnahme.

Realistische Zeitfenster: Was die Erfahrung zeigt

Die gesetzliche Frist von acht Wochen für die Netzanschlusszusage ist ein guter Richtwert, wird in der Praxis aber nicht immer eingehalten. Die hohe Nachfrage nach Photovoltaikanlagen hat viele Netzbetreiber an ihre Kapazitätsgrenzen gebracht.

Der „Branchenreport Solar 2023“ zeigt: Bei rund 60 % der Anlagen für Einfamilienhäuser dauert der gesamte Prozess von der ersten Anfrage bis zur finalen Inbetriebnahme zwischen drei und sechs Monaten. Besonders die Wartezeit auf die Zusage des Netzbetreibers (Phase 2) und den Zählertausch (Teil von Phase 4) können zu deutlichen Verzögerungen führen.

Ein typisches Szenario für ein Einfamilienhaus: Ein Hausbesitzer plant eine 10-kWp-Anlage und stellt den Antrag im März. Die Zusage vom Netzbetreiber lässt bis Ende Mai auf sich warten. Die Installation erfolgt zwar im Juni, doch der Termin für den Zählertausch kann erst für Juli vereinbart werden. Somit läuft die Anlage erst vier Monate nach der Antragsstellung offiziell. Das Beispiel zeigt, wie entscheidend eine frühzeitige Planung ist, um solche Wartezeiten abzufedern.

Häufige Stolpersteine und wie Sie diese vermeiden können

Verzögerungen sind ärgerlich, aber nicht immer unvermeidbar. Mit guter Vorbereitung können Sie die häufigsten Probleme jedoch umschiffen und den Prozess beschleunigen.

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Unvollständige Unterlagen

Der häufigste Grund für Rückfragen und Verzögerungen sind fehlende oder fehlerhafte Dokumente im Netzanschlussbegehren.

  • Praxistipp: Arbeiten Sie mit einem erfahrenen Fachbetrieb zusammen. Dieser kennt die Anforderungen des lokalen Netzbetreibers und stellt sicher, dass alle Unterlagen von Beginn an vollständig sind. Eine Checkliste kann hier Gold wert sein.

Überlastete Netzbetreiber

Die Mitarbeiter bei den Netzbetreibern bearbeiten täglich hunderte Anträge. Hier ist Geduld gefragt, doch proaktives Handeln kann helfen.

  • Praxistipp: Reichen Sie den Antrag so früh wie möglich ein, idealerweise schon in der Planungsphase. Fragen Sie nach etwa zwei Wochen höflich nach dem Bearbeitungsstand. Das signalisiert Ihr Interesse und sorgt dafür, dass Ihr Antrag nicht in der Masse untergeht.

Technische Komplikationen

Manchmal stellt der Netzbetreiber bei der Prüfung fest, dass der Hausanschluss verstärkt werden muss. Das kann zu unvorhergesehenen Kosten und Zeitverzögerungen führen.

  • Praxistipp: Ein qualifizierter Elektriker, der Ihre Solaranlage professionell installiert und den Zustand des Hausanschlusses vorab prüft, kann dieses Risiko erheblich minimieren.

Sonderfall Balkonkraftwerk: Der vereinfachte Prozess

Für kleine Steckersolargeräte, auch Balkonkraftwerke genannt, hat der Gesetzgeber den Prozess deutlich verschlankt. Sie müssen nicht auf eine Genehmigung des Netzbetreibers warten.

Die Anmeldung erfolgt in zwei einfachen Schritten:

  1. Registrierung im Marktstammdatenregister (MaStR): Dies können Sie online in wenigen Minuten selbst erledigen.
  2. Meldung an den Netzbetreiber: Die meisten Netzbetreiber bieten hierfür ein einfaches Online-Formular an.

Der gesamte Prozess dauert oft weniger als eine Woche. Die vereinfachte Anmeldung von Balkonkraftwerken macht sie zu einer idealen Lösung für Mieter und Eigentümer, die schnell und unkompliziert eigenen Solarstrom erzeugen möchten.

Ein praktisches Beispiel: Ein Mieter kauft ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt. Nach der einfachen Montage am Balkongeländer registriert er die Anlage online im MaStR und füllt das Formular auf der Webseite seines Stromanbieters aus. Oft ist der gesamte Prozess innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen und die Anlage kann legal Strom produzieren.

FAQ – Ihre Fragen zur Anmeldung beantwortet

Muss ich die Anlage selbst anmelden?

Normalerweise übernimmt Ihr Installationsbetrieb die Kommunikation mit dem Netzbetreiber. Für die korrekte Registrierung im Marktstammdatenregister sind Sie als zukünftiger Anlagenbetreiber jedoch rechtlich verantwortlich. Die meisten Fachbetriebe bieten aber auch hier ihre Unterstützung an.

Was passiert, wenn ich die Fristen versäume?

Eine verspätete oder fehlende Anmeldung kann Konsequenzen haben. Für Strom, den Sie vor der offiziellen Anmeldung einspeisen, verlieren Sie den Anspruch auf die Einspeisevergütung. Im schlimmsten Fall können Bußgelder verhängt werden.

Kann der Netzbetreiber meinen Anschluss ablehnen?

Eine Ablehnung ist sehr selten und nur bei schwerwiegenden technischen Gründen möglich, etwa wenn das Stromnetz nachweislich überlastet wäre. Stattdessen wird der Netzbetreiber in der Regel technische Auflagen machen, wie zum Beispiel eine Verstärkung des Netzanschlusses.

Wie unterscheidet sich die Anmeldung mit und ohne Speicher?

Der Prozess ist grundsätzlich identisch. Wenn Sie eine Photovoltaikanlage mit Speicher planen, muss dieser ebenfalls im Antrag und im Marktstammdatenregister angegeben werden. Der administrative Aufwand ist nur geringfügig höher.

Fazit: Geduld und gute Planung sind der Schlüssel

Die Anmeldung einer PV-Anlage ist ein planbarer Prozess, der jedoch Zeit in Anspruch nimmt. Rechnen Sie von der ersten Anfrage bis zum laufenden Betrieb realistisch mit drei bis sechs Monaten. Eine sorgfältige Auswahl des Fachbetriebs, die frühzeitige Einreichung vollständiger Unterlagen und eine proaktive Kommunikation sind entscheidend, um unnötige Verzögerungen zu vermeiden. Mit der richtigen Planung wird der Weg zum eigenen Solarstrom zu einer überschaubaren Etappe auf dem Weg zu mehr Unabhängigkeit und niedrigeren Energiekosten.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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