Der Zählerschrank für die PV-Anlage: Anforderungen, Umbau und Technik

Die Entscheidung für eine Photovoltaikanlage ist gefallen, die Module sind gewählt, der Wechselrichter ausgesucht. Doch ein Bauteil gerät bei der Planung oft aus dem Blickfeld: der Zählerschrank. Als unscheinbares Herzstück Ihrer Hauselektrik entscheidet er maßgeblich darüber, ob Ihre neue PV-Anlage schnell und sicher ans Netz gehen kann. Ein veralteter oder zu kleiner Schrank kann die Installation verzögern und unerwartete Kosten verursachen.

Deshalb beleuchten wir, welche modernen Anforderungen für Zählerschränke gelten, wann ein Umbau unumgänglich ist und welche Komponenten für den Betrieb einer PV-Anlage entscheidend sind.

Warum der Zählerschrank bei der PV-Planung so wichtig ist

Der Zählerschrank, auch Verteilerkasten genannt, ist die zentrale Schnittstelle zwischen dem öffentlichen Stromnetz und Ihrer Hausinstallation. Hier laufen alle Fäden zusammen: der ankommende Strom vom Energieversorger, die Verteilung auf die einzelnen Stromkreise im Haus und – mit einer PV-Anlage – der selbst erzeugte Solarstrom, der entweder verbraucht oder ins Netz eingespeist wird.

Für den Betrieb einer Photovoltaikanlage muss der Zählerschrank nicht nur den Strom verteilen, sondern auch neue, wichtige Aufgaben übernehmen:

  • Messung in zwei Richtungen: Er muss erfassen, wie viel Strom Sie aus dem Netz beziehen und wie viel Sie einspeisen.
  • Sicherheit gewährleisten: Er schützt Ihre Anlage und Ihr Haus vor Überspannungen und Kurzschlüssen.
  • Vorgaben erfüllen: Er muss den Technischen Anschlussbedingungen (TAB) Ihres Netzbetreibers entsprechen, damit die Anlage überhaupt in Betrieb genommen werden darf.

Ein moderner Zählerschrank ist also die Grundvoraussetzung, wenn Sie eine Photovoltaik Anlage planen und langfristig sicher betreiben wollen.

Die aktuellen Normen: Was ein moderner Zählerschrank können muss

Für Neuanlagen und größere Umbauten legt die Anwendungsregel VDE-AR-N 4100 die grundlegenden Anforderungen an Zählerschränke fest. Diese Norm sorgt für einen einheitlichen und sicheren Standard in ganz Deutschland. Die wichtigsten Anforderungen für den Betrieb mit einer PV-Anlage sind:

1. Ausreichend Platz und definierte Bereiche

Moderne Zählerschränke sind in mehrere Bereiche aufgeteilt, um Übersichtlichkeit und Sicherheit zu gewährleisten. Die beiden wichtigsten sind:

  • Technischer Anschlussraum (TAR): Dies ist ein reservierter Bereich im oberen Teil des Schranks. Er muss genügend Platz für die Hauptsicherungen (SLS-Schalter) und gegebenenfalls weitere Geräte des Netzbetreibers bieten.
  • Abschlusspunkt Zählerplatz (APZ): Ein separates, abgedichtetes Feld, meist unten im Schrank. Hier wird die Kommunikationstechnik für ein intelligentes Messsystem (Smart Meter Gateway) untergebracht, das für Anlagen über 7 kWp oft vorgeschrieben ist.
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2. Obligatorischer Überspannungsschutz (SPD)

Ein Überspannungsschutz (Surge Protective Device, SPD) ist seit 2018 für Neuanlagen Pflicht. Er schützt Ihre empfindliche Elektronik – vom Wechselrichter über den Fernseher bis zum Computer – vor Schäden durch Blitzeinschläge in der Nähe oder Spannungsschwankungen im Netz. In der Regel wird ein Kombiableiter vom Typ 1+2 verbaut.

3. Selektiver Hauptleitungsschutzschalter (SLS-Schalter)

Anstelle der alten Panzersicherungen wird heute ein SLS-Schalter eingesetzt. Er bietet den Vorteil, dass er bei einem Kurzschluss selektiv auslöst, also nur den betroffenen Bereich abschaltet, und sich von Laien einfach wieder einschalten lässt. Zudem ist er durch den Netzbetreiber verplombbar.

Woran Sie erkennen, dass Ihr Zählerschrank umgebaut werden muss

Nicht jeder ältere Zählerschrank muss sofort ersetzt werden. Es gibt jedoch klare Anzeichen, die einen Umbau oder Austausch unumgänglich machen. Prüfen Sie Ihren Schrank anhand der folgenden Punkte:

  • Alter und Bauart: Schränke, die vor ca. 2015 installiert wurden, entsprechen oft nicht mehr den aktuellen Normen. Insbesondere Modelle mit einer schwarzen Rückwand aus Bakelit oder Stoff müssen aus Brandschutzgründen immer getauscht werden.
  • Fehlende separate Bereiche (TAR/APZ): Wenn Ihr Schrank nur ein einziges großes Feld hat, in dem Zähler und Sicherungen zusammen untergebracht sind, fehlt der geforderte Platz für die Technik des Netzbetreibers.
  • Kein Platz für neue Komponenten: Für den PV-Betrieb wird zusätzlich Platz für den Zweirichtungszähler, den Überspannungsschutz und die Sicherungen des Wechselrichters benötigt. Ist der Schrank bereits voll belegt, ist ein Austausch unumgänglich.
  • Drehstromzähler auf einer Platte: Alte Zähler, die auf einer schwarzen Montageplatte montiert sind (sogenannte „Dreipunkt-Befestigung“), sind nicht mehr zulässig und müssen durch moderne Zähler auf einer Hutschiene ersetzt werden.

Praxisbeispiel

In einem Haus aus den 1990er Jahren ist oft ein kleiner Zählerschrank ohne separaten Anschlussraum (TAR) verbaut. Selbst wenn technisch noch Platz wäre, verweigert der Netzbetreiber hier häufig den Anschluss einer PV-Anlage, da für den SLS-Schalter und den Smart Meter kein normgerechter Platz vorhanden ist. In diesem Fall ist ein kompletter Austausch unumgänglich.

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Die neue Technik im Zählerschrank: Ein Überblick

Wenn Ihr Zählerschrank für die PV-Anlage fit gemacht wird, kommen einige neue Komponenten hinzu. Die wichtigsten sind:

  • Zweirichtungszähler: Dieses Gerät ist das Herzstück der Messung. Es besitzt zwei separate Zählwerke: eines für den Strom, den Sie aus dem Netz beziehen (Bezug), und eines für den überschüssigen Solarstrom, den Sie ins Netz einspeisen (Einspeisung). Der Netzbetreiber stellt diesen Zähler zur Verfügung.
  • Überspannungsschutz: Wie bereits erwähnt, schützt dieser Baustein Ihre Investition. Er wird direkt nach dem Zählerplatz installiert und leitet gefährliche Spannungsspitzen sicher zur Erde ab.
  • Zusätzliche Sicherungen: Der Wechselrichter wird über einen eigenen Stromkreis an den Zählerschrank angeschlossen und mit einem separaten Leitungsschutzschalter (Sicherungsautomat) abgesichert.

Ablauf und Kosten für den Umbau des Zählerschranks

Der Umbau des Zählerschranks ist eine größere Investition, die bei der Budgetplanung berücksichtigt werden muss. Die Kosten variieren je nach Aufwand.

  • Einfache Nachrüstung: Muss lediglich ein Überspannungsschutz nachgerüstet werden, liegen die Kosten meist bei 300 bis 500 €.
  • Kompletter Austausch: Ein vollständiger Austausch eines alten Zählerschranks gegen ein modernes Modell inklusive aller Komponenten kostet je nach Größe und Aufwand zwischen 1.500 und 3.000 €.

Diese Ausgaben sind ein wesentlicher Teil der gesamten Kosten einer Photovoltaikanlage und sollten frühzeitig eingeplant werden.

Der Ablauf ist klar geregelt:

  1. Bestandsaufnahme: Ein qualifizierter Elektrofachbetrieb prüft Ihren aktuellen Zählerschrank.
  2. Planung & Anmeldung: Der Elektriker plant den neuen Schrank nach den Vorgaben Ihres Netzbetreibers und meldet den Umbau an.
  3. Umsetzung: Der Austausch selbst dauert in der Regel einen Arbeitstag. Während dieser Zeit wird der Strom im Haus für einige Stunden abgestellt.
  4. Abnahme: Nach der Installation nimmt der Netzbetreiber oder der Elektriker die Anlage ab und der neue Zähler wird installiert.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Kann ich den Zählerschrank selbst umbauen?
Nein, auf keinen Fall. Arbeiten am Zählerschrank dürfen ausschließlich von einem eingetragenen Elektrofachbetrieb durchgeführt werden. Nur dieser ist berechtigt, die Anlage beim Netzbetreiber anzumelden und die Plomben am Zähler zu entfernen und wieder anzubringen.

Ist ein Umbau auch für ein kleines Balkonkraftwerk notwendig?
In der Regel nicht. Für ein Balkonkraftwerk ist meist nur der Austausch des alten Stromzählers gegen einen modernen Zähler mit Rücklaufsperre oder einen Zweirichtungszähler erforderlich. Ein kompletter Umbau des Schranks ist hier nicht nötig.

Wer entscheidet final, ob mein Zählerschrank umgebaut werden muss?
Die finale Entscheidung trifft Ihr Elektrofachbetrieb in Absprache mit dem zuständigen Netzbetreiber. Der Elektriker kennt die spezifischen Technischen Anschlussbedingungen (TAB) des Betreibers und stellt sicher, dass alle Vorgaben erfüllt werden.

Wie lange dauert der Umbau des Zählerschranks?
Der eigentliche Austausch des Schranks dauert meist nur einen Tag. Die Vorlaufzeit für Planung, Materialbeschaffung und Terminabstimmung mit dem Netzbetreiber kann jedoch mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Fazit: Eine Investition in Sicherheit und Zukunft

Der Zählerschrank ist mehr als nur ein Blechkasten an der Wand. Er ist die sicherheitsrelevante Schaltzentrale Ihrer Energieversorgung und eine unverzichtbare Komponente für den Betrieb einer modernen PV-Anlage. Eine frühzeitige Prüfung durch einen Fachmann bewahrt Sie vor unliebsamen Überraschungen und sorgt dafür, dass Ihr Weg in die Unabhängigkeit mit Solarstrom auf einem soliden und sicheren Fundament beginnt.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten und zur Planung Ihrer Anlage finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Wenn Sie bereits konkrete Vorstellungen haben, bietet der Shop von Photovoltaik.info Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen und Anforderungen abgestimmt sind.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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