Wechsel des Messstellenbetreibers: So optimieren Sie Ihre PV-Anlage

Ihre Photovoltaikanlage ist installiert, der erste Solarstrom fließt – und Sie freuen sich über Ihre wachsende Unabhängigkeit. Doch dann entdecken Sie eine separate Rechnung oder einen Posten auf Ihrer Stromrechnung für den „Messstellenbetrieb“ und fragen sich vielleicht: Muss das so sein? Viele PV-Anlagenbetreiber gehen davon aus, dass der zuständige Dienstleister für den Zähler – der Messstellenbetreiber – eine feste Größe ist. Dabei haben Sie die Wahl. Ein Wechsel kann nicht nur Kosten sparen, sondern auch die Funktionalität Ihrer gesamten Anlage verbessern.

Dieser Beitrag zeigt, warum das Thema Messstellenbetreiber gerade für Sie als Besitzer einer Photovoltaikanlage wichtig ist, wie der Wechsel funktioniert und welche Vorteile Sie daraus ziehen können.

Wer ist der Messstellenbetreiber und warum ist er wichtig?

Der Messstellenbetreiber ist das Unternehmen, das für Einbau, Betrieb, Wartung und Ablesung Ihres Stromzählers verantwortlich ist. Er stellt sicher, dass Ihr Stromverbrauch und die Einspeisung Ihrer PV-Anlage korrekt erfasst werden. Obwohl er oft mit dem Netzbetreiber oder Stromanbieter verwechselt wird, stellt er eine eigenständige Marktrolle dar.

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Arten von Messstellenbetreibern:

  1. Der grundzuständige Messstellenbetreiber (gMSB): In der Regel ist das Ihr lokaler Netzbetreiber (z. B. die örtlichen Stadtwerke). Wenn Sie nichts unternehmen, wird der Messstellenbetrieb automatisch von ihm übernommen.

  2. Der wettbewerbliche Messstellenbetreiber (wMSB): Das sind unabhängige Unternehmen, die ihre Dienste auf dem freien Markt anbieten. Sie als Kunde können frei zu einem solchen Anbieter wechseln.

Die gesetzliche Grundlage für diese Regelungen bildet das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG). Es soll die Digitalisierung der Energiewende vorantreiben und den Wettbewerb im Bereich der Zählertechnik fördern.

Gründe für einen Wechsel: Wann lohnt es sich für PV-Anlagenbetreiber?

Für Haushalte ohne eigene Stromerzeugung ist der Messstellenbetrieb oft nur ein kleiner Kostenfaktor, doch mit einer PV-Anlage gewinnt das Thema entscheidend an Bedeutung. Wir zeigen die wichtigsten Gründe, warum sich ein genauerer Blick lohnt.

Kostenersparnis als Hauptmotiv

Mit der Installation einer PV-Anlage wird oft auch der Zähler modernisiert. Gesetzlich ist ab einer Anlagengröße von über 7 kWp der Einbau eines intelligenten Messsystems (iMSys), auch Smart Meter genannt, vorgeschrieben. Für kleinere Anlagen genügt eine moderne Messeinrichtung (mME).

Für den Betrieb dieser Zähler darf der grundzuständige Messstellenbetreiber gesetzlich festgelegte Preisobergrenzen berechnen. Diese liegen für eine mME bei 20 € pro Jahr und für ein iMSys je nach Verbrauch oder Erzeugungsleistung zwischen 23 € und 130 € pro Jahr. Die Praxis zeigt: Wettbewerbliche Anbieter unterbieten diese Preise oft deutlich. Eine Ersparnis von 20 bis 40 % pro Jahr ist keine Seltenheit und kann sich über die Lebensdauer der PV-Anlage erheblich summieren.

Praxisbeispiel: Ein Vierpersonenhaushalt mit einer 8-kWp-Anlage benötigt ein intelligentes Messsystem. Der grundzuständige Betreiber berechnet dafür die gesetzliche Obergrenze von 100 € pro Jahr. Ein wettbewerblicher Anbieter bietet den gleichen Service für 70 € an. Über 20 Jahre ergibt sich eine Ersparnis von 600 €.

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Bessere Daten und Visualisierung

Für technisch versierte Anlagenbetreiber liegt hier vielleicht der größte Vorteil. Während Standardlösungen oft nur die gesetzlich geforderten Daten liefern, bieten viele wettbewerbliche Messstellenbetreiber fortschrittliche Kundenportale oder Smartphone-Apps an.

So können Sie Ihre Energieflüsse in Echtzeit verfolgen:

  • Wie viel Strom erzeugt meine Anlage gerade?
  • Wie hoch ist mein aktueller Hausverbrauch?
  • Wie viel Strom speise ich ins Netz ein oder beziehe ich daraus?

Diese Transparenz ist die Grundlage, um den Eigenverbrauch zu optimieren. Sie erkennen Stromfresser im Haushalt und können Großverbraucher wie die Waschmaschine oder das E-Auto gezielt dann starten, wenn die Sonne scheint.

Integration in ein Smart-Home-System

Einige wettbewerbliche Messstellenbetreiber gehen noch einen Schritt weiter und bieten Schnittstellen (APIs) an, mit denen sich die Zählerdaten direkt in ein bestehendes Energiemanagement- oder Smart-Home-System einbinden lassen. Das ermöglicht eine vollautomatische Steuerung Ihrer Verbraucher und maximiert so Ihre Autarkie. Ihr System kann beispielsweise automatisch die Wärmepumpe aktivieren, wenn ein Solarstromüberschuss vorhanden ist.

Der Wechselprozess Schritt für Schritt erklärt

Ein Wechsel des Messstellenbetreibers klingt komplizierter, als er ist. In der Regel übernimmt der neue Anbieter den Großteil der Arbeit für Sie.

  1. Den passenden Anbieter finden

Recherchieren Sie online nach wettbewerblichen Messstellenbetreibern. Achten Sie dabei nicht nur auf den Preis, sondern auch auf den Funktionsumfang (z. B. App-Visualisierung, Datenschnittstellen) und die Vertragslaufzeiten. Viele Kunden entscheiden sich für Anbieter, die eine intuitive und transparente Datenaufbereitung bieten.

  1. Den neuen Vertrag abschließen

Haben Sie einen passenden Anbieter gefunden, schließen Sie direkt mit diesem einen Vertrag ab. Im Rahmen des Vertragsabschlusses erteilen Sie ihm die Vollmacht, die Kündigung bei Ihrem alten Messstellenbetreiber vorzunehmen.

  1. Kündigung und Koordination

Ihr neuer Anbieter kündigt den Vertrag mit Ihrem bisherigen Betreiber (dem gMSB) und stimmt den Wechseltermin ab. Die Kündigungsfrist beträgt in der Regel einen Monat.

  1. Zählerwechsel und Installation

Ist ein physischer Zählertausch notwendig, vereinbart der neue Messstellenbetreiber einen Termin mit Ihnen oder einem beauftragten Techniker. Der Austausch selbst dauert meist nicht länger als eine Stunde.

  1. Kommunikation mit dem Netzbetreiber

Sie müssen sich um nichts kümmern. Der neue Messstellenbetreiber ist gesetzlich verpflichtet, die relevanten Messdaten an Ihren Netzbetreiber und Ihren Stromlieferanten weiterzuleiten. Sowohl Ihre Einspeisevergütung als auch Ihr Stromliefervertrag bleiben vom Wechsel völlig unberührt.

FAQ – Ihre Fragen zum Messstellenbetreiberwechsel beantwortet

Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen, die im Zusammenhang mit dem Wechsel aufkommen.

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Wer ist mein aktueller Messstellenbetreiber?

Diese Information finden Sie entweder auf Ihrer Stromrechnung oder in einem separaten Schreiben, das Sie nach der Installation des Zählers erhalten haben. In den meisten Fällen ist es der lokale Netzbetreiber Ihrer Stadt oder Gemeinde.

Muss ich für meine PV-Anlage auf ein intelligentes Messsystem umrüsten?

Das Gesetz sieht einen gestaffelten Rollout vor. Für Neuanlagen mit einer Leistung von über 7 kWp ist ein intelligentes Messsystem sofort verpflichtend. Bei Anlagen zwischen 1 und 7 kWp kann der Messstellenbetreiber den Einbau anordnen, den Sie dann akzeptieren müssen. Unter 1 kWp (z. B. Balkonkraftwerke) ist keine Umrüstung vorgesehen.

Wie lange dauert ein Wechsel?

Von der Beauftragung bis zur Übernahme durch den neuen Betreiber dauert der gesamte Prozess in der Regel vier bis zwölf Wochen. Dies hängt von den Kündigungsfristen und der Koordination zwischen den beteiligten Unternehmen ab.

Ändert sich etwas an meinem Stromvertrag oder der Einspeisevergütung?

Nein. Der Messstellenbetrieb ist vertraglich völlig unabhängig von Ihrem Stromliefervertrag und Ihrem Anspruch auf Einspeisevergütung. Diese beiden Verträge laufen unverändert weiter.

Wer ist mein Ansprechpartner bei Störungen?

Das hängt von der Art der Störung ab. Bei Problemen mit dem Zähler selbst (z. B. defektes Display) ist Ihr neuer Messstellenbetreiber zuständig. Bei einem Stromausfall, der den gesamten Straßenzug betrifft, bleibt weiterhin der Netzbetreiber Ihr Ansprechpartner.

Fazit: Mehr Kontrolle und Effizienz für Ihre Photovoltaikanlage

Die Wahl des Messstellenbetreibers ist ein oft übersehener, aber wirkungsvoller Hebel, um Ihre Photovoltaikanlage zu optimieren. Ein Wechsel vom grundzuständigen zu einem wettbewerblichen Anbieter senkt nicht nur die jährlichen Betriebskosten, sondern liefert Ihnen vor allem wertvolle Daten. Diese Transparenz über Erzeugung und Verbrauch ist der Schlüssel, um den Eigenverbrauch zu maximieren und Ihre Unabhängigkeit vom Stromnetz weiter zu steigern.

Nutzen Sie Ihr Recht auf freie Wahl und holen Sie das Beste aus Ihrer Solaranlage heraus. Auf Photovoltaik.info finden Sie nicht nur das nötige Wissen für fundierte Entscheidungen, sondern auch passende Komplettsets und Zubehör für eine moderne, intelligente Energiemessung.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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