PV-Anlage mit Bausparvertrag finanzieren: Eine oft übersehene Chance

Viele Eigenheimbesitzer haben über Jahre in einen Bausparvertrag eingezahlt, oft als solide Grundlage für zukünftige Renovierungen oder den Kauf einer Immobilie. Wenn dieser Vertrag nun kurz vor der Zuteilung steht, stellt sich die Frage: Wofür lassen sich das angesparte Kapital und das zinsgünstige Darlehen am besten einsetzen? Die Installation einer Photovoltaikanlage ist eine ebenso clevere wie naheliegende Antwort, die viele jedoch nicht sofort im Blick haben.
Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie Ihren Bausparvertrag gezielt für den Schritt in die solare Unabhängigkeit nutzen können, welche Voraussetzungen dafür gelten und wie sich diese Option im Vergleich zu einem klassischen KfW-Förderkredit schlägt.
Kann man eine PV-Anlage mit einem Bausparvertrag finanzieren?
Kurz gesagt: Ja, in den meisten Fällen ist das problemlos möglich. Der entscheidende Punkt ist die sogenannte „wohnwirtschaftliche Verwendung“. Bausparkassen dürfen Darlehen nur für Maßnahmen vergeben, die dem Bau, dem Kauf oder der Modernisierung von Wohnimmobilien dienen.
Eine fest auf dem Dach oder an der Fassade installierte Photovoltaikanlage gilt rechtlich als wesentlicher Bestandteil des Gebäudes. Sie steigert den Wert der Immobilie und dient der Energieversorgung des Wohnhauses. Und damit erfüllt sie die Kriterien für eine wohnwirtschaftliche Verwendung.
Praxisbeispiel: Eine Familie in einem Einfamilienhaus möchte ihre Stromkosten senken und eine 10-kWp-Anlage inklusive Stromspeicher installieren. Ihr Bausparvertrag, den sie vor zehn Jahren abgeschlossen hat, ist nun zuteilungsreif. Sie kann sowohl das angesparte Guthaben als auch das zinsgünstige Bauspardarlehen nutzen, um die gesamten Investitionskosten von rund 20.000 Euro zu decken.
Die Voraussetzungen: Wann ist der Bausparvertrag einsatzbereit?
Bevor Sie das Darlehen abrufen können, muss Ihr Bausparvertrag „zuteilungsreif“ sein. Das ist der Moment, in dem die Bausparkasse Ihnen das angesparte Geld und das Darlehen zur Verfügung stellt. In der Regel müssen dafür zwei Bedingungen erfüllt sein.
Das Mindestsparguthaben erreichen
Üblicherweise müssen zwischen 40 und 50 % der vereinbarten Bausparsumme angespart sein. Bei einer Bausparsumme von 30.000 Euro wären das also 12.000 bis 15.000 Euro an eigenem Guthaben. Die genaue Höhe ist in Ihrem Vertrag festgelegt.
Die Bewertungszahl als entscheidender Faktor
Die Bewertungszahl ist eine Kennzahl der Bausparkasse, die Ihre Sparleistung über die Vertragslaufzeit bewertet. Je länger und regelmäßiger Sie gespart haben, desto höher ist diese Zahl. Erreicht sie den von der Bausparkasse festgelegten Mindestwert, kommt Ihr Vertrag in den Pool der zuteilungsreifen Verträge. Die Vergabe der Darlehen erfolgt dann in der Reihenfolge der Bewertungszahlen.
Die Zuteilung annehmen oder verschieben?
Sobald Ihr Vertrag zuteilungsreif ist, informiert Sie die Bausparkasse. Sie haben dann die Wahl, die Zuteilung anzunehmen und das Darlehen für Ihre PV-Anlage zu beantragen. Falls Sie das Geld erst später benötigen, können Sie die Zuteilung auch verschieben. Die Erfahrung zeigt, dass viele Nutzer die Zuteilung als willkommenen Anlass sehen, um lang geplante Modernisierungen wie die Installation einer Solaranlage endlich umzusetzen.
Bausparvertrag vs. KfW-Kredit: Ein direkter Vergleich für Ihre PV-Anlage
Die bekannteste Alternative zum Bauspardarlehen ist der KfW-Kredit „Erneuerbare Energien – Standard (270)“. Beide Finanzierungswege haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile.
Zinssicherheit beim Bauspardarlehen
Der entscheidende Vorteil eines Bausparvertrags liegt in der Zinssicherheit. Der Darlehenszinssatz wird bereits bei Vertragsabschluss festgelegt und bleibt über die gesamte Laufzeit unverändert. In Zeiten steigender oder schwankender Zinsen bietet das eine unschätzbare Planungssicherheit. Sie wissen heute schon ganz genau, welche monatliche Rate Sie in fünf oder zehn Jahren zahlen werden.
Flexibilität und niedrige Zinsen beim KfW-Kredit 270
Die KfW-Förderung für Photovoltaik punktet oft mit tagesaktuell sehr günstigen Zinsen, die je nach Marktlage sogar unter denen eines alten Bausparvertrags liegen können. Zudem bietet die KfW tilgungsfreie Anlaufjahre, in denen Sie nur die Zinsen zahlen. Das kann die finanzielle Belastung in der Anfangsphase reduzieren. Allerdings sind die Zinsen hier in der Regel nur für fünf oder zehn Jahre festgeschrieben, was ein Zinsänderungsrisiko für die Anschlussfinanzierung birgt.
Nebenkosten und Abschlussgebühren
Beim Abschluss eines Bausparvertrags fällt eine einmalige Gebühr an, die meist zwischen 1,0 und 1,6 % der Bausparsumme liegt. Diese haben Sie aber bereits in der Vergangenheit bezahlt. Beim KfW-Kredit gibt es keine solchen Abschlussgebühren, die Abwicklung erfolgt über Ihre Hausbank, die jedoch eigene Bearbeitungsentgelte erheben kann.
Fazit des Vergleichs: Was passt zu wem?
- Der Bausparvertrag ist die ideale Wahl für sicherheitsorientierte Planer, die bereits einen (fast) zuteilungsreifen Vertrag haben und Wert auf eine kalkulierbare Belastung über die gesamte Laufzeit legen.
- Der KfW-Kredit eignet sich besonders für Investoren, die keinen Bausparvertrag haben und von aktuell niedrigen Marktzinsen sowie einer anfänglichen Tilgungspause profitieren möchten.
Typische Kosten und Anlagengrößen: Ein Praxisbeispiel
Um die Finanzierung greifbarer zu machen, betrachten wir einen typischen Vierpersonenhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.500 kWh.
- Empfohlene Anlagengröße: Um einen Großteil des Bedarfs zu decken und für ein E-Auto oder eine Wärmepumpe gerüstet zu sein, empfiehlt sich eine Anlage mit 8 bis 10 kWp Leistung und einem Stromspeicher mit 5 bis 10 kWh Kapazität. Informationen zur richtigen Größe der Photovoltaikanlage finden Sie in unserem weiterführenden Ratgeber.
- Kostenrahmen: Eine solche Anlage kostet inklusive Montage und Anmeldung schlüsselfertig zwischen 18.000 und 22.000 Euro.
- Finanzierungsszenario mit Bausparvertrag: Die Familie besitzt einen Bausparvertrag über 40.000 Euro, von dem bereits 18.000 Euro angespart sind. Sie kann nun das Guthaben entnehmen und zusätzlich ein Bauspardarlehen über 22.000 Euro zum vor Jahren vereinbarten Festzins aufnehmen. Dies deckt die Investition vollständig ab.
Häufige Fragen zur Finanzierung mit Bausparverträgen (FAQ)
Kann ich auch ein Balkonkraftwerk mit dem Bausparvertrag finanzieren?
Nein, das ist in der Regel nicht möglich. Ein Balkonkraftwerk gilt als mobiles Gerät und nicht als fester Bestandteil des Gebäudes. Daher gilt die Finanzierung nicht als wohnwirtschaftliche Verwendung.
Was passiert, wenn die Kosten der PV-Anlage höher sind als mein Bauspardarlehen?
In diesem Fall gibt es mehrere Möglichkeiten. Viele Bausparkassen bieten ein sogenanntes Voraus- oder Nachfinanzierungsdarlehen an, um die Lücke zu schließen. Alternativ können Sie den Restbetrag mit Eigenkapital oder einem separaten Kredit, zum Beispiel von der KfW, finanzieren.
Muss die PV-Anlage auf dem Wohnhaus installiert sein?
Die Anlage muss der Versorgung des Wohngebäudes dienen. Eine Installation auf einem dazugehörigen Carport, einer Garage oder einer Gartenlaube auf demselben Grundstück akzeptieren die meisten Bausparkassen ebenfalls als wohnwirtschaftliche Maßnahme.
Ist die Sondertilgung beim Bauspardarlehen möglich?
Ja, das ist einer der großen Vorteile. Bauspardarlehen können fast immer jederzeit und in beliebiger Höhe kostenfrei sondergetilgt werden. Das gibt Ihnen maximale Flexibilität, um das Darlehen schneller zurückzuzahlen, wenn Sie zum Beispiel eine unerwartete Einnahme haben.
Fazit: Eine solide Option für sicherheitsorientierte Planer
Die Finanzierung einer Photovoltaikanlage über einen bestehenden Bausparvertrag ist eine äußerst attraktive, aber oft übersehene Möglichkeit. Ihr entscheidender Vorteil: garantierte Zinsen über die gesamte Laufzeit und damit eine hohe Planungssicherheit. Wer bereits einen zuteilungsreifen Vertrag in der Schublade hat, sollte diese Option unbedingt prüfen, bevor er sich für andere Finanzierungsformen entscheidet. Es ist der Lohn für jahrelanges, vorausschauendes Sparen und ein solider Weg, in die eigene Energiezukunft zu investieren.
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