Das Marktprämienmodell im Detail: So setzen sich Ihre Einnahmen zusammen

Sie betreiben eine Photovoltaikanlage oder planen eine Anschaffung und fragen sich, wie genau die Einnahmen aus dem eingespeisten Strom berechnet werden? Früher war die Antwort darauf einfach: Es gab eine feste, staatlich garantierte Einspeisevergütung pro Kilowattstunde. Heute ist das System für die meisten neuen Anlagen zwar komplexer, aber auch marktgerechter. Das Marktprämienmodell ist mittlerweile der Standard für die Vergütung von Solarstrom.

Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt und ohne Fachjargon, wie dieses Modell funktioniert, aus welchen Bausteinen sich Ihre monatliche Auszahlung zusammensetzt und warum Sie am Ende trotzdem eine verlässliche Einnahmequelle haben.

Was ist das Marktprämienmodell und warum gibt es das?

Das Marktprämienmodell ist das zentrale Instrument des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), um Strom aus erneuerbaren Quellen wie Photovoltaik in den freien Strommarkt zu integrieren. Statt den Solarstrom wie früher direkt vom Netzbetreiber zu einem festen Satz vergüten zu lassen, verkaufen Anlagenbetreiber ihren Strom an der Strombörse – und zwar über einen spezialisierten Dienstleister, den sogenannten Direktvermarkter.

Damit soll die Stromerzeugung stärker an der tatsächlichen Nachfrage ausgerichtet werden. Die „Marktprämie“ dient dabei als finanzielles Sicherheitsnetz: Sie gleicht die Differenz zwischen dem an der Börse erzielten Preis und einer staatlich garantierten Mindestvergütung aus. Für alle Neuanlagen über 25 kWp ist diese Direktvermarktung von Solarstrom verpflichtend. Kleinere Anlagen können freiwillig teilnehmen, was sich oft lohnt.

Die drei Bausteine Ihrer Einnahmen: Eine einfache Erklärung

Ihre monatlichen Einnahmen aus der Stromeinspeisung basieren im Marktprämienmodell auf drei zentralen Komponenten. Das mag zunächst kompliziert klingen, folgt aber einer klaren Logik.

1. Der anzulegende Wert: Ihre garantierte Basis

Der „anzulegende Wert“ ist der Betrag, den Sie für jede eingespeiste Kilowattstunde (kWh) garantiert mindestens erhalten. Dieser Wert wird bei der Inbetriebnahme Ihrer Anlage von der Bundesnetzagentur festgelegt und bleibt für 20 Jahre plus die Monate des Inbetriebnahmejahres konstant. Er ist quasi Ihr persönlicher, garantierter Mindestpreis und bietet Ihnen langfristige Planungssicherheit.

  • Praxisbeispiel: Für eine Dachanlage mit einer Leistung zwischen 10 und 40 kWp, die im ersten Halbjahr 2024 in Betrieb geht, liegt der anzulegende Wert bei rund 7 Cent/kWh. Dieser Satz ist für die gesamte Laufzeit der Förderung gesichert.
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2. Der Monatsmarktwert: Der Börsenpreis für Solarstrom

Der Monatsmarktwert ist der durchschnittliche Preis, der im Vormonat für eine Kilowattstunde Solarstrom an der Strombörse (der EPEX Spot) erzielt wurde. Da dieser Wert dynamisch ist und sich jeden Monat ändert, kann er an sonnigen Tagen mit viel Angebot niedriger ausfallen, während er an Tagen mit hoher Stromnachfrage und wenig Sonne steigt. Ihr Direktvermarkter verkauft Ihren Strom zu diesem Marktpreis.

  • Typische Schwankungen: Im Sommer, wenn alle PV-Anlagen viel Strom produzieren, liegt der Monatsmarktwert oft niedriger, beispielsweise bei 5–7 Cent/kWh. Im Winter oder in sonnenarmen Perioden kann er auch auf über 10 Cent/kWh steigen.

3. Die Marktprämie: Der flexible Ausgleich

Hier kommt die eigentliche „Prämie“ ins Spiel. Sie ist der flexible Puffer, der sicherstellt, dass Sie am Ende immer Ihren anzulegenden Wert erreichen, solange der Marktpreis darunter liegt. Die Berechnung ist simpel:

Marktprämie = Anzulegender Wert – Monatsmarktwert

Diese Prämie erhalten Sie monatlich von Ihrem Netzbetreiber. Sie ist also hoch, wenn die Börsenpreise niedrig sind, und niedrig (oder sogar null), wenn die Börsenpreise hoch sind.

Rechenbeispiele aus der Praxis: So funktioniert die Abrechnung

Sehen wir uns zwei typische Szenarien an, um die Berechnung greifbar zu machen. Wir nehmen an, Ihr anzulegender Wert beträgt 7,0 Cent/kWh.

Szenario 1: Ein sonniger Sommermonat mit niedrigen Börsenpreisen

  • Der durchschnittliche Monatsmarktwert für Solarstrom liegt bei 5,5 Cent/kWh.
  • Berechnung der Marktprämie: 7,0 Cent (anzulegender Wert) – 5,5 Cent (Monatsmarktwert) = 1,5 Cent/kWh.
  • Ihre Gesamteinnahme: Sie erhalten 5,5 Cent/kWh von Ihrem Direktvermarkter und zusätzlich 1,5 Cent/kWh als Marktprämie vom Netzbetreiber. In Summe sind das genau die garantierten 7,0 Cent/kWh.
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Szenario 2: Ein nachfragestarker Herbstmonat mit hohen Börsenpreisen

  • Der durchschnittliche Monatsmarktwert für Solarstrom steigt auf 8,5 Cent/kWh.
  • Berechnung der Marktprämie: 7,0 Cent (anzulegender Wert) – 8,5 Cent (Monatsmarktwert) = -1,5 Cent/kWh.
  • Ihre Gesamteinnahme: Da der Marktwert über Ihrem garantierten Wert liegt, entfällt die Marktprämie (sie wird auf null gesetzt). Sie erhalten die vollen 8,5 Cent/kWh von Ihrem Direktvermarkter. Sie profitieren also direkt vom hohen Marktpreis und verdienen sogar mehr als Ihren garantierten Mindestsatz.

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Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Anlagenbetreiber über das Jahr gesehen durch die schwankenden Marktpreise sehr nah an ihrem anzulegenden Wert landen oder diesen sogar leicht übertreffen.

Die Rolle des Direktvermarkters: Ihr Partner an der Strombörse

Als Anlagenbetreiber müssen Sie Ihren Strom nicht selbst an der Börse handeln. Diese Aufgabe übernimmt ein spezialisiertes Unternehmen, der Direktvermarkter. Sie schließen mit ihm einen Vertrag, der ihn ermächtigt, Ihren gesamten eingespeisten Strom zu verkaufen. Im Gegenzug kümmert er sich um die gesamte Abwicklung, die Prognosen und die Kommunikation mit dem Netzbetreiber.

Für diese Dienstleistung berechnet der Direktvermarkter eine kleine Gebühr, die direkt von Ihren Erlösen abgezogen wird. Diese liegt typischerweise bei wenigen Euro pro Monat oder einem Bruchteil eines Cents pro kWh.

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Achten Sie bei der Auswahl auf etablierte Anbieter mit transparenten Verträgen und ohne lange Laufzeiten. Ein Vergleich der Konditionen ist in jedem Fall empfehlenswert.

Vorteile und Nachteile des Marktprämienmodells im Überblick

Vorteile:

  • Planungssicherheit: Der anzulegende Wert garantiert eine Mindestvergütung.
  • Marktchancen: Bei hohen Börsenpreisen können Sie höhere Erlöse erzielen.
  • Fördert die Energiewende: Integriert Solarstrom in den realen Energiemarkt.
  • Anreiz für Speicher: Regt dazu an, Strom zu speichern und bei hohen Preisen einzuspeisen.

Nachteile:

  • Komplexität: Die Abrechnung ist weniger simpel als bei einer festen Vergütung.
  • Administrativer Aufwand: Es ist ein Vertrag mit einem Direktvermarkter nötig.
  • Kosten: Die Dienstleistungsgebühr des Vermarkters reduziert die Einnahmen minimal.

Obwohl das Modell auf den ersten Blick komplex wirkt, bietet es eine faire Balance aus unternehmerischer Chance und staatlicher Absicherung. Lesen Sie hier, wie Sie die Wirtschaftlichkeit Ihrer PV-Anlage berechnen und welche Rolle die Vergütung dabei spielt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Gilt das Marktprämienmodell auch für meine kleine Dachanlage?

Für Neuanlagen unter 25 kWp Leistung können Sie wählen, ob Sie die feste Einspeisevergütung in Anspruch nehmen oder in die Direktvermarktung mit Marktprämie wechseln. Oberhalb von 25 kWp ist die Direktvermarktung verpflichtend. Ein Wechsel kann sich oft schon bei Anlagen ab 10 kWp lohnen.

Was passiert, wenn der Monatsmarktwert höher ist als der anzulegende Wert?

Das ist der Idealfall für Sie. Die Marktprämie fällt in diesem Monat auf null, und Sie erhalten den vollen, höheren Marktpreis von Ihrem Direktvermarkter. Sie profitieren also direkt von der positiven Marktentwicklung.

Muss ich meinen Strom selbst an der Börse verkaufen?

Nein, genau das ist die Kernaufgabe des Direktvermarkters. Er bündelt den Strom vieler kleiner Anlagen und handelt ihn professionell an der Strombörse, sodass für Sie kein Aufwand entsteht.

Wie finde ich einen guten Direktvermarkter?

Achten Sie auf transparente Preismodelle, kurze Vertragslaufzeiten und einen guten Kundenservice. Auf Informationsplattformen wie Photovoltaik.info finden Sie neutrale Übersichten und Vergleiche, die Ihnen bei der Auswahl helfen.

Was ist der Unterschied zur alten, festen Einspeisevergütung?

Bei der festen Einspeisevergütung erhalten Sie über 20 Jahre einen unveränderlichen Betrag pro kWh vom Netzbetreiber. Beim Marktprämienmodell setzt sich Ihr Erlös aus dem schwankenden Marktpreis und einer flexiblen Prämie zusammen, wobei beide Komponenten sicherstellen, dass Sie am Ende mindestens den festgelegten „anzulegenden Wert“ erreichen.

Fazit: Ein faires Modell für die Energiewende

Das Marktprämienmodell ist ein durchdachtes System, das Anlagenbetreibern eine verlässliche Einnahmebasis sichert und gleichzeitig Anreize für die Teilnahme am realen Strommarkt schafft. Auch wenn die monatlichen Abrechnungen auf den ersten Blick mehr Details enthalten als früher, sorgt der Mechanismus aus anzulegendem Wert und Marktprämie für Stabilität. Sie haben die Sicherheit einer Mindestvergütung und die Chance auf Mehrerlöse in Zeiten hoher Strompreise.

Das Verständnis dieses Modells ist ein wichtiger Schritt, um die finanzielle Seite Ihrer Photovoltaikanlage sicher zu steuern und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Sie möchten Ihre individuelle Situation besser einschätzen oder suchen passende Komponenten? Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen abgestimmt sind und die Anforderungen für die Direktvermarktung erfüllen.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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