Kosten des Netzanschlusses: Mit diesen Gebühren des Netzbetreibers müssen Sie rechnen

Die Entscheidung für eine eigene Photovoltaikanlage ist gefallen

Die Entscheidung für eine eigene Photovoltaikanlage ist gefallen, die Komponenten sind ausgewählt und das Angebot des Installateurs liegt vor. Bei der Budgetplanung konzentrieren sich die meisten zukünftigen Anlagenbetreiber auf die Kosten für Solarmodule, Wechselrichter und Montage. Doch ein oft übersehener Posten kann für eine unangenehme Überraschung sorgen: die Kosten für den Netzanschluss. Dieser Artikel schlüsselt detailliert auf, welche Gebühren Ihr Netzbetreiber erheben kann und wie Sie die volle Kostenkontrolle über Ihr Projekt behalten.

Warum kostet der Anschluss an das Stromnetz überhaupt Geld?

Der Anschluss Ihrer Photovoltaikanlage an das öffentliche Stromnetz ist mehr als nur das Verbinden einiger Kabel. Der lokale Netzbetreiber ist gesetzlich dafür verantwortlich, die Stabilität und Sicherheit des gesamten Stromnetzes zu gewährleisten. Jede neue Anlage, die Strom einspeist, beeinflusst dieses empfindliche Gleichgewicht.

Deshalb führt der Netzbetreiber eine Reihe von administrativen und technischen Prüfungen durch. Er stellt sicher, dass Ihre Anlage die technischen Normen erfüllt und das lokale Netz die zusätzliche Einspeisung ohne Probleme aufnehmen kann. Diese Prozesse verursachen Aufwand und Kosten, die der Netzbetreiber in Form von Gebühren an den Anlagenbetreiber weitergibt.

Die typischen Kostenpunkte beim Netzanschluss im Überblick

Der Weg von der Anmeldung bis zur Inbetriebnahme Ihrer Anlage verläuft in mehreren Phasen. Jede davon kann mit Kosten verbunden sein, deren Höhe je nach Netzbetreiber und regionalen Gegebenheiten variiert.

Phase 1: Die Anmeldung und Prüfung (Netzanschlussbegehren)

Noch bevor das erste Modul montiert wird, muss Ihr Vorhaben beim Netzbetreiber angemeldet werden. Dieser Prozess startet formell mit dem sogenannten Netzanschlussbegehren, bei dem Ihr Installateur die technischen Daten der geplanten Anlage einreicht.

  • Typische Kosten: Bei vielen Netzbetreibern ist dieser erste Schritt kostenlos. Einige erheben jedoch eine Bearbeitungsgebühr, die in der Regel zwischen 50 und 150 Euro liegt.
  • Praxisbeispiel: Ein Hausbesitzer plant eine 10-kWp-Anlage. Sein Installateur füllt das Formular des lokalen Netzbetreibers aus und erhält nach wenigen Wochen die Zusage, dass der Anschluss am gewünschten Netzpunkt technisch möglich ist. Die hierfür anfallende Gebühr von 80 Euro wird vom Netzbetreiber direkt in Rechnung gestellt.
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Phase 2: Die technische Prüfung und Netzverträglichkeitsprüfung

Nach Ihrer Anmeldung prüft der Netzbetreiber, ob das lokale Stromnetz die zusätzliche Last durch Ihre Einspeisung bewältigen kann. Bei Standardanlagen auf Einfamilienhäusern ist dies meist eine Formalität. Bei größeren Anlagen oder in ländlichen Gebieten mit älterer Netzinfrastruktur kann eine detailliertere Netzverträglichkeitsprüfung notwendig werden.

  • Typische Kosten: Die Kosten für diese Prüfung können stark variieren. Rechnen Sie mit einem Rahmen von ca. 100 bis über 500 Euro.
  • Für gängige Photovoltaikanlagen auf Einfamilienhäusern liegen die Kosten erfahrungsgemäß eher am unteren Ende dieser Spanne.

Phase 3: Der Zählerwechsel und die Zählersetzung

Damit Ihr eingespeister Strom korrekt erfasst und vergütet werden kann, benötigen Sie einen neuen Stromzähler. Der alte, herkömmliche Zähler wird durch einen modernen Zweirichtungszähler ersetzt, der sowohl den Strom misst, den Sie aus dem Netz beziehen, als auch jenen, den Sie einspeisen.

  • Kosten für den Einbau: Der Austausch des Zählers durch einen Techniker des Netzbetreibers oder einen beauftragten Dienstleister kostet in der Regel zwischen 100 und 250 Euro.
  • Laufende Kosten: Zudem fällt für den neuen Zähler eine jährliche Messstellengebühr an. Diese liegt mit ca. 20 bis 60 Euro pro Jahr oft höher als die Gebühr für einen alten Ferraris-Zähler.

Phase 4: Die Inbetriebnahme und Abnahme

Nachdem die Anlage fertig installiert und der neue Zähler gesetzt ist, erfolgt die offizielle Inbetriebnahme. Ein autorisierter Elektriker (oft Ihr Installateur) füllt das Inbetriebnahmeprotokoll aus und sendet es an den Netzbetreiber. Manchmal möchte ein Mitarbeiter des Netzbetreibers die Anlage vor Ort abnehmen, was jedoch seltener wird.

  • Typische Kosten: Die Kosten für die Inbetriebnahme sind häufig bereits im Gesamtangebot Ihres Solar-Installateurs enthalten. Falls der Netzbetreiber diesen Schritt separat in Rechnung stellt, können hierfür 100 bis 300 Euro anfallen.

Mögliche Zusatzkosten: Wann wird es teurer?

In den meisten Fällen bewegen sich die Kosten im oben genannten Rahmen. Es gibt jedoch Szenarien, in denen erhebliche Zusatzkosten entstehen können.

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Verstärkung des Hausanschlusses

Wenn Sie in einem älteren Gebäude wohnen oder eine besonders große PV-Anlage planen, kann Ihr vorhandener Hausanschluss (die Hauptleitung vom Straßennetz zu Ihrem Zählerschrank) nicht ausreichend dimensioniert sein. Eine Verstärkung ist dann unumgänglich.

  • Typische Kosten: Dies ist der größte potenzielle Kostenfaktor. Eine Verstärkung des Hausanschlusses kann, je nach Aufwand und notwendigen Erdarbeiten, zwischen 500 und mehreren tausend Euro kosten.
  • Praxisbeispiel: Eine Familie plant neben der neuen 15-kWp-PV-Anlage auch die Anschaffung eines Elektroautos. Um die hohe Ladeleistung und die Einspeisung gleichzeitig zu ermöglichen, empfiehlt der Elektriker, den Hausanschluss zu modernisieren.

Baukostenzuschuss (BKZ)

Der Baukostenzuschuss ist eine Beteiligung an den Kosten für den Ausbau des allgemeinen Versorgungsnetzes. Für private Anlagenbetreiber ist er nur in seltenen Fällen relevant, da die Grenze in der Regel bei einer Anlagenleistung von 30 kWp liegt. Erst Betreiber größerer Anlagen müssen sich anteilig an den Kosten für die Ertüchtigung des lokalen Netzes beteiligen. Für ein typisches Balkonkraftwerk oder eine Dachanlage auf einem Einfamilienhaus fällt dieser Zuschuss nicht an.

Zusammenfassung: Was kostet der Netzanschluss einer PV-Anlage nun insgesamt?

Um Ihnen eine klare Übersicht zu geben, hier eine zusammenfassende Aufstellung der potenziellen Kosten:

Kostenpunkt: Anmeldung & Prüfung
Typischer Kostenrahmen: 0 – 150 € (einmalig)

Kostenpunkt: Netzverträglichkeitsprüfung
Typischer Kostenrahmen: 100 – 500 € (einmalig)

Kostenpunkt: Zählerwechsel & Zählersetzung
Typischer Kostenrahmen: 100 – 250 € (einmalig)
Laufende Kosten: 20 – 60 € (jährlich)

Kostenpunkt: Inbetriebnahme & Abnahme
Typischer Kostenrahmen: 0 – 300 € (einmalig, oft im Installateur-Preis enthalten)

Gesamtkosten (Standardfall):
Einmalig: ca. 300 – 800 €
Jährlich: ca. 20 – 60 €

Mögliche Zusatzkosten:
Kostenpunkt: Verstärkung Hausanschluss
Typischer Kostenrahmen: 500 – 3.000+ € (einmalig)

Faustregel: Für eine typische Photovoltaikanlage auf einem Einfamilienhaus sollten Sie einmalige Gesamtkosten für den Netzanschluss von durchschnittlich 500 Euro einplanen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu den Netzanschlusskosten

Wer kümmert sich um die Kommunikation mit dem Netzbetreiber?

In 99 % der Fälle übernimmt Ihr beauftragter Solar-Installateur die gesamte Kommunikation – von der ersten Anmeldung bis zur finalen Inbetriebnahme. Dies ist ein entscheidender Service, da die Prozesse und Formulare für Laien oft unübersichtlich sind.

Kann ich mir den Netzbetreiber aussuchen?

Nein. Der Netzbetreiber ist für eine bestimmte geografische Region zuständig und kann nicht gewechselt werden. Er betreibt das Monopol für die physische Infrastruktur in Ihrem Gebiet. Ihr Stromanbieter, von dem Sie Reststrom beziehen, ist davon unabhängig und frei wählbar.

Wie lange dauert der gesamte Prozess des Netzanschlusses?

Die Dauer kann stark variieren und hängt von der Auslastung des Netzbetreibers ab. Rechnen Sie von der ersten Anmeldung bis zur finalen Inbetriebnahme mit einem Zeitraum von vier bis zwölf Wochen. In Spitzenzeiten kann es auch länger dauern.

Sind die Kosten für den Netzanschluss steuerlich absetzbar?

Ja, die Kosten des Netzanschlusses gehören zu den Anschaffungskosten Ihrer Photovoltaikanlage. Sie können daher im Rahmen der steuerlichen Regelungen geltend gemacht werden. Details hierzu sollten Sie mit einem Steuerberater klären, da sich Regelungen zur Photovoltaik Förderung ändern können.

Fazit: Gut geplant ist halb gespart

Die Kosten für den Netzanschluss sind ein fester und notwendiger Bestandteil bei der Investition in eine Photovoltaikanlage. Auch wenn sie im Vergleich zu den Gesamtkosten der Anlage gering erscheinen, sollten sie von Anfang an im Budget berücksichtigt werden, um finanzielle Überraschungen zu vermeiden. Ein seriöser Installateur wird Sie transparent über diese Posten aufklären und sie in seinem Angebot ausweisen oder zumindest darauf hinweisen.

Wenn Sie die einzelnen Schritte und deren potenzielle Kosten kennen, können Sie den Prozess besser nachvollziehen und sind ein gut informierter Partner für Ihren Installateur und den Netzbetreiber.

Sie möchten Ihre individuelle Situation besser einschätzen? Die Experten von Photovoltaik.info helfen Ihnen gerne dabei, alle Aspekte Ihres Projekts zu verstehen. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen abgestimmt sind.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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