Kosten eines Doppel-Solarcarports: Eine detaillierte Beispielrechnung

Ein Carport schützt Ihr Auto vor Wind und Wetter – ein Solarcarport tut dasselbe und wird zugleich zu Ihrem privaten Kraftwerk. Gerade für Haushalte mit zwei Fahrzeugen stellt sich die Frage nach den Kosten und dem Nutzen einer solchen Anschaffung, vor allem wenn eines davon bereits elektrisch ist oder bald sein wird. Dieser Beitrag schlüsselt die Kosten für ein Doppel-Solarcarport transparent für Sie auf und zeigt, wann sich die Investition rechnet.

Warum ein Doppel-Solarcarport eine sinnvolle Investition ist

Die Entscheidung für ein Solarcarport ist mehr als nur die Wahl eines überdachten Stellplatzes. Es ist eine Entscheidung für mehr Unabhängigkeit, sinkende Energiekosten und einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Anders als eine reine Dachanlage vereint es gleich mehrere Funktionen:

  • Wetterschutz: Ihre Fahrzeuge sind vor Regen, Hagel, Schnee und intensiver Sonneneinstrahlung geschützt.
  • Energieerzeugung: Sie produzieren Ihren eigenen sauberen Strom direkt vor Ihrer Haustür.
  • Tankstelle für E-Autos: Mit einer integrierten Wallbox laden Sie Ihr Elektroauto bequem und kostengünstig mit selbst erzeugtem Solarstrom.
  • Wertsteigerung: Eine moderne und funktionale Erweiterung wie ein Solarcarport kann den Wert Ihrer Immobilie steigern.

Viele Hausbesitzer, die bereits über Photovoltaik nachdenken, sehen im Carport eine ideale Ergänzung oder Alternative, falls das eigene Dach für eine Anlage ungeeignet ist.

Modernes Doppel-Solarcarport aus Aluminium mit zwei ladenden Elektroautos

Die Kosten im Detail: Was kostet ein Solarcarport für zwei Autos?

Die Gesamtkosten für ein Doppel-Solarcarport setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen. Um Ihnen eine realistische Einschätzung zu geben, haben wir die einzelnen Posten aufgeschlüsselt. Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei um Schätzungen handelt, die je nach Anbieter, Material und Region variieren können.

Die Basis: Der Carport-Bausatz

Der Carport selbst bildet die Grundstruktur und ist ein wesentlicher Kostenfaktor. Die Preisspanne hängt hauptsächlich vom Material ab.

  • Holz: Die günstigste Variante, oft ab 3.000 € für eine Doppelversion erhältlich. Es benötigt regelmäßige Pflege (Lasur, Anstrich), um witterungsbeständig zu bleiben.
  • Stahl (verzinkt): Sehr langlebig und stabil, preislich im mittleren Segment angesiedelt. Ein Doppelcarport aus Stahl kostet typischerweise zwischen 5.000 € und 8.000 €.
  • Aluminium: Die Premium-Option. Aluminium ist leicht, rostfrei und extrem wartungsarm. Preislich liegt ein Doppelcarport hier oft zwischen 6.000 € und 10.000 €.

Hinzu kommen die Kosten für das Fundament (ca. 1.000 € bis 2.500 €), falls dieses noch nicht vorhanden ist.

Die Stromerzeugung: Die Photovoltaikanlage

Die Photovoltaikanlage ist das Herzstück des Solarcarports. Ihre Größe wird in Kilowatt-Peak (kWp) angegeben. Ein typisches Doppelcarport bietet Platz für eine Anlage mit 5 bis 8 kWp.

  • Solarmodule: Die Kosten für die Module selbst sind in den letzten Jahren stark gesunken. Rechnen Sie mit etwa 150 € bis 300 € pro kWp. Für eine 6-kWp-Anlage wären das also 900 € bis 1.800 €.
  • Wechselrichter: Dieses Gerät wandelt den Gleichstrom der Solarmodule in nutzbaren Wechselstrom für Ihr Hausnetz um. Ein passender Wechselrichter für eine 6-kWp-Anlage kostet zwischen 1.000 € und 2.000 €.
  • Montagesystem & Verkabelung: Hierfür fallen zusätzliche Kosten von etwa 100 € bis 200 € pro kWp an.

Nahaufnahme der Komponenten eines Solarcarports: Solarmodule, Wechselrichter und Verkabelung

Die E-Mobilität: Die Wallbox

Wenn Sie ein Elektroauto besitzen oder die Anschaffung planen, ist eine Wallbox unverzichtbar. Sie ermöglicht ein schnelles, sicheres und effizientes Laden.

  • Kosten: Eine 11-kW-Wallbox, die für die meisten privaten Anwendungen ausreicht, kostet zwischen 600 € und 1.200 €. Intelligente Modelle, die das Laden an die Sonneneinstrahlung anpassen können, sind tendenziell teurer, steigern aber den Eigenverbrauch und damit die Ersparnis.

Die Installation und Inbetriebnahme

Dieser Posten wird oft unterschätzt, ist aber für die Sicherheit und Funktionalität der gesamten Anlage entscheidend. Die Installation sollte daher unbedingt von einem Fachbetrieb durchgeführt werden. Die Kosten umfassen die Montage des Carports, die Installation der PV-Anlage, den elektrischen Anschluss ans Hausnetz sowie die Anmeldung beim Netzbetreiber. Rechnen Sie hierfür mit einem Betrag zwischen 2.500 € und 4.500 €.

Beispielrechnung: Ein typisches Doppel-Solarcarport in der Praxis

Um die Kosten greifbarer zu machen, stellen wir eine Beispielrechnung für ein hochwertiges und langlebiges Doppel-Solarcarport auf.

Annahmen:

  • Carport-Material: Aluminium
  • PV-Anlage: 6 kWp Leistung
  • Ladestation: Eine 11-kW-Wallbox
Posten Geschätzte Kosten
Carport-Bausatz (Aluminium) 7.000 €
Fundamentarbeiten 1.500 €
PV-Module (6 kWp) 1.200 €
Wechselrichter 1.500 €
Montagesystem & Verkabelung 900 €
Wallbox (11 kW) 800 €
Komplette Installation & Anschluss 3.500 €
Gesamtkosten (geschätzt) 16.400 €

Diese Summe ist eine realistische Größenordnung für eine schlüsselfertige Komplettlösung. Günstigere Varianten aus Holz sind ebenso möglich wie teurere Lösungen mit größeren PV-Anlagen oder Stromspeichern.

Wie rechnet sich die Investition? Eine Amortisationsbetrachtung

Die entscheidende Frage ist, wann sich diese Investition für Sie auszahlt. Die Amortisationszeit hängt von Ihrem Stromverbrauch, dem aktuellen Strompreis und der Sonneneinstrahlung an Ihrem Standort ab.

Ertrag und Ersparnis

  • Jährlicher Stromertrag: Eine 6-kWp-Anlage erzeugt in Deutschland je nach Region und Ausrichtung jährlich zwischen 5.400 und 6.000 kWh Strom. Wir rechnen konservativ mit 5.700 kWh.
  • Ersparnis durch Eigenverbrauch: Nehmen wir an, Sie können 50 % des erzeugten Stroms selbst verbrauchen (Haushalt und Laden des E-Autos). Das sind 2.850 kWh. Bei einem Strompreis von 35 Cent/kWh sparen Sie 997 € pro Jahr.
  • Einnahmen durch Einspeisung: Die restlichen 2.850 kWh werden ins öffentliche Netz eingespeist. Die aktuelle Einspeisevergütung für Anlagen dieser Größe liegt bei etwa 8,1 Cent/kWh. Das ergibt Einnahmen von 231 € pro Jahr.
  • Gesamtertrag pro Jahr: 997 € + 231 € = 1.228 €

Amortisationszeit

Teilt man die Investitionskosten durch den jährlichen Ertrag, ergibt sich die Amortisationszeit:16.400 € / 1.228 € pro Jahr ≈ 13,4 Jahre

Nach etwa 13 bis 14 Jahren hat sich die Anlage selbst bezahlt. Da die Lebensdauer der Solarmodule bei über 25 Jahren liegt, produzieren Sie danach für mindestens zehn weitere Jahre nahezu kostenlosen Strom. Steigende Strompreise verkürzen diese Zeit zusätzlich.

Infografik zur Amortisation eines Solarcarports, die Kosten und jährliche Ersparnisse gegenüberstellt

Doppel-Solarcarport vs. Dachanlage: Wo liegen die Unterschiede?

Vielleicht fragen Sie sich, ob eine klassische Photovoltaikanlage auf dem Dach nicht die bessere Wahl wäre. Hier ein kurzer Vergleich:

  • Kosten: Eine reine Dachanlage ist günstiger, da die tragende Struktur (das Dach) bereits vorhanden ist. Die Kosten pro kWp liegen hier oft bei nur 1.400 € bis 1.800 €, während sie beim Solarcarport durch den Carport-Anteil auf 2.500 € bis 3.000 € steigen.
  • Nutzen: Hier punktet das Solarcarport, denn es bietet den doppelten Nutzen aus Wetterschutz und Stromerzeugung. Insbesondere für E-Auto-Besitzer ist die direkte Nähe zur „eigenen Tankstelle“ ein unschätzbarer Vorteil.
  • Genehmigung: Während Dachanlagen in den meisten Bundesländern genehmigungsfrei sind, benötigen Carports je nach Größe und Standort oft eine Baugenehmigung. Eine frühzeitige Anfrage beim örtlichen Bauamt ist daher ratsam.

Die Erfahrung aus vielen Kundenprojekten zeigt: Wer sich für ein Solarcarport entscheidet, wählt bewusst eine multifunktionale Lösung, bei der der reine Stromertrag nicht der alleinige Faktor ist.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Benötige ich für ein Doppel-Solarcarport eine Baugenehmigung?
Das hängt von den Bauvorschriften Ihres Bundeslandes und Ihrer Gemeinde ab. Für Carports ab einer bestimmten Größe ist fast immer eine Genehmigung erforderlich. Informieren Sie sich am besten vorab bei Ihrem zuständigen Bauamt.

Was passiert bei Schnee oder starker Verschattung?
Schnee reduziert zwar die Stromproduktion, rutscht jedoch auf der glatten Oberfläche der meisten Module bei leichter Neigung von selbst wieder ab. Verschattung durch Bäume oder Nachbargebäude mindert ebenfalls den Ertrag. Eine gute Planung im Vorfeld ist hier entscheidend.

Kann ich den auf dem Carport erzeugten Strom auch im Haus nutzen?
Ja, absolut. Der Solarstrom wird in Ihr Hausnetz eingespeist und versorgt dort alle angeschlossenen Verbraucher – von der Waschmaschine bis zum Fernseher. Erst wenn mehr Strom produziert als verbraucht wird, fließt der Überschuss ins öffentliche Netz.

Lohnt sich ein zusätzlicher Stromspeicher?
Ein Stromspeicher kann den Eigenverbrauchsanteil deutlich erhöhen, da Sie den tagsüber erzeugten Strom auch abends und nachts nutzen können. Allerdings erhöht er die Anfangsinvestition erheblich (ca. 5.000 € bis 10.000 €). Ob sich dies rechnet, muss individuell kalkuliert werden.

Fazit: Eine Investition in Komfort, Kostenersparnis und Zukunft

Ein Doppel-Solarcarport ist eine bedeutende Anschaffung, deren Kosten auf den ersten Blick hoch erscheinen mögen. Unsere detaillierte Betrachtung zeigt jedoch: Es handelt sich um eine langfristig rentable Investition. Sie kombinieren den praktischen Nutzen eines hochwertigen Fahrzeugunterstands mit den finanziellen und ökologischen Vorteilen einer eigenen Stromerzeugungsanlage. Für Besitzer von Elektroautos ist es die ideale Lösung, um die Mobilitätskosten drastisch zu senken und zugleich einen Beitrag zur Energiewende zu leisten.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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