Glas-Glas-Module vs. Glas-Folie-Module: Wann lohnt sich der Aufpreis?

Bei der Planung einer Photovoltaikanlage stehen Sie vor vielen Entscheidungen. Eine der grundlegendsten betrifft die Wahl der Solarmodule: Sollen es die bewährten Glas-Folie-Module sein oder die teureren, aber langlebigeren Glas-Glas-Module? Diese Entscheidung ist zentral, denn sie beeinflusst nicht nur die anfänglichen Kosten, sondern auch den Ertrag und die Robustheit Ihrer Anlage über Jahrzehnte. Dieser Artikel bietet Ihnen eine klare Entscheidungshilfe und zeigt, in welchen Fällen sich der Aufpreis für die Glas-Glas-Technologie wirklich lohnt.
Was sind Glas-Glas- und Glas-Folie-Module? Der Aufbau im Detail
Auf den ersten Blick sehen sich die meisten Solarmodule sehr ähnlich. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch im Verborgenen – in ihrem schichtweisen Aufbau.
Der Standard: Glas-Folie-Module
Seit Jahrzehnten ist der Aufbau mit einer Glasfront und einer Kunststoff-Rückseitenfolie (dem sogenannten „Backsheet“) der Industriestandard. Die Solarzellen werden dabei zwischen einer gehärteten Glasscheibe an der Vorderseite und einer witterungsbeständigen Folie auf der Rückseite eingebettet. Diese Konstruktion ist kostengünstig in der Herstellung und hat sich millionenfach bewährt. Die Kunststofffolie schützt die Zellen zuverlässig vor Feuchtigkeit und erfüllt in den meisten Anwendungsfällen ihre Aufgabe.
Die Premium-Alternative: Glas-Glas-Module
Bei Glas-Glas-Modulen wird die Kunststofffolie auf der Rückseite durch eine zweite Glasscheibe ersetzt, wodurch die empfindlichen Solarzellen sicher zwischen zwei Glasschichten liegen – ähnlich wie bei einer Verbundsicherheitsglasscheibe im Auto. Dieser symmetrische Aufbau macht das gesamte Modul mechanisch stabiler und widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse.
Die entscheidenden Unterschiede in der Praxis
Der unterschiedliche Aufbau führt zu handfesten Vorteilen und Nachteilen im täglichen Betrieb. Die wichtigsten Faktoren für Ihre Entscheidung sind Robustheit, Leistungsstabilität, Sicherheit und natürlich die Kosten.
Robustheit und Langlebigkeit: Ein Schutzschild für die Zellen
Die Kunststoff-Rückseitenfolie eines Glas-Folie-Moduls ist über die Jahre oft der schwächste Punkt der Konstruktion. Sie kann durch UV-Strahlung, extreme Temperaturschwankungen und mechanische Belastung spröde werden oder Risse bekommen. Dies öffnet Feuchtigkeit und Schmutz den Weg zu den Zellen, was die Leistung mindern und zu Ausfällen führen kann.
Glas-Glas-Module sind hier klar im Vorteil. Die zweite Glasscheibe bildet eine hermetische Versiegelung, die die Zellen deutlich besser vor diesen Einflüssen schützt.
- Mechanische Belastung: In Regionen mit hoher Schneelast oder Hagelgefahr bietet der Glasverbund eine höhere Stabilität und schützt effektiver vor Mikrorissen in den Zellen.
- Chemische Einflüsse: Besonders in der Landwirtschaft, wo Ammoniakdämpfe auftreten können, oder in Küstennähe mit salzhaltiger Luft, widersteht Glas der Korrosion deutlich besser als Kunststofffolie.
Leistungsstabilität und Degradation: Der Ertrag über Jahrzehnte
Jedes Solarmodul verliert über seine Lebensdauer langsam an Leistung – ein Prozess, den man Degradation nennt. Glas-Glas-Module zeigen hier eine ihrer größten Stärken. Durch die bessere Verkapselung der Zellen sind sie weniger anfällig für leistungsmindernde Effekte wie die Potential-induzierte Degradation (PID).
Erfahrungen aus der Praxis und zahlreiche Studien belegen, dass Glas-Glas-Module langsamer altern. Das spiegelt sich auch in den Garantien der Hersteller wider:
- Glas-Folie-Module: Üblich sind Produktgarantien von 15 bis 25 Jahren und eine Leistungsgarantie von ca. 84,8 % der Nennleistung nach 25 Jahren.
- Glas-Glas-Module: Hier gewähren viele Hersteller Produkt- und Leistungsgarantien von 30 Jahren oder mehr und sichern oft noch über 87 % der ursprünglichen Leistung nach dieser Zeit zu.
Dieser auf den ersten Blick kleine Unterschied summiert sich über die Laufzeit Ihrer Anlage zu einem spürbaren Mehrertrag.
Sicherheit: Brandschutz im Fokus
Ein weiterer, oft übersehener Vorteil von Glas-Glas-Modulen ist der verbesserte Brandschutz. Da Glas nicht brennbar ist, erreichen diese Module in der Regel die höchste Brandschutzklasse A, während Glas-Folie-Module meist in die Brandschutzklasse C eingestuft werden. Für die meisten privaten Dachanlagen ist dies kein entscheidendes Kriterium, kann aber bei bestimmten Bauvorschriften oder für das eigene Sicherheitsgefühl eine Rolle spielen.
Aus unserem Shop, Kategorie: PV Anlagen mit Speicher und Montagesets
15000 Watt Photovoltaikanlagen inkl. 15,00 kWh Batterie & Ziegeldach Montageset - Trina Bifazial
9.999,00 €Kosten und Gewicht: Die Kehrseite der Medaille
Die höhere Qualität hat ihren Preis. Glas-Glas-Module sind in der Anschaffung typischerweise 10 % bis 30 % teurer als vergleichbare Glas-Folie-Module. Diese Mehrausgabe muss bei der Frage, was kostet eine photovoltaikanlage, berücksichtigt werden. Zudem sind sie durch die zweite Glasscheibe etwas schwerer, was bei der Prüfung der Dachstatik zu beachten ist. Für die meisten stabilen Dächer stellt das Mehrgewicht aber meist kein Problem dar.
Wann lohnt sich die Investition in Glas-Glas-Module wirklich?
Die Entscheidung hängt stark von Ihren Prioritäten und den Gegebenheiten vor Ort ab. Hier sind einige typische Szenarien als Orientierungshilfe:
Szenario 1: Der Standardfall für das Einfamilienhaus
Sie besitzen ein Haus in einer klimatisch gemäßigten Region mit einem klassischen Steildach. Ihr Ziel ist eine solide Anlage mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.
- Empfehlung: Hochwertige Glas-Folie-Module sind hier oft die wirtschaftlichste Wahl. Sie bieten eine bewährte Technologie und amortisieren sich schneller. Nicht ohne Grund wird die Mehrheit der Anlagen auf Einfamilienhäusern mit dieser Technologie realisiert.
Szenario 2: Hohe Belastungen und raue Umgebungen
Sie wohnen in einer Bergregion mit viel Schnee im Winter oder betreiben eine landwirtschaftliche Halle.
- Empfehlung: Hier spielen Glas-Glas-Module ihre Stärken voll aus. Die höhere mechanische Stabilität gegenüber Schneelasten und die Resistenz gegen chemische Einflüsse (z. B. Ammoniak) rechtfertigen den Aufpreis durch eine deutlich höhere Betriebssicherheit und Lebensdauer.
Szenario 3: Maximale Langlebigkeit und Ertrag
Sie betrachten Ihre Photovoltaikanlage als eine Investition für die nächsten 30 bis 40 Jahre und möchten den Ertrag maximieren.
- Empfehlung: In diesem Fall sind Glas-Glas-Module die konsequente Wahl. Der geringere Leistungsabfall über die Jahre führt zu einem höheren Gesamtertrag. Dies verbessert langfristig die photovoltaik rentabilität und kann die anfänglich höheren Kosten über die Laufzeit mehr als ausgleichen.
Szenario 4: Besondere Einbausituationen
Sie planen eine Anlage an einer Fassade, auf einem Carport oder möchten bifaziale Module einsetzen, die Licht von beiden Seiten aufnehmen.
- Empfehlung: Für solche Anwendungen sind Glas-Glas-Module oft die technologische Voraussetzung. Insbesondere bei bifazialen Modulen ist eine transparente Rückseite aus Glas unerlässlich, um das zusätzliche Licht zu nutzen.
Qualität entscheidet: Worauf Sie bei beiden Modultypen achten sollten
Unabhängig von der Technologie ist die Qualität des Herstellers entscheidend. Achten Sie auf renommierte Marken, aussagekräftige Garantien und unabhängige Zertifizierungen. Ein guter Anhaltspunkt kann auch ein aktueller solarmodule test sein, der Aufschluss über die tatsächliche Leistung und Verarbeitung verschiedener Modelle gibt. Sowohl ein hochwertiges Glas-Folie-Modul als auch ein Glas-Glas-Modul können eine ausgezeichnete Wahl sein, wenn die Qualität stimmt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind Glas-Glas-Module immer besser?
Sie sind robuster und langlebiger, aber nicht für jeden Anwendungsfall die wirtschaftlichste Lösung. Für ein Standard-Hausdach ohne extreme Belastungen kann ein hochwertiges Glas-Folie-Modul die finanziell sinnvollere Option sein.
Ist der Mehrertrag von Glas-Glas-Modulen spürbar?
Der Vorteil zeigt sich nicht sofort, sondern über die gesamte Laufzeit. Ein um 2–3 % höherer Ertrag nach 25 Jahren klingt nach wenig, summiert sich aber bei einer typischen 10-kWp-Anlage zu mehreren tausend Kilowattstunden Strom.
Muss ich für Glas-Glas-Module mein Dach verstärken lassen?
In den allermeisten Fällen nicht. Der Gewichtsunterschied ist moderat und wird bei der professionellen Planung durch den Installateur berücksichtigt. Eine Prüfung der Dachstatik ist jedoch bei jeder Anlagenplanung Standard.
Verlängert sich die Amortisationszeit durch die höheren Kosten?
Die anfängliche Amortisationszeit kann sich leicht verlängern. Durch den höheren Ertrag über die gesamte Lebensdauer kann die Gesamtrendite der Anlage jedoch höher ausfallen als bei Glas-Folie-Modulen.
Fazit: Eine Entscheidung für die Zukunft
Die Wahl zwischen Glas-Glas- und Glas-Folie-Modulen ist eine Abwägung zwischen Anschaffungspreis und langfristiger Sicherheit. Glas-Folie-Module bleiben der bewährte und kosteneffiziente Standard für die meisten Dachanlagen. Glas-Glas-Module sind dagegen die richtige Wahl, wenn Sie maximale Langlebigkeit, höchste Ertragssicherheit auch unter rauen Bedingungen und eine Investition für mehr als 25 Jahre anstreben.
Mit diesem Wissen sind Sie nun gut gerüstet, eine fundierte Entscheidung für Ihre individuelle Situation zu treffen und die Weichen für eine ertragreiche und sichere Energiezukunft zu stellen.
Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten erhalten Sie auf Photovoltaik.info. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie zudem Komplettsets mit sorgfältig ausgewählten Glas-Glas- und Glas-Folie-Modulen, die auf typische Anlagengrößen abgestimmt sind.



