Finanzierungsmodelle für Gemeinschaftsanlagen: Von Bankkrediten bis zu Bürgerbeteiligungen

Eine große Dachfläche auf einem Mehrfamilienhaus, ungenutzt und sonnenbeschienen – ein Bild mit enormem Potenzial

Viele Eigentümergemeinschaften oder Wohnungsbaugesellschaften erkennen die Chance, mit einer gemeinsamen Photovoltaikanlage Stromkosten zu senken und einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Doch während die Vision schnell entsteht, folgt oft die entscheidende Frage: Wie lässt sich ein solch großes Projekt finanzieren? Glücklicherweise gehen die Möglichkeiten weit über den klassischen Gang zur Hausbank hinaus.

Wir stellen Ihnen hier die verschiedenen Finanzierungsmodelle für gemeinschaftliche PV-Anlagen vor, beleuchten ihre Vor- und Nachteile und geben Orientierung, welche Option für Ihr Projekt die passende sein könnte.

Warum die Finanzierung von Gemeinschaftsanlagen eine besondere Herausforderung ist

Anders als bei einer Anlage für ein Einfamilienhaus sind bei Gemeinschaftsprojekten die Rahmenbedingungen komplexer. Die Investitionssummen sind deutlich höher, und es müssen die Interessen mehrerer Parteien – von Eigentümern bis hin zu Mietern – berücksichtigt werden. Dies erfordert eine sorgfältige Planung und eine stabile finanzielle Grundlage.

Gleichzeitig wächst der Markt für solche Projekte rasant. Insbesondere Mieterstrom-Modelle, bei denen der Solarstrom direkt an die Bewohner des Hauses verkauft wird, gewinnen an Bedeutung. Experten schätzen das Potenzial allein in diesem Bereich auf bis zu 3,8 Millionen Wohnungen in Deutschland. Mit diesem Trend haben sich auch vielfältige Finanzierungswege entwickelt, die auf die besonderen Bedürfnisse von Gemeinschaftsprojekten zugeschnitten sind.

Klassische Wege zur Kapitalbeschaffung: Banken und Förderprogramme

Der traditionelle Weg der Finanzierung bleibt für viele Projekte das Fundament, denn er bietet klare Strukturen und bewährte Prozesse.

Der klassische Bankkredit

Die naheliegendste Option ist ein Investitionskredit bei einer Geschäftsbank. Dabei nimmt die Eigentümergemeinschaft oder die Betreibergesellschaft einen Kredit auf, um die Anschaffungs- und Installationskosten der PV-Anlage zu decken. Die Tilgung erfolgt in der Regel aus den Einnahmen durch Stromverkauf und Eigenverbrauch.

  • Vorteile: Klare Konditionen, bewährter Prozess, volle Kontrolle über die Anlage.
  • Nachteile: Erfordert eine gute Bonität, oft ist Eigenkapital notwendig, Zinsrisiko.

Praxisbeispiel: Eine Eigentümergemeinschaft mit 12 Parteien plant eine 60-kWp-Anlage für rund 75.000 €. Sie legt der Bank einen detaillierten Wirtschaftsplan vor, der die erwarteten Einnahmen aus dem Stromverkauf an die Bewohner und der Netzeinspeisung aufzeigt. Mit einem Eigenkapitalanteil von 20 % sichert sie sich günstige Kreditkonditionen.

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Staatliche Förderungen als Fundament: Die KfW-Bank

Eine zentrale Rolle bei der Finanzierung von erneuerbaren Energien spielt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Mit Programmen wie dem „Erneuerbare Energien – Standard (270)“ bietet sie zinsgünstige Darlehen für die Errichtung von Photovoltaikanlagen. Diese Kredite werden nicht direkt bei der KfW, sondern über die eigene Hausbank beantragt.

Die KfW hat über die Jahre Tausende von PV-Projekten ermöglicht und ist damit eine tragende Säule der Energiewende in Deutschland. Ihre Kredite zeichnen sich durch lange Laufzeiten und oft tilgungsfreie Anlaufjahre aus, was die finanzielle Belastung in der Anfangsphase eines Projekts deutlich reduziert.

Innovative Finanzierungsmodelle: Die Kraft der Gemeinschaft nutzen

Neben den etablierten Wegen gibt es zunehmend kreative Ansätze, die ohne hohe Hürden oder eine klassische Bankenfinanzierung auskommen.

Bürgerbeteiligung und Crowdinvesting: Gemeinsam zum Sonnenstrom

Bei diesem Modell wird das benötigte Kapital nicht von einer einzelnen Institution, sondern von vielen Privatpersonen aufgebracht. Die Bewohner des Hauses, Nachbarn oder externe Anleger können sich mit kleinen bis mittleren Beträgen an der Anlage beteiligen und erhalten im Gegenzug eine Rendite aus den Stromerträgen.

  • Vorteile: Stärkt die Gemeinschaft, hohe Akzeptanz vor Ort, Unabhängigkeit von Banken.
  • Nachteile: Höherer organisatorischer Aufwand, erfordert eine klare rechtliche Struktur (z. B. eine GbR oder Genossenschaft).

Die Erfahrung zeigt, dass Projekte mit Bürgerbeteiligung oft besonders erfolgreich sind, da die Teilnehmer ein direktes Interesse am Gelingen haben. In Deutschland sind bereits über 1,5 Milliarden Euro Bürgerkapital in Energieprojekte geflossen, was die enorme Kraft dieses Modells unterstreicht.

Contracting: Die PV-Anlage ohne eigene Investition

Beim Contracting (auch PPA, Power Purchase Agreement, genannt) übernimmt ein externer Investor, der Contractor, die gesamten Kosten für Planung, Bau und Betrieb der PV-Anlage. Die Gemeinschaft stellt lediglich die Dachfläche zur Verfügung. Im Gegenzug kauft sie den erzeugten Solarstrom zu einem vertraglich festgelegten, meist günstigen Preis vom Contractor ab.

  • Vorteile: Keinerlei Investitionskosten, kein Betriebsrisiko, professionelle Wartung.
  • Nachteile: Geringere langfristige Rendite für die Gemeinschaft, lange Vertragslaufzeiten (oft 15–20 Jahre), der Strompreis ist höher als bei einer eigenen Anlage.

Anwendungsszenario: Eine Wohnungsbaugesellschaft möchte ihren Mietern günstigen Solarstrom anbieten, aber die Investition nicht selbst tätigen. Ein Contracting-Anbieter installiert und betreibt die Anlage. Die Mieter profitieren von stabilen Strompreisen, und die Gesellschaft wertet ihre Immobilie ohne Kapitaleinsatz auf.

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Das Mieterstrom-Modell als Finanzierungsinstrument

Das Konzept des Mieterstroms ist nicht nur ein Betreibermodell, sondern auch ein starkes Argument bei der Finanzierung. Die gesetzlich verankerte Förderung (Mieterstromzuschlag) und die planbaren Einnahmen aus dem Stromverkauf an die Mieter machen das Projekt für Banken und Investoren attraktiv. Ein gut kalkuliertes Mieterstromprojekt kann sich oft selbst tragen, was die Kreditaufnahme erleichtert oder Investoren schneller überzeugt.

Welches Modell passt zu Ihrem Projekt? Ein Vergleich

Die Wahl des richtigen Finanzierungsmodells hängt stark von den Zielen und Möglichkeiten Ihrer Gemeinschaft ab. Zur Orientierung:

  • Maximale Rendite und Kontrolle: Eine Kombination aus Eigenkapital und einem KfW-Kredit ist oft der wirtschaftlichste Weg, erfordert aber den höchsten organisatorischen Aufwand.
  • Kein Risiko und keine Investition: Contracting ist die ideale Lösung, wenn es darum geht, ohne eigenen Kapitaleinsatz von Solarstrom zu profitieren.
  • Stärkung der Gemeinschaft: Bürgerbeteiligungsmodelle und Crowdinvesting sind perfekt für Projekte, bei denen der gemeinschaftliche Gedanke im Vordergrund steht.
  • Schnelle Umsetzung mit klarem Nutzen: Ein klassischer Bankkredit, gestützt durch einen soliden Mieterstrom-Businessplan, ist ein pragmatischer und bewährter Ansatz.

Als Faustregel gilt: Je mehr Verantwortung und finanzielles Risiko die Gemeinschaft übernimmt, desto höher ist der langfristige Ertrag.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann man verschiedene Finanzierungsmodelle kombinieren?
Ja, das ist oft sogar sehr sinnvoll. Eine häufige Variante ist die Kombination eines KfW-Kredits mit Eigenkapital, das durch eine Bürgerbeteiligung eingesammelt wurde.

Welche Rechtsform eignet sich für ein Gemeinschaftsprojekt?
Das hängt von der Größe und den Zielen ab. Für kleinere Projekte reicht oft eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Bei größeren Vorhaben oder breiter Bürgerbeteiligung kann die Gründung einer Genossenschaft (eG) oder eines Vereins (e.V.) sinnvoll sein.

Wie aufwendig ist die Verwaltung eines Crowdinvesting-Projekts?
Der administrative Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Ein klarer Gesellschaftsvertrag, eine transparente Buchführung und eine regelmäßige Kommunikation mit den Anlegern sind unerlässlich. Oft lohnt es sich, hierfür externe Dienstleister oder spezialisierte Plattformen zu nutzen.

Müssen alle Mieter beim Mieterstrom mitmachen?
Nein, die Teilnahme an einem Mieterstrommodell ist für Mieter immer freiwillig. Sie können ihren Stromanbieter weiterhin frei wählen.

Fazit und nächste Schritte

Die Finanzierung einer gemeinschaftlichen Photovoltaikanlage ist zwar eine Herausforderung, aber mit dem richtigen Ansatz gut zu bewältigen. Der Schlüssel liegt darin, das Modell zu finden, das zu den finanziellen Möglichkeiten, der Risikobereitschaft und den Zielen Ihrer Gemeinschaft passt. Von sicheren Bankkrediten über risikofreies Contracting bis hin zu gemeinschaftsförderndem Crowdinvesting steht ein breites Spektrum an Möglichkeiten offen.

Eine sorgfältige Planung ist dabei entscheidend: Analysieren Sie den Strombedarf im Gebäude, prüfen Sie die Eignung der Dachflächen und erstellen Sie einen realistischen Wirtschaftsplan.

Weitere praxisnahe Informationen zur Planung und Umsetzung von Gemeinschaftsanlagen finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Im Shop von Photovoltaik.info entdecken Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen für Mehrfamilienhäuser abgestimmt sind.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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