Ertragsprognose für Photovoltaik: So prüfen Sie die Qualität eines Angebots

Sie halten zwei Angebote für eine Photovoltaikanlage in den Händen. Beide wirken auf den ersten Blick ähnlich, doch bei der prognostizierten Stromerzeugung gibt es deutliche Unterschiede. Ein Anbieter verspricht einen Ertrag von 10.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr, der andere nur 8.500 kWh. Diese Differenz von 15 % entscheidet maßgeblich über die Wirtschaftlichkeit und Amortisationszeit Ihrer Investition. Doch welcher Wert ist realistisch? Die Antwort liegt in der Methodik hinter der Berechnung.

Eine fundierte Ertragsprognose ist das Fundament jeder seriösen Anlagenplanung. Sie trennt vage Schätzungen von belastbaren Berechnungen und gibt Ihnen die nötige Sicherheit für eine fundierte Entscheidung. Dieser Beitrag erklärt, welche Werkzeuge und Daten für eine professionelle Simulation unverzichtbar sind und woran Sie eine verlässliche Prognose im Angebot erkennen.

Online-Rechner vs. professionelle Simulation: Zwei Welten der Planung

Im Internet finden sich zahlreiche Werkzeuge zur Ertragsberechnung. Wichtig ist jedoch, zwischen einfachen Online-Rechnern und professioneller Simulationssoftware zu unterscheiden.

Einfache Online-Rechner: Eine erste Orientierung

Viele kostenlose Tools, wie auch der Photovoltaik Rechner auf Photovoltaik.info, bieten eine wertvolle erste Einschätzung. Sie geben Ihnen schnell ein Gefühl dafür, was auf Ihrem Dach grundsätzlich möglich ist. Diese Rechner arbeiten jedoch oft mit pauschalen Durchschnittswerten:

  • Regionale Strahlungsdaten: Meist wird nur ein Mittelwert für Ihre Postleitzahl verwendet, ohne die exakte Mikrolage zu berücksichtigen.
  • Standard-Komponenten: Die Berechnung basiert auf generischen Modul- und Wechselrichterdaten, nicht auf den spezifischen Produkten, die später verbaut werden.
  • Vereinfachte Verschattung: Temporärer Schatten durch Bäume, Gauben oder Nachbargebäude wird meist nicht oder nur sehr grob erfasst.

Praxisbeispiel: Ein einfacher Rechner könnte für ein Süddach in München einen pauschalen Ertrag von 1.000 kWh pro Kilowatt-Peak (kWp) annehmen. Bei einer 8-kWp-Anlage wären das 8.000 kWh pro Jahr. Ein möglicher Schattenwurf durch einen Kamin am Morgen oder einen Baum am Nachmittag bleibt dabei jedoch unberücksichtigt – ein Faktor, der den realen Ertrag leicht um 10 bis 20 % reduzieren kann.

Professionelle Simulationssoftware: Die Basis für seriöse Angebote

Ein Fachbetrieb, der ein verbindliches Angebot erstellt, muss tiefer ins Detail gehen. Hierfür kommen spezialisierte Softwarelösungen wie PV*SOL, PVGIS oder ähnliche professionelle Programme zum Einsatz. Diese Werkzeuge ermöglichen eine dynamische Simulation des gesamten Systems über ein ganzes Jahr hinweg, oft in stündlichen oder sogar minütlichen Intervallen.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Datengrundlage. Anstelle pauschaler Annahmen fließen hier präzise, standortspezifische Informationen in die Berechnung ein. Erfahrungsgemäß hängen rund 80 % der Genauigkeit von wenigen, aber entscheidenden Faktoren ab, die nur eine detaillierte Simulation realistisch abbilden kann.

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Die entscheidenden Faktoren einer genauen Prognose

Eine verlässliche Ertragsprognose ist kein Geheimnis, sondern das Ergebnis einer sorgfältigen Analyse von vier Kernbereichen. Achten Sie darauf, dass diese in Ihrem Angebot transparent dargestellt werden.

1. Standort, Ausrichtung und 3D-Verschattungsanalyse

Die exakte geografische Lage ist nur der Anfang. Professionelle Planer erstellen ein 3D-Modell Ihres Gebäudes und der direkten Umgebung, um die zwei größten Einflussfaktoren präzise zu erfassen:

  • Dachneigung und Ausrichtung: Selbst geringe Abweichungen von der idealen Südausrichtung können den Ertrag beeinflussen. Eine genaue Ausrichtung der PV-Anlage ist daher die Grundlage jeder Berechnung. Ost-West-Anlagen können beispielsweise die Eigenverbrauchsquote erhöhen, liefern über das Jahr gesehen aber einen anderen Gesamtertrag als eine reine Südanlage.
  • Verschattungsanalyse: Dies ist der kritischste Punkt. Ein Schornstein, eine Dachgaube, ein hoher Baum oder das Nachbarhaus können zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten Teile der Anlage verschatten und die Leistung überproportional reduzieren. Eine professionelle Software simuliert den Sonnenverlauf für jeden einzelnen Tag des Jahres und berechnet den daraus resultierenden Leistungsverlust für jedes Modul.

Praxisbeispiel: Ein Kunde mit einem Einfamilienhaus hat einen großen Baum im Garten stehen. Die 3D-Simulation zeigt, dass dieser Baum von Oktober bis März zwischen 14 und 16 Uhr einen Teil der Module verschatten wird. Aufgrund dieser Analyse entscheidet sich der Planer für den Einsatz von Leistungsoptimierern an den betroffenen Modulen, um den Ertragsverlust zu minimieren. Eine Entscheidung, die ohne diese detaillierte Analyse nicht möglich gewesen wäre.

2. Qualität der Wetterdaten

Die Menge an Sonnenlicht, die auf Ihre Module trifft, ist der „Treibstoff“ Ihrer Anlage. Professionelle Simulationen greifen auf hochwertige, langjährige Wetterdatensätze zurück, um ein sogenanntes „typisches meteorologisches Jahr“ (Typical Meteorological Year, TMY) für Ihren exakten Standort zu erstellen.

Gängige und verlässliche Quellen für diese Daten sind:

  • Meteonorm: Eine weltweit anerkannte meteorologische Datenbank, die auf Daten von Bodenmessstationen und Satelliten basiert.
  • PVGIS (Photovoltaic Geographical Information System): Ein von der Europäischen Kommission bereitgestellter Dienst mit hochwertigen Strahlungsdaten für ganz Europa.
  • Deutscher Wetterdienst (DWD): Liefert hochpräzise, langjährige Messdaten für Standorte in Deutschland.

Eine seriöse Prognose benennt daher die Quelle ihrer Wetterdaten. Nur so ist sichergestellt, dass die Berechnung nicht auf einem einzelnen, vielleicht überdurchschnittlich sonnigen Jahr basiert, sondern auf einem statistisch belastbaren Durchschnittswert beruht.

3. Spezifische Anlagentechnik

Jede Komponente in Ihrer PV-Anlage hat ein einzigartiges Leistungsverhalten, das in die Simulation einfließen muss.

  • Solarmodule: Es reicht nicht, nur die Nennleistung (z. B. 400 Wp) zu kennen. Der tatsächliche Wirkungsgrad von Solarmodulen hängt auch vom Temperaturkoeffizienten (wie die Leistung bei Hitze nachlässt) und dem Schwachlichtverhalten (wie gut das Modul bei bewölktem Himmel arbeitet) ab.
  • Wechselrichter: Der passenden Wechselrichter wandelt den Gleichstrom der Module in Wechselstrom für Ihr Hausnetz um. Seine Effizienz ist nicht konstant, sondern hängt von der aktuellen Auslastung ab. Eine gute Simulation berücksichtigt diese Effizienzkurve und die genaue Abstimmung zwischen Modulfeld und Wechselrichter (Auslegungsfaktor).

Die Datenbanken professioneller Software enthalten die Kennlinien tausender Produkte. So lassen sich exakt die Module und der Wechselrichter simulieren, die auch in Ihrem Angebot aufgeführt sind.

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4. Realistische Annahmen zu Verlusten

Keine Anlage arbeitet zu 100 % verlustfrei. Eine ehrliche Prognose berücksichtigt verschiedene systembedingte Verluste, die in der Praxis unvermeidbar sind:

  • Leitungsverluste: Widerstand in den Solarkabeln.
  • Verschmutzung: Staub, Pollen oder Schnee auf den Modulen (typischerweise 1–3 %).
  • Degradation: Die natürliche, altersbedingte Abnahme der Modulleistung (ca. 0,5 % pro Jahr).
  • Temperaturverluste: Hohe Modultemperaturen im Sommer reduzieren die Leistung.

Ein Angebot, das diese Verluste nicht ausweist, zeichnet ein zu optimistisches Bild. In der Praxis sind Gesamtsystemverluste von 10 bis 15 % realistisch und sollten daher in jeder Kalkulation berücksichtigt werden.

Checkliste: Woran Sie eine gute Ertragsprognose erkennen

Prüfen Sie Ihr nächstes Angebot anhand dieser Punkte. Eine seriöse Prognose sollte die meisten davon erfüllen:

  • [✓] Verwendete Software: Das Planungstool (z. B. PV*SOL) wird namentlich genannt.
  • [✓] Detaillierte Standortdaten: Neben der Adresse sind Dachneigung und Azimut (Ausrichtung) exakt angegeben.
  • [✓] Verschattungsanalyse: Das Angebot verweist auf eine durchgeführte 3D-Verschattungsanalyse, idealerweise mit einer grafischen Darstellung.
  • [✓] Quelle der Wetterdaten: Die Herkunft der Strahlungsdaten (z. B. Meteonorm, PVGIS) ist dokumentiert.
  • [✓] Spezifische Komponenten: Die verwendeten Module und der Wechselrichter sind mit exakter Typenbezeichnung in der Simulation hinterlegt.
  • [✓] Ausweisung von Verlusten: Systembedingte Verluste (Temperatur, Leitungen etc.) werden transparent aufgeführt.
  • [✓] Spezifischer Ertrag (kWh/kWp): Neben dem Gesamtertrag wird dieser Vergleichswert genannt. Er liegt in Deutschland je nach Standort und Ausrichtung typischerweise zwischen 850 und 1.150 kWh/kWp.

Bietet Ihr Angebot diese Transparenz, können Sie von einer soliden Datengrundlage ausgehen. So wird die Prognose zu einer verlässlichen Basis für Ihre Investitionsentscheidung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeutet der Wert kWh/kWp?
Der spezifische Ertrag (Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak) ist eine wichtige Kennzahl, um die Effizienz von Anlagen an unterschiedlichen Standorten oder mit unterschiedlicher Ausrichtung zu vergleichen. Er gibt an, wie viele Kilowattstunden Strom eine Anlage pro Kilowatt-Peak installierter Leistung in einem Jahr erzeugt.

Wie genau kann eine Ertragsprognose sein?
Selbst die beste Simulation ist eine Prognose, keine Garantie. Wetterbedingungen können von Jahr zu Jahr schwanken. Eine professionell erstellte Ertragsprognose sollte jedoch eine Genauigkeit von +/- 10 % im Vergleich zum langjährigen Mittel erreichen. Weicht der tatsächliche Ertrag im ersten Jahr stärker ab, liegt das oft an einem über- oder unterdurchschnittlich sonnigen Jahr.

Warum weicht die Prognose für mein Haus von der meines Nachbarn ab?
Selbst bei identischer Anlagengröße können kleine Unterschiede große Auswirkungen haben: eine leicht andere Dachneigung, ein Baum, der nur Ihr Dach teilweise verschattet, oder die Verwendung eines anderen Wechselrichtermodells können zu unterschiedlichen Ertragsprognosen führen.

Ist eine hohe Ertragsprognose immer das beste Angebot?
Nicht zwangsläufig. Eine unrealistisch hohe Prognose führt schnell zu Enttäuschung, wenn die Anlage die versprochenen Werte nicht erreicht. Ein seriöses Angebot zeichnet sich durch eine realistische und nachvollziehbare Berechnung aus, nicht durch die höchste Zahl. Vertrauen Sie der Prognose, deren Methodik Sie verstehen.


Eine sorgfältig erstellte Ertragsprognose ist ein Zeichen von Professionalität und schafft die Vertrauensbasis für eine langfristige Investition. Sie schützt Sie vor falschen Erwartungen und stellt sicher, dass Ihre Photovoltaikanlage die Leistung erbringt, die Sie für Ihre Energieunabhängigkeit und Wirtschaftlichkeit benötigen.

Sie möchten Ihre individuelle Situation besser einschätzen oder haben Fragen zur Planung Ihrer Anlage? Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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