Photovoltaik & Solarthermie: Was Sie wirklich selbst machen können

Photovoltaik & Solarthermie: Was Sie wirklich selbst machen können

Der Gedanke ist verlockend: Die Sonne scheint kostenlos, warum also nicht die Energiekosten senken und gleichzeitig etwas für die Umwelt tun? Viele Hausbesitzer, die eine Solaranlage in Betracht ziehen, spielen mit dem Gedanken, bei der Installation selbst Hand anzulegen, um Kosten zu sparen.

Doch während der Werkzeugkasten bereitsteht, stellen sich wichtige Fragen: Welche Arbeiten sind bei Photovoltaik und Solarthermie für Laien überhaupt erlaubt und sicher durchführbar? Und wo endet die Eigenleistung zwingend beim Fachbetrieb?

Dieser Beitrag gibt Ihnen eine realistische und ehrliche Einschätzung, welches Do-it-yourself-Potenzial in den beiden Technologien steckt und wie Sie Risiken vermeiden, ohne auf sinnvolle Einsparungen verzichten zu müssen.

Die Grundlagen im Überblick: Photovoltaik vs. Solarthermie

Obwohl beide Technologien die Kraft der Sonne nutzen, sind ihre Funktionsweisen und damit auch die Anforderungen an die Installation grundverschieden.

Photovoltaik (PV) wandelt Sonnenlicht direkt in elektrischen Strom um. Die Kernkomponenten sind die Solarmodule auf dem Dach, ein Wechselrichter, der den erzeugten Gleichstrom in haushaltsüblichen Wechselstrom umwandelt, sowie die Montagekonstruktion und Verkabelung. Der erzeugte Strom kann direkt im Haus verbraucht, in einem Stromspeicher zwischengespeichert oder ins öffentliche Netz eingespeist werden.

Solarthermie nutzt die Sonnenenergie, um eine Flüssigkeit (ein Wasser-Glykol-Gemisch) in Solarkollektoren zu erwärmen. Diese Wärme wird über einen Kreislauf zu einem Speicher transportiert und für die Warmwasserbereitung oder zur Unterstützung der Heizung genutzt. Hier geht es also nicht um Strom, sondern um Wärmeenergie.

Diese Unterscheidung ist entscheidend, denn sie erfordert völlig unterschiedliche Fachkenntnisse und birgt verschiedene Gefahrenquellen – Elektrizität auf der einen, hohe Drücke und Temperaturen auf der anderen Seite.

Das DIY-Potenzial bei Photovoltaikanlagen: Wo sind die Grenzen?

Eine Photovoltaikanlage zu installieren, ist kein Hexenwerk, aber auch kein einfaches Wochenendprojekt. Es gibt klare Bereiche, in denen Sie als handwerklich geschickter Hausbesitzer tätig werden können, und ebenso klare No-Go-Zonen.

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Was Sie als Laie selbst erledigen dürfen (und sollten)

Die gute Nachricht zuerst: Ein erheblicher Teil der Montagearbeiten ist mechanischer Natur und kann bei entsprechender Vorsicht selbst übernommen werden.

  • Planung und Recherche: Der wichtigste Schritt. Informieren Sie sich über die Kosten einer PV-Anlage, berechnen Sie Ihren Strombedarf und prüfen Sie die Ausrichtung und Statik Ihres Daches. Eine solide Planung ist die Basis für den Erfolg.
  • Montage der Unterkonstruktion: Das Anbringen der Dachhaken und Montageschienen auf dem Dach ist eine rein mechanische Arbeit. Entscheidend sind hier Sorgfalt und die Einhaltung der Herstellervorgaben, um die Dichtigkeit des Daches zu gewährleisten. Sicherheit hat hier oberste Priorität: Arbeiten Sie niemals ohne professionelle Absturzsicherung wie ein Gerüst oder ein Sicherheitsgeschirr.
  • Verlegung der Solarmodule: Die Module auf die Schienen zu heben und zu befestigen, lässt sich ebenfalls erledigen. Aufgrund von Größe und Gewicht (ein Modul wiegt ca. 20-25 kg) ist dies eine Aufgabe für mindestens zwei Personen.
  • Verkabelung auf der DC-Seite: Die Solarmodule werden untereinander mit speziellen Steckern (MC4-Stecker) verbunden. Diese Gleichstrom-Verkabelung (DC) bis zum Wechselrichter ist in der Regel ein Stecksystem, das auch Laien handhaben können. Fehler können hier jedoch zu Lichtbögen und Brandgefahr führen, weshalb äußerste Präzision geboten ist.

Ein besonderer Fall und das ideale DIY-Projekt ist das Balkonkraftwerk. Diese Mini-PV-Anlagen sind explizit für die Selbstinstallation konzipiert und werden einfach über eine Steckdose an das Hausnetz angeschlossen.

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Wo zwingend der Fachmann ran muss

Bei allen Arbeiten, die das öffentliche Stromnetz berühren, hört die Eigenleistung auf. Hier geht es nicht nur um technisches Können, sondern um gesetzliche Vorschriften und Ihre Sicherheit.

  • Elektrischer Anschluss an das Hausnetz (AC-Seite): Dies ist die absolute rote Linie. Der Anschluss des Wechselrichters an den Zählerschrank und damit an das Stromnetz darf ausschließlich von einem zertifizierten Elektrofachbetrieb durchgeführt werden. Die Gründe sind vielfältig: die Gefahr eines tödlichen Stromschlags, die Einhaltung der VDE-Normen und der Brandschutz. Kein Versicherungsschutz greift, wenn hier ein Laie Hand anlegt.
  • Anmeldung und Inbetriebnahme: Die formelle Anmeldung der Anlage beim Netzbetreiber sowie die Registrierung im Marktstammdatenregister erfordern oft die Unterschrift eines eingetragenen Installateurs. Dieser führt auch die finale Prüfung durch und erstellt das Inbetriebnahmeprotokoll.

Praxisbeispiel: Ein Hausbesitzer mit Flachdach auf der Garage entscheidet sich für eine 5-kWp-Anlage. Er kauft ein Komplettset und übernimmt die Montage der Aufständerung und der Module selbst. Für den elektrischen Anschluss und die Inbetriebnahme beauftragt er einen lokalen Elektriker. So spart er rund 1.200 Euro an Montagekosten und hat dennoch die Gewissheit einer sicheren und vorschriftsmäßigen Installation. Die Erfahrung zeigt, dass dieses Hybridmodell für viele der beste Kompromiss aus Kostenersparnis und Sicherheit ist.

Das DIY-Potenzial bei Solarthermie: Andere Risiken, andere Regeln

Bei der Solarthermie liegt der Fokus nicht auf Elektrizität, sondern auf Wasser und Druck. Die Aufgabenverteilung zwischen Laie und Fachmann sieht hier anders aus.

Was Sie als Laie selbst erledigen dürfen

Ähnlich wie bei der Photovoltaik können Sie auch hier wesentliche Montagearbeiten selbst übernehmen:

  • Montage der Kollektoren: Das Anbringen der Solarkollektoren auf der Unterkonstruktion ist mechanisch mit der PV-Montage vergleichbar. Auch hier gilt: Sicherheit zuerst! Solarthermie-Kollektoren können je nach Bauart (Flach- oder Röhrenkollektoren) sogar noch unhandlicher sein.
  • Verlegung der Rohrleitungen: Auch die Verlegung der gedämmten Rohre vom Dach zum Technikraum ist in Eigenleistung möglich. Eine sorgfältige Planung der Rohrführung ist hier entscheidend, um Wärmeverluste zu minimieren.
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Wo der Fachmann unverzichtbar ist

Sobald es an den wasserführenden Teil und die Integration in das bestehende System geht, ist der Profi gefragt – in diesem Fall ein Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK).

  • Anschluss an den Wasserkreislauf: Die Verbindung der Solarthermieanlage mit dem Warmwasserspeicher oder dem Heizungspuffer ist eine komplexe Aufgabe. Fehler können hier zu erheblichen Wasserschäden oder einer ineffizienten Anlage führen.
  • Befüllen und Entlüften des Solarkreislaufs: Der Solarkreislauf muss mit einer speziellen Solarflüssigkeit (Frostschutzmittel) befüllt und sorgfältig entlüftet werden. Falsches Vorgehen kann die Pumpe beschädigen oder den Wärmetransport lahmlegen.
  • Druckprüfung und Inbetriebnahme: Der Fachmann stellt sicher, dass das System absolut dicht ist und mit dem korrekten Druck arbeitet – bei einem typischen Solarkreislauf sind das 3 bis 6 Bar. Zudem können in den Kollektoren bei Stillstand (wenn keine Wärme abgenommen wird) an einem Sommertag Temperaturen von über 200 °C entstehen. Dies verdeutlicht das hohe Verletzungs- und Brandrisiko bei unsachgemäßer Handhabung.

Praxisbeispiel: Eine vierköpfige Familie möchte ihre Warmwasserbereitung mit Solarthermie unterstützen. Der Vater montiert die Kollektoren auf dem Süddach des Hauses und verlegt die Rohre bis in den Keller. Ein SHK-Fachbetrieb übernimmt anschließend den Anschluss an den vorhandenen Warmwasserspeicher, befüllt die Anlage und nimmt sie in Betrieb.

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Kostenersparnis vs. Risiko: Eine ehrliche Abwägung

Die Motivation für Eigenleistung ist meist die Kostenersparnis. Durch die Übernahme der mechanischen Montagearbeiten können Sie je nach Anlagengröße und Aufwand zwischen 500 und 2.000 Euro sparen. Doch diesem Betrag stehen handfeste Risiken und versteckte Kosten gegenüber.

  • Verlust der Gewährleistung: Viele Hersteller und Fachbetriebe lehnen jegliche Gewährleistung für die Gesamtanlage ab, wenn wesentliche Teile von Laien installiert wurden.
  • Versicherungsschutz: Im Schadensfall (z. B. Brand durch fehlerhafte Verkabelung, Wasserschaden durch undichte Rohre) kann die Gebäude- oder Haftpflichtversicherung die Leistung verweigern, wenn die Installation nicht fachgerecht erfolgte.
  • Zeitaufwand und Werkzeug: Unterschätzen Sie nicht die Zeit, die für eine sorgfältige Montage nötig ist. Zudem benötigen Sie eventuell Spezialwerkzeug (z. B. Drehmomentschlüssel, Crimpzange, Gerüst), dessen Miete oder Kauf die Ersparnis schmälert.

Die Erfahrung zeigt, dass ein offenes Gespräch mit dem Fachbetrieb im Vorfeld der beste Weg ist. Viele Installateure sind offen für Hybridmodelle und definieren klar, welche Vorarbeiten Sie sicher und sinnvoll leisten können.

Häufige Fragen (FAQ) zur Eigenleistung bei Solaranlagen

Darf ich ein Balkonkraftwerk komplett selbst installieren und anschließen?
Ja, Balkonkraftwerke sind so konzipiert, dass sie von Laien montiert und über eine spezielle Energiesteckdose oder einen Schuko-Stecker angeschlossen werden können. Die vereinfachte Anmeldung von Balkonkraftwerken im Marktstammdatenregister müssen Sie jedoch selbst vornehmen.

Was passiert mit der Garantie, wenn ich meine PV-Anlage selbst montiere?
Das ist unterschiedlich. Die Produktgarantie der Hersteller für einzelne Komponenten (z. B. Module, Wechselrichter) bleibt oft bestehen. Die Systemgarantie oder Gewährleistung des Installateurs für die gesamte Anlage entfällt jedoch. Informieren Sie sich vorab über die genauen Garantiebedingungen für Photovoltaikanlagen.

Benötige ich spezielles Werkzeug für die Montage?
Ja. Neben einem guten Satz an Standardwerkzeugen benötigen Sie für eine PV-Anlage einen Drehmomentschlüssel für die Modulklemmen und eventuell eine Crimpzange für Solarkabel. Für Solarthermie sind Werkzeuge zur Rohrbearbeitung nötig. Unverzichtbar ist in jedem Fall eine professionelle Absturzsicherung für Dacharbeiten.

Ist die Anmeldung beim Netzbetreiber kompliziert?
Die Formulare und technischen Anforderungen können für Laien unübersichtlich sein. Ein Fachbetrieb erledigt dies routiniert und stellt sicher, dass alle Unterlagen korrekt sind, was den Prozess erheblich beschleunigt.

Kann ich meine alte Heizung einfach an eine Solarthermieanlage anschließen?
Nein, die Integration erfordert einen Fachmann. Die Steuerung und die Hydraulik müssen exakt auf beide Systeme abgestimmt sein, damit die Heizung nur dann anspringt, wenn die solare Wärme nicht ausreicht. Eine falsche Einbindung kann die Effizienz beider Systeme zunichtemachen.

Fazit: Eigenleistung mit Köpfchen und klaren Grenzen

Do-it-yourself bei Solaranlagen bietet ein echtes Sparpotenzial, aber nur, wenn die Grenzen respektiert werden. Die sicherste und oft sinnvollste Strategie ist ein Hybridmodell:

  • Bei Photovoltaik: Übernehmen Sie die mechanische Montage auf dem Dach, überlassen Sie den elektrischen Anschluss aber ausnahmslos dem Elektriker.
  • Bei Solarthermie: Montieren Sie die Kollektoren selbst, lassen Sie die wasserseitige Anbindung aber vom SHK-Profi erledigen.

Der wahre Champion für Heimwerker bleibt das Balkonkraftwerk, das von der Montage bis zum Anschluss auf die Eigenleistung ausgelegt ist. Bei allen größeren Projekten gilt: Ihre Sicherheit und eine funktionierende, langlebige Anlage sind wichtiger als die maximal mögliche Ersparnis.

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Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

Mehr über ihn und die Arbeit:
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