Datenschutz im Mieterstrom: So erfüllen Sie die DSGVO-Anforderungen

Die Idee ist bestechend: Sie erzeugen mit Ihrer Photovoltaikanlage sauberen Strom auf dem Dach und liefern ihn direkt an Ihre Mieter – günstiger und umweltfreundlicher als aus dem öffentlichen Netz. Doch mit der Umsetzung von Mieterstrommodellen übernehmen Sie nicht nur die Rolle eines Energieversorgers, sondern auch eine große Verantwortung für die Daten Ihrer Mieter. Denn die Erfassung und Verarbeitung von Stromverbrauchsdaten unterliegt den strengen Regeln der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Ein Verstoß kann nicht nur das Vertrauen Ihrer Mieter untergraben, sondern auch empfindliche Bußgelder nach sich ziehen.

Dieser Beitrag zeigt Ihnen, wie Sie die datenschutzrechtlichen Hürden sicher meistern und Ihr Mieterstromprojekt von Beginn an auf ein rechtssicheres Fundament stellen.

Warum Verbrauchsdaten im Mieterstrom besonders schützenswert sind

Auf den ersten Blick mögen Stromverbrauchsdaten wie einfache Zahlen wirken. Tatsächlich aber sind sie hochsensible personenbezogene Daten, denn sie geben detaillierte Einblicke in die Lebensgewohnheiten der Bewohner:

  • Anwesenheit: Wann ist jemand zu Hause oder im Urlaub?
  • Tagesablauf: Wann stehen die Bewohner auf, wann kochen sie, wann gehen sie schlafen?
  • Gerätenutzung: Läuft eine Waschmaschine, ein Fernseher oder ein medizinisches Gerät?

Solche Informationen sind streng privat und fallen somit unter den besonderen Schutz der DSGVO. Als Betreiber der Mieterstromanlage sind Sie der „Verantwortliche“ im Sinne des Gesetzes und müssen sicherstellen, dass diese Daten ausschließlich für den vorgesehenen Zweck und unter Einhaltung aller Vorschriften verarbeitet werden.

Die rechtlichen Grundlagen: DSGVO und Messstellenbetriebsgesetz

Für Mieterstromprojekte sind vor allem zwei Regelwerke entscheidend: die DSGVO als übergeordnetes Datenschutzgesetz und das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG), das die technischen Anforderungen an die Zählerinfrastruktur definiert. Die DSGVO gibt dabei zentrale Grundsätze vor, die Sie unbedingt beachten müssen.

Die wichtigsten DSGVO-Prinzipien für Ihr Projekt

  • Zweckbindung (Art. 5 Abs. 1 lit. b DSGVO): Sie dürfen die erfassten Verbrauchsdaten ausschließlich für die Zwecke verwenden, die im Mieterstromvertrag vereinbart wurden – dies ist in der Regel die verbrauchsgenaue Abrechnung des gelieferten Stroms. Eine Nutzung der Daten für andere Zwecke, etwa zur Überprüfung von Ruhezeiten oder zur Analyse des Wohnverhaltens, ist strengstens verboten.
  • Datenminimierung (Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO): Erfassen Sie nur so viele Daten, wie für die Abrechnung zwingend erforderlich sind. Moderne intelligenten Messsystemen können Daten im Sekundentakt liefern. Für eine monatliche oder jährliche Abrechnung sind jedoch 15-Minuten-Werte völlig ausreichend. Eine höhere Auflösung wäre in den meisten Fällen nicht DSGVO-konform.
  • Speicherbegrenzung (Art. 5 Abs. 1 lit. e DSGVO): Die Verbrauchsdaten dürfen nicht unbegrenzt gespeichert werden. Sobald die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen abgelaufen sind, die sich etwa aus dem Handels- und Steuerrecht ergeben (oft 6 bis 10 Jahre für Rechnungsunterlagen), müssen die personenbezogenen Daten gelöscht oder vollständig anonymisiert werden.
  • Rechtmäßigkeit der Verarbeitung (Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO): Die gute Nachricht ist: Für die reine Abrechnung des Stromverbrauchs benötigen Sie keine gesonderte Einwilligung Ihrer Mieter. Die Verarbeitung der Daten ist zur Erfüllung des Mieterstromvertrags notwendig und bildet damit eine solide Rechtsgrundlage. Eine Einwilligung wäre nur dann erforderlich, wenn Sie die Daten für Zwecke nutzen möchten, die über die reine Vertragsabwicklung hinausgehen.
Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro Balkonkraftwerk Speicher Set 1000 Watt 800 Watt - 2,7 kWh

Aus unserem Shop, Kategorie: Balkonkraftwerke mit Speicher

Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro Balkonkraftwerk Speicher Set 1000 Watt 800 Watt - 2,7 kWh

Ab 1.299,00 

Der Datenfluss in der Praxis: Von der Erfassung bis zur Abrechnung

Um die Einhaltung der DSGVO zu gewährleisten, müssen Sie den gesamten Weg der Daten im Blick haben – von der Messung im Zählerschrank bis zur fertigen Stromrechnung.

  1. Datenerfassung: Ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) erfasst den Stromverbrauch jeder Mietpartei sowie die Erzeugung Ihrer Photovoltaikanlage.
  2. Datenübertragung: Die Daten werden über eine sichere, verschlüsselte Verbindung an einen zentralen Punkt übertragen. In modernen Systemen übernimmt diese Aufgabe ein Smart Meter Gateway (SMGW), das vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert ist.
  3. Datenverarbeitung und Speicherung: Die Daten werden von Ihnen oder einem beauftragten Dienstleister (z. B. einem Abrechnungsunternehmen) verarbeitet. Dabei wird ermittelt, wie viel Strom vom Dach und wie viel aus dem Netz bezogen wurde. Die Speicherung selbst muss auf gesicherten Systemen innerhalb der EU erfolgen.
  4. Abrechnung: Auf Basis der verarbeiteten Daten wird die monatliche oder jährliche Stromrechnung für den Mieter erstellt.

Dieser Prozess stellt sicher, dass die sensiblen Verbrauchsdaten zu jedem Zeitpunkt geschützt sind und nur von befugten Personen eingesehen werden können.

Ihre Pflichten als Betreiber eines Mieterstrommodells

Als Verantwortlicher haben Sie konkrete Pflichten, um den Datenschutz zu gewährleisten. Die Erfahrung zeigt, dass eine proaktive und transparente Herangehensweise das Vertrauen der Mieter stärkt und spätere Probleme vermeidet.

1. Transparenz schaffen (Informationspflichten)

Ihre Mieter haben ein Recht zu wissen, was mit ihren Daten geschieht. Erfüllen Sie Ihre Informationspflichten gemäß Art. 13 und 14 DSGVO, indem Sie im Mieterstromvertrag oder in einem separaten Datenschutzhinweis die folgenden Punkte klar und verständlich erläutern:

  • Den Namen und die Kontaktdaten des Verantwortlichen (also Sie oder Ihr Unternehmen).
  • Den Zweck der Datenverarbeitung (z. B. „Erstellung der Stromkostenabrechnung“).
  • Die Rechtsgrundlage der Verarbeitung (z. B. „Erfüllung des Mieterstromvertrags“).
  • Eventuelle Empfänger der Daten (z. B. der externe Abrechnungsdienstleister).
  • Die Dauer der Speicherung.
  • Die Rechte der Mieter (Auskunft, Berichtigung, Löschung etc.).

2. Den richtigen Dienstleister wählen (Auftragsverarbeitung)

Wenn Sie die Abrechnung oder die technische Betriebsführung an ein externes Unternehmen auslagern, müssen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) abschließen. Dieses Dokument regelt rechtlich verbindlich, dass Ihr Dienstleister die Daten nur nach Ihren Weisungen und unter Einhaltung der DSGVO verarbeitet. Viele Betreiber entscheiden sich hier für spezialisierte Anbieter mit Sitz in Deutschland oder der EU, um maximale Rechtssicherheit zu gewährleisten.

20000 Watt Photovoltaikanlagen inkl. 20,00 kWh Batterie & Ziegeldach Montageset - Trina Bifazial

Aus unserem Shop, Kategorie: PV Anlagen mit Speicher und Montagesets

20000 Watt Photovoltaikanlagen inkl. 20,00 kWh Batterie & Ziegeldach Montageset - Trina Bifazial

12.999,00 

3. Technische und Organisatorische Maßnahmen (TOMs) umsetzen

Sie müssen aktiv dafür sorgen, dass die Daten sicher sind. Dazu dienen sogenannte Technische und Organisatorische Maßnahmen (TOMs). Hierzu gehören:

  • Verschlüsselung der Daten bei der Übertragung und Speicherung.
  • Zugriffskontrollen: Regeln Sie klar, wer in Ihrem Unternehmen oder bei Ihrem Dienstleister die Verbrauchsdaten einsehen darf. Dieser Zugang sollte auf das absolut notwendige Minimum beschränkt sein.
  • Datenschutz durch Technikgestaltung (Privacy by Design): Wählen Sie von Beginn an Systeme, die den Datenschutz technisch unterstützen, wie z. B. BSI-zertifizierte Smart Meter Gateways.

4. Rechte der Mieter wahren

Ihre Mieter können jederzeit ihre Rechte wahrnehmen, z. B. Auskunft über die gespeicherten Daten verlangen. Stellen Sie sicher, dass Sie einen Prozess etabliert haben, um solche Anfragen zeitnah und korrekt zu beantworten.

Häufige Fragen (FAQ) zum Datenschutz im Mieterstrom

Benötige ich eine separate Einwilligung meiner Mieter für die Datenerfassung?
Für die zur Abrechnung notwendige Erfassung und Verarbeitung der Verbrauchsdaten ist keine Einwilligung erforderlich. Die Rechtsgrundlage ist die Erfüllung des Mieterstromvertrags. Nur wenn Sie die Daten für weitere Zwecke nutzen möchten (z. B. für eine Verbrauchsberatung), benötigen Sie eine freiwillige und informierte Einwilligung.

Was passiert mit den Daten, wenn ein Mieter auszieht?
Nach dem Auszug eines Mieters müssen die Daten zunächst für die Dauer der gesetzlichen Aufbewahrungsfristen aufbewahrt werden, beispielsweise für die Finanzbuchhaltung. Danach sind sie unverzüglich zu löschen oder vollständig zu anonymisieren, sodass kein Rückschluss auf die Person mehr möglich ist.

Darf ich als Vermieter die Daten nutzen, um die Anwesenheit meiner Mieter zu prüfen?
Nein, auf keinen Fall. Dies wäre ein klarer Verstoß gegen den Grundsatz der Zweckbindung und könnte hohe Bußgelder nach sich ziehen. Die Daten dienen einzig und allein der Stromabrechnung.

Wer ist der „Verantwortliche“ im Sinne der DSGVO?
Der Verantwortliche ist die natürliche oder juristische Person, die über die Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten entscheidet. Bei einem Mieterstrommodell ist das in der Regel der Vermieter oder die Immobiliengesellschaft, die den Mieterstromvertrag mit den Mietern abschließt.

Fazit: Datenschutz als Vertrauensfaktor und Qualitätsmerkmal

Die Anforderungen der DSGVO im Mieterstrom wirken auf den ersten Blick komplex, sind aber mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Partnern gut umsetzbar. Betrachten Sie den Datenschutz nicht als lästige Pflicht, sondern als wichtigen Baustein für ein vertrauensvolles Verhältnis zu Ihren Mietern. Ein transparentes und sicheres Datenmanagement ist ein klares Qualitätsmerkmal für Ihr Mieterstromprojekt und trägt maßgeblich zu dessen Akzeptanz und Erfolg bei.

Die Plattform Photovoltaik.info unterstützt Sie dabei, die technischen und organisatorischen Aspekte von Projekten wie dem Mieterstrom von Grund auf zu verstehen.


Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.

Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen abgestimmt sind.

Ratgeber teilen
OLEKSANDR PUSHKAR
OLEKSANDR PUSHKAR