Bifaziale Solarmodule: Mehrertrag für Carports, Fassaden und Freiflächenanlagen

Viele Eigenheimbesitzer, die über eine Photovoltaikanlage nachdenken, konzentrieren sich ausschließlich auf die Dachfläche. Doch was wäre, wenn Ihre Solarmodule nicht nur das direkte Sonnenlicht von oben, sondern auch das reflektierte Licht von unten nutzen könnten? Genau das leisten bifaziale Solarmodule. Sie erzeugen auf beiden Seiten Strom und erzielen unter den richtigen Bedingungen einen beachtlichen Mehrertrag von bis zu 30 %.

Was sind bifaziale Solarmodule und wie funktionieren sie?

Ein herkömmliches Solarmodul hat eine aktive Vorderseite, die das Sonnenlicht in Strom umwandelt, während die Rückseite passiv und lichtundurchlässig ist – meist eine Kunststofffolie. Bifaziale Module hingegen sind so konstruiert, dass sie auf beiden Seiten Licht aufnehmen können.

Das Geheimnis liegt im Aufbau: Anstelle einer undurchsichtigen Folie besitzen sie eine zweite Glasscheibe oder eine transparente Rückseitenfolie. So können die Solarzellen auch das Licht nutzen, das vom Untergrund auf ihre Rückseite reflektiert wird. Man kann es sich wie ein zusätzliches Kraftwerk auf der Rückseite vorstellen, das parallel zum Hauptgenerator auf der Vorderseite arbeitet.

Dieser sogenannte Glas-Glas-Aufbau macht die Module nicht nur beidseitig produktiv, sondern auch extrem robust und witterungsbeständig. Die Zellen sind optimal vor Feuchtigkeit und mechanischer Belastung geschützt, was zu einer geringeren Leistungsabnahme im Laufe der Zeit und einer längeren Lebensdauer führt.

Der Albedo-Effekt: Der Schlüssel zum Mehrertrag

Der entscheidende Faktor für den Mehrertrag eines bifazialen Moduls ist die Helligkeit des Untergrunds – auch Albedo-Wert genannt. Dieser Wert beschreibt, wie viel Prozent des einfallenden Lichts eine Oberfläche zurückwirft. Je heller der Untergrund, desto mehr Licht wird auf die Rückseite des Moduls gelenkt und desto höher ist der zusätzliche Stromertrag.

Hier einige typische Albedo-Werte aus der Praxis:

  • Neuschnee: bis zu 85 %
  • Heller Beton oder weißer Kies: 40–60 %
  • Heller Sand: 20–40 %
  • Gras oder Wiese: 10–25 %
  • Dunkler Asphalt oder Erdreich: 5–10 %

Praxisbeispiel: Eine aufgeständerte Anlage über einem hellen Kiesbett auf einem Flachdach erzielt einen deutlich höheren Mehrertrag als die gleiche Anlage über einer Wiese. Allein die Wahl des Untergrunds kann den zusätzlichen Ertrag verdoppeln oder verdreifachen.

Wann lohnen sich bifaziale Module? Die besten Einsatzorte

Bifaziale Module entfalten ihr volles Potenzial nur dort, wo genügend Licht an ihre Rückseite gelangen kann. Für eine klassische, dachparallele Montage auf einem Ziegeldach sind sie daher ungeeignet. Ideal sind stattdessen alle Installationsarten, bei denen ein größerer Abstand zum Untergrund besteht.

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Aufgeständerte Anlagen (Freifläche & Flachdach)

Die Aufständerung ist der klassische Anwendungsfall. Für den höchsten Mehrertrag hat sich eine Installationshöhe von mindestens einem Meter als optimal erwiesen, da auf diese Weise besonders viel diffuses Umgebungslicht die Rückseite erreicht. Gerade auf dem Flachdach bietet eine solche Montage klare Vorteile gegenüber dachparallelen Systemen. Der Untergrund kann gezielt optimiert werden, beispielsweise durch das Auslegen einer hellen Kiesschicht oder einer weißen Dachbahn.

Solar-Carports und Terrassenüberdachungen

Ein Carport- oder Terrassendach ist ein idealer Ort für bifaziale Module. Das darunter geparkte Auto oder die hellen Terrassenplatten reflektieren das Licht nach oben. Gleichzeitig schaffen die semitransparenten Glas-Glas-Module einen angenehmen, leicht beschatteten Bereich.

Praxisbeispiel: Ein Doppel-Carport mit einer Fläche von 30 m², ausgestattet mit bifazialen Modulen über hellem Pflaster, kann allein durch die Rückseite einen jährlichen Mehrertrag von 500 bis 800 kWh erzielen. Das ist genug, um ein Elektroauto rund 3.000 bis 4.000 Kilometer weit zu fahren.

Senkrechte Montage: Fassaden und Solarzäune

Ein wachsender Trend ist die senkrechte Installation von bifazialen Modulen, etwa als Sichtschutz, an Balkongeländern oder als Solarzaun. Diese Ausrichtung spielt ihre Stärken besonders im Winter aus: Wenn die Sonne tief steht, ist der Einfallswinkel auf die senkrechte Fläche optimal. Liegt zusätzlich Schnee, der mit seinem hohen Albedo-Wert das Licht stark reflektiert, erzielen solche Anlagen gerade in der dunklen Jahreszeit erstaunlich hohe Erträge.

Die Vorteile und Nachteile im Überblick

Wie jede Technologie haben auch bifaziale Module ihre Stärken und Schwächen, die es bei der Entscheidung zu berücksichtigen gilt.

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Vorteile bifazialer Module

  • Signifikanter Mehrertrag: Je nach Standort und Untergrund sind 5 % bis 30 % mehr Stromertrag möglich.
  • Höhere Langlebigkeit: Der Glas-Glas-Aufbau schützt die Zellen effektiver und sorgt für eine geringere Degradation über die Laufzeit.
  • Bessere Leistung bei Schwachlicht: Durch die Nutzung von diffusem Licht von der Rückseite erzeugen die Module auch an bewölkten Tagen oder in den Morgen- und Abendstunden mehr Strom.
  • Ästhetische Optik: Insbesondere bei Überdachungen wirken die leicht transparenten Module modern und elegant.

Mögliche Nachteile

  • Etwas höhere Kosten: Bifaziale Module sind in der Anschaffung etwa 5–10 % teurer als vergleichbare monofaziale Module.
  • Höherer Planungsaufwand: Standort, Installationshöhe und Beschaffenheit des Untergrunds müssen sorgfältig geplant werden, um das Potenzial auszuschöpfen.
  • Nicht universell einsetzbar: Für klassische Schrägdach-Installationen sind sie nicht geeignet.

Häufige Fragen zu bifazialen Solarmodulen (FAQ)

Wie viel Mehrertrag kann ich realistisch erwarten?
Der reale Mehrertrag hängt stark von der Installationshöhe und dem Albedo-Wert des Untergrunds ab. Auf Freiflächen mit hellem Untergrund sind 15–25 % ein realistischer Wert. Bei senkrechter Montage mit Schneereflexion im Winter sind sogar bis zu 30 % möglich. Bei einem Carport über dunklem Asphalt liegt der Wert eher bei 5–10 %.

Sind bifaziale Module viel teurer?
Der Preisunterschied zu hochwertigen monofazialen Modulen ist heute nur noch gering und liegt meist bei 5–10 %. Dieser Aufpreis gleicht sich durch den Mehrertrag über die Laufzeit der Anlage bei den meisten geeigneten Anwendungen mehr als aus.

Kann ich bifaziale Module auf meinem Ziegeldach installieren?
Nein, das ist nicht sinnvoll. Bei einer dachparallelen Montage auf einem Schrägdach beträgt der Abstand zwischen Modul und Dachziegel nur wenige Zentimeter. Es gelangt kaum Licht an die Rückseite, sodass der bifaziale Effekt nicht zum Tragen kommt.

Was ist der Bifazialitätsfaktor?
Dieser Wert gibt an, wie leistungsfähig die Rückseite im Verhältnis zur Vorderseite ist. Ein typischer Bifazialitätsfaktor liegt zwischen 70 % und 95 %. Das bedeutet, die Rückseite kann unter idealen Lichtbedingungen (also bei gleicher Bestrahlungsstärke wie die Vorderseite) 70–95 % der Leistung der Vorderseite erbringen.

Benötige ich einen speziellen Wechselrichter?
In der Regel benötigen Sie keinen speziellen Wechselrichter. Allerdings muss dieser für die potenziell höhere Spitzenleistung der Anlage ausgelegt sein. Eine sorgfältige Planung durch einen Fachmann ist hier entscheidend, um sicherzustellen, dass alle Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sind.

Fazit: Eine lohnende Investition für den richtigen Standort

Bifaziale Solarmodule sind kein Allheilmittel, aber eine hocheffiziente Technologie für die richtigen Anwendungsfälle. Sie sind die erste Wahl für alle Projekte, bei denen die Module aufgeständert werden – sei es auf einem Flachdach, einer Freifläche, als Carport oder Terrassenüberdachung.

Die etwas höhere Investition rechnet sich durch den deutlichen Mehrertrag und die längere Lebensdauer in der Regel schnell. Sie nutzen nicht nur die direkte Sonneneinstrahlung, sondern auch das brachliegende Potenzial des Umgebungslichts und machen Ihre Photovoltaikanlage damit zu einem noch effizienteren Kraftwerk.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen und Anwendungsfälle abgestimmt sind.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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