Wartungsvertrag für die PV-Anlage: Pflicht für Garantie und Gewährleistung?

Eine Photovoltaikanlage ist eine langfristige Investition in saubere Energie und niedrigere Stromkosten. Nach der Installation läuft sie in der Regel jahrelang störungsfrei. Doch was passiert, wenn die Leistung nachlässt oder ein Defekt auftritt? Viele Anlagenbetreiber fragen sich dann, ob ein fehlender Wartungsvertrag ihre Ansprüche auf Garantie oder Gewährleistung gefährden könnte. Dieser Artikel klärt auf und zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Investition optimal absichern.
Der feine Unterschied: Garantie und Gewährleistung verständlich erklärt
Im Alltag werden die Begriffe Garantie und Gewährleistung oft synonym verwendet. Rechtlich und praktisch gibt es jedoch wesentliche Unterschiede, die für Sie als Anlagenbesitzer entscheidend sind.
Die gesetzliche Gewährleistung
Die Gewährleistung, auch Sachmängelhaftung genannt, ist Ihr gesetzlich verankertes Recht gegenüber dem Verkäufer bzw. Installateur. Sie stellt sicher, dass die von Ihnen gekaufte Ware oder Dienstleistung zum Zeitpunkt der Übergabe frei von Mängeln war.
- Dauer: Für bewegliche Teile wie Solarmodule oder Wechselrichter beträgt die Frist zwei Jahre, für die Bauleistung – also die feste Installation am Gebäude – sind es fünf Jahre.
- Beweislast: In den ersten 12 Monaten nach der Installation wird gesetzlich vermutet, dass ein auftretender Mangel bereits bei der Übergabe vorhanden war. Danach kehrt sich die Beweislast um: Sie als Käufer müssen nachweisen, dass der Fehler von Anfang an bestand.
Die freiwillige Herstellergarantie
Im Gegensatz zur Gewährleistung ist die Garantie eine freiwillige Zusage des Herstellers. Er verspricht, dass sein Produkt für einen bestimmten Zeitraum eine definierte Eigenschaft behält oder eine bestimmte Leistung erbringt. Die Bedingungen dafür legt allein der Hersteller fest.
- Produktgarantie: Diese deckt Material- und Verarbeitungsfehler an den Komponenten ab. Üblich sind hier Zeiträume von 10 bis 15 Jahren für Solarmodule und 5 bis 10 Jahren für Wechselrichter.
- Leistungsgarantie: Hier sichert der Hersteller zu, dass die Solarmodule nach einem langen Zeitraum von oft 25 bis 30 Jahren noch einen bestimmten Prozentsatz ihrer ursprünglichen Nennleistung erbringen (z. B. 80 %). Die langfristige Sicherung der Lebensdauer von Solarmodulen steht hier im Fokus.
Ist ein Wartungsvertrag Voraussetzung für Ihre Ansprüche?
Die zentrale Frage ist nun, ob Sie regelmäßig eine Wartung durchführen lassen müssen, um diese Rechte nicht zu verlieren. Die Antwort hängt davon ab, ob Sie einen Gewährleistungs- oder einen Garantiefall geltend machen möchten.
Die gesetzliche Gewährleistung: Keine Wartungspflicht, aber ein strategischer Vorteil
Für die gesetzliche Gewährleistung schreibt der Gesetzgeber keine regelmäßige Wartung vor. Ihre Ansprüche bleiben also auch ohne Wartungsvertrag bestehen.
Allerdings kann ein Wartungsprotokoll nach Ablauf der ersten 12 Monate zum entscheidenden Vorteil werden.
Praxisbeispiel: Ihre Anlage läuft 18 Monate einwandfrei. Plötzlich stellen Sie einen deutlichen Leistungsabfall bei einem Modulstrang fest. Um einen Gewährleistungsanspruch geltend zu machen, müssen Sie nun beweisen, dass die Ursache, zum Beispiel eine fehlerhafte Verkabelung durch den Installateur, schon bei der Installation vorlag. Ohne Dokumentation ist das schwierig. Regelmäßige Wartungsprotokolle, die den einwandfreien Zustand der Anlage bis zum Auftreten des Fehlers belegen, können hier als starkes Indiz gelten und Ihre Position erheblich stärken. So lassen sich auch Defekte an Solarmodulen erkennen und deren Ursprung besser nachvollziehen.
Die Herstellergarantie: Ein Blick ins Kleingedruckte ist entscheidend
Bei der Herstellergarantie sieht die Situation anders aus. Da es sich um eine freiwillige Leistung handelt, kann der Hersteller die Bedingungen selbst festlegen. Viele Hersteller knüpfen die Gültigkeit ihrer langjährigen Leistungsgarantien an den Nachweis einer regelmäßigen und fachgerechten Wartung.
Die Erfahrung zeigt: Insbesondere bei hochwertigen Komponenten ist oft eine Inspektion nach Normen wie der VDE 0105-100 oder VDE 0126-23 in bestimmten Intervallen gefordert, zum Beispiel alle zwei bis vier Jahre. Ein Blick in die Garantiebedingungen Ihrer Komponenten ist daher unerlässlich. Versäumen Sie eine vorgeschriebene Wartung, kann der Hersteller im Schadensfall die Garantieleistung verweigern.
Was leistet ein guter Wartungsvertrag – und was kostet er?
Ein professioneller Wartungsvertrag sichert nicht nur Ihre Ansprüche, sondern vor allem den optimalen Ertrag und die Betriebssicherheit Ihrer Anlage. Ein Fachbetrieb übernimmt typischerweise folgende Aufgaben:
- Sichtprüfung: Kontrolle der Module auf Verschmutzung, Beschädigung oder Hot-Spots.
- Elektrische Prüfung: Messung von Spannungen und Strömen zur Überprüfung der Leistungsfähigkeit.
- Kontrolle der Unterkonstruktion: Überprüfung auf festen Sitz und Korrosion.
- Inspektion des Wechselrichters: Auslesen des Fehlerspeichers und Prüfung der Lüftung.
- Überprüfung der Verkabelung: Kontrolle auf Beschädigungen durch Witterung oder Tiere wie Marderbisse.
Als Faustregel können Sie mit jährlichen Kosten von etwa 1 bis 1,5 % der ursprünglichen Investitionssumme für einen umfassenden Wartungsvertrag rechnen. Bei einer Anlage für 15.000 € wären das also 150 € bis 225 € pro Jahr.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Versicherungsschutz. Viele Betreiber schließen eine spezielle Photovoltaik-Versicherung ab. Einige dieser Policen setzen eine regelmäßige Prüfung nach VDE-Norm voraus, um den vollen Schutz, etwa bei Überspannungs- oder Brandschäden, zu gewährleisten.
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12.999,00 €Die Erfahrung zeigt: Wann sich ein Wartungsvertrag besonders lohnt
Obwohl nicht immer gesetzlich vorgeschrieben, hat sich ein Wartungsvertrag in der Praxis für die meisten Anlagenbetreiber bewährt. Besonders empfehlenswert ist er in folgenden Fällen:
- Große und komplexe Anlagen: Je höher die Investitionssumme, desto wichtiger ist die Absicherung des Werts und der Erträge.
- Schwer zugängliche Dächer: Eine professionelle Inspektion ist hier sicherer und gründlicher als eine eigene Sichtprüfung.
- Anlagenbetreiber ohne technisches Fachwissen: Ein Wartungsvertrag gibt die Sicherheit, dass die Anlage stets optimal und sicher läuft, ohne dass man sich selbst in technische Details einarbeiten muss.
Auf Photovoltaik.info beobachten wir, dass viele Anlagenbetreiber den Wert einer lückenlosen Dokumentation für den Werterhalt ihrer Investition schätzen und sich daher für eine regelmäßige professionelle Betreuung entscheiden.
Häufige Fragen (FAQ) zum Thema Wartung und Garantie
Verliere ich sofort alle Ansprüche, wenn ich eine Wartung vergesse?
Nein. Ihre gesetzlichen Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Installateur bleiben davon unberührt. Bei der Herstellergarantie hängt es von den spezifischen Bedingungen ab. Ist dort eine Wartung vorgeschrieben, kann der Hersteller die Leistung im Ernstfall verweigern.
Kann ich die Wartung selbst durchführen?
Eine regelmäßige Sichtprüfung können und sollten Sie selbst vornehmen. Für die Aufrechterhaltung von Garantieansprüchen oder Versicherungsbedingungen wird jedoch fast immer ein Protokoll von einem zertifizierten Fachbetrieb verlangt. Nur dieser verfügt über die nötigen Messgeräte und Fachkenntnisse.
Wie oft sollte eine PV-Anlage gewartet werden?
Ein gängiges Intervall für eine umfassende technische Überprüfung ist alle zwei Jahre. Einige Hersteller oder Versicherer schreiben auch jährliche Intervalle vor. Eine jährliche Sichtprüfung durch Sie als Betreiber ist in jedem Fall sinnvoll.
Fazit: Eine Investition in Sicherheit und Werterhalt
Ein Wartungsvertrag ist für eine PV-Anlage keine gesetzliche Pflicht, aber eine äußerst sinnvolle strategische Absicherung. Er erleichtert die Durchsetzung von Gewährleistungsansprüchen, ist oft Voraussetzung für die langfristige Herstellergarantie und wird von vielen Versicherungen gefordert. Vor allem aber gibt er Ihnen die Gewissheit, dass Ihre Anlage über Jahrzehnte hinweg sicher und effizient sauberen Strom produziert. Damit ist die regelmäßige Wartung eine kleine, aber kluge Investition in die Langlebigkeit und Rentabilität Ihres Solarkraftwerks.
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