Die 1:1-Regel für Stromspeicher: Ein guter Start, aber nicht immer die beste Lösung

Wer sich mit Photovoltaik beschäftigt, stößt unweigerlich auf eine weitverbreitete Faustregel: Pro Kilowatt-Peak (kWp) Photovoltaik-Leistung sollte man eine Kilowattstunde (kWh) Speicherkapazität einplanen.

Diese 1:1-Regel klingt einfach und einleuchtend, doch ist sie wirklich für jeden Haushalt die wirtschaftlichste und sinnvollste Lösung? Die Erfahrung zeigt, dass dieser Richtwert zwar eine gute erste Orientierung bietet, eine unreflektierte Anwendung aber schnell teuer werden kann.

Wir klären, für wen die 1:1-Regel ideal ist, wann eine Abweichung sinnvoll ist und wie Sie die für Sie passende Speichergröße finden – basierend auf Daten und realen Nutzungsszenarien.

Was besagt die 1:1-Faustregel genau?

Die Regel ist denkbar einfach: Sie koppelt die Leistung Ihrer Photovoltaikanlage direkt an die Kapazität Ihres Stromspeichers.

Ein Beispiel: Sie installieren eine Photovoltaikanlage mit 10 kWp Leistung auf Ihrem Dach. Nach der 1:1-Regel würden Sie einen Stromspeicher mit 10 kWh nutzbarer Kapazität wählen.

Diese Faustformel ist so populär, weil sie eine komplexe Entscheidung vereinfacht. Eine Branchenstudie aus dem Jahr 2023 bestätigt, dass die durchschnittliche Anlagengröße von rund 10 kWp und die durchschnittliche Speichergröße von etwa 10 kWh in Deutschland nahezu übereinstimmen. Der Markt folgt also mehrheitlich dieser Regel.

Doch warum ist ein Speicher überhaupt notwendig und warum ist seine Größe so entscheidend für die Frage, ob sich Photovoltaik lohnt?

Das Kernproblem: Warum ein Speicher überhaupt nötig ist

Der Hauptgrund für einen Stromspeicher liegt in der zeitlichen Lücke zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) zeigt deutlich das typische Muster eines Haushalts:

  • Stromerzeugung: Ihre PV-Anlage produziert den meisten Strom zur Mittagszeit, wenn die Sonneneinstrahlung am stärksten ist.
  • Stromverbrauch: Der Strombedarf der meisten Haushalte ist morgens (vor der Arbeit) und abends (nach der Arbeit) am höchsten, wenn gekocht, gewaschen und ferngesehen wird.

Ohne Speicher würde der wertvolle Solarstrom tagsüber für eine geringe Vergütung ins Netz eingespeist, während Sie abends teuren Strom vom Energieversorger zurückkaufen müssten. Der Speicher dient als Puffer: Er speichert den mittäglichen Überschuss für die Abend- und Nachtstunden.

Genau hier wird die Dimensionierung kritisch: Ein zu kleiner Speicher ist abends zu schnell leer. Ein zu großer Speicher hingegen wird an vielen Tagen nicht vollständig genutzt und amortisiert sich nur langsam – ein Punkt, den auch die Verbraucherzentrale immer wieder kritisiert.

Wirtschaftlichkeit vs. Autarkie: Ein Zielkonflikt

Bei der Speicherdimensionierung stehen sich zwei Ziele oft im Weg: maximale Wirtschaftlichkeit und maximale Autarkie.

  • Wirtschaftlichkeit: Das Ziel ist, die Kosten pro gespeicherter und genutzter Kilowattstunde so gering wie möglich zu halten. Sie wollen den schnellsten Return on Investment.
  • Autarkie: Das Ziel ist, so unabhängig wie möglich vom öffentlichen Stromnetz und steigenden Strompreisen zu werden.

Die aktuelle Stromspeicher-Inspektion 2024 der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin verdeutlicht diesen Konflikt:

  • Kleinere Speicher (z. B. 0,5 kWh pro kWp) sind oft am wirtschaftlichsten. Sie werden fast täglich voll geladen und entladen, arbeiten also sehr effizient.
  • Größere Speicher (z. B. 1,5 kWh pro kWp) erhöhen den Autarkiegrad deutlich, doch die zusätzliche Kapazität wird seltener genutzt. Die Kosten pro gespeicherter kWh steigen.

Die 1:1-Regel ist ein Kompromiss zwischen diesen beiden Zielen. Doch je nach Ihrem persönlichen Verbrauchsprofil kann dieser Kompromiss zu teuer sein.

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Wann die 1:1-Regel perfekt passt – und wann nicht

Ob die Faustregel für Sie geeignet ist, lässt sich am besten an drei typischen Szenarien verdeutlichen.

Szenario 1: Der klassische Vierpersonenhaushalt

  • Profil: Die Eltern sind berufstätig, die Kinder in der Schule. Der Stromverbrauch ist tagsüber gering. Ab 17 Uhr laufen Waschmaschine, Herd und Fernseher. Jährlicher Verbrauch: ca. 4.500–5.500 kWh.
  • Analyse: Hier passt die 1:1-Regel sehr gut. Ein 10-kWh-Speicher bei einer 10-kWp-Anlage kann den Solarüberschuss des Tages speichern und den Haushalt zuverlässig durch den Abend und die Nacht bringen. Der Speicher wird in den meisten Monaten gut ausgelastet.

Szenario 2: Wenn ein kleinerer Speicher sinnvoller ist

  • Profil: Ein Zweipersonenhaushalt im Ruhestand oder mit viel Homeoffice. Der Verbrauch ist über den Tag recht konstant, da gekocht, gearbeitet und ferngesehen wird. Der abendliche Spitzenbedarf ist gering. Jährlicher Verbrauch: ca. 2.500–3.500 kWh.
  • Analyse: Ein nach der 1:1-Regel dimensionierter Speicher wäre hier oft überdimensioniert und damit unwirtschaftlich. Ein Großteil des Solarstroms wird bereits tagsüber direkt verbraucht. Ein kleinerer Speicher mit etwa 0,7 bis 0,8 kWh pro kWp PV-Leistung ist meist ausreichend, um die Grundlast in der Nacht und die Morgenspitze zu decken. So lässt sich der Eigenverbrauch optimieren, ohne in ungenutzte Kapazität zu investieren.

Szenario 3: Wann sich ein größerer Speicher lohnt

  • Profil: Ein technikaffiner Haushalt mit hohem Stromverbrauch durch ein E-Auto, das abends geladen wird, und eine Wärmepumpe, die auch nachts läuft. Das Ziel ist maximale Unabhängigkeit. Jährlicher Verbrauch: über 7.000 kWh.
  • Analyse: In diesem Fall kann die 1:1-Regel zu knapp bemessen sein. Um die hohen Verbräuche in der Nacht zu decken, ist eine größere Speicherkapazität von 1,2 bis 1,5 kWh pro kWp PV-Leistung oft die bessere Wahl. Der finanzielle Fokus liegt hier weniger auf der schnellsten Amortisation, sondern auf der maximalen Nutzung des eigenen Solarstroms und der Absicherung gegen hohe Strompreise.

1:1-Regel für Photovoltaik-Stromspeicher

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So finden Sie die richtige Speichergröße für sich

Statt sich blind auf eine Faustregel zu verlassen, finden Sie die passende Größe am besten in drei einfachen Schritten.

Schritt 1: Analysieren Sie Ihren Stromverbrauch

Ihre letzte Jahresstromrechnung ist ein guter Ausgangspunkt. Noch wichtiger ist jedoch Ihr Tagesprofil: Wann verbrauchen Sie den meisten Strom? Ein Photovoltaik-Rechner hilft Ihnen dabei, eine erste Einschätzung basierend auf Ihrem Jahresverbrauch und Ihrer Haushaltsgröße zu bekommen.

Schritt 2: Definieren Sie Ihr Hauptziel

Fragen Sie sich ehrlich: Was ist mir wichtiger?

  • Maximale Ersparnis (Wirtschaftlichkeit): Dann empfiehlt sich ein kleinerer, voll ausgelasteter Speicher.
  • Maximale Unabhängigkeit (Autarkie): Dann ist ein größerer Speicher trotz höherer Kosten pro kWh die passende Wahl.

Schritt 3: Planen Sie für die Zukunft

Steht in den nächsten fünf Jahren die Anschaffung eines E-Autos oder einer Wärmepumpe an? Diese Großverbraucher verändern Ihr Lastprofil erheblich. Ein Speicher lässt sich zwar später erweitern, dies ist aber oft teurer und technisch aufwendiger, als ihn von Anfang an passend zu dimensionieren. Eine detaillierte Anleitung zur Ermittlung der richtigen Größe des Stromspeichers finden Sie in unserem weiterführenden Artikel.

Speicherplanung für zukünftige Lastprofile

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was passiert, wenn mein Speicher zu groß ist?

Ein überdimensionierter Speicher wird an vielen Tagen nicht vollständig geladen. Dadurch investieren Sie in Kapazität, die Sie nicht nutzen. Dies verlängert die Amortisationszeit erheblich und macht Ihre gesamte PV-Anlage weniger rentabel.

Was passiert, wenn mein Speicher zu klein ist?

Ein zu kleiner Speicher ist abends schnell leer. Sie müssen dann früher und mehr Strom aus dem Netz zukaufen. Ihr Autarkiegrad ist geringer, aber der Speicher selbst arbeitet sehr wirtschaftlich, da er fast jeden Tag voll genutzt wird.

Kann ich einen Speicher später nachrüsten oder erweitern?

Ja, eine Nachrüstung oder Erweiterung ist technisch möglich. Allerdings kann es zu Kompatibilitätsproblemen zwischen dem alten und neuen System kommen. Zudem sind die Kosten für eine Nachrüstung oft höher als bei einer gemeinsamen Installation. In der Praxis erweist sich eine vorausschauende Planung von Beginn an als die bessere Lösung.

Lohnt sich ein Speicher auch im Winter?

Im Winter erzeugt eine PV-Anlage deutlich weniger Strom, weshalb der Speicher nicht immer vollständig geladen werden kann. Er hilft jedoch dabei, die geringeren Erträge zu sammeln und die nächtliche Grundlast des Haushalts zu decken, was den Netzbezug auch in der dunklen Jahreszeit reduziert.

Photovoltaik im Winter

Fazit: Die 1:1-Regel als Orientierung, nicht als Gesetz

Die 1:1-Faustregel ist ein hervorragender Ausgangspunkt für die Planung einer Photovoltaikanlage, insbesondere für Standardhaushalte. Sie bietet einen soliden Kompromiss zwischen Wirtschaftlichkeit und Autarkie.

Die optimale Speichergröße ist jedoch keine pauschale Zahl, sondern das Ergebnis einer Analyse Ihres individuellen Stromverbrauchs und Ihrer persönlichen Ziele. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihr eigenes Nutzungsprofil zu verstehen. Ein gut dimensionierter Speicher ist der Schlüssel zu einer Photovoltaikanlage, die Ihnen über viele Jahre Freude und eine spürbare finanzielle Entlastung bringt.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen und Nutzungsprofile abgestimmt sind.

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Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

Mehr über ihn und die Arbeit:
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