Volleinspeisung: Wann es sich lohnt, den gesamten Solarstrom zu verkaufen

Die gängige Meinung zur Photovoltaik ist eindeutig: Selbst erzeugter Solarstrom ist am wertvollsten, wenn man ihn direkt im eigenen Haushalt verbraucht. Jede Kilowattstunde vom eigenen Dach spart bares Geld, da sie nicht teuer aus dem Netz bezogen werden muss. Doch es gibt eine Alternative, die in bestimmten Fällen finanziell sogar noch attraktiver sein kann: die Volleinspeisung. Bei diesem Modell verkaufen Sie Ihren gesamten Solarstrom zu einem festen, staatlich garantierten Tarif. Wir erklären, wie das funktioniert, für wen es sich lohnt und wann es die bessere Wahl gegenüber dem klassischen Eigenverbrauch ist.
Eigenverbrauch vs. Volleinspeisung: Zwei Modelle im Überblick
Wenn Sie sich für eine Photovoltaikanlage entscheiden, müssen Sie dem Netzbetreiber mitteilen, wie Sie den erzeugten Strom nutzen möchten. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht dafür zwei grundlegende Modelle vor.
Das Standardmodell: Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung
Dies ist heute die bei Weitem häufigste Variante für private Hausbesitzer. Der von Ihrer Anlage produzierte Solarstrom wird zunächst direkt in Ihrem Haushalt verbraucht. Er versorgt Lampen, Kühlschrank, Waschmaschine oder lädt das Elektroauto. Nur der Strom, den Sie im Moment der Erzeugung nicht selbst benötigen, fließt ins öffentliche Netz. Für diesen Überschuss erhalten Sie eine Vergütung.
Der größte Vorteil ist die niedrigere Stromrechnung. Bei einem Strompreis von beispielsweise 30 Cent pro Kilowattstunde (kWh) sparen Sie mit jeder selbst verbrauchten Kilowattstunde genau diesen Betrag.
Die Alternative: Volleinspeisung
Bei der Volleinspeisung fließt der gesamte von Ihrer Anlage erzeugte Strom ohne Umwege ins öffentliche Netz und wird verkauft. Sie verbrauchen selbst nichts davon. Ihren eigenen Strombedarf decken Sie weiterhin komplett durch Zukauf von Ihrem Energieversorger.
Dieses Modell war in den Anfangsjahren der Photovoltaik der Standard. Heute ist es eine Nischenlösung, die aber dank angepasster gesetzlicher Regelungen wieder an Attraktivität gewinnt. Der Grund: Der Staat zahlt für den komplett eingespeisten Strom eine deutlich höhere Vergütung als für den Überschussstrom.
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Ab 2.099,00 €Die rechtliche Grundlage: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)
Die finanzielle Grundlage für beide Modelle bildet das EEG. Es garantiert Ihnen als Anlagenbetreiber feste Abnahmepreise für Ihren Solarstrom – für 20 Jahre plus das Jahr der Inbetriebnahme. Das schafft Planungssicherheit.
Mit der EEG-Novelle 2023 wurden zwei unterschiedliche Vergütungssätze eingeführt, um die Volleinspeisung gezielt zu fördern:
- Vergütung für Überschusseinspeisung: Für Anlagen bis 10 Kilowattpeak (kWp) beträgt diese aktuell 8,1 Cent/kWh.
- Vergütung für Volleinspeisung: Für Anlagen derselben Größe erhalten Sie einen erhöhten Satz von 12,9 Cent/kWh.
Dieser Unterschied von fast 5 Cent pro Kilowattstunde ist der entscheidende Faktor, der die Volleinspeisung in bestimmten Szenarien wieder wirtschaftlich interessant macht. Die Details zur aktuelle EEG-Vergütung können sich für Neuanlagen ändern, doch das Prinzip der garantierten Vergütung bleibt bestehen.
Wann rechnet sich die Volleinspeisung? Eine Beispielrechnung
Obwohl der Vergütungssatz für die Volleinspeisung höher ist, bleibt für die meisten Einfamilienhäuser der Eigenverbrauch die rentablere Option. Der Grund dafür ist der hohe Strompreis, den Sie durch den Eigenverbrauch vermeiden. Das zeigt eine einfache Beispielrechnung.
Annahmen für unser Beispiel:
- Anlagengröße: 10 kWp
- Jahresertrag der Anlage: 10.000 kWh
- Jährlicher Stromverbrauch des Haushalts: 4.500 kWh
- Strompreis (Netzbezug): 30 Cent/kWh
- Eigenverbrauchsquote (ohne Speicher): 30 % des erzeugten Stroms (realistischer Wert)
Szenario 1: Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung
- Direkter Eigenverbrauch: 30 % von 10.000 kWh = 3.000 kWh
- Ersparnis durch Eigenverbrauch: 3.000 kWh × 30 Cent/kWh = 900 €
- Überschuss (Einspeisung): 10.000 kWh – 3.000 kWh = 7.000 kWh
- Einnahmen aus Einspeisung: 7.000 kWh × 8,1 Cent/kWh = 567 €
- Notwendiger Stromzukauf: 4.500 kWh (Bedarf) – 3.000 kWh (Eigenverbrauch) = 1.500 kWh
- Kosten für Stromzukauf: 1.500 kWh × 30 Cent/kWh = -450 €
Gesamter finanzieller Vorteil pro Jahr: 900 € + 567 € – 450 € = 1.017 €
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5.299,00 €Szenario 2: Volleinspeisung
- Eingespeister Strom: 10.000 kWh
- Einnahmen aus Einspeisung: 10.000 kWh × 12,9 Cent/kWh = 1.290 €
- Notwendiger Stromzukauf: 4.500 kWh (gesamter Bedarf)
- Kosten für Stromzukauf: 4.500 kWh × 30 Cent/kWh = -1.350 €
Gesamter finanzieller Vorteil pro Jahr: 1.290 € – 1.350 € = -60 €
In diesem typischen Szenario für ein Einfamilienhaus ist das Modell Eigenverbrauch klar überlegen. Die Ersparnis durch den vermiedenen Stromkauf wiegt die höhere Einspeisevergütung bei Weitem auf.
Die idealen Anwendungsfälle für die Volleinspeisung
Die Rechnung verschiebt sich jedoch zugunsten der Volleinspeisung, wenn ein entscheidender Faktor anders aussieht: Der Stromverbrauch vor Ort ist sehr gering oder nicht vorhanden, aber es gibt eine große, gut geeignete Dachfläche.
Fall 1: Große, ungenutzte Dachflächen
Stellen Sie sich eine große Scheune, eine Lagerhalle oder ein Garagendach vor, das ideal zur Sonne ausgerichtet ist. Im Gebäude selbst wird aber kaum Strom verbraucht, der Eigenverbrauch wäre also minimal. Die Entscheidung für eine PV-Anlage ohne Eigenverbrauch ist hier eine rein wirtschaftliche. Die Volleinspeisung spielt dabei ihre Stärke aus: maximale Einnahmen aus einer ungenutzten Fläche zu generieren.
Fall 2: Vermietete Objekte
Ein Vermieter, der eine PV-Anlage auf dem Dach eines Mietshauses installiert, kann den Strom nicht selbst verbrauchen. Modelle wie der Mieterstrom sind oft mit administrativem Aufwand verbunden. Die Volleinspeisung bietet hier eine einfache und kalkulierbare Lösung: Sie generiert eine feste, garantierte Einnahme aus dem Dach, ohne aufwendige Abrechnung mit den Mietern.
Fall 3: Ferienhäuser oder Gebäude mit sehr geringem Verbrauch
Auch für selten genutzte Gebäude wie Ferien- oder Wochenendhäuser kann die Volleinspeisung die bessere Wahl sein. Der Stromverbrauch ist so gering, dass sich der Aufwand für die Optimierung des Eigenverbrauchs nicht lohnt.
Die Erfahrung aus der Praxis von Photovoltaik.info zeigt: Für das klassische, selbst bewohnte Einfamilienhaus ist der Eigenverbrauch fast immer die richtige Entscheidung. Für Landwirte, Gewerbetreibende oder Besitzer von Nebengebäuden ist die Volleinspeisung jedoch eine ernst zu nehmende und oft gewählte Strategie.
Flexibilität: Jährlicher Wechsel ist möglich
Eine wichtige und kundenfreundliche Regelung im EEG 2023 ist die Möglichkeit, die Betriebsart jährlich zu wechseln. Vor jedem neuen Kalenderjahr können Sie sich entscheiden, ob Sie im Folgejahr auf Volleinspeisung umstellen oder zur Überschusseinspeisung zurückkehren. Die Meldung muss dafür nur vor dem 1. Dezember beim Netzbetreiber eingehen. Das gibt Ihnen die Flexibilität, auf veränderte Lebensumstände oder schwankende Strompreise zu reagieren.
FAQ – Häufige Fragen zur Volleinspeisung
Muss ich für die Volleinspeisung ein Gewerbe anmelden?
Ja, in der Regel schon. Da Sie mit der Anlage ausschließlich Einnahmen erzielen und keinen Strom selbst verbrauchen, gilt dies als rein unternehmerische Tätigkeit. Eine Rücksprache mit einem Steuerberater ist hier ratsam.
Kann ich eine bestehende Anlage auf Volleinspeisung umstellen?
Ja, der jährliche Wechsel ist auch für Bestandsanlagen möglich, die nach Inkrafttreten des EEG 2023 in Betrieb genommen wurden. Für ältere Anlagen gelten oft noch die ursprünglichen Vertragsbedingungen.
Lohnt sich ein Stromspeicher bei Volleinspeisung?
Nein, ein Stromspeicher ist bei diesem Modell wirtschaftlich unsinnig. Das Ziel der Volleinspeisung ist es, 100 % des erzeugten Stroms sofort zu verkaufen. Ein Speicher, der den Strom für einen späteren Verbrauch zurückhält, würde diesem Prinzip widersprechen.
Was ist nun insgesamt wirtschaftlicher?
Das hängt von Ihrem Verbrauchsprofil ab. Die Faustregel lautet: Je höher Ihr Stromverbrauch vor Ort im Verhältnis zur Anlagengröße ist, desto mehr lohnt sich der Eigenverbrauch. Je geringer der Verbrauch, desto attraktiver wird die Volleinspeisung. Eine detaillierte Betrachtung zur Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage hilft bei der individuellen Entscheidung.
Fazit: Eine Nischenlösung für spezielle Anwendungsfälle
Für die überwältigende Mehrheit der Eigenheimbesitzer bleibt der Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung das wirtschaftlich sinnvollste Modell. Die hohen Strombezugskosten machen jede selbst erzeugte und verbrauchte Kilowattstunde extrem wertvoll.
Die Volleinspeisung ist jedoch keinesfalls ein Auslaufmodell. Sie ist eine lukrative und unkomplizierte Alternative für alle, die große Dachflächen mit geringem oder keinem Strombedarf vor Ort haben. Sie verwandelt ungenutzte Flächen in eine verlässliche Einnahmequelle mit staatlich garantierter Rendite über 20 Jahre.
Die richtige Photovoltaikanlage planen erfordert eine genaue Analyse Ihrer Gegebenheiten und Ziele.
Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten und zur Wirtschaftlichkeitsberechnung finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen für den Eigenverbrauch abgestimmt sind.



