Die Umschaltzeit bei Notstromsystemen: Wann Sekundenbruchteile entscheiden

Ein kurzer Stromausfall: Die Lichter flackern, sind aber nach einem Augenblick wieder da. Heizung und Kühlschrank laufen weiter, als wäre nichts gewesen. Doch im Arbeitszimmer die böse Überraschung: Der Computer ist neu gestartet und die ungespeicherte Arbeit der letzten Stunde verloren.
Dieses Szenario kennen viele Besitzer von Notstromsystemen, die sich fragen, warum empfindliche Geräte trotz funktionierender Notstromversorgung ausfallen. Die Antwort liegt in einem oft übersehenen Detail: der Umschaltzeit.
Was genau ist die Umschaltzeit?
Die Umschaltzeit bezeichnet die winzige Zeitspanne, die ein Notstromsystem benötigt, um nach einem Ausfall des öffentlichen Stromnetzes die Versorgung zu übernehmen. Diese Zeit wird in Millisekunden (ms) gemessen – also in Tausendstelsekunden.
Stellen Sie es sich wie eine Stafettenübergabe vor: Fällt die Stromversorgung aus dem Netz aus, muss der Stromspeicher den „Staffelstab“ der Energieversorgung übernehmen. Wie schnell und nahtlos diese Übergabe erfolgt, entscheidet darüber, ob Ihre Geräte den Wechsel überhaupt bemerken.
Warum eine kurze Umschaltzeit für Ihre Geräte entscheidend sein kann
Nicht alle elektrischen Verbraucher reagieren gleich empfindlich auf eine kurze Unterbrechung. Während robuste Haushaltsgeräte eine kleine Pause tolerieren, kann sie für moderne Elektronik bereits zum Problem werden.
Unkritische Verbraucher: Kühlschrank, Licht und Heizung
Die meisten großen Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Gefriertruhen, Umwälzpumpen der Heizung oder einfache Beleuchtung sind sehr robust. Eine Umschaltzeit von 20 bis 50 Millisekunden ist für sie in der Regel unproblematisch. Sie bemerken vielleicht ein kurzes Flackern der Lichter, aber die Geräte laufen danach einfach weiter. Um den grundlegenden Komfort und die Sicherheit im Haus zu gewährleisten – etwa damit die Heizung im Winter nicht ausfällt –, reicht eine Standard-Notstromfunktion also völlig aus.
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Anders sieht es bei empfindlicher Elektronik aus. Computer, Server, Netzwerkspeicher (NAS) oder auch moderne Router und Smart-Home-Zentralen haben sehr geringe Toleranzen. Ihre internen Netzteile können eine Stromlücke von typischerweise nur 10 bis 20 Millisekunden überbrücken.
Ist die Umschaltzeit des Notstromsystems länger, registriert das Gerät einen kompletten Stromausfall und schaltet ab oder startet neu. Das ist der Grund, warum im eingangs beschriebenen Szenario der PC ausging, obwohl der Notstrom sofort ansprang. Der „Augenblick“ des Wechsels war für das Computernetzteil bereits zu lang.
Nicht jeder Notstrom ist gleich: Der Unterschied zur echten USV
Die Begriffe Notstrom, Ersatzstrom und USV werden oft synonym verwendet, bezeichnen aber technisch unterschiedliche Systeme mit verschiedenen Umschaltzeiten.
Die meisten modernen Photovoltaikanlagen mit einem Stromspeicher mit Notstromfunktion bieten eine sogenannte Ersatzstromversorgung. Diese Systeme sind darauf ausgelegt, bei einem Netzausfall das Haus weiter mit Energie zu versorgen. Ihre Umschaltzeit liegt üblicherweise im Bereich von 20 Millisekunden aufwärts. Das ist schnell, aber wie wir gesehen haben, für empfindliche Geräte oft nicht schnell genug.
Genau hier setzt die unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) an. Eine USV ist speziell dafür konzipiert, eine absolut nahtlose Energieversorgung zu gewährleisten. Gemäß der Norm EN 62040-3 werden USV-Systeme in drei Klassen eingeteilt:
Klasse 3 (VFD): Der Basis-Schutz
Diese Systeme (Voltage and Frequency Dependent) arbeiten im Standby-Modus und schalten erst bei einem Stromausfall auf Batteriebetrieb um. Ihre Umschaltzeit liegt bei etwa 4 bis 10 Millisekunden und ist damit bereits deutlich schneller als bei vielen PV-Speichern.
Klasse 2 (VI): Der verbesserte Schutz
Systeme der Klasse VI (Voltage Independent) sind interaktiv. Sie können zusätzlich Spannungsschwankungen aus dem Netz ausgleichen, ohne auf die Batterie umzuschalten. Ihre Umschaltzeit ist mit 2 bis 4 Millisekunden nochmals kürzer.
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Die Königsklasse (Voltage and Frequency Independent) arbeitet im Dauerwandler- oder Online-Betrieb. Die angeschlossenen Geräte werden permanent über den Wechselrichter der USV versorgt, der seinerseits von der Batterie gespeist wird. Weil die Stromversorgung also bereits über die Batterie läuft, gibt es bei einem Netzausfall keinerlei Unterbrechung – die Umschaltzeit beträgt hier exakt 0 Millisekunden.

Welche Lösung ist die richtige für Ihr Zuhause?
Die Wahl des richtigen Systems hängt ganz von Ihren individuellen Anforderungen ab. Nicht jeder Haushalt benötigt eine Umschaltzeit von null Millisekunden.
Der Standard: Photovoltaikanlage mit Notstromfunktion
Für die meisten Eigenheimbesitzer ist eine moderne Photovoltaikanlage mit einem Hybrid-Wechselrichter als Herzstück die ideale Lösung. Sie sichert die Stromversorgung für die wichtigsten Verbraucher im Haus und sorgt dafür, dass Licht, Heizung und Kühlschrank weiterlaufen. In der Praxis kommen die meisten Nutzer mit dieser Lösung sehr gut zurecht, solange kein empfindliches Homeoffice-Equipment unterbrechungsfrei versorgt werden muss.
Die Speziallösung: Gezielter Schutz für wichtige Geräte
Wenn Sie im Homeoffice arbeiten oder andere sensible Geräte wie einen Server betreiben, ist eine kombinierte Lösung oft am sinnvollsten. Nutzen Sie die Notstromfunktion Ihrer PV-Anlage für das gesamte Haus und schützen Sie den Arbeitsplatz-PC, den Monitor und den Router zusätzlich mit einer kleinen, externen USV der Klasse VFI. Eine solche USV für ein typisches Heimbüro ist bereits für wenige hundert Euro erhältlich und verhindert zuverlässig Datenverlust.
Die Komplettlösung: Echte Autarkie
Wer sich vollständig vom öffentlichen Netz entkoppeln möchte, kann über eine Photovoltaik-Inselanlage nachdenken. Da diese Systeme per Definition nicht am Netz hängen, gibt es auch keine Umschaltzeit im herkömmlichen Sinne. Dies ist jedoch die aufwendigste und kostenintensivste Variante, die für die meisten Wohngebäude nicht erforderlich ist.

Häufige Fragen zur Umschaltzeit (FAQ)
Bemerke ich die Umschaltung im Alltag?
Ja, in den meisten Fällen werden Sie die Umschaltung bemerken, zum Beispiel durch ein kurzes Flackern der Lampen. Während dies für die meisten Geräte harmlos ist, kann es für Ihren Computer bereits einen Neustart bedeuten.
Reicht der Notstrom meines PV-Speichers für mein Homeoffice?
Das hängt vom konkreten Modell ab. Prüfen Sie das technische Datenblatt Ihres Wechselrichters oder Stromspeichers. Liegt die angegebene Umschaltzeit über 20 Millisekunden, sollten Sie zur Absicherung Ihres Arbeitsplatzes eine zusätzliche, kleine USV in Betracht ziehen.
Kann ich mein ganzes Haus unterbrechungsfrei versorgen?
Technisch ist das mit sehr großen und teuren USV-Systemen der VFI-Klasse möglich. Für private Haushalte ist dieser Aufwand jedoch wirtschaftlich kaum sinnvoll. Eine gezielte Absicherung kritischer Geräte ist die weitaus praxistauglichere Lösung.
Wo finde ich die Angabe zur Umschaltzeit?
Diese Information finden Sie im technischen Datenblatt des Herstellers Ihres Hybrid-Wechselrichters oder Ihres Stromspeichersystems. Manchmal wird sie auch als „Umschaltzeit auf Notstrom“ oder „Transfer Time“ bezeichnet.

Fazit: Bewusst entscheiden statt im Dunkeln tappen
Die Umschaltzeit ist ein kleines Detail mit großer Wirkung. Während eine Standard-Notstromfunktion für den grundlegenden Betrieb eines Hauses bei Stromausfall absolut ausreicht, benötigen empfindliche elektronische Geräte eine schnellere oder sogar unterbrechungsfreie Versorgung.
Wenn Sie Ihre Anforderungen genau analysieren, können Sie die richtige Entscheidung treffen. Meist ist eine Kombination aus einer Photovoltaikanlage mit Notstromfunktion für das Haus und einer kleinen, dedizierten USV für das Homeoffice der ideale und kosteneffiziente Weg.
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