Ü20-Anlagen: Was tun, wenn die EEG-Förderung nach 20 Jahren ausläuft?

Ihre Photovoltaikanlage hat Ihnen 20 Jahre lang treue Dienste geleistet und dank der EEG-Einspeisevergütung verlässlich Erträge erwirtschaftet. Nun steht das Ende dieser Förderperiode bevor. Für viele Betreiber stellt sich damit die entscheidende Frage: Was ist die wirtschaftlich sinnvollste Option für die Zeit danach? Die gute Nachricht vorweg: Ein Weiterbetrieb Ihrer Anlage ist in den allermeisten Fällen die beste Entscheidung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Optionen und hilft Ihnen bei der Entscheidung.

Sie sind mit dieser Situation nicht allein. Laut Bundesnetzagentur fallen bis Ende 2025 über 400.000 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 4 Gigawatt aus der Förderung. Die meisten dieser Anlagen sind mit einer Leistung von unter 10 kWp auf privaten Hausdächern installiert – genau wie Ihre vielleicht auch.

Warum der Weiterbetrieb fast immer die beste Wahl ist

Auch nach 20 Jahren produzieren die meisten Solarmodule noch zuverlässig Strom, oft mit über 80 % ihrer ursprünglichen Leistung. Ihre Anlage ist längst abgeschrieben und erzeugt nun nahezu kostenlosen Strom. Angesichts stetig steigender Strompreise ist jede selbst erzeugte und verbrauchte Kilowattstunde bares Geld wert.

Eine Stilllegung ist daher nur in den seltensten Fällen sinnvoll. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE bestätigt, dass die Hauptgründe für eine Stilllegung meist technische Defekte oder unverhältnismäßig hohe Reparaturkosten sind, nicht die fehlende Wirtschaftlichkeit des Weiterbetriebs. Ihre PV-Anlage ist und bleibt also ein wertvolles Gut. Es geht jetzt darum, ihre Nutzung an die neuen Rahmenbedingungen anzupassen.

Ihre Optionen: Von Eigenverbrauch bis Direktvermarktung

Nach dem Ende der EEG-Förderung ist der Verkauf des Solarstroms deutlich weniger lukrativ. Der Fokus verschiebt sich daher klar auf die Maximierung Ihres Eigenverbrauchs. Wir stellen Ihnen die gängigsten Modelle vor.

Option 1: Eigenverbrauch maximieren – Der Königsweg für die meisten Betreiber

Die wirtschaftlich attraktivste Option für private Anlagenbetreiber ist es, so viel Solarstrom wie möglich selbst zu verbrauchen. Jede Kilowattstunde (kWh), die Sie nicht teuer aus dem Netz beziehen müssen, ist eine direkte Ersparnis. Bei einem Strompreis von beispielsweise 35 Cent/kWh ist der Wert des Eigenverbrauchs um ein Vielfaches höher als die Einnahmen aus der Einspeisung.

Praxisbeispiel: Ein Vierpersonenhaushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 4.500 kWh und einer 6-kWp-Anlage kann ohne weitere Maßnahmen oft schon 25–30 % seines Strombedarfs decken. Das entspricht einer jährlichen Ersparnis von rund 400 bis 500 Euro. Durch gezielte Optimierung lässt sich dieser Anteil deutlich steigern.

Wie optimieren Sie Ihren Eigenverbrauch?

  • Intelligente Verbrauchssteuerung: Passen Sie Ihr Verbrauchsverhalten an die Sonneneinstrahlung an. Lassen Sie Waschmaschine, Geschirrspüler oder andere Großverbraucher bewusst mittags laufen, wenn Ihre Anlage den meisten Strom produziert.
  • Nachrüstung eines Stromspeichers: Die mit Abstand effektivste Methode ist die Installation eines Batteriespeichers. Ein moderner Photovoltaik Speicher speichert den überschüssigen Solarstrom von tagsüber und stellt ihn abends oder nachts zur Verfügung. Damit können Sie Ihren Eigenverbrauchsanteil auf 60–80 % erhöhen und Ihre Stromrechnung drastisch senken.
  • Laden eines Elektroautos: Wenn Sie ein E-Auto besitzen oder planen, wird dieses zum idealen Stromabnehmer. Mit einer Wallbox können Sie den Ladevorgang gezielt in die Sonnenstunden legen und Ihr Auto mit dem eigenen, kostenlosen Solarstrom betanken.

Für die Umstellung auf Eigenverbrauch ist in der Regel der Einbau eines Zweirichtungszählers durch Ihren Netzbetreiber erforderlich. Dieser misst sowohl den Strom, den Sie aus dem Netz beziehen, als auch den, den Sie einspeisen.

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Option 2: Direktvermarktung – Strom an der Börse verkaufen

Bei der Direktvermarktung verkaufen Sie Ihren überschüssigen Strom nicht an den Netzbetreiber, sondern über einen spezialisierten Dienstleister direkt an der Strombörse. Dieser Weg ist für Neuanlagen über 100 kWp verpflichtend, wird aber von einigen Anbietern auch für kleinere Bestandsanlagen angeboten.

  • Vorteile: Die Erlöse können potenziell etwas höher sein als bei der gesetzlichen Anschlussvergütung.
  • Nachteile: Der administrative Aufwand ist höher und Sie tragen ein gewisses Marktrisiko, da die Preise an der Börse schwanken. Für typische Eigenheimanlagen lohnt sich dieser Aufwand oft nicht.

Option 3: Gesetzliche Anschlussvergütung – Die unkomplizierte Basis-Lösung

Wenn Sie nichts weiter unternehmen, fällt Ihre Anlage automatisch in die gesetzliche Anschlussvergütung. Sie speisen weiterhin allen überschüssigen Strom ins Netz ein und erhalten dafür eine Vergütung.

Diese Vergütung ist jedoch deutlich niedriger als die ursprüngliche EEG-Vergütung. Sie orientiert sich am Jahresmarktwert für Solarstrom, abzüglich einer Vermarktungspauschale. Die Erfahrung zeigt, dass dies die einfachste, aber in der Regel auch die am wenigsten profitable Lösung ist. Sie eignet sich als Übergangslösung oder wenn eine Umrüstung auf Eigenverbrauch aus technischen Gründen nicht möglich ist.

Ein kurzer Vergleich der gängigsten Modelle

Modell Wirtschaftlichkeit Aufwand Geeignet für Hauptvorteil
Eigenverbrauchsoptimierung +++ (Sehr hoch) ++ (Einmalige Umrüstung) Alle Eigenheimbesitzer Maximale Stromkostenersparnis
Direktvermarktung ++ (Mittel bis hoch) +++ (Laufender Aufwand) Eher größere Anlagen Potenziell höhere Erlöse
Gesetzliche Anschlussvergütung + (Gering) + (Kein Aufwand) Alle, als Basis-Option Maximale Einfachheit

Sonderfall Repowering: Wann lohnt sich die Modernisierung?

Im Zuge der Umstellung kann es sinnvoll sein, über eine Modernisierung (Repowering) nachzudenken. Der Austausch eines alten, ineffizienten Wechselrichters gegen ein modernes Gerät kann den Ertrag steigern. Werden zusätzlich defekte oder leistungsschwache Module ersetzt, kann die Anlage wieder ihre volle Leistungsfähigkeit erreichen. Bei größeren Modernisierungen oder der Ergänzung durch einen Speicher sollten Sie prüfen, ob es aktuelle Programme zur Photovoltaik Förderung gibt, die Ihre Investition unterstützen.

Der Wert von selbst erzeugtem Strom wird in Zukunft weiter steigen. Das wachsende Interesse an Lösungen wie dem Balkonkraftwerk zeigt, dass heute jede selbst erzeugte Kilowattstunde zählt. Ihre Ü20-Anlage ist ein wertvolles Kraftwerk, das Sie noch viele Jahre mit sauberer und günstiger Energie versorgen kann.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was muss ich konkret tun, wenn die Förderung meiner Anlage ausläuft?

In der Regel wird sich Ihr Netzbetreiber einige Monate vor dem Förderende schriftlich bei Ihnen melden und Sie über die Optionen informieren. Wir empfehlen Ihnen jedoch, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen, um die für Sie beste Lösung ohne Zeitdruck zu planen.

Benötige ich für den Weiterbetrieb einen neuen Zähler?

Ja, für die Umstellung auf Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung ist ein moderner Zweirichtungszähler zwingend erforderlich. Den Einbau veranlasst und übernimmt Ihr zuständiger Messstellenbetreiber bzw. Netzbetreiber.

Was passiert, wenn ich gar nichts unternehme?

Wenn Sie nicht aktiv werden, speist Ihre Anlage den Strom weiterhin ins Netz ein und Sie erhalten automatisch die gesetzliche Anschlussvergütung. Sie verschenken damit jedoch das große Potenzial der Eigenverbrauchsoptimierung.

Kann ich meine alte Anlage problemlos mit einem Batteriespeicher nachrüsten?

In den meisten Fällen ist eine Nachrüstung möglich. Es muss geprüft werden, ob Ihr vorhandener Wechselrichter kompatibel ist (AC-gekoppeltes System) oder ob ein neuer Hybrid-Wechselrichter benötigt wird (DC-gekoppeltes System). Eine fachkundige Beratung ist hier unerlässlich.

Fazit: Ihre Solaranlage geht in die zweite Runde

Das Ende der EEG-Förderung ist kein Grund zur Sorge, sondern eine Chance. Anstatt Strom für wenig Geld zu verkaufen, werden Sie zum Manager Ihrer eigenen Energieerzeugung und senken Ihre Stromrechnung effektiver als je zuvor. Für die große Mehrheit der Betreiber von Ü20-Anlagen ist die Optimierung des Eigenverbrauchs – idealerweise in Kombination mit einem Stromspeicher – der mit Abstand wirtschaftlichste und zukunftssicherste Weg.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Wenn Sie bereits über konkrete Lösungen nachdenken: Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen und Modernisierungsvorhaben abgestimmt sind.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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