Temperaturkoeffizient bei Solarmodulen: Wie Hitze im Sommer die Leistung Ihrer Anlage beeinflusst

Ein strahlend blauer Himmel, die Sonne scheint ununterbrochen – für Besitzer einer Photovoltaikanlage klingt das nach dem idealen Tag. Doch während der Stromzähler auf Hochtouren laufen sollte, passiert oft das Gegenteil: Die Leistung der Anlage sinkt, gerade wenn die Mittagshitze am größten ist. Dieses auf den ersten Blick paradoxe Phänomen hat eine technische Ursache, die in den Datenblättern von Solarmodulen oft übersehen wird: den Temperaturkoeffizienten.
Dieser Artikel erklärt Ihnen einfach und verständlich, was hinter diesem Wert steckt, warum er für den realen Ertrag Ihrer Anlage so entscheidend ist und wie Sie ihn nutzen, um das beste Solarmodul für Ihren Standort auszuwählen.
Was ist der Temperaturkoeffizient und warum ist er wichtig?
Solarmodule werden unter genormten Laborbedingungen, den sogenannten Standard-Testbedingungen (STC), geprüft. Eine dieser Bedingungen ist eine Zelltemperatur von exakt 25 °C. In der Realität werden Solarmodule auf einem sonnenbeschienenen Dach jedoch deutlich wärmer – Temperaturen von 60 °C bis 70 °C sind an heißen Sommertagen keine Seltenheit.
Hier kommt der Temperaturkoeffizient ins Spiel. Er gibt an, um wie viel Prozent die Leistung eines Solarmoduls pro Grad Celsius Temperaturanstieg über die idealen 25 °C hinaus sinkt. Dieser Wert wird in Prozent pro Grad Celsius (%/°C) oder Prozent pro Kelvin (%/K) angegeben.
Eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) zeigt, dass die Leistung von typischen Silizium-Solarzellen pro Grad Temperaturerhöhung um etwa 0,35 % bis 0,40 % abnimmt. Das klingt nach wenig, summiert sich aber schnell.
Ein praktisches Beispiel:
Nehmen wir ein Solarmodul mit einer Nennleistung von 400 Watt und einem Temperaturkoeffizienten von -0,40 %/°C. An einem heißen Sommertag erreicht das Modul eine Temperatur von 65 °C. Das sind 40 °C mehr als unter Testbedingungen.
Die Leistungsreduktion berechnet sich wie folgt:
40 °C x -0,40 %/°C = -16 %
Das Modul liefert in diesem Fall statt 400 Watt nur noch 336 Watt – ein spürbarer Verlust von 16 %, allein aufgrund der Hitze.
Diese Kennzahl ist also ein entscheidender Indikator dafür, wie gut Ihre Anlage an sonnenreichen Tagen tatsächlich leistet.
Wie finde ich den Temperaturkoeffizienten? Ein Blick ins Datenblatt
Diese wichtige Information finden Sie im technischen Datenblatt jedes Solarmoduls. Suchen Sie nach Bezeichnungen wie „Temperaturkoeffizient Pmax“ (oder Temperature Coefficient of Pmax).
Dabei gilt eine einfache Faustregel: Ein Wert, der näher an Null liegt, ist besser. Ein Modul mit einem Koeffizienten von -0,29 %/°C ist also deutlich hitzebeständiger und leistungsstabiler als eines mit -0,42 %/°C. Dieser Wert sollte nicht mit dem allgemeinen [LINK: /wirkungsgrad-solarmodule/, anchor=Wirkungsgrad von Solarmodulen] verwechselt werden, der die Leistung unter den idealen 25 °C beschreibt.
Obwohl sich viele Kunden erfahrungsgemäß auf die maximale Watt-Leistung konzentrieren, ist ein guter Temperaturkoeffizient für den realen Jahresertrag oft genauso entscheidend.
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Der technologische Fortschritt macht auch vor der Hitzebeständigkeit von Solarmodulen nicht halt. Je nach verwendeter Zelltechnologie gibt es erhebliche Unterschiede, was Studien wie die der HTW Berlin zu Modulwirkungsgraden regelmäßig belegen.
PERC-Module (Passivated Emitter and Rear Cell)
Dies ist seit Jahren die am weitesten verbreitete Technologie. PERC-Module bieten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, haben aber tendenziell einen etwas schwächeren Temperaturkoeffizienten, der oft im Bereich von -0,35 %/°C bis -0,40 %/°C liegt.
TOPCon-Module (Tunnel Oxide Passivated Contact)
Als Weiterentwicklung der PERC-Technologie bieten TOPCon-Module in der Regel nicht nur einen höheren Wirkungsgrad, sondern auch einen besseren Temperaturkoeffizienten. Werte um -0,32 %/°C sind hier üblich.
HJT-Module (Heterojunction)
Diese Module gelten als besonders hitzebeständig. Durch ihre spezielle Zellstruktur weisen sie oft die besten Temperaturkoeffizienten am Markt auf, häufig im Bereich von -0,25 %/°C bis -0,28 %/°C. In Regionen mit heißen Sommern kann sich der Mehrpreis für HJT-Module durch den höheren Energieertrag über die Jahre amortisieren.
Wer die Leistung verschiedener Modelle vergleichen möchte, findet in [LINK: /solarmodule-test/, anchor=aktuellen Solarmodul-Tests] wertvolle Informationen, die über die reinen Datenblattangaben hinausgehen.
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Nicht nur die Modultechnologie, auch die Installation hat einen großen Einfluss auf die Betriebstemperatur. Der wichtigste Faktor ist die Hinterlüftung: Je besser die Luft hinter den Modulen zirkulieren kann, desto kühler bleiben sie.
- Aufdach-Montage: Hier wird das Modul mit etwas Abstand zur Dacheindeckung montiert. Dies ist die gängigste Methode und sorgt für eine gute Hinterlüftung und Kühlung.
- Indach-Montage: Die Module werden direkt in die Dachhaut integriert. Das sieht zwar elegant aus, die fehlende Hinterlüftung führt aber zu höheren Betriebstemperaturen und damit zu Leistungseinbußen.
- Flachdach-Montage: Aufgeständerte Module auf einem Flachdach sind dem Wind ausgesetzt und werden dadurch oft sehr effektiv gekühlt.
Auch die Dachfarbe spielt eine Rolle. Ein dunkles Dach heizt sich stärker auf und gibt diese Wärme an die darüber montierten Module ab, während ein helles Ziegeldach die Temperaturen moderater hält.
Langfristige Auswirkungen: Hitze und die Lebensdauer Ihrer Anlage
Der Temperaturkoeffizient beeinflusst nicht nur den täglichen Ertrag, sondern hat auch langfristige Konsequenzen. Anhaltend hohe Betriebstemperaturen können den Alterungsprozess der Module, die sogenannte Degradation, beschleunigen, was Studien wie die des TÜV Rheinland belegen.
Ein Modul, das konstruktionsbedingt kühler bleibt und bei Hitze effizienter arbeitet, wird thermisch weniger belastet. Das kann zu einer längeren Lebensdauer und einer stabileren Leistung über 25 bis 30 Jahre beitragen. Die Wahl eines Moduls mit gutem Temperaturkoeffizienten ist also auch eine Investition in die Langlebigkeit Ihrer Anlage.
Fazit: Ein kleiner Wert mit großer Wirkung
Der Temperaturkoeffizient ist mehr als nur eine technische Fußnote im Datenblatt. Er ist ein entscheidender Faktor, der den tatsächlichen Stromertrag Ihrer Photovoltaikanlage insbesondere in den sonnenreichen Sommermonaten maßgeblich beeinflusst.
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Jedes Grad über 25 °C senkt die Leistung Ihres Solarmoduls.
- Der Temperaturkoeffizient gibt an, wie stark dieser Abfall ausfällt. Ein Wert näher an Null ist besser.
- Moderne Zelltechnologien wie HJT bieten hier oft klare Vorteile gegenüber älteren Standards.
- Eine fachgerechte Montage mit guter Hinterlüftung ist essenziell, um die Module kühl zu halten.
Bei Photovoltaik.info legen wir Wert darauf, Ihnen alle entscheidenden Kennzahlen transparent zu erklären, damit Sie eine fundierte Entscheidung für eine leistungsstarke und langlebige Anlage treffen können.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist ein hoher Wirkungsgrad nicht wichtiger als der Temperaturkoeffizient?
Beide Werte sind wichtig und ergänzen sich. Der Wirkungsgrad gibt die maximale Leistungsfähigkeit unter idealen Laborbedingungen an. Der Temperaturkoeffizient beschreibt, wie viel dieser Leistung unter realen, heißen Bedingungen erhalten bleibt. In einem sonnenreichen Land wie Deutschland spielt die Leistung bei Hitze für den Jahresertrag eine große Rolle.
Spielt der Temperaturkoeffizient im Winter eine Rolle?
Ja, allerdings im positiven Sinne. An einem sehr kalten, aber sonnigen Wintertag kann die Modultemperatur unter 25 °C fallen. In diesem Fall kann ein Modul sogar kurzzeitig mehr als seine Nennleistung erzeugen. Da die meisten Betriebsstunden und der höchste Ertrag jedoch in den wärmeren Monaten anfallen, hat die Hitzebeständigkeit einen größeren Einfluss auf die Jahresbilanz.
Wie groß ist der Ertragsunterschied in der Praxis?
Bei einer typischen 10-kWp-Anlage in Süddeutschland kann der Unterschied zwischen einem Standardmodul (-0,40 %/°C) und einem hitzebeständigen Modul (-0,30 %/°C) durchaus 2–4 % des Jahresertrags ausmachen. Über 20 Jahre Laufzeit kommt so eine beachtliche Menge an zusätzlich erzeugtem Strom und damit eine spürbare finanzielle Ersparnis zusammen.
Sollte ich also nur noch Module mit dem besten Temperaturkoeffizienten kaufen?
Er ist ein sehr wichtiges, aber nicht das alleinige Entscheidungskriterium. Der Temperaturkoeffizient sollte immer zusammen mit dem Preis, den Herstellergarantien, der Verfügbarkeit und dem Gesamtwirkungsgrad bewertet werden. Er ist ein zentraler Baustein bei der sorgfältigen [LINK: /photovoltaikanlage-planung/, anchor=Planung einer Photovoltaikanlage].
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