Lastprofil mit E-Auto und Wärmepumpe: Ihr Stromverbrauch neu gedacht

Sie haben in eine Wärmepumpe investiert und laden Ihr Elektroauto bequem zu Hause. Damit leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Doch nach der ersten Stromrechnung folgt oft die Ernüchterung: Trotz moderner Technik sind die Kosten höher als erwartet.

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Der Grund liegt im sogenannten Lastprofil, das Ihr verändertes Verbrauchsverhalten abbildet. Es zu verstehen, ist der erste Schritt, um die Vorteile Ihrer Investitionen voll auszuschöpfen und Ihre Stromkosten effektiv zu senken. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wann in einem modernen Haushalt der meiste Strom verbraucht wird und warum dies für Besitzer einer Photovoltaikanlage entscheidend ist.

Was ist ein Lastprofil und warum ist es wichtig?

Ein Lastprofil, auch Lastgang genannt, stellt Ihren Stromverbrauch grafisch über einen bestimmten Zeitraum dar, meist über 24 Stunden. Es zeigt, zu welchen Tages- und Nachtzeiten Sie wie viel elektrische Leistung benötigen. In einem typischen Haushalt ohne Großverbraucher ist dieses Profil relativ vorhersehbar: Einer kleinen Spitze am Morgen, wenn alle aufstehen, folgt ein Abfall während des Tages und ein größerer Anstieg am Abend, wenn gekocht, ferngesehen und beleuchtet wird.

Dieses klassische Muster ändert sich jedoch dramatisch, wenn zwei der größten Stromverbraucher hinzukommen: die Wärmepumpe und das Elektroauto.

Der Grundverbrauch eines typischen Haushalts

Ein Blick auf ein Standard-Lastprofil zeigt: Ohne E-Auto und Wärmepumpe konzentriert sich der Stromverbrauch auf die Morgen- und Abendstunden. Tagsüber, wenn die Sonne am höchsten steht und eine PV-Anlage den meisten Strom erzeugt, ist der Bedarf oft am niedrigsten, weil die Bewohner bei der Arbeit oder in der Schule sind.

Lastprofil

Die abendliche Verbrauchsspitze liegt hier typischerweise bei 1 bis 2 Kilowatt (kW). Dieser Bedarf kann oft noch teilweise von einer nach Westen ausgerichteten PV-Anlage oder den letzten Sonnenstunden des Tages gedeckt werden.

Die neuen Großverbraucher: Wie E-Auto und Wärmepumpe alles verändern

Kommen nun eine Wärmepumpe und ein E-Auto hinzu, verschiebt sich der Stromverbrauch massiv in die Nachtstunden – also genau dann, wenn keine Sonne scheint.

Der Strombedarf der Wärmepumpe

Eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe benötigt je nach Außentemperatur und Heizbedarf zwischen 2 und 5 kW elektrischer Leistung. Besonders im Winter, wenn der Wärmebedarf am höchsten ist, läuft die Wärmepumpe verstärkt in den kälteren Abend-, Nacht- und frühen Morgenstunden. Tagsüber, wenn die Außentemperatur ansteigt, pausiert sie hingegen häufiger. Ihr Hauptverbrauch fällt damit genau in die Zeit, in der kaum oder gar kein Solarstrom erzeugt wird.

Der Ladevorgang des Elektroautos

Noch deutlicher wird diese Verschiebung beim Elektroauto, da die meisten Besitzer ihr Fahrzeug über Nacht aufladen. Eine typische Wallbox mit 11 kW Leistung verursacht dabei eine enorme Verbrauchsspitze, selbst wenn das Auto nur wenige Stunden lädt. Ein Ladevorgang von 20 Kilowattstunden (kWh) dauert dann knapp zwei Stunden und findet ebenfalls meist zwischen 19:00 und 06:00 Uhr statt.

Das neue Lastprofil: Die Nacht wird zum Tag

Kombiniert man diese beiden Großverbraucher mit dem normalen Haushaltsstrom, ergibt sich ein völlig neues Bild: Die Verbrauchsspitzen am Abend und in der Nacht übersteigen den Verbrauch während des Tages um ein Vielfaches.

Verbrauchsspitzen E-Auto und Wärmepumpe

Dieses neue Lastprofil deckt das zentrale Problem auf: Der bei weitem größte Strombedarf entsteht zu Zeiten, in denen eine Photovoltaikanlage keinen Strom produziert. Ohne eine Lösung zur Speicherung des tagsüber erzeugten Solarstroms müssen Sie diesen teuer aus dem öffentlichen Netz beziehen. Ihre PV-Anlage kann ihr Potenzial zur Kostensenkung so kaum entfalten.

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Die logische Konsequenz: Stromspeicher werden zur Notwendigkeit

Die Analyse des Lastprofils führt zu einer klaren Erkenntnis: Um den hohen Strombedarf von Wärmepumpe und E-Auto mit selbst erzeugtem Solarstrom zu decken, ist ein Stromspeicher unerlässlich. Er speichert die überschüssige Energie, die Ihre PV-Anlage tagsüber produziert, und stellt sie genau dann zur Verfügung, wenn Sie sie am dringendsten benötigen: am Abend und in der Nacht.

Ein korrekt dimensionierter Speicher ermöglicht es Ihnen:

  • Den Eigenverbrauch drastisch zu erhöhen: Sie nutzen Ihren eigenen Solarstrom, anstatt ihn für eine geringe Einspeisevergütung ins Netz zu geben.
  • Die Stromkosten signifikant zu senken: Jede Kilowattstunde aus dem Speicher ersetzt den teuren Netzbezug.
  • Unabhängiger vom Stromanbieter zu werden: Sie sind weniger von steigenden Strompreisen betroffen.

Entscheidungshilfe: Welcher Weg ist der richtige für Sie?

Situation: Sie besitzen ein Eigenheim, eine Wärmepumpe und ein E-Auto oder planen deren Anschaffung. Ihr Ziel ist maximale Unabhängigkeit und Kostensenkung.

Empfehlung: Eine ausreichend dimensionierte PV-Anlage mit einem Stromspeicher ist die einzig sinnvolle Lösung. Achten Sie darauf, den passenden Speicher für eine PV-Anlage zu wählen, dessen Kapazität auf Ihr verändertes Lastprofil abgestimmt ist.

Situation: Sie wohnen zur Miete oder haben nur eine kleine Fläche zur Verfügung, möchten aber dennoch Ihren Stromverbrauch am Abend optimieren.

Empfehlung: Ein Balkonkraftwerk mit Speicher kann die nächtliche Grundlast (Kühlschrank, Router, Stand-by-Geräte) abdecken und die abendliche Verbrauchsspitze reduzieren. Es wird jedoch nicht ausreichen, um ein E-Auto oder eine Wärmepumpe zu versorgen.

Balkonkraftwerk mit Speicher

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was genau beschreibt ein Lastprofil?

Ein Lastprofil zeigt den Stromverbrauch (die elektrische Last) eines Haushalts oder Betriebs im Zeitverlauf. Es hilft dabei, die größten Verbrauchsspitzen zu identifizieren und dient als Grundlage für die Planung einer PV-Anlage mit Speicher.

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe im Winter wirklich?

Der Verbrauch hängt stark von der Außentemperatur, der Dämmung des Hauses und der eingestellten Raumtemperatur ab. An kalten Tagen kann eine Wärmepumpe 40-60 kWh pro Tag verbrauchen, wobei der Großteil dieses Verbrauchs in die Nachtstunden fällt.

Reicht ein Balkonkraftwerk, um mein E-Auto zu laden?

Nein. Ein Balkonkraftwerk erzeugt eine maximale Leistung von derzeit 800 Watt. Eine Wallbox zum Laden eines E-Autos benötigt typischerweise 11.000 Watt (11 kW). Die Leistung eines Balkonkraftwerks reicht bei weitem nicht aus.

Kann eine PV-Anlage ohne Speicher bei diesem Lastprofil überhaupt etwas bewirken?

Ja, aber nur begrenzt. Sie kann den Grundverbrauch des Haushalts während der Sonnenstunden decken (z. B. Kühlschrank, Homeoffice-Geräte). Die großen Verbraucher wie Wärmepumpe und E-Auto, die hauptsächlich nachts laufen, profitieren davon jedoch kaum. Der größte Teil des Solarstroms würde ungenutzt ins Netz eingespeist.

Fazit: Handeln Sie auf Basis Ihres tatsächlichen Bedarfs

Die Anschaffung von E-Auto und Wärmepumpe ist ein wichtiger Schritt in eine nachhaltige Zukunft. Um diesen Schritt auch wirtschaftlich erfolgreich zu gestalten, ist es entscheidend, das eigene Lastprofil zu kennen. Die massive Verschiebung des Stromverbrauchs in die Nachtstunden macht einen Stromspeicher von einer Option zu einer Notwendigkeit. Nur so können Sie den tagsüber erzeugten Solarstrom dann nutzen, wenn er am dringendsten gebraucht wird, und Ihre Energiekosten nachhaltig senken.

Für Haushalte mit E-Auto und Wärmepumpe sind daher vorkonfigurierte Sets aus PV-Anlage und Speicher die effizienteste und wirtschaftlichste Lösung.

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Patrick Thoma
Patrick Thoma

Hallo, ich bin Patrick. Ich habe die damals größte PV-Modulproduktion Bayerns geleitet, mehr als 3.000 Anlagen mit aufgebaut und betreibe heute selbst eine 20-kWp-Anlage mit zwei Speichern. Photovoltaik.info ist mein Versuch, das Wissen aus diesen Jahren nicht in einer Schublade verstauben zu lassen – sondern Hausbesitzern und PV-Interessierten zu geben, was ich selbst gerne gehabt hätte: ehrliche Antworten ohne Verkaufsdruck.