Stromspeicher bei Bestandsanlagen nachrüsten: EEG-konforme Messkonzepte im Detail

Ihre Photovoltaikanlage versorgt Sie seit Jahren zuverlässig mit sauberem Strom und senkt Ihre Stromrechnung. Nun möchten Sie mit einem Stromspeicher den nächsten Schritt in Richtung Unabhängigkeit gehen und Ihren Solarstrom auch nachts nutzen. Eine ausgezeichnete Idee – doch bei bestehenden Anlagen, die eine EEG-Vergütung erhalten, gibt es eine wichtige technische Hürde: die korrekte Zählung des Stroms. Ein falsches Messkonzept kann Sie die Einspeisevergütung kosten. Wir zeigen Ihnen, wie Sie einen Speicher EEG-konform nachrüsten und damit Ihre Vergütung sichern.

Das Kernproblem: Warum ein einfacher Einbau nicht genügt

Der Grund für die Komplexität liegt im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Als Betreiber einer Bestandsanlage erhalten Sie für jede Kilowattstunde (kWh), die Sie ins öffentliche Netz einspeisen, eine feste Vergütung. Dieser Strom ist damit sozusagen „gewidmet“.

Das Problem entsteht, sobald Sie einen Speicher installieren:

  • Vermischungsverbot: Sie dürfen den vergüteten Solarstrom nicht mit Strom aus dem Netz im Speicher vermischen. Es muss technisch sichergestellt sein, dass ausschließlich Solarstrom von Ihrem Dach in den Speicher gelangt.
  • Doppelförderung: Sie dürfen keinen günstigen Netzstrom einkaufen, im Speicher zwischenlagern und ihn später als teureren Solarstrom deklarieren oder für die Einspeisung nutzen.

Um diese Szenarien zu verhindern, verlangen Netzbetreiber ein klares und zertifiziertes Messkonzept. Es sorgt dafür, dass alle Stromflüsse korrekt erfasst und abgerechnet werden. Ohne ein solches Konzept riskieren Sie den Verlust Ihrer gesamten EEG-Vergütung.

Die Lösung: Zwei anerkannte Messkonzepte für die Nachrüstung

In der Praxis haben sich zwei Hauptmethoden etabliert, mit denen sich ein Speicher rechtssicher in eine bestehende PV-Anlage integrieren lässt. Die Wahl des richtigen Konzepts hängt von Ihrer Anlage und den Vorgaben Ihres Netzbetreibers ab.

1. Die Kaskadenschaltung: Der bewährte Standard

Die mit Abstand häufigste und von den meisten Netzbetreibern favorisierte Lösung ist die sogenannte Kaskadenschaltung, auch Zwei-Zähler-Modell genannt.

So funktioniert es:
Stellen Sie sich zwei hintereinander geschaltete Wasseruhren vor. Die erste misst die gesamte erzeugte Wassermenge, die zweite nur, was tatsächlich im Haus verbraucht wird. Ähnlich funktioniert es mit den Stromzählern:

  1. PV-Erzeugungszähler: Dieser Zähler (oft bereits vorhanden) misst die gesamte von Ihrer PV-Anlage produzierte Strommenge. Dieser Zählerstand ist die Grundlage für die Berechnung Ihrer EEG-Vergütung.
  2. Zweirichtungszähler: Dieser Zähler wird zwischen dem Erzeugungszähler und dem Hausanschluss installiert. Er erfasst, wie viel Strom Sie aus dem Netz beziehen und wie viel überschüssiger Solarstrom (der nicht im Haus verbraucht oder im Speicher gelagert wurde) tatsächlich ins Netz eingespeist wird.

Der Speicher wird elektrisch „hinter“ dem Erzeugungszähler, aber „vor“ dem Zweirichtungszähler angeschlossen. Dadurch ist sichergestellt, dass er nur mit bereits gezähltem Solarstrom geladen werden kann.

[Bildbeschreibung: Schema eines EEG-konformen Messkonzepts mit Kaskadenschaltung]

Praxisbeispiel: Ihre 8-kWp-Anlage erzeugt an einem sonnigen Tag 40 kWh Strom. Der Erzeugungszähler registriert diese 40 kWh. Ihr Haus verbraucht direkt 10 kWh und Ihr neuer Speicher wird mit 15 kWh geladen. Die restlichen 15 kWh werden ins Netz eingespeist. Der Zweirichtungszähler misst nur diese 15 kWh Einspeisung sowie den Netzbezug in der Nacht, nachdem der Speicher leer ist. Die Abrechnung bleibt sauber und transparent.

Die Erfahrung zeigt, dass die Kaskadenschaltung die robusteste und unkomplizierteste Methode ist, um Konflikte mit dem Netzbetreiber zu vermeiden.

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2. Ein-Zähler-Modell mit separater Messung

Eine seltenere Alternative ist der Einsatz eines einzigen Zweirichtungszählers, der durch eine interne, geeichte Messeinrichtung im Wechselrichter oder Speichersystem ergänzt wird.

So funktioniert es:
Hierbei misst der zentrale Zweirichtungszähler am Netzanschlusspunkt den Bezug und die Einspeisung. Ein interner Zähler im Speichersystem erfasst präzise die Ladung und Entladung des Speichers und unterbindet eine Vermischung mit Netzstrom.

Die Herausforderung: Dieses Konzept wird nicht von allen Netzbetreibern akzeptiert, da die internen Messeinrichtungen strenge eichrechtliche Anforderungen erfüllen müssen. Wenn der Netzbetreiber die Genauigkeit oder Zertifizierung dieser internen Messung anzweifelt, wird er den Anschluss verweigern.

[Bildbeschreibung: Infografik zur internen Messung bei einem modernen Speichersystem]

Viele Kunden entscheiden sich daher für die Kaskadenschaltung, da sie als universell anerkannter Standard gilt und weniger Abstimmungsaufwand mit dem Netzbetreiber erfordert.

Praktische Schritte zur Nachrüstung Ihres Speichers

Die Nachrüstung eines Speichers ist kein Do-it-yourself-Projekt. Sorgfältige Planung und die Abstimmung mit Fachleuten sind entscheidend für den Erfolg.

  1. Fachbetrieb konsultieren: Der erste Schritt ist immer das Gespräch mit einem qualifizierten Installateur. Dieser kann Ihre bestehende Anlage bewerten und das passende Speichersystem samt erforderlichem Messkonzept empfehlen.
  2. Anfrage beim Netzbetreiber: Ihr Installateur reicht das geplante Messkonzept beim zuständigen Netzbetreiber ein und holt die Genehmigung ein. Dieser Schritt ist unverzichtbar. Planen Sie hierfür eine Bearbeitungszeit von mehreren Wochen ein.
  3. Installation und Inbetriebnahme: Nach Freigabe durch den Netzbetreiber kann der Fachbetrieb den Photovoltaik Speicher installieren und den Zählerschrank entsprechend umbauen. Die zusätzlichen Kosten für den Zählerplatz und die Installation des Messkonzepts liegen typischerweise zwischen 400 und 900 €.
  4. Anmeldung im Marktstammdatenregister: Wie die ursprüngliche PV-Anlage muss auch der neue Speicher bei der Bundesnetzagentur im Marktstammdatenregister gemeldet werden.

Die Investition in einen Speicher lohnt sich in den meisten Fällen, da er den Eigenverbrauchsanteil deutlich erhöht: Ein typischer Haushalt kann den Anteil des selbst genutzten Solarstroms von rund 30 % auf 60 bis 75 % steigern. Mehr zur Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen und wie ein Speicher diese beeinflusst, erfahren Sie in unserem weiterführenden Beitrag.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss ich den Netzbetreiber immer informieren?

Ja, ausnahmslos. Die Installation eines Speichers ist eine wesentliche Änderung an Ihrer elektrischen Anlage und am Netzanschlusspunkt. Eine Nachrüstung ohne Genehmigung des Netzbetreibers kann zur sofortigen Stilllegung der Anlage und zum Verlust der EEG-Vergütung führen.

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Was passiert, wenn mein Messkonzept nicht konform ist?

Stellt der Netzbetreiber fest, dass eine Vermischung von Netzstrom und vergütetem Solarstrom stattfindet, wird er die Auszahlung der EEG-Vergütung stoppen. In manchen Fällen können sogar Rückforderungen für bereits gezahlte Vergütungen drohen.

Gilt das auch für Anlagen, die nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung fallen?

Nein. Wenn Ihre Anlage keine EEG-Vergütung mehr erhält („Post-EEG-Anlage“), entfallen diese strengen Anforderungen. Die Nachrüstung eines Speichers ist dann technisch deutlich einfacher, da das Vermischungsverbot nicht mehr greift. Eine Anmeldung beim Netzbetreiber ist dennoch erforderlich.

Kann jeder Elektriker einen Speicher nachrüsten?

Sie sollten unbedingt einen Fachbetrieb beauftragen, der auf Photovoltaik und Speichersysteme spezialisiert ist. Dieser kennt die technischen Anschlussbedingungen (TAB) der Netzbetreiber und hat Erfahrung mit der Anmeldung und Umsetzung konformer Messkonzepte.

Fazit: Gut geplant ist halb gewonnen

Die Nachrüstung eines Stromspeichers ist eine sinnvolle Investition, um mehr von Ihrem eigenen Solarstrom zu nutzen und unabhängiger vom Stromnetz zu werden. Bei Bestandsanlagen mit EEG-Vergütung steht und fällt der Erfolg mit einem korrekt geplanten und vom Netzbetreiber genehmigten Messkonzept. Die Kaskadenschaltung hat sich hier als Standard bewährt: Sie gibt Ihnen rechtliche Sicherheit und garantiert den Fortbestand Ihrer Einspeisevergütung.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen und Nachrüstszenarien abgestimmt sind.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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