Statikprüfung für die PV-Anlage: Wann Ihr Dachstuhl zusätzlich geprüft werden muss

Viele Eigenheimbesitzer gehen davon aus, dass ein solides Dach das zusätzliche Gewicht einer Photovoltaikanlage problemlos trägt. Meistens stimmt das auch, doch diese Annahme ist nicht ohne Risiko. Eine PV-Anlage ist mehr als nur ein paar Solarmodule – sie ist eine dauerhafte zusätzliche Last, die über Jahrzehnte sicher auf Ihrem Dach verbleiben und Kräften wie Wind und Schnee standhalten muss. Eine sorgfältige Prüfung der Statik ist daher keine übertriebene Vorsicht, sondern eine grundlegende Absicherung Ihrer Investition und Ihres Eigentums.
Wir erklären, in welchen Situationen eine professionelle Statikprüfung unerlässlich ist, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen und wie Sie Ihr Dach sicher für die solare Zukunft rüsten.
Warum ist die Statik bei Photovoltaikanlagen so wichtig?
Eine Photovoltaikanlage bringt ein nicht zu unterschätzendes Gewicht auf die Dachkonstruktion. Ein einzelnes Solarmodul wiegt je nach Technologie und Größe zwischen 18 und 25 Kilogramm, hinzu kommt das Montagesystem mit weiteren 2 bis 5 Kilogramm pro Quadratmeter.
Hochgerechnet ergibt sich so eine zusätzliche Flächenlast von etwa 20 bis 30 kg/m². Bei einer typischen Dachanlage für ein Einfamilienhaus mit 50 m² Modulfläche sprechen wir also von einer permanenten Zusatzlast von 1.000 bis 1.500 Kilogramm – das entspricht dem Gewicht eines Kleinwagens, der dauerhaft auf Ihrem Dach parkt.
Moderne Dächer sind in der Regel mit ausreichenden Sicherheitsreserven geplant. Doch diese Reserven können durch Alterung, frühere Umbauten oder die Lage in einer Region mit hohen Schnee- oder Windlasten bereits gemindert sein.
Wann ist eine Statikprüfung zwingend erforderlich?
Bei vielen Neubauten oder Dächern jüngeren Datums reichen die Bauunterlagen zwar oft aus, doch es gibt klare Indikatoren, wann Sie einen Statiker hinzuziehen sollten. Eine Prüfung ist besonders in folgenden Fällen sinnvoll:
- Ältere Gebäude (Baujahr vor 1990): Bei älteren Häusern waren die Baunormen oft weniger streng und die statischen Reserven geringer bemessen. Zudem kann die Bausubstanz über die Jahre gelitten haben.
- Großflächige Anlagen: Je größer die geplante Anlage, desto höher sind Gesamtgewicht und Windangriffsfläche. Als Faustregel gilt: Bei Anlagen über 10 kWp oder einer Belegung von mehr als 60 % der Dachfläche ist eine Prüfung ratsam.
- Flachdächer: Auf Flachdächern werden die Module meist aufgeständert, um einen optimalen Winkel zur Sonne zu erreichen. Diese Aufständerung erfordert eine zusätzliche Ballastierung (z. B. mit Betonplatten) und bietet dem Wind eine größere Angriffsfläche.
- Hohe Schnee- und Windlastzonen: Deutschland ist in verschiedene Lastzonen unterteilt. Wohnen Sie in einer Region mit hohem Schneeaufkommen (z. B. Alpenvorland) oder starken Winden (z. B. Küstennähe), muss die Statik dies berücksichtigen.
- Sichtbare Schäden oder Umbauten: Wenn der Dachstuhl bereits sichtbare Mängel wie durchhängende Balken, Risse im Gebälk oder Feuchtigkeitsschäden aufweist, ist eine Prüfung unumgänglich. Das Gleiche gilt, wenn bereits Umbauten am Dachstuhl vorgenommen wurden.
Welche Lasten wirken auf das Dach? Ein Überblick
Ein Statiker betrachtet nicht nur das Eigengewicht der Anlage, sondern die Summe aller Kräfte, die auf die Dachkonstruktion einwirken.
Aus unserem Shop, Kategorie: Balkonkraftwerke mit Speicher
Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro Balkonkraftwerk Speicher Set 2000 Watt 800 Watt - 5,4 kWh
Ab 2.099,00 €Eigengewicht der PV-Anlage
Die permanente Grundlast besteht aus den Solarmodulen und der Unterkonstruktion. Hier ist auch die Art des Montagesystems für Photovoltaik entscheidend, denn es leitet die Kräfte gezielt in die Dachsparren ein.
Schneelast
Die Schneelast ist eine temporäre, aber oft erhebliche Zusatzlast. Sie hängt von der geografischen Lage (Schneelastzone) und der Dachneigung ab. Während im norddeutschen Tiefland nur mit geringen Schneemengen gerechnet wird (Zone 1, ca. 65 kg/m²), können in alpinen Regionen Lasten von über 500 kg/m² auftreten (Zone 3). Ein Statiker berechnet die maximal zu erwartende Schneelast für Ihren Standort.
Windlast
Wind erzeugt nicht nur Druck auf die dem Wind zugewandte Seite der Module, sondern vor allem einen starken Sog auf der abgewandten Seite. Diese abhebenden Kräfte wirken besonders an den Rändern und Ecken des Daches und können bei unsachgemäßer Befestigung einzelne Module oder ganze Reihen aus der Verankerung reißen.
Der Ablauf einer Statikprüfung: Was macht der Experte?
Wenn Sie einen Statiker beauftragen, läuft die Prüfung in der Regel in vier Schritten ab, um die Tragfähigkeit Ihres Daches fundiert zu beurteilen.
- Sichtung der Unterlagen: Zuerst prüft der Experte die vorhandenen Bauunterlagen, insbesondere die ursprüngliche Statikberechnung und die Baupläne des Hauses. Diese geben Aufschluss über die geplante Tragfähigkeit des Dachstuhls.
- Vor-Ort-Begehung: Anschließend untersucht der Statiker den Dachstuhl vor Ort. Er prüft den Zustand des Holzes, die Verbindungen der Balken und achtet auf eventuelle Vorschäden oder unsachgemäße Veränderungen.
- Berechnung: Mit den Daten aus den Unterlagen, der Vor-Ort-Analyse sowie den spezifischen Lasten der geplanten PV-Anlage (Gewicht, Wind- und Schneelasten für die Region) führt der Statiker eine Neuberechnung durch. Er ermittelt, ob die vorhandenen Sicherheitsreserven ausreichen.
- Erstellung des Gutachtens: Das Ergebnis wird in einem schriftlichen Gutachten zusammengefasst. Dieses Dokument bescheinigt entweder die problemlose Eignung, empfiehlt konkrete Ertüchtigungsmaßnahmen (z. B. die Verstärkung einzelner Balken) oder rät im seltenen Fall von einer Installation ab.
Aus unserem Shop, Kategorie: PV Anlagen mit Speicher und Montagesets
10000 Watt Photovoltaikanlagen inkl. 10,00 kWh Batterie & Ziegeldach Montageset - Trina Bifazial
6.999,00 €Was kostet ein Statikgutachten?
Die Kosten für ein statisches Gutachten für ein Einfamilienhaus liegen in der Regel zwischen 500 und 1.500 Euro. Der Preis hängt stark vom Aufwand ab. Sind vollständige und korrekte Bauunterlagen vorhanden, fällt er meist geringer aus. Muss der Statiker die Maße und den Aufbau des Dachstuhls komplett neu erfassen, steigen die Kosten. Betrachten Sie diese Ausgaben jedoch nicht als reinen Kostenfaktor, sondern als wichtige Investition in die Sicherheit und Langlebigkeit Ihrer gesamten Photovoltaikanlage.
Häufige Fragen (FAQ) zur Dachstatik für PV-Anlagen
Wer ist für die Statik verantwortlich?
Die Verantwortung für die Gebäudestatik liegt immer beim Eigentümer (Bauherr). Auch wenn ein Solarteur die Anlage installiert, bleiben Sie als Hauseigentümer in der Haftung für eventuelle Schäden, die durch eine Überlastung des Daches entstehen.
Reicht die Einschätzung des Solarteurs aus?
Seriöse Fachbetriebe führen eine Voreinschätzung auf Basis ihrer Erfahrung durch. Bei Standarddächern jüngeren Baujahrs ist das oft ausreichend. Ein Solarteur ist jedoch kein zertifizierter Statiker und kann keine rechtsverbindliche Aussage treffen. Im Zweifelsfall oder bei den oben genannten Risikofaktoren wird ein guter Betrieb Ihnen immer empfehlen, einen externen Statiker hinzuzuziehen.
Was passiert, wenn das Dach die Last nicht tragen kann?
Ein negatives Gutachten bedeutet nicht zwangsläufig das Aus für Ihr Solarprojekt. Oft können mit verhältnismäßig geringem Aufwand Ertüchtigungsmaßnahmen durchgeführt werden. Dazu gehört zum Beispiel das seitliche Anbringen von zusätzlichen Bohlen an den Sparren („Aufdoppeln“) oder der Einbau zusätzlicher Stützbalken.
Muss ich auch bei einem Balkonkraftwerk die Statik prüfen?
Bei einem typischen Balkonkraftwerk ist eine vollständige Dachstatikprüfung in der Regel nicht erforderlich, da die ein bis zwei Module nur ein geringes Gewicht haben. Wichtiger ist hier die sichere Befestigung am Balkongeländer oder an der Fassade, um den Windlasten standzuhalten. Prüfen Sie dazu die Vorgaben des Herstellers und die Beschaffenheit des Montageortes.
Fazit: Sicherheit geht vor Ertrag
Die Statik ist das Fundament für eine sichere und langlebige Photovoltaikanlage. Bestehen bei modernen Dächern oft keine Bedenken, ist eine professionelle Prüfung in Risikofällen unerlässlich. Sie schützt nicht nur vor Bauschäden, sondern gibt Ihnen auch die Gewissheit, dass Ihre Investition auf einer soliden Basis steht. Bei Photovoltaik.info legen wir Wert darauf, dass unsere Kunden nicht nur effiziente, sondern auch sichere und langlebige Anlagen erhalten. Eine sorgfältige Planung ist dafür der erste und wichtigste Schritt.
Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.



