Statikprüfung fürs Dach: Wann sie für eine PV-Anlage nötig ist und wie Sie vorgehen

Statikprüfung fürs Dach: Wann sie für eine PV-Anlage nötig ist und wie Sie vorgehen

Die Entscheidung für eine eigene Photovoltaikanlage ist gefallen, die Module sind ausgewählt und die Vorfreude auf sauberen, selbst erzeugten Strom wächst. Doch bevor die Installation beginnt, rückt ein oft unterschätzter Aspekt in den Fokus: die Statik Ihres Daches.

Schließlich benötigt nicht nur das Haus selbst, sondern auch die darauf montierte Technik ein tragfähiges Fundament. Eine gründliche Prüfung der Tragfähigkeit ist daher kein bürokratisches Hindernis, sondern ein wesentlicher Schritt für die Sicherheit und Langlebigkeit Ihrer Investition.

Warum die Statik des Daches so entscheidend ist

Jedes Dach ist für bestimmte Lasten ausgelegt. Dazu gehören das Eigengewicht der Konstruktion, aber auch variable Lasten wie Schnee im Winter oder starker Wind. Architekten und Statiker berechnen hierfür sogenannte Lastreserven.

Eine Photovoltaikanlage bringt nun eine neue, dauerhafte Last mit sich, die für die nächsten 20 bis 30 Jahre auf dem Dach verbleibt. Entscheidend ist daher, ob Ihr Dach über genügend ungenutzte Lastreserven verfügt, um dieses zusätzliche Gewicht sicher zu tragen, ohne die Stabilität zu gefährden.

Eine Überlastung kann im schlimmsten Fall zu Verformungen des Dachstuhls, Rissen in der Bausubstanz oder gar zu einem Versagen der Struktur führen.

Wie viel wiegt eine Photovoltaikanlage wirklich?

Um die zusätzliche Belastung zu verstehen, hilft ein Blick auf die konkreten Zahlen. Das Gewicht einer PV-Anlage verteilt sich auf mehrere Komponenten:

  • Solarmodule: Moderne Glas-Folien-Module wiegen etwa 10 bis 15 kg pro Quadratmeter.
  • Montagesystem: Die Unterkonstruktion aus Aluminium oder Edelstahl bringt zusätzlich 2 bis 5 kg pro Quadratmeter auf die Waage.

Insgesamt ergibt das eine Gesamtbelastung von circa 12 bis 20 kg pro Quadratmeter.

Statikprüfung für PV-Anlage

Ein Praxisbeispiel: Für eine typische 8-kWp-Anlage auf einem Einfamilienhaus werden etwa 40 m² Dachfläche benötigt. Die zusätzliche, permanente Last beträgt damit zwischen 480 kg und 800 kg. Das entspricht dem Gewicht eines kleinen Klaviers, das dauerhaft auf Ihrem Dachstuhl lastet.

Bei Flachdächern kommt durch die notwendige Aufständerung und Ballastierung (z. B. mit Betonplatten) oft ein noch höheres Gewicht von bis zu 50 kg pro Quadratmeter hinzu.

Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro Balkonkraftwerk Speicher Set 2000 Watt 800 Watt - 5,4 kWh

Aus unserem Shop, Kategorie: Balkonkraftwerke mit Speicher

Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro Balkonkraftwerk Speicher Set 2000 Watt 800 Watt - 5,4 kWh

Ab 2.099,00 

Wann ist eine Statikprüfung unbedingt erforderlich?

Nicht jedes Dach benötigt zwangsläufig ein neues, teures Gutachten. In bestimmten Fällen ist eine Prüfung durch einen Fachmann jedoch unumgänglich. Besondere Aufmerksamkeit erfordern vor allem die folgenden Situationen:

  • Ältere Gebäude (Baujahr vor ca. 1990): Bei älteren Häusern waren die Baunormen oft weniger streng und die ursprünglichen Lastreserven können geringer sein.
  • Große und schwere Anlagen: Je mehr Fläche belegt wird, desto höher ist die Gesamtlast und desto wichtiger die Prüfung.
  • Flachdächer: Diese sind besonders sensibel, da sich Lasten anders verteilen und die Ballastierung ein hohes Gewicht mit sich bringt.
  • Leichtbauweisen: Dächer von Fertighäusern, Carports oder Hallen haben oft von vornherein geringere Sicherheitsreserven.
  • Sichtbare Schäden: Erkennen Sie durchhängende Balken, Risse im Gebälk oder Feuchtigkeitsschäden, ist eine Prüfung unerlässlich.
  • Hohe Schneelasten: Wohnen Sie in einer Region mit hohen Schneelasten (z. B. im Alpenvorland oder in Mittelgebirgen), müssen die zusätzlichen Winterlasten zwingend berücksichtigt werden.

Die Verantwortung für eine ausreichende Tragfähigkeit liegt übrigens immer beim Bauherrn, also bei Ihnen als Hausbesitzer. Ein seriöser Installationsbetrieb wird Sie auf die Notwendigkeit einer Prüfung hinweisen, ist aber rechtlich nicht zur Durchführung verpflichtet.

Der Prüfprozess: So gehen Sie Schritt für Schritt vor

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Dach die geplante Anlage tragen kann, gibt es einen klaren Weg, um Gewissheit zu erlangen.

Schritt 1: Erste Einschätzung und Unterlagen sichten

Bevor Sie einen Experten beauftragen, können Sie eine erste Einschätzung selbst vornehmen. Suchen Sie in Ihren Bauunterlagen nach der ursprünglichen Baustatik oder den Bauplänen. Diese Dokumente enthalten oft Angaben zur berechneten Dachlast und sind eine wertvolle Grundlage für alle weiteren Gespräche. Werfen Sie bei dieser Gelegenheit auch selbst einen Blick auf den Dachstuhl: Achten Sie vom Dachboden aus auf Verformungen, Risse oder Anzeichen von Feuchtigkeit.

Schritt 2: Den Statiker hinzuziehen

Sind keine Unterlagen vorhanden oder bestehen weiterhin Unsicherheiten, ist der nächste Schritt die Beauftragung eines qualifizierten Statikers oder Bauingenieurs. Der Experte wird die Situation professionell bewerten.

Er geht dabei in der Regel wie folgt vor:

  1. Analyse der Unterlagen: Sofern vorhanden, prüft der Experte die alten Statikberechnungen.
  2. Vor-Ort-Begehung: Der Statiker inspiziert den Dachstuhl, vermisst die Balkenquerschnitte und prüft den Zustand des Holzes sowie der Verbindungen.
  3. Neuberechnung: Anhand der gewonnenen Daten berechnet er die aktuellen Lastreserven und ermittelt, ob die zusätzliche Last der PV-Anlage sicher aufgenommen werden kann.

Die Kosten für ein solches Gutachten für ein Standard-Einfamilienhaus liegen erfahrungsgemäß zwischen 300 und 800 Euro – eine sinnvolle Investition in die Sicherheit Ihres Heims.

10000 Watt Photovoltaikanlagen inkl. 10,00 kWh Batterie & Ziegeldach Montageset - Trina Bifazial

Aus unserem Shop, Kategorie: PV Anlagen mit Speicher und Montagesets

10000 Watt Photovoltaikanlagen inkl. 10,00 kWh Batterie & Ziegeldach Montageset - Trina Bifazial

6.999,00 

Schritt 3: Das Ergebnis und die nächsten Schritte

Das Ergebnis des Gutachtens gibt Ihnen eine klare Orientierung:

  • Grünes Licht: Die Statik ist ausreichend. Sie können mit der Detailplanung und Installation fortfahren.
  • Bedingt geeignet: Das Dach kann die Anlage tragen, jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen, wie dem Einsatz leichterer Module oder einer Beschränkung der Anlagengröße.
  • Nicht geeignet: Die Tragreserven sind erschöpft. In diesem Fall sind bauliche Maßnahmen zur Verstärkung des Dachstuhls notwendig, bevor eine PV-Anlage installiert werden kann.
Sanierung Dachstuhl zur Statikverbesserung

FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Statikprüfung

Was passiert, wenn ich auf eine Prüfung verzichte?
Im schlimmsten Fall riskieren Sie schwere Bauschäden an Ihrem Haus. Zudem kann es bei einem Schadensfall zu Problemen mit der Gebäudeversicherung kommen, wenn Sie fahrlässig gehandelt haben.

Wer haftet bei einem Schaden durch eine zu schwere PV-Anlage?
Die Verantwortung liegt beim Bauherrn, also beim Eigentümer des Gebäudes. Sie sind dafür verantwortlich, dass alle baulichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Gibt es Alternativen, wenn mein Dach ungeeignet ist?
Ja. Wenn das Hausdach nicht infrage kommt, können Anlagen auf Garagen, Carports oder im Garten (Freiflächenanlagen) eine Option sein. Für Mieter oder Eigentümer mit sehr begrenztem Platz kann auch ein Balkonkraftwerk eine sinnvolle Alternative sein, um einen Teil des eigenen Strombedarfs zu decken.

Wie finde ich einen qualifizierten Statiker?
Empfehlungen erhalten Sie über die Architekten- oder Ingenieurkammern Ihres Bundeslandes. Auch viele erfahrene Solar-Installateure haben Kontakte zu zuverlässigen Statikern in der Region.

Fazit: Sicherheit geht vor – Eine kluge Investition in Ihre Zukunft

Die Statikprüfung mag auf den ersten Blick wie ein zusätzlicher Aufwand wirken. Doch sie ist ein unverzichtbarer Baustein für eine sichere und sorgenfreie Nutzung Ihrer Photovoltaikanlage über viele Jahrzehnte. Sie schützt nicht nur den Wert Ihrer Immobilie, sondern gibt Ihnen auch die Gewissheit, eine nachhaltige und stabile Entscheidung für Ihre Energiezukunft getroffen zu haben. Betrachten Sie die Prüfung also nicht als Hürde, sondern als Fundament Ihres persönlichen Energieprojekts.

Sie möchten tiefer in die Planung einsteigen und die passenden Komponenten für Ihr Vorhaben finden? Umfassende Informationen und Ratgeber finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Im angeschlossenen Shop bieten wir zudem Komplettsets an, die auf typische Anlagengrößen und Anforderungen zugeschnitten sind.

Ratgeber teilen
Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

Mehr über ihn und die Arbeit:
Über Patrick Thoma | Mehrklicks – KI-Sichtbarkeit | Unsere Leistungen