Statik & Windlastsicherung für PV-Anlagen: Was der Eurocode vorschreibt

Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach ist für viele Hausbesitzer ein Symbol für Unabhängigkeit und nachhaltige Energiegewinnung

Doch während der Blick meist auf die glänzenden Solarmodule fällt, verbirgt sich die eigentliche Grundlage für eine sichere und langlebige Anlage im Verborgenen: das Montagesystem. Stellen Sie sich einen Herbststurm vor, der mit voller Kraft über Ihr Haus fegt. Hält die Anlage stand? Ob sie das tut, entscheidet sich nicht erst im Sturm, sondern bereits bei der Planung. Die Statik ist das unsichtbare Fundament Ihrer Investition.

Wir erklären Ihnen in diesem Beitrag, warum die Einhaltung baurechtlicher Normen wie des Eurocodes für die Sicherheit Ihrer Photovoltaikanlage unerlässlich ist und worauf Sie bei der Auswahl und Installation des Montagesystems achten sollten.

Warum die Statik bei Photovoltaikanlagen entscheidend ist

Eine PV-Anlage ist mehr als nur eine elektrische Installation. Sie ist eine bauliche Veränderung an Ihrem Gebäude. Mit jedem montierten Modul wirken neue Kräfte auf Ihre Dachkonstruktion – allen voran Wind und Schnee. Eine unsachgemäße Befestigung kann gravierende Folgen haben:

  • Dachschäden: Falsch montierte Dachhaken können Ziegel beschädigen und zu undichten Stellen führen.
  • Herabfallende Teile: Bei starkem Sturm können sich unzureichend gesicherte Module oder Schienen lösen und zu einer Gefahr für Menschen und Eigentum werden.
  • Verlust des Versicherungsschutzes: Im Schadensfall prüfen Versicherungen genau, ob die Anlage nach den anerkannten Regeln der Technik installiert wurde. Fehlt ein statischer Nachweis, kann die Leistung verweigert werden.
  • Garantieverlust: Hersteller von Modulen und Montagesystemen knüpfen ihre Garantiezusagen an eine fachgerechte und statisch einwandfreie Montage.

Um solchen Schäden vorzubeugen und ein einheitliches, hohes Sicherheitsniveau im Bauwesen zu gewährleisten, gibt es in Europa verbindliche technische Regeln: die Eurocodes.

Der Eurocode: Europas einheitliche Bauregeln einfach erklärt

Die Eurocodes sind keine einzelnen Gesetze, sondern eine Reihe europäischer Normen (EN), die die Bemessung und Konstruktion von Bauwerken regeln. Für Photovoltaikanlagen ist insbesondere der Eurocode 1 (EN 1991): „Einwirkungen auf Tragwerke“ von zentraler Bedeutung. Er definiert, wie Lasten durch Wind, Schnee oder Eigengewicht bei der Planung einer Konstruktion zu berücksichtigen sind.

Diese Normen sind kein bürokratisches Hindernis, sondern Ihr verlässlicher Partner für Sicherheit. Sie stellen sicher, dass Ihr Montagesystem nicht nur unter Idealbedingungen, sondern auch bei extremen Wetterereignissen zuverlässig hält. Ein System, das nach Eurocode ausgelegt ist, bietet geprüfte und nachweisbare Stabilität.

Die unsichtbaren Kräfte: Wind- und Schneelasten auf Ihrem Dach

Ein Solarmodul wirkt auf dem Dach wie ein Segel. Die Kräfte, die dabei entstehen, werden oft unterschätzt. Der Eurocode hilft, diese Kräfte genau zu berechnen und das Montagesystem entsprechend auszulegen.

Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro Balkonkraftwerk Speicher Set 2000 Watt 800 Watt - 5,4 kWh

Aus unserem Shop, Kategorie: Balkonkraftwerke mit Speicher

Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro Balkonkraftwerk Speicher Set 2000 Watt 800 Watt - 5,4 kWh

Ab 2.099,00 

Windlast: Mehr als nur ein starker Windstoß

Wind erzeugt nicht nur Druck auf die Module, sondern vor allem einen starken Sog – ähnlich wie bei einer Flugzeugtragfläche. Dieser Sog versucht, die Module vom Dach zu heben. Besonders kritisch sind die Rand- und Eckbereiche des Daches, wo extreme Windspitzen und Verwirbelungen auftreten.

Um diesen Gegebenheiten Rechnung zu tragen, ist Deutschland in vier Windlastzonen eingeteilt. Die Anforderungen an ein Montagesystem an der Küste (Zone 4) sind naturgemäß deutlich höher als im Binnenland (Zone 1).

Praxisbeispiel: Eine Anlage in Küstennähe muss für Windgeschwindigkeiten von über 150 km/h ausgelegt sein, was enorme Sogkräfte erzeugt. Ein Standard-Montagesystem, das für eine windschwache Region konzipiert wurde, würde hier versagen. Deshalb muss die statische Planung immer den genauen Standort des Gebäudes berücksichtigen.

Schneelast: Das Gewicht des Winters

Auch Schnee stellt eine erhebliche Belastung dar. Sein Gewicht hängt nicht nur von der Schneemenge ab, sondern auch von seiner Art – ob es sich um leichten Pulverschnee oder nassen, schweren Schnee handelt. Ähnlich wie bei den Windlasten ist Deutschland in Schneelastzonen unterteilt, die vor allem von der geografischen Lage und der Höhe über dem Meeresspiegel abhängen.

Praxisbeispiel: Ein Haus im bayerischen Voralpenland (z. B. Schneelastzone 3) muss für ein Vielfaches der Schneelast ausgelegt werden wie ein Haus in der Kölner Bucht (Zone 1). Das Montagesystem und die Anzahl der Dachhaken müssen so gewählt werden, dass sie dieses Gewicht sicher in die Dachsparren ableiten.

Vom Dachziegel zum Modul: Bausteine eines sicheren Montagesystems

Ein sicheres Montagesystem ist eine Kette, bei der jedes Glied perfekt auf das andere abgestimmt sein muss. Die wichtigsten Komponenten sind:

  • Dachhaken: Sie sind die direkte Verbindung zum Dachstuhl. Sie werden unter den Dachziegeln hindurchgeführt und fest mit den Dachsparren verschraubt. Ihre Anzahl und Position ergeben sich aus der statischen Berechnung. Eine Verankerung nur in der Dachlattung ist unzulässig und gefährlich.
  • Montageschienen: Diese Profile aus Aluminium oder Edelstahl werden auf den Dachhaken befestigt. Sie bilden das Traggerüst für die Solarmodule und sorgen für eine gleichmäßige Lastverteilung.
  • Modulklemmen: Mit diesen Klemmen werden die Solarmodule sicher auf den Schienen fixiert. Es gibt Mittel- und Endklemmen, die exakt auf die Rahmenhöhe des jeweiligen Moduls abgestimmt sein müssen. Die Qualität und Passgenauigkeit dieser Klemmen sind entscheidend für die Sturmsicherheit.

Die Erfahrung zeigt, dass die Verwendung von Systemkomponenten eines einzigen Herstellers entscheidend ist. Nur so ist gewährleistet, dass alle Teile geprüft, zertifiziert und statisch aufeinander abgestimmt sind. Ein „Zusammenstückeln“ verschiedener Fabrikate birgt unkalkulierbare Risiken.

Was bedeutet das für Sie als Hausbesitzer?

Sie müssen kein Statiker sein, um eine sichere Anlage zu erhalten. Aber Sie sollten die richtigen Fragen stellen. Ein seriöser Fachbetrieb wird Ihnen jederzeit eine nachvollziehbare Planung vorlegen.

Bestehen Sie vor der Auftragsvergabe auf eine statische Auslegung für Ihr spezifisches Bauvorhaben. Diese sollte mindestens folgende Punkte berücksichtigen:

  • den genauen Gebäudestandort (zur Bestimmung der Wind- und Schneelastzone)
  • die Gebäudehöhe und Dachform
  • die Art der Dacheindeckung und den Zustand des Dachstuhls
  • den Verlegeplan der Module (besonders wichtig für Rand- und Eckbereiche)

Auf Basis dieser Auslegung werden die passenden Komponenten ausgewählt und die korrekte Anzahl sowie Position der Dachhaken festgelegt.

20000 Watt Photovoltaikanlagen inkl. 20,00 kWh Batterie & Ziegeldach Montageset - Trina Bifazial

Aus unserem Shop, Kategorie: PV Anlagen mit Speicher und Montagesets

20000 Watt Photovoltaikanlagen inkl. 20,00 kWh Batterie & Ziegeldach Montageset - Trina Bifazial

12.999,00 

Häufige Fragen (FAQ) zur Statik von PV-Anlagen

Ist für jede Anlage eine statische Berechnung erforderlich?
Ja, im Grunde schon. Bei Standard-Anlagen auf Einfamilienhäusern greifen Installateure oft auf Planungstools der Systemhersteller zurück. Diese Programme berechnen auf Basis der eingegebenen Gebäudedaten automatisch die erforderlichen Komponenten und Befestigungspunkte nach Eurocode. Bei komplexen Dächern oder in besonders wind- oder schneereichen Gebieten ist oft eine individuelle Berechnung durch einen Statiker notwendig.

Wer ist für die korrekte statische Auslegung verantwortlich?
In erster Linie ist der ausführende Installationsbetrieb für die fachgerechte und sichere Montage verantwortlich. Er steht in der Pflicht, die Anlage nach den geltenden Normen zu errichten. Als Bauherr tragen Sie jedoch eine Mitverantwortung und sollten sich die Einhaltung der Standards schriftlich bestätigen lassen.

Was passiert, wenn die Statik nicht nachgewiesen werden kann?
Im Schadensfall kann die Gebäude- oder Haftpflichtversicherung die Leistung kürzen oder komplett verweigern. Zudem können Sie bei Schäden an Dritten, etwa durch herabfallende Teile, persönlich haftbar gemacht werden.

Gelten diese Regeln auch für Flachdächer oder Fassaden?
Ja, absolut. Bei Flachdächern ist die Windsogsicherung besonders kritisch. Hier werden die Systeme oft nicht durch das Dach gebohrt, sondern mit Gewichten beschwert (Ballastierung). Die Berechnung der notwendigen Ballastierung erfolgt ebenfalls streng nach Eurocode. Auch Fassadenanlagen unterliegen diesen Normen.

Fazit: Sicherheit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis guter Planung

Die Statik ist das Fundament Ihrer Photovoltaikanlage. Sie schützt nicht nur Ihre Investition, sondern auch Ihr Eigentum und die Sicherheit von Menschen. Die Einhaltung der Eurocode-Normen ist dabei kein Luxus, sondern eine unbedingte Notwendigkeit.

Achten Sie bei der Wahl Ihres Installationspartners darauf, dass dieser die statische Auslegung ernst nimmt und zertifizierte Montagesysteme verwendet. Eine sorgfältige Planung mag am Anfang etwas mehr Aufwand bedeuten, zahlt sich aber über die gesamte Lebensdauer der Anlage von 25 Jahren und mehr durch Zuverlässigkeit und Sicherheit aus.

Deshalb enthalten die auf Photovoltaik.info angebotenen Komplettsets ausschließlich zertifizierte und aufeinander abgestimmte Komponenten, um Ihnen diese Sicherheit zu gewährleisten.

*

Sie möchten direkt mit der Planung beginnen? Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets, die bereits auf typische Anlagengrößen und Dacheindeckungen abgestimmt sind.

Sie sind sich unsicher, welches System für Ihre individuelle Situation das richtige ist? Nehmen Sie gern Kontakt mit unserem Expertenteam auf. Wir helfen Ihnen bei der Auswahl der passenden Komponenten.

Ratgeber teilen
OLEKSANDR PUSHKAR
OLEKSANDR PUSHKAR