Stromspeicher für die Wärmepumpe: So kalkulieren Sie den Winterbedarf richtig

Photovoltaikanlage, Stromspeicher und Wärmepumpe – dieses Trio gilt als ideale Lösung für eine unabhängige und umweltfreundliche Energieversorgung. Im Sommer geht diese Rechnung meist auf. Doch die wahre Herausforderung zeigt sich im Winter, wenn die Sonne wenig Energie liefert, die Wärmepumpe aber auf Hochtouren läuft.
Viele Eigenheimbesitzer fragen sich daher, wie groß der Speicher sein muss, um auch in der kalten Jahreszeit möglichst autark zu sein. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, worauf es bei der Kalkulation ankommt und warum ein für den Winter optimierter Speicher nicht immer die wirtschaftlichste Lösung ist.
Die Herausforderung im Winter: Wenn Sonne fehlt und Wärme gebraucht wird
Eine moderne Wärmepumpe erhöht den jährlichen Stromverbrauch eines Einfamilienhauses um etwa 3.000 bis 5.000 kWh. Ziel vieler Anlagenbetreiber ist es, diesen zusätzlichen Bedarf mit Solarstrom zu decken. Während das in den sonnenreichen Monaten problemlos gelingt, entsteht im Winter eine signifikante Versorgungslücke, die oft als „Winterlücke“ bezeichnet wird.
Das Problem besteht aus zwei gegenläufigen Entwicklungen:
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Geringer Solarertrag: Eine Photovoltaikanlage produziert in den Monaten von November bis Februar oft nur 10 % bis 20 % ihres sommerlichen Ertrags. An trüben Tagen liefert sie kaum genug Strom, um den Grundbedarf des Hauses zu decken, geschweige denn eine Wärmepumpe zu betreiben.
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Hoher Strombedarf: Gleichzeitig erreicht der Stromverbrauch der Wärmepumpe im Winter seinen Höhepunkt. An kalten Tagen kann eine Wärmepumpe allein 25 bis 30 kWh Strom pro Tag benötigen, um das Haus angenehm warm zu halten.
Genau diese Diskrepanz zwischen Erzeugung und Verbrauch ist die zentrale Herausforderung bei der Planung eines autarken Systems für den Winter.
Wie groß müsste ein Speicher für den Winter wirklich sein? Eine Beispielrechnung
Welche Dimensionen ein Stromspeicher für eine vollständige Winterautarkie haben müsste, verdeutlicht eine einfache Überschlagsrechnung. Gehen wir von einem typischen Einfamilienhaus mit einer Wärmepumpe aus.
Annahmen für einen kalten, sonnenarmen Wintertag:
- Stromverbrauch der Wärmepumpe: 25 kWh
- Sonstiger Haushaltsstrom (Grundlast, Kochen, Licht): 10 kWh
- Solarertrag der PV-Anlage an einem trüben Tag: 3 kWh
Der tägliche Gesamtstrombedarf liegt somit bei 35 kWh. Nach Abzug des geringen Solarertrags verbleibt eine Deckungslücke von 32 kWh, die der Speicher bereitstellen müsste, um einen einzigen Tag ohne Netzbezug zu überbrücken.

Die Kosten der vollständigen Autarkie
Die meisten heute installierten Photovoltaik Speicher für Eigenheime haben eine nutzbare Kapazität zwischen 5 und 15 kWh. Ein Speicher, der die Lücke von 32 kWh für einen Tag schließen müsste, wäre bereits außergewöhnlich groß.
Möchte man sogar für mehrere aufeinanderfolgende sonnenarme Tage gewappnet sein, eskaliert der Bedarf schnell:
- Autarkie für 1 Tag erfordert circa 32 kWh Speicherkapazität.
- Autarkie für 2 Tage erfordert circa 64 kWh Speicherkapazität.
- Autarkie für 3 Tage erfordert circa 96 kWh Speicherkapazität.
Ein Heimspeicher mit einer Kapazität von 50 bis 75 kWh kann zwischen 25.000 € und 40.000 € kosten. Diese Investition steht in keinem Verhältnis zum Nutzen, da diese enorme Kapazität nur an wenigen Tagen im Jahr wirklich benötigt wird. In den restlichen neun bis zehn Monaten des Jahres wäre ein solcher Speicher stark überdimensioniert und damit unwirtschaftlich.
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Ab 2.099,00 €Die Wirtschaftlichkeitsfalle: Warum Netzstrom im Winter oft die bessere Alternative ist
Der Versuch, vollständige Autarkie im Winter zu erreichen, führt schnell in eine wirtschaftliche Sackgasse. Rechnet man die hohen Anschaffungskosten eines riesigen Speichers auf seine Lebensdauer um, ergeben sich sehr hohe Kosten pro gespeicherter Kilowattstunde (kWh).
Zugekaufter Strom aus dem öffentlichen Netz ist in den Wintermonaten oft deutlich günstiger als der Strom aus einem überdimensionierten Heimspeicher.
Die Erfahrung zeigt, dass sich die meisten Nutzer für eine pragmatische Lösung entscheiden: Der Speicher wird so dimensioniert, dass er den Eigenverbrauch im Frühling, Sommer und Herbst maximiert. In diesen Perioden kann er den tagsüber erzeugten Solarstrom für die Nacht speichern und so den Netzbezug erheblich reduzieren.
Im tiefsten Winter, wenn die PV-Anlage kaum Ertrag liefert, wird der zusätzlich benötigte Strom für die Wärmepumpe bewusst aus dem Netz bezogen. Dieser Ansatz ist mit Abstand die wirtschaftlichste Strategie.

Die richtige Strategie: Optimale Speichergröße für das ganze Jahr
Statt den Speicher für die wenigen Extremtage im Winter auszulegen, sollte er für eine maximale Nutzung über das gesamte Jahr dimensioniert werden. Eine gute Faustregel ist, den Speicher so zu wählen, dass er den durchschnittlichen nächtlichen Stromverbrauch des Haushalts abdecken kann.
Praxisbeispiel:
Ein Vierpersonenhaushalt hat einen nächtlichen Strombedarf von etwa 6 bis 10 kWh (ohne Wärmepumpe). Ein Speicher mit einer Kapazität von 8 bis 12 kWh ist deshalb oft eine sinnvolle Größe. Er ist groß genug, um in den Übergangsmonaten und im Sommer eine hohe Autarkie zu gewährleisten, bleibt aber in einem wirtschaftlich vernünftigen Rahmen.

Mit einem solchen System steigern Sie Ihren Eigenverbrauchsanteil von ca. 30 % (nur PV-Anlage) auf bis zu 70 % oder mehr. Den verbleibenden Restbedarf, der hauptsächlich im Winter anfällt, decken Sie kostengünstig durch Netzstrom. Werkzeuge wie ein Photovoltaik Rechner helfen Ihnen, Ihre individuelle Situation besser einzuschätzen und die passenden Komponenten zu finden.
Häufige Fragen zur Speicherdimensionierung mit Wärmepumpe (FAQ)
Kann eine Wärmepumpe direkt mit Solarstrom betrieben werden?
Ja, das ist möglich und sehr effizient. An sonnigen Tagen kann der Strom der PV-Anlage direkt zum Heizen oder zur Warmwasserbereitung genutzt werden. Moderne Energiemanagementsysteme stimmen Erzeugung und Verbrauch optimal aufeinander ab.
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9.999,00 €Lohnt sich ein Stromspeicher mit Wärmepumpe überhaupt?
Ja, denn auch mit Wärmepumpe wird der meiste Strom außerhalb der Sonnenstunden verbraucht (morgens und abends). Ein Speicher hilft, den tagsüber erzeugten Solarstrom für diese Verbrauchsspitzen zu nutzen und so die jährlichen Stromkosten deutlich zu senken.
Gibt es Alternativen zu einem übergroßen Stromspeicher für den Winter?
Ja. Eine sinnvolle Ergänzung ist ein dynamischer Stromtarif. Damit können Sie in den Wintermonaten Netzstrom zu Zeiten beziehen, in denen er besonders günstig ist (z. B. nachts), und damit die Wärmepumpe betreiben.
Welche Rolle spielt die Größe der PV-Anlage?
Eine möglichst große PV-Anlage ist die Grundlage. Je mehr Solarstrom auch an bewölkten Tagen im Winter erzeugt wird, desto weniger muss der Speicher oder das Netz aushelfen. Deshalb sollte die Dachfläche so vollständig wie möglich genutzt werden.
Fazit: Intelligente Planung statt maximaler Autarkie
Der Traum von 100 % Autarkie im Winter ist mit der aktuellen Heimspeichertechnologie für die meisten Eigenheimbesitzer weder technisch sinnvoll noch wirtschaftlich darstellbar. Die Investition in einen extrem großen Speicher rechnet sich fast nie.
Eine weitaus klügere Strategie ist es, das Gesamtsystem aus PV-Anlage, Speicher und Wärmepumpe für einen optimalen Betrieb über das ganze Jahr auszulegen. Das bedeutet, eine moderate Speichergröße zu wählen, die den Eigenverbrauch in den sonnenreichen neun Monaten maximiert und den unvermeidlichen Netzbezug im Winter bewusst in Kauf zu nehmen.
Dieser Ansatz schont nicht nur Ihren Geldbeutel, sondern sorgt auch für eine realistische und effiziente Nutzung der Solarenergie.
Wenn Sie eine auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösung suchen, sind aufeinander abgestimmte Systeme oft die beste Wahl. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie beispielsweise eine Komplettanlage mit Speicher, die für typische Anwendungsfälle in Einfamilienhäusern optimiert ist.



