Sicherheitsabstände bei Photovoltaik: So vermeiden Sie Konflikte auf dem Dach

Sicherheitsabstände bei Photovoltaik: So vermeiden Sie Konflikte auf dem Dach

Die Entscheidung für eine Photovoltaikanlage steht, die Module sind ausgewählt, und die Vorfreude auf den eigenen Solarstrom wächst. Bei der Detailplanung auf dem Dach tauchen jedoch oft unerwartete Hindernisse auf: ein Schornstein, der Blitzableiter, Lüftungsrohre oder die Satellitenschüssel.

Doch diese Dacheinrichtungen sind mehr als nur Hindernisse. Aus Sicherheits- und Leistungsgründen erfordern sie exakt definierte Abstände zu den PV-Modulen. Eine sorgfältige Planung dieser Abstände ist entscheidend, um spätere Ertragseinbußen, Sicherheitsrisiken und teure Nachbesserungen zu vermeiden.

Warum Sicherheitsabstände für Sicherheit und Ertrag entscheidend sind

Auf den ersten Blick mag es verlockend sein, die verfügbare Dachfläche maximal mit Modulen zu belegen. Doch die Einhaltung von Mindestabständen zu anderen Bauteilen hat drei wesentliche Gründe:

  1. Brandschutz: Insbesondere bei Schornsteinen müssen Abstände eingehalten werden, um eine Brandgefahr durch Hitzeentwicklung oder Funkenflug auszuschließen. Diese Vorgaben sind oft in den Landesbauordnungen verankert.

  2. Vermeidung von Verschattung: Selbst kleine, aber regelmäßig wiederkehrende Schatten, beispielsweise von einer Antenne oder einem Lüftungsrohr, können die Leistung eines ganzen Modulstrangs erheblich reduzieren. Der Ertragsverlust ist dabei oft größer, als man annehmen würde.

  3. Funktion und Sicherheit (Blitzschutz): Der wohl wichtigste und komplexeste Punkt. Eine unsachgemäße Installation in der Nähe einer Blitzschutzanlage kann deren Schutzfunktion aushebeln und im Falle eines Einschlags zu massiven Schäden an der gesamten Hauselektronik führen.

In der Praxis entstehen die meisten Planungsfehler in diesem Bereich aus Unkenntnis. Wer sich frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzt, schützt seine Investition nachhaltig.

Der Blitzableiter: Ein oft unterschätzter Faktor

Viele Eigenheime verfügen über ein äußeres Blitzschutzsystem, das aus Fangeinrichtungen wie Stangen auf dem Dachfirst und Ableitungen besteht. Wird eine Photovoltaikanlage zu nah an diesem System installiert, entsteht eine sicherheitskritische Situation. Bei einem Blitzeinschlag können bei zu geringem Abstand gefährlich hohe Spannungen auf die metallischen Teile der PV-Anlage überspringen.

Sicherheitsabstände bei Photovoltaik

Grundlage für die Planung ist die Norm DIN EN 62305-3. Sie definiert den sogenannten Trennungsabstand, der zwischen allen Teilen des Blitzschutzsystems und der Photovoltaikanlage eingehalten werden muss, um unkontrollierte Spannungsübersprünge zu verhindern.

In der Praxis gibt es zwei bewährte Lösungsansätze:

1. Einhaltung des Trennungsabstandes

Dies ist die bevorzugte und sicherste Methode. Die PV-Anlage wird so auf dem Dach platziert, dass sie sich vollständig außerhalb des Schutzbereichs der Blitzschutzanlage befindet. Der exakte Trennungsabstand hängt von verschiedenen Faktoren ab und muss von einer Blitzschutz-Fachkraft berechnet werden. Als Faustregel kann man von einem Abstand von 0,5 bis 1,0 Metern ausgehen.

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2. Integration in das Blitzschutzsystem

Lässt die Dachgeometrie die Einhaltung des Trennungsabstandes nicht zu, muss die Photovoltaikanlage fachmännisch in das bestehende Blitzschutzsystem integriert werden. Dabei werden die metallischen Montagegestelle der Module direkt und leitend mit den Ableitungen des Blitzschutzes verbunden. So wird der Blitzstrom im Falle eines Einschlags kontrolliert zur Erde abgeleitet.

Wichtig: Diese Arbeit darf ausschließlich von qualifizierten Fachbetrieben für Blitzschutz ausgeführt werden.

Viele Kunden entscheiden sich für die erste Variante, da sie oft einfacher umzusetzen ist, sofern der Platz auf dem Dach ausreicht.

Blitzschutz und Photovoltaikanlage

Antennen, Lüftungen und Schornsteine: Störenfriede oder planbare Elemente?

Neben dem Blitzschutz spielen auch andere Aufbauten auf dem Dach eine wichtige Rolle. Hier steht vor allem die Vermeidung von Verschattung im Vordergrund.

Antennen und Satellitenschüsseln

Diese Objekte werfen zwar oft nur schmale Schatten, doch diese wandern im Tagesverlauf über die Modulflächen. Moderne Solarmodule sind in Strängen (Strings) verschaltet. Wird auch nur eine Zelle eines Moduls verschattet, kann die Leistung des gesamten Strangs einbrechen. Wie sich bereits kleine Schatten auf den Ertrag auswirken, erklären wir detailliert in unserem Beitrag zum Thema Verschattung bei Photovoltaikanlagen.

Praxisbeispiel: Eine Satellitenschüssel am südlichen Rand eines Daches kann zur Mittagszeit einen Schatten direkt auf die darunterliegenden Module werfen und so den Ertrag genau dann reduzieren, wenn die Sonneneinstrahlung am stärksten ist. Ein Planer wird hier entweder einen ausreichenden Abstand nach unten vorsehen oder die Module seitlich des Hindernisses anordnen.

Schornsteine und Lüftungsrohre

Bei Schornsteinen ist neben der Verschattung der Brandschutz entscheidend. Die jeweiligen Landesbauordnungen schreiben oft einen Mindestabstand von brennbaren Materialien zu Schornsteinöffnungen vor. Ein typischer Wert liegt hier bei 0,5 Metern, kann aber je nach Bundesland und Schornsteintyp variieren. Ihr Installateur sollte diese Vorschriften kennen und berücksichtigen. Lüftungsrohre sind in der Regel unkritischer, doch auch bei ihnen sollte wegen der Verschattung ausreichend Abstand eingeplant werden.

Dach mit Schornstein und Lüftungsrohren

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Praktische Tipps für Ihre Planung

Eine vorausschauende Planung ist der beste Weg, um Konflikte auf dem Dach zu vermeiden und die maximale Leistung Ihrer Anlage sicherzustellen.

  • Bestandsaufnahme machen: Bevor Sie Angebote einholen, erstellen Sie eine grobe Skizze Ihres Daches mit allen vorhandenen Aufbauten und deren Maßen. Das hilft Ihnen, das Potenzial realistisch einzuschätzen.

  • Verschattung analysieren lassen: Ein professioneller Installateur führt eine Verschattungsanalyse durch. Mithilfe von Software kann er den Schattenwurf aller Hindernisse für jede Tages- und Jahreszeit simulieren und die Modulbelegung optimieren.

  • Experten konsultieren: Insbesondere beim Thema Blitzschutz ist die Expertise eines Fachmanns unerlässlich, um teure Fehler zu vermeiden.

Mit einer guten Planung lassen sich die anfänglichen Herausforderungen durch Dachaufbauten fast immer lösen. Das Ergebnis ist eine sichere, vorschriftenkonforme und ertragsstarke Anlage, die Ihnen über Jahrzehnte Freude bereitet.

Praktische Planung von Photovoltaikanlagen

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Sicherheitsabständen

Muss meine PV-Anlage immer in den Blitzschutz integriert werden?

Nein, das ist nicht zwangsläufig der Fall. Die Integration ist nur dann notwendig, wenn der vorgeschriebene Trennungsabstand zur bestehenden Blitzschutzanlage nicht eingehalten werden kann. Die Einhaltung des Abstandes ist sogar die bevorzugte Lösung.

Wie viel Abstand muss ich zu meinem Schornstein halten?

Der genaue Abstand hängt von den Vorschriften Ihrer Landesbauordnung und dem Typ des Schornsteins ab. Als Richtwert gelten oft 0,5 bis 1,0 Meter. Eine verbindliche Auskunft kann Ihnen hierzu nur ein Fachbetrieb geben.

Kann ich eine PV-Anlage auch bei vielen Dachaufbauten installieren?

Ja, in den meisten Fällen ist das möglich. Durch eine gute Planung und den Einsatz von sogenannten Leistungsoptimierern oder Mikrowechselrichtern lassen sich die Auswirkungen von Teilverschattung durch Gauben, Antennen oder Rohre minimieren. So kann jedes Modul einzeln optimiert werden.

Wer ist für die korrekte Einhaltung der Abstände verantwortlich?

Die Verantwortung für die fachgerechte und vorschriftenkonforme Installation liegt beim ausführenden Installationsbetrieb. Als Betreiber der Anlage sollten Sie sich dennoch die Planung und die Einhaltung der Normen, insbesondere beim Blitzschutz, schriftlich bestätigen lassen.

Eine gut geplante Photovoltaikanlage ist eine sichere und rentable Investition. Die Berücksichtigung von Sicherheitsabständen ist dabei kein Hindernis, sondern ein Qualitätsmerkmal professioneller Arbeit.

Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen abgestimmt sind und Ihnen einen einfachen Einstieg ermöglichen.

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Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

Mehr über ihn und die Arbeit:
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