Gefahrenquelle PV-Anlage: So messen Sie DC-Spannungen sicher

Gefahrenquelle PV-Anlage: So messen Sie DC-Spannungen sicher
Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach oder Balkon ist ein Symbol für saubere Energie und Unabhängigkeit. Doch während die Sonne scheint und die Anlage still und leise Strom produziert, verbirgt sich in den Kabeln eine oft unterschätzte Gefahr: hohe Gleichspannung (DC). Eine falsche Handhabung oder ungeeignetes Werkzeug kann bei der Spannungsmessung schnell zu schweren Unfällen führen.
Dieser technische Leitfaden erklärt ambitionierten Anwendern, warum die Gleichspannung von PV-Strings so gefährlich ist, worauf es bei der Auswahl des passenden Messgeräts nach CAT-Klassen ankommt und wie Sie Schritt für Schritt eine sichere Spannungsmessung durchführen.
Die unsichtbare Gefahr: Warum DC-Spannung an PV-Anlagen besonders ist
Im Gegensatz zur Wechselspannung (AC) aus der Steckdose, die 50 Mal pro Sekunde ihre Polarität ändert und dabei einen Nulldurchgang hat, fließt Gleichspannung (DC) konstant in eine Richtung. Bei einem Kurzschluss oder einer fehlerhaften Trennung unter Last kann ein sogenannter Lichtbogen entstehen. Ein DC-Lichtbogen ist deshalb so gefährlich, weil ihm der Nulldurchgang fehlt. Bei Wechselstrom sorgt dieser dafür, dass ein Lichtbogen leichter verlischt. Dadurch kann er extrem stabil, heiß (mehrere tausend Grad Celsius) und zerstörerisch werden.
In einem typischen PV-String auf einem Einfamilienhaus sind mehrere Module in Reihe geschaltet, sodass sich ihre Spannungen addieren. So entstehen schnell Systemspannungen von 600 bis über 1000 Volt – ein lebensgefährlicher Wert.
Praxis-Szenario: Stellen Sie sich vor, Sie versuchen, die Spannung eines 800-Volt-Strings mit einem günstigen Multimeter aus dem Baumarkt zu messen. Das Gerät mag zwar für 1000 Volt spezifiziert sein, ihm fehlt aber die nötige Sicherheitskategorie. Eine kurze Spannungsspitze im Netz, verursacht durch einen entfernten Blitzeinschlag oder einen Schaltvorgang, kann die unzureichende interne Absicherung des Geräts überwinden. Das Resultat: Das Multimeter explodiert förmlich in Ihrer Hand und erzeugt einen massiven Lichtbogen, der schwere Verbrennungen und einen Brand auslösen kann.

Mehr als nur Volt: Die Bedeutung der CAT-Sicherheitsklassen
Ein Multimeter definiert sich nicht nur über die maximal messbare Spannung, sondern vor allem über seine Sicherheitskategorie, die sogenannte CAT-Klasse. Diese gibt an, wie gut das Gerät gegen kurzzeitige Spannungsspitzen (Transienten) geschützt ist, die in jedem Stromnetz auftreten können. Je näher an der Energiequelle gemessen wird, desto höher muss die CAT-Klasse sein.
Die Norm IEC 61010 definiert vier Hauptkategorien:
CAT I: Für Messungen an Stromkreisen, die keine direkte Verbindung zum Netz haben (z. B. batteriebetriebene Geräte, geschützte Elektronik).
CAT II: Für Messungen an einphasigen Steckdosen und Haushaltsgeräten. Dies ist die typische Kategorie für Heimwerker-Multimeter.
CAT III: Für Messungen in der Gebäudeinstallation, z. B. an Verteilern, fest installierten Geräten und vor allem an Photovoltaikanlagen.
CAT IV: Für Messungen an der Quelle der Niederspannungsinstallation, wie dem Hausanschlusskasten oder an Freileitungen.

Für Arbeiten an einer PV-Anlage ist ein Multimeter der Kategorie CAT III mit mindestens 1000 V Spannungsfestigkeit die absolute Mindestanforderung. Besser und für professionelle Anwendungen empfohlen ist ein Gerät der Klasse CAT IV 600 V oder höher.
Viele Anwender gehen fälschlicherweise davon aus, ein für 1000 V zugelassenes Gerät sei automatisch sicher. Dies ist ein gefährlicher Trugschluss, denn ohne die passende CAT-Klasse fehlt der Schutz vor energiereichen Spannungsspitzen, die gerade in PV-Anlagen häufig vorkommen.
Schritt für Schritt zur sicheren Messung: Eine praktische Anleitung
Bevor Sie mit der Messung beginnen, gilt: Sicherheit geht vor. Tragen Sie immer die geeignete persönliche Schutzausrüstung (PSA), insbesondere isolierende Handschuhe und eine Schutzbrille.
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Überprüfen Sie Messgerät, Messleitungen und Prüfspitzen sorgfältig auf Risse, Brüche oder andere Beschädigungen. Schon ein kleiner Defekt an der Isolierung kann fatale Folgen haben. Achten Sie zudem auf einen ausreichenden Ladezustand der Batterie, da eine schwache Batterie die Messgenauigkeit und Schutzfunktionen beeinträchtigen kann.
2. Multimeter korrekt einstellen
Wählen Sie am Drehrad des Multimeters den Messbereich für Gleichspannung aus, meist mit V⎓ oder DCV gekennzeichnet. Falls Ihr Gerät keine automatische Bereichswahl hat, stellen Sie den höchstmöglichen Spannungsbereich ein (z. B. 1000 V). Stecken Sie die Messleitungen korrekt ein: das schwarze Kabel in die COM-Buchse, das rote in die V/Ω-Buchse.
Wichtiger Hinweis: Verwechseln Sie niemals die Spannungs- mit der Strommessung (A). Eine versehentliche Messung im Strombereich würde einen direkten Kurzschluss verursachen!
3. Die Messung der String-Spannung
Gemessen wird die Leerlaufspannung (Voc) des PV-Strings. Dafür muss der String vom Wechselrichter getrennt sein, während ihn die Sonne bestrahlt – nur so erzeugt er seine maximale Spannung.

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Trennen Sie den zu messenden String über den DC-Freischalter vom Wechselrichter.
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Führen Sie die rote Prüfspitze an den Pluspol und die schwarze Prüfspitze an den Minuspol des Strings. Die Anschlüsse erfolgen meist über standardisierte MC4-Stecker. Gehen Sie dabei mit äußerster Vorsicht vor.
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Lesen Sie den Spannungswert auf dem Display ab.
Bei voller Sonneneinstrahlung sollte dieser Wert nahe an der Summe der Leerlaufspannungen der einzelnen Module im String liegen. Die genauen Daten zur Leistung und Spannung eines PV-Moduls finden Sie im zugehörigen Datenblatt.
4. Isolationsprüfung (optional für Fortgeschrittene)
Um Isolationsfehler aufzuspüren, können Sie zusätzlich die Spannung jedes Pols gegen Erde (PE, z. B. das Montagegestell) messen:
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Messen Sie die Spannung zwischen Pluspol und Erde.
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Messen Sie die Spannung zwischen Minuspol und Erde.
Bei einem fehlerfreien, ungeerdeten System entspricht die Summe der Beträge beider Messungen ungefähr der gesamten String-Spannung. Weichen die Werte stark ab, deutet das auf einen Isolationsfehler hin.
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Kann ich mein normales Multimeter aus dem Baumarkt verwenden?
In den allermeisten Fällen: Nein. Standard-Multimeter für den Heimgebrauch fallen in der Regel nur unter CAT II. Für Messungen an PV-Anlagen, die als Teil der festen Gebäudeinstallation gelten, ist zwingend ein Gerät der CAT III 1000 V oder höher erforderlich, um Sie vor gefährlichen Spannungsspitzen zu schützen.
Was ist der Unterschied zwischen der Spannung eines Moduls und eines Strings?
Ein PV-String besteht aus mehreren in Reihe geschalteten Solarmodulen. Bei einer Reihenschaltung addieren sich die Spannungen der einzelnen Module. Hat ein Modul also eine Leerlaufspannung von ca. 40 V, erreicht ein String aus 15 Modulen bereits eine Gesamtspannung von 600 V.
Welche Spannung ist gefährlich?
Gleichspannungen über 60 V gelten für den Menschen als lebensgefährlich. PV-Anlagen, selbst ein kleines Balkonkraftwerk, überschreiten diese Schwelle am DC-Eingang des Wechselrichters deutlich. Daher ist höchste Vorsicht geboten.
Muss ich bei der Messung die Anlage abschalten?
Um die Leerlaufspannung zu messen, muss der String vom Wechselrichter getrennt sein (z. B. über den DC-Trennschalter), aber die Module müssen Sonnenlicht ausgesetzt sein, um Spannung zu erzeugen. Sie schalten also den Lastkreis ab, nicht aber die Spannungsquelle selbst – die Sonne.
Fazit: Sicherheit als oberste Priorität
Das Messen von Spannungen an einer PV-Anlage erfordert Fachkenntnis und das richtige, sichere Werkzeug. Die hohe Gleichspannung und die Gefahr eines Lichtbogens bergen ernste Risiken mit potenziell verheerenden Folgen. Deshalb ist die Investition in ein hochwertiges Multimeter der korrekten CAT-Klasse keine Frage des Komforts, sondern eine absolute Notwendigkeit für Ihre Sicherheit. Bei Photovoltaik.info legen wir größten Wert auf die sachkundige und sichere Umsetzung von PV-Projekten.
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