Sensitivitätsanalyse für Photovoltaik: Wie Strompreise Ihre Rendite wirklich beeinflussen

Die Entscheidung für eine Photovoltaikanlage ist oft von einer zentralen Frage begleitet: ‚Wann rechnet sich die Investition?‘ Die Antwort scheint auf den ersten Blick einfach: Man teilt die Anschaffungskosten durch die jährliche Ersparnis.
Doch diese simple Rechnung hat eine entscheidende Schwachstelle: Sie geht von einem konstanten Strompreis aus. In der Realität sind die Strompreise in Deutschland in den letzten 20 Jahren aber um durchschnittlich 6 % pro Jahr gestiegen – und genau diese Dynamik ist der größte Hebel für die Wirtschaftlichkeit Ihrer Anlage. Eine Sensitivitätsanalyse hilft Ihnen, die Zukunft nicht als feste Größe, sondern als eine Reihe von Möglichkeiten zu betrachten.
Was ist eine Sensitivitätsanalyse? Eine Was-wäre-wenn-Simulation für Ihre PV-Anlage
Stellen Sie sich eine Sensitivitätsanalyse wie einen Stresstest für Ihre Finanzplanung vor. Anstatt mit nur einem einzigen, festen Wert für den zukünftigen Strompreis zu rechnen, spielen Sie verschiedene Szenarien durch. Sie fragen sich: ‚Was passiert mit meiner Amortisationszeit, wenn der Strompreis nur langsam steigt? Und was, wenn er explodiert?‘
So wird aus einer starren Berechnung ein dynamisches Modell. Sie erkennen, welche Faktoren den größten Einfluss auf Ihre Rendite haben, und können eine fundiertere Entscheidung treffen. Es geht nicht darum, die Zukunft exakt vorherzusagen. Vielmehr bekommen Sie ein Gefühl für die Bandbreite möglicher Ergebnisse und vermeiden so finanzielle Überraschungen.
Die Schlüsselfaktoren Ihrer PV-Wirtschaftlichkeit
Bevor wir in die Szenarien eintauchen, ein kurzer Blick auf die zentralen Bausteine, die die Rentabilität Ihrer Anlage bestimmen:
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Anschaffungskosten: Der einmalige Investitionsbetrag für die komplette Anlage inklusive Montage.
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Jährlicher Ertrag: Die Menge an Strom (in kWh), die Ihre Anlage pro Jahr erzeugt. Dieser Wert hängt von Anlagengröße, Ausrichtung, Neigung und dem regionalen Wetter ab.
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Eigenverbrauchsquote: Der prozentuale Anteil des erzeugten Stroms, den Sie direkt im Haushalt verbrauchen. Je höher dieser Wert, desto besser.
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Einspeisevergütung: Die gesetzlich festgelegte Vergütung für den Strom, den Sie nicht selbst verbrauchen und ins öffentliche Netz einspeisen. Aktuell liegt diese bei etwa 8 Cent pro kWh.
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Strompreis: Der Preis, den Sie für Strom vom Energieversorger bezahlen. Jede selbst erzeugte und verbrauchte Kilowattstunde spart Ihnen diesen Betrag.
Während die ersten vier Faktoren relativ stabil oder gut kalkulierbar sind, ist der Strompreis der große Joker. Seine Entwicklung entscheidet maßgeblich darüber, wie schnell sich Ihre Investition bezahlt macht.
So führen Sie eine einfache Sensitivitätsanalyse durch (Beispielrechnung)
Schauen wir uns das Prinzip an einem konkreten Beispiel an. Wir nutzen dafür typische Werte, wie sie Photovoltaik.info zur Orientierung bereitstellt.
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Ab 1.299,00 €Die Ausgangslage: Unser Beispielhaushalt
- Anlage: Eine 10-kWp-Anlage zu Anschaffungskosten von 16.000 Euro.
- Ertrag: Die Anlage erzeugt jährlich 9.500 kWh Strom.
- Verbrauch: Der Vierpersonenhaushalt verbraucht 4.000 kWh pro Jahr.
- Eigenverbrauch: Der Haushalt schafft es, 2.500 kWh des eigenen Solarstroms direkt zu verbrauchen (entspricht einer Eigenverbrauchsquote von ca. 26 %).
- Aktueller Strompreis: Wir nehmen einen Arbeitspreis von 35 Cent pro kWh an.
- Einspeisung: Die restlichen 7.000 kWh (9.500 – 2.500) werden für 8 Cent/kWh eingespeist.

Jährliche Ersparnis im ersten Jahr:
- Durch Eigenverbrauch: 2.500 kWh * 0,35 €/kWh = 875 €
- Durch Einspeisung: 7.000 kWh * 0,08 €/kWh = 560 €
- Gesamtertrag im ersten Jahr: 1.435 €
Ohne Strompreisänderungen läge die Amortisationszeit also bei rund 11,1 Jahren (16.000 € / 1.435 €). Doch wie verändert sich diese Zeit in den verschiedenen Szenarien?
Szenario 1: Konservative Schätzung (3 % jährliche Strompreissteigerung)
In diesem Szenario gehen wir von einer moderaten Entwicklung aus, die unter dem historischen Durchschnitt liegt.
- Jahr 2: Der Strompreis steigt auf 36,05 Cent/kWh. Ihre Ersparnis durch Eigenverbrauch wächst auf 901,25 €, womit auch der Gesamtertrag steigt.
- Folgejahre: Dieser Effekt setzt sich fort. Die Ersparnis durch den Eigenverbrauch wird jedes Jahr größer, während die Einnahmen aus der Einspeisung konstant bleiben.
- Ergebnis: Unter diesen Umständen verkürzt sich die Amortisationszeit auf ca. 9,5 bis 10 Jahre.
Szenario 2: Realistische Annahme (5 % jährliche Strompreissteigerung)
Dieses Szenario liegt näher am historischen Durchschnitt und wird von vielen Experten als realistisch angesehen.
- Jahr 2: Der Strompreis steigt auf 36,75 Cent/kWh. Ihre Ersparnis durch Eigenverbrauch wächst damit auf 918,75 €.
- Folgejahre: Die jährliche Ersparnis nimmt deutlich schneller zu als im konservativen Szenario.
- Ergebnis: Die Amortisationszeit verkürzt sich auf ca. 8,5 bis 9 Jahre. Dies ist ein Szenario, mit dem viele Eigenheimbesitzer heute kalkulieren können.
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9.999,00 €Szenario 3: Optimistisches Szenario (8 % jährliche Strompreissteigerung)
Dieses Szenario mag hoch erscheinen, ist angesichts energiepolitischer Entwicklungen aber nicht auszuschließen – Prognosen für die Strompreisentwicklung bis 2030 variieren teils zwischen 3 % und 8 % jährlich.
- Jahr 2: Der Strompreis steigt auf 37,8 Cent/kWh. Ihre Ersparnis durch Eigenverbrauch steigt bereits auf 945 €.
- Folgejahre: Der Hebel des steigenden Strompreises wirkt hier enorm. Ihre Anlage wird von Jahr zu Jahr deutlich rentabler.
- Ergebnis: Die Amortisationszeit kann auf unter 8 Jahre sinken.
Die Erfahrung zeigt, dass sich die meisten Nutzer mental auf ein realistisches Szenario einstellen, sich der Puffer und Chancen der anderen Szenarien aber bewusst bleiben.
Was bedeuten diese Ergebnisse für Ihre Entscheidung?
Die Sensitivitätsanalyse zeigt vor allem eines: Ihre Photovoltaikanlage ist eine Absicherung gegen steigende Strompreise. Je stärker die Preise klettern, desto wertvoller wird jede Kilowattstunde, die Sie selbst auf dem Dach produzieren.
Selbst im konservativsten Szenario bleibt die Investition rentabel. Die Analyse schützt Sie aber vor unrealistischen Erwartungen und gibt Ihnen eine solide Grundlage für Ihre Entscheidung. Sie kaufen nicht nur eine Anlage, sondern auch ein Stück finanzielle Planbarkeit und Unabhängigkeit. Viele Kunden entscheiden sich gerade deshalb für eine etwas größere Anlage, um für zukünftige Verbraucher wie ein E-Auto oder eine Wärmepumpe gerüstet zu sein.

FAQ – Häufige Fragen zur Sensitivitätsanalyse
Was ist, wenn mein Stromverbrauch steigt, z. B. durch ein E-Auto?
Ein steigender Stromverbrauch verbessert die Wirtschaftlichkeit, solange Sie den Mehrbedarf durch Ihren eigenen Solarstrom decken können. Jede zusätzlich selbst verbrauchte Kilowattstunde ist wertvoller (Ersparnis von ca. 35 Cent) als eine eingespeiste Kilowattstunde (Erlös von 8 Cent).
Werden in der Analyse auch Wartungskosten berücksichtigt?
Für eine präzisere Berechnung sollten Sie jährliche Rücklagen für Wartung oder eventuelle Reparaturen (z. B. des Wechselrichters nach 12-15 Jahren) einplanen. Diese liegen erfahrungsgemäß bei etwa 1 % der Anschaffungskosten pro Jahr und verlängern die Amortisationszeit leicht.
Wie genau sind solche Prognosen?
Keine Prognose kann die Zukunft exakt vorhersagen. Der Wert der Sensitivitätsanalyse liegt nicht in der Vorhersage eines exakten Datums, sondern darin, die finanziellen Auswirkungen verschiedener möglicher Zukünfte zu verstehen und die eigene Entscheidung abzusichern.
Fazit: Planen mit Weitsicht
Die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage hängt von mehr als nur den Anschaffungskosten ab. Der zukünftige Strompreis ist der entscheidende, aber auch unsicherste Faktor. Eine Sensitivitätsanalyse ist ein wertvolles Werkzeug, um diese Unsicherheit in Ihre Planung einzubeziehen. So können Sie die Chancen und Risiken realistisch einschätzen und gewinnen die Gewissheit, auch bei unterschiedlichen Entwicklungen eine solide und rentable Investition getätigt zu haben.
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