Restwert und Entsorgung von PV-Anlagen: Die vergessene Variable

Wer eine Photovoltaikanlage plant, konzentriert sich meist auf die Amortisationszeit. Alle Berechnungen drehen sich um Anschaffungskosten, Fördermöglichkeiten und die erwarteten Stromkosteneinsparungen über 20 Jahre.
Doch was passiert danach? Dieser Beitrag beleuchtet die oft übersehene letzte Phase im Lebenszyklus einer PV-Anlage: den Restwert der Komponenten und die Kosten für Demontage und Recycling.
Die Lebensdauer einer PV-Anlage: mehr als nur 20 Jahre
Eine verbreitete Annahme ist, dass eine Photovoltaikanlage nach dem Ende der 20-jährigen EEG-Förderung ihre Lebensdauer erreicht hat. Das ist jedoch ein Trugschluss. Die technische Lebensdauer moderner PV-Anlagen liegt heute bei 30 bis 40 Jahren.
Entscheidend ist die sogenannte Degradation, also der langsame, natürliche Leistungsverlust der Solarmodule. Die meisten Hersteller garantieren nach 25 Jahren noch eine Leistung von 80 bis 87 % der ursprünglichen Nennleistung.
Praxisbeispiel: Eine im Jahr 2024 installierte 10-kWp-Anlage erzeugt jährlich rund 10.000 kWh Strom. Im Jahr 2049 wird dieselbe Anlage voraussichtlich immer noch zwischen 8.000 und 8.700 kWh produzieren – wertvollen Strom für den Eigenverbrauch, der nicht teuer aus dem Netz bezogen werden muss. Die Anlage ist also auch nach Jahrzehnten alles andere als wertlos.

Der Restwert: Welche Komponenten haben noch einen Wert?
Auch wenn eine Anlage nach 30 oder mehr Jahren das Ende ihres Lebenszyklus erreicht, haben viele ihrer Bestandteile noch einen materiellen oder funktionalen Wert.
Solarmodule
Selbst nach drei Jahrzehnten produzieren die Module noch Strom. Für funktionsfähige, gebrauchte Module gibt es einen etablierten Zweitmarkt. Insbesondere für kleinere Projekte wie Gartenlauben oder Off-Grid-Anwendungen sind sie gefragt. Der erzielbare Preis hängt stark von Alter und Zustand ab, liegt erfahrungsgemäß aber bei 10–30 % des ursprünglichen Neupreises.
Darüber hinaus steckt in jedem Modul ein beträchtlicher Materialwert. Ein modernes Solarmodul besteht hauptsächlich aus Glas, Aluminium und Silizium. Dank fortschrittlicher Verfahren können heute über 95 % dieser wertvollen Rohstoffe recycelt und in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden.
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Der Wechselrichter ist das Herzstück der Anlage, hat aber mit 10 bis 15 Jahren eine kürzere Lebensdauer als die Module. In der Regel wurde er zum Zeitpunkt der finalen Demontage bereits mindestens einmal ausgetauscht. Ein alter, defekter Wechselrichter hat kaum Restwert, während ein funktionierendes Gerät auf dem Gebrauchtmarkt noch einen geringen Erlös erzielen kann.
Montagesystem und Verkabelung
Das Montagesystem auf dem Dach besteht meist aus Aluminium oder Edelstahl und die Verkabelung aus Kupfer – beides gefragte Rohstoffe. Der Schrottwert dieser Metalle ist nicht zu unterschätzen und kann oft einen Teil der Demontagekosten decken.
Stromspeicher
Die Lebensdauer von Stromspeichern liegt typischerweise bei 10 bis 15 Jahren, ähnlich wie bei Wechselrichtern. Ist zum Zeitpunkt der Anlagendemontage noch ein funktionierender Speicher vorhanden, kann dieser ein zweites Leben erhalten: Sogenannte „Second-Life“-Konzepte sehen vor, die Batteriemodule für weniger anspruchsvolle Anwendungen weiterzunutzen. Detaillierte Informationen zur Funktionsweise und Lebensdauer finden Sie in unserem Beitrag Alles über Stromspeicher für Photovoltaikanlagen.
Die andere Seite der Medaille: Entsorgung und Recyclingkosten
Die gute Nachricht vorweg: Für die Entsorgung Ihrer alten Solarmodule müssen Sie als Anlagenbetreiber nicht bezahlen. Grundlage dafür ist das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG), das die Hersteller zur kostenlosen Rücknahme und zum fachgerechten Recycling alter Module verpflichtet.
In der Praxis geben Sie die demontierten Module einfach bei einem kommunalen Wertstoffhof ab, ähnlich wie einen alten Kühlschrank oder Fernseher.
Die Kosten, die für Sie anfallen, beziehen sich allein auf die Demontage der Anlage. Das Entfernen der Module vom Dach sollte ein Fachbetrieb (z. B. ein Solarteur oder Dachdecker) übernehmen.
Faustregel: Rechnen Sie für die fachgerechte Demontage einer typischen Dachanlage auf einem Einfamilienhaus mit Kosten zwischen 500 und 1.500 Euro. Die genaue Höhe hängt von der Anlagengröße, der Dachneigung und der Zugänglichkeit ab. Diese Kosten lassen sich erfahrungsgemäß oft durch den Restwert der Komponenten, insbesondere des Montagesystems, teilweise kompensieren.

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6.299,00 €Die Gesamtrechnung: Restwert vs. Entsorgungskosten
Stellen wir eine vereinfachte Beispielrechnung für eine 30 Jahre alte 8-kWp-Anlage auf einem Einfamilienhaus auf:
Potenzieller Restwert:
- 20 Solarmodule (Zweitmarkt/Schrott): ca. 400 €
- Montagesystem (Aluminium-Schrottwert): ca. 150 €
- Gesamter Restwert: ca. 550 €
Anfallende Kosten:
- Fachgerechte Demontage durch einen Handwerker: ca. 1.000 €
Saldo:
- Netto-Kosten am Ende der Lebensdauer: ca. 450 €
Dieses Beispiel zeigt: Der finanzielle Aufwand am Ende der Lebensdauer ist überschaubar und fällt in der Gesamtwirtschaftlichkeit über 30 Jahre kaum ins Gewicht. Die jahrzehntelangen Einsparungen bei den Stromkosten übersteigen diese abschließenden Kosten um ein Vielfaches. Staatliche Förderprogramme können die Wirtschaftlichkeit von Beginn an zusätzlich optimieren. Eine Übersicht aktueller Möglichkeiten bietet unser Artikel zum Thema Photovoltaik Förderung: So erhalten Sie Zuschüsse.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was passiert mit meiner PV-Anlage nach 20 Jahren EEG-Förderung?
Ihre Anlage produziert weiterhin zuverlässig Strom. Da die Anlage zu diesem Zeitpunkt längst abbezahlt ist, erzeugen Sie Strom für den Eigenverbrauch zu unschlagbar günstigen Gestehungskosten. Nur der überschüssige Strom, den Sie ins Netz einspeisen, wird nicht mehr hoch vergütet.
Muss ich für das Recycling meiner Solarmodule bezahlen?
Nein. Die Rücknahme und das Recycling selbst sind für Sie als Endverbraucher kostenlos. Kosten fallen lediglich für die Demontage der Anlage vom Dach an.
Wie viel ist ein altes Solarmodul noch wert?
Ein funktionstüchtiges, 25–30 Jahre altes Modul kann auf dem Zweitmarkt noch 10–30 % des Neupreises erzielen. Ist es defekt, bleibt der reine Materialwert, der deutlich geringer ausfällt.
Kann ich meine Anlage einfach weiterlaufen lassen?
Ja, solange alle Komponenten technisch einwandfrei und sicher sind. Es empfiehlt sich, nach 20 Jahren eine Prüfung durch einen Fachbetrieb durchführen zu lassen, insbesondere des Wechselrichters und der Verkabelung.
Wer baut die alte Anlage ab?
Die Demontage sollte von qualifizierten Fachleuten wie Solarteuren, Elektrikern oder Dachdeckern durchgeführt werden, um Schäden am Dach zu vermeiden und die Sicherheit zu gewährleisten.
Fazit: eine kalkulierbare und faire Schlussrechnung
Die Sorge vor hohen Entsorgungskosten am Ende der Lebensdauer einer PV-Anlage ist unbegründet. Dank gesetzlicher Regelungen und des materiellen Restwerts der Komponenten halten sich die abschließenden Kosten in einem überschaubaren Rahmen.
Sie sind eine kleine, gut kalkulierbare Variable in einer ansonsten äußerst rentablen Investition. Der Fokus sollte daher auf der langen Phase des Betriebs liegen, in der die Anlage über Jahrzehnte sauberen und günstigen Strom für Ihr Zuhause produziert.
Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten für eine langlebige und ertragreiche Anlage finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.




