Rentabilitäts-Prognosen von PV-Anbietern kritisch prüfen: So entlarven Sie unrealistische Annahmen

Sie haben ein Angebot für eine Photovoltaikanlage erhalten und die Zahlen sehen vielversprechend aus: hohe Rendite, schnelle Amortisation und deutliche Einsparungen bei den Stromkosten. Doch Vorsicht ist geboten. Wirtschaftlichkeitsprognosen sind zwar ein zentrales Element jedes Angebots, sie basieren jedoch oft auf Annahmen, die einer genauen Prüfung nicht standhalten.

Dieser Beitrag zeigt Ihnen, auf welche Kennzahlen es ankommt und wie Sie realistische von überoptimistischen Berechnungen unterscheiden. So schützen Sie sich vor Enttäuschungen und treffen eine fundierte Investitionsentscheidung.

Die vier entscheidenden Stellschrauben jeder Wirtschaftlichkeitsberechnung

Eine seriöse Prognose ist transparent und legt alle zugrunde liegenden Annahmen offen. In der Praxis sind es vor allem vier Faktoren, die die berechnete Rentabilität maßgeblich beeinflussen. Prüfen Sie diese Werte in Ihrem Angebot besonders sorgfältig.

1. Annahme zur Strompreisentwicklung: Der Blick in die Glaskugel

Jede Prognose muss eine Annahme darüber treffen, wie sich der Preis für Netzstrom in den nächsten 20 bis 25 Jahren entwickeln wird. Je höher die angenommene Steigerungsrate, desto rentabler erscheint die PV-Anlage, da jede selbst erzeugte Kilowattstunde eine teurere Kilowattstunde aus dem Netz ersetzt.

Realistischer Wert: Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) zeigen, dass die Strompreise für Haushalte in den letzten 20 Jahren im Durchschnitt um etwa 3–4 % pro Jahr gestiegen sind. Dies ist ein solider, historisch belegter Wert für eine konservative Kalkulation.

Rote Flagge: Seien Sie skeptisch, wenn Anbieter mit jährlichen Steigerungsraten von 6 %, 8 % oder sogar mehr rechnen. Solche Annahmen erhöhen die prognostizierte Rendite künstlich und sind rein spekulativ.

Praxisbeispiel: Ein Vierpersonenhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.500 kWh spart bei einer angenommenen Strompreissteigerung von 3 % über 20 Jahre deutlich weniger als bei einer optimistischen Annahme von 6 %. Der Unterschied im Gesamtergebnis kann mehrere tausend Euro betragen.

2. Die Eigenverbrauchsquote: Der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit

Die Eigenverbrauchsquote beschreibt, wie viel des selbst erzeugten Solarstroms Sie direkt im Haus verbrauchen. Ein hoher Eigenverbrauch ist entscheidend, da der eingesparte Netzstrom (ca. 30–40 Cent/kWh) deutlich mehr wert ist als die Einspeisevergütung für überschüssigen Strom (ca. 8 Cent/kWh).

Realistischer Wert: Studien der HTW Berlin belegen, dass ein typischer Haushalt ohne Stromspeicher eine Eigenverbrauchsquote von 25–40 % erreicht. Dieser Wert ist stark vom Verbrauchsverhalten abhängig. Wer tagsüber zu Hause ist und große Verbraucher wie Waschmaschine oder Elektroauto gezielt bei Sonnenschein nutzt, erreicht höhere Werte. Mit einem passend dimensionierten Stromspeicher kann die Quote auf 60–80 % steigen.

Rote Flagge: Prognosen, die pauschal von über 50 % Eigenverbrauch ohne Speicher oder gar über 90 % mit Speicher ausgehen, sind oft unrealistisch. Solche Werte sind nur unter idealen Bedingungen erreichbar.

Praxisbeispiel: Eine Familie, bei der tagsüber meist jemand zu Hause ist, erreicht leichter 35 % Eigenverbrauch als ein Paar, das ganztags außer Haus arbeitet und erst abends die meisten Elektrogeräte nutzt. Hier ist ein Wert von 25 % oft realistischer. Fragen Sie den Anbieter, auf welcher Grundlage er Ihre persönliche Quote geschätzt hat.

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3. Die Leistungsdegression: Ein oft vergessener Faktor

Solarmodule verlieren über die Jahre langsam an Leistung. Dieser natürliche Alterungsprozess wird als Degradation bezeichnet und muss in einer seriösen Langzeitprognose berücksichtigt werden, weil er die Stromerzeugung über die gesamte Laufzeit mindert.

Realistischer Wert: Hochwertige Solarmodule haben laut Herstellergarantien nach 25 Jahren noch mindestens 85–90 % ihrer ursprünglichen Leistung. Die jährliche Leistungsdegression der Module liegt typischerweise bei 0,25–0,5 %. Ein Wert von 0,4 % pro Jahr ist eine gängige und faire Annahme.

Rote Flagge: Manche Prognosen ignorieren diesen Effekt komplett oder setzen ihn zu niedrig an (z. B. unter 0,2 %). Dies beschönigt das Ergebnis, da die Anlage in der Berechnung über die gesamte Laufzeit ihre volle Nennleistung erbringt, was physikalisch unmöglich ist.

Praxisbeispiel: Eine 10-kWp-Anlage erzeugt im ersten Jahr rund 10.000 kWh Strom. Bei einer jährlichen Degradation von 0,4 % produziert sie im zweiten Jahr nur noch 9.960 kWh, im zehnten Jahr ca. 9.600 kWh und im 25. Jahr nur noch rund 9.000 kWh. Über die gesamte Laufzeit summiert sich dieser Effekt zu einer erheblichen Minderproduktion, die in der Kalkulation fehlen würde.

4. Inflationsrate und Gesamtkosten: Das vollständige Bild

Eine umfassende Prognose berücksichtigt nicht nur die Einnahmen, sondern auch alle anfallenden Kosten und deren Wertentwicklung.

Realistischer Wert:

  • Inflationsrate: Eine allgemeine Inflationsrate von rund 2 % sollte angesetzt werden. Sie beeinflusst den Wert zukünftiger Einnahmen und die Kosten für Wartung oder Reparaturen.
  • Kapitalkosten: Wenn die Anlage über einen Kredit finanziert wird, müssen die Zinskosten zwingend in die Berechnung einfließen.
  • Laufende Kosten: Seriöse Anbieter berücksichtigen auch laufende Kosten für Versicherung (ca. 80–120 €/Jahr), Wartung und mögliche Reparaturen (z. B. Austausch des Wechselrichters nach 15 Jahren).

Rote Flagge: Eine Berechnung, die nur die Anschaffungskosten den Einnahmen gegenüberstellt und laufende Kosten sowie Finanzierungskosten ignoriert, zeichnet ein unvollständiges und zu positives Bild.

Checkliste: So prüfen Sie Ihr PV-Angebot in 5 Minuten

Nutzen Sie diese kurze Liste, um die Schlüsselannahmen in Ihrer Wirtschaftlichkeitsprognose schnell zu bewerten:

  • Strompreisanstieg: Liegt die angenommene jährliche Steigerung bei realistischen 3–5 % oder deutlich darüber?
  • Eigenverbrauchsquote: Ist die angenommene Quote für Ihren Haushalt plausibel (ca. 30 % ohne Speicher, ca. 70 % mit Speicher)?
  • Leistungsdegression: Wird ein jährlicher Leistungsverlust von ca. 0,4 % berücksichtigt?
  • Vollständige Kosten: Sind laufende Kosten für Versicherung, Wartung und eventuelle Zinsen für einen Kredit einkalkuliert?
  • Einspeisevergütung: Wird der aktuell gültige, gesetzlich festgelegte Satz für die Einspeisevergütung verwendet?

Wenn Sie bei einem dieser Punkte unsicher sind, fragen Sie direkt beim Anbieter nach und bitten um eine Erläuterung oder eine Neuberechnung mit konservativeren Werten. Ein seriöser Partner wird Ihre Fragen transparent beantworten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

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Wie schnell amortisiert sich eine PV-Anlage?

Unter realistischen Bedingungen liegt die Amortisationszeit für eine typische Dachanlage auf einem Einfamilienhaus heute zwischen 10 und 15 Jahren. Angebote, die eine Amortisation in unter 10 Jahren versprechen, basieren oft auf den oben genannten, überoptimistischen Annahmen. Die genaue Amortisationszeit hängt stark von den individuellen Rahmenbedingungen ab.

Lohnt sich eine PV-Anlage auch ohne hohe Strompreissteigerung?

Ja, denn Sie sparen vom ersten Tag an Kosten für den Netzbezug. Eine geringere Strompreissteigerung verlängert lediglich die Amortisationszeit, macht die Investition aber nicht unrentabel. Die Unabhängigkeit von externen Anbietern und Preisschwankungen ist ein zusätzlicher, wertvoller Vorteil.

Was passiert, wenn mein Eigenverbrauch niedriger ist als prognostiziert?

Wenn Sie weniger Solarstrom selbst verbrauchen als angenommen, speisen Sie mehr ins Netz ein. Da die Einspeisevergütung deutlich niedriger ist als der Preis für gekauften Strom, verringert sich Ihre Gesamtersparnis und die Amortisationszeit verlängert sich. Eine realistische Planung der Eigenverbrauchsquote ist daher essenziell.

Kann ich die Annahmen eines Anbieters verhandeln?

Sie können die Annahmen zwar nicht selbst ändern, aber Sie können einen Anbieter bitten, die Prognose mit von Ihnen vorgegebenen, konservativeren Werten neu zu berechnen. Dies gibt Ihnen ein realistischeres Bild und zeigt gleichzeitig, wie flexibel und kundenorientiert der Anbieter agiert.

Fazit: Vertrauen Sie auf transparente und realistische Zahlen

Eine Photovoltaikanlage ist eine langfristige Investition, deren Erfolg auf einer soliden Planung beruht. Lassen Sie sich nicht von beeindruckenden Renditeversprechen blenden. Eine gute Wirtschaftlichkeitsprognose zeichnet sich nicht durch die besten Zahlen aus, sondern durch Transparenz und realistische Annahmen. Prüfen Sie die genannten vier Faktoren kritisch und fordern Sie bei Unklarheiten eine nachvollziehbare Erklärung.

So stellen Sie sicher, dass Ihre Solaranlage nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität eine lohnende Investition für Ihre Zukunft ist.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten und zur Planung Ihrer Anlage finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Unser Shop bietet zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen abgestimmt und transparent kalkuliert sind.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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