PV-Anlage in der Landwirtschaft: Was Sie bei Ställen und Scheunen beachten müssen

Große Dachflächen, ein hoher Energiebedarf – landwirtschaftliche Betriebe sind ideale Standorte für Photovoltaikanlagen

Sie bieten die Chance, Betriebskosten deutlich zu senken und die eigene Energieversorgung nachhaltig zu gestalten. Doch die Installation auf einem Stall oder einer Scheune ist kein Standardprojekt. Denn diese Gebäude gelten als „feuergefährdete Betriebsstätten“ und unterliegen daher strengen technischen Vorschriften, die weit über die Anforderungen an ein Wohnhaus hinausgehen.

Eine unsachgemäße Installation kann nicht nur die Langlebigkeit der Anlage gefährden, sondern auch den Versicherungsschutz und die Sicherheit des gesamten Betriebs aufs Spiel setzen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche besonderen Normen gelten und worauf Sie bei der Planung und Auswahl der Komponenten für eine Solaranlage für die Landwirtschaft unbedingt achten müssen.

Warum gelten für die Landwirtschaft strengere Regeln?

Der Grund für diese besonderen Anforderungen liegt in der Umgebung. Ställe und Scheunen beherbergen Stoffe und Gase, die das Risiko für Brände und Korrosion drastisch erhöhen. Die maßgebliche Norm hierfür ist die VDE 0100-705, die elektrische Anlagen in feuergefährdeten Betriebsstätten regelt.

Die Hauptrisiken in landwirtschaftlichen Gebäuden sind:

  • Entzündlicher Staub: Feiner Staub von Heu, Stroh, Getreide oder Futtermitteln kann sich in der Luft verteilen und mit einem elektrischen Funken ein explosives Gemisch bilden.
  • Brennbare Materialien: Gelagertes Erntegut wie Heu und Stroh ist leicht entzündlich und kann die Ausbreitung eines Feuers enorm beschleunigen.
  • Aggressive Gase: Besonders in der Tierhaltung entstehen Gase wie Ammoniak und Schwefelwasserstoff. Diese greifen die Materialien von Solarmodulen, Kabeln und Unterkonstruktionen an und können zu vorzeitigem Verschleiß und Defekten führen.
  • Mechanische Belastung: Tiere oder landwirtschaftliche Maschinen können Kabel und andere Installationsteile beschädigen.

All diese Faktoren erfordern eine sorgfältige Auswahl widerstandsfähiger Komponenten und eine besonders gewissenhafte Installation durch einen Fachbetrieb.

Die wichtigsten Anforderungen an die Komponenten im Überblick

Eine PV-Anlage ist nur so sicher und langlebig wie ihr schwächstes Glied. In der Landwirtschaft müssen daher alle Teile der Anlage – vom Modul bis zur Schraube – für die rauen Bedingungen geeignet sein.

Solarmodule: Mehr als nur Leistung

Die hohe Ammoniakkonzentration in der Stallluft wirkt stark korrosiv und kann herkömmliche Solarmodule mit der Zeit zerstören. Das Gas greift Dichtungen, Anschlussdosen, Rahmen und sogar die Rückseitenfolie der Module an. Die Folge sind Leistungsverluste bis hin zum Totalausfall.

Achten Sie daher unbedingt auf ammoniakbeständige Solarmodule. Ein verlässliches Gütesiegel bietet hier die Zertifizierung durch die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Diese Module haben in Tests bewiesen, dass sie der aggressiven Stallluft langfristig standhalten. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Investition in zertifizierte Module durch eine deutlich längere Lebensdauer und stabile Erträge auszahlt.

Praxisbeispiel: Ein Milchviehhalter entscheidet sich für Standardmodule, um Kosten zu sparen. Nach nur fünf Jahren stellt er einen unerklärlichen Leistungsabfall fest. Eine Überprüfung ergibt, dass die Kontakte der Anschlussdosen durch Ammoniak korrodiert sind – ein Schaden, der mit zertifizierten Modulen vermeidbar gewesen wäre.

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Verkabelung: Die Lebensadern der Anlage

Auch die Solarkabel sind den besonderen Bedingungen ausgesetzt. Sie müssen nicht nur UV- und witterungsbeständig sein, sondern auch resistent gegen Ammoniak, Öl und den Verbiss durch Nagetiere wie Marder. Standard-Solarkabel sind dafür ungeeignet. Ihre Weichmacher werden durch die Gase angegriffen, wodurch der Kunststoff spröde und rissig wird.

Für landwirtschaftliche Betriebe kommen daher spezielle, oft stahlarmierte Kabel zum Einsatz. Diese bieten einen wirksamen Schutz vor Tierverbiss und sind chemisch beständiger. Ebenso wichtig ist eine geschützte Verlegung in Kabelkanälen oder Leerrohren, um mechanische Beschädigungen zu verhindern.

Wechselrichter: Das Gehirn an einem sicheren Ort

Der Wechselrichter ist das Herzstück der Anlage, wandelt er doch den Gleichstrom der Module in nutzbaren Wechselstrom um. Als aktives elektrisches Bauteil kann er im Fehlerfall Funken erzeugen. Seine Installation innerhalb einer feuergefährdeten Betriebsstätte wie einem Stall oder einer Heuscheune ist daher strikt verboten.

Der Wechselrichter muss in einem separaten, staubfreien und gut belüfteten Raum untergebracht werden. Idealerweise ist dies ein eigener Technikraum, der baulich vom Stall oder Lager getrennt ist. Eine hohe Schutzart (mindestens IP65) schützt das Gerät zusätzlich vor Staub und Feuchtigkeit.

Sicherheitseinrichtungen: Brandschutz hat Priorität

Im Brandfall ist die Sicherheit der Rettungskräfte oberstes Gebot. Eine PV-Anlage steht auch bei abgeschaltetem Stromnetz unter Spannung, solange Licht auf die Module fällt. Feuerwehrleute können daher bei Löscharbeiten einer erheblichen Gefahr ausgesetzt sein.

Aus diesem Grund sind folgende Einrichtungen essenziell:

  • DC-Freischalter (Feuerwehrschalter): Er ermöglicht es der Feuerwehr, die Gleichstromleitungen vom Dach direkt am Gebäude abzuschalten und ermöglicht so eine gefahrlose Brandbekämpfung.
  • Lichtbogenerkennung (AFCI): Dieses System erkennt gefährliche Fehlerlichtbögen in der Verkabelung – eine häufige Brandursache – und schaltet die Anlage ab, bevor ein Feuer entstehen kann.
  • Überspannungsschutz: Große Dächer auf freiem Feld sind besonders blitzeinschlaggefährdet. Ein umfassendes Überspannungsschutzkonzept ist daher unerlässlich, um die teure Elektronik vor Schäden zu schützen.

Die Rolle der Versicherung: Ohne Abnahme kein Schutz

Versicherungen stellen oft noch strengere Anforderungen an PV-Anlagen in der Landwirtschaft als die VDE-Normen. Vor der Installation ist es unerlässlich, die Bedingungen mit dem Versicherer abzuklären. Viele fordern eine Abnahme durch einen VdS-zertifizierten Sachverständigen und den Nachweis, dass ausschließlich für diesen Einsatzbereich zugelassene Komponenten verbaut wurden.

Die höheren Photovoltaik Kosten für spezielle Bauteile und eine fachgerechte Installation sind somit eine direkte Investition in die Absicherung Ihres Betriebs. Im Schadensfall kann eine nicht normgerechte Anlage dazu führen, dass die Versicherung die Leistung verweigert – mit potenziell existenzbedrohenden Folgen.

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Wirtschaftlichkeit: Hoher Eigenverbrauch als entscheidender Vorteil

Trotz der höheren Anfangsinvestition rechnet sich eine PV-Anlage in der Landwirtschaft oft schneller als im privaten Bereich. Der Grund liegt im hohen und konstanten Stromverbrauch durch Melkmaschinen, Kühlanlagen, Lüftungssysteme und Fütterungsanlagen. Dieser fällt oft tagsüber an – genau dann, wenn die Sonne scheint.

Dies ermöglicht einen sehr hohen Eigenverbrauch. Jede Kilowattstunde aus eigener Erzeugung, die Sie direkt verbrauchen, spart den teuren Zukauf von Strom. Eine typische 100-kWp-Anlage auf einem Scheunendach kann jährlich rund 90.000 bis 100.000 kWh Strom erzeugen und damit einen erheblichen Teil des Betriebsbedarfs decken.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss jede Scheune als feuergefährdete Betriebsstätte eingestuft werden?
Ja, sobald dort brennbare Materialien wie Heu, Stroh oder Holz gelagert werden oder eine hohe Staubentwicklung durch Getreide oder Futtermittel besteht, gilt der Bereich als feuergefährdete Betriebsstätte nach VDE 0100-705.

Kann ich die Installation selbst durchführen, um Kosten zu sparen?
Nein, auf keinen Fall. Die Installation erfordert spezialisiertes Fachwissen über die geltenden Normen. Nur ein qualifizierter Fachbetrieb kann die Anlage sicher und vorschriftsgemäß errichten. Eine fachgerechte Installation und Dokumentation sind zudem Voraussetzung für die Betriebserlaubnis und den Versicherungsschutz.

Was ist eine DLG-Zertifizierung für Solarmodule?
Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) testet Produkte auf ihre Eignung für den Einsatz in der Landwirtschaft. Ein DLG-Zertifikat für Ammoniakbeständigkeit bei Solarmodulen bescheinigt, dass das Modul einen anspruchsvollen Langzeittest in einer aggressiven Stallatmosphäre bestanden hat.

Wie oft muss eine PV-Anlage in der Landwirtschaft gewartet werden?
Aufgrund der höheren Belastung durch Staub und Gase ist eine häufigere Wartung als bei Wohngebäuden empfehlenswert. Viele Experten und Versicherer raten zu einer jährlichen Sichtprüfung und einer professionellen Inspektion (z. B. E-Check PV) alle zwei bis vier Jahre, um die Sicherheit und den optimalen Ertrag zu gewährleisten.

Fazit: Sicherheit als Fundament für eine rentable Investition

Eine Photovoltaikanlage ist für landwirtschaftliche Betriebe eine wirtschaftlich äußerst attraktive Investition. Die Umsetzung erfordert jedoch deutlich mehr als die bloße Montage von Modulen auf dem Dach. Die Einhaltung der strengen Brandschutz- und Materialvorschriften ist nicht verhandelbar.

Die Auswahl ammoniakbeständiger Komponenten, die korrekte Platzierung des Wechselrichters und eine professionelle Installation durch einen erfahrenen Fachbetrieb – das sind die Grundpfeiler für eine sichere, langlebige und versicherbare Anlage. Wer hier auf Qualität und Normkonformität setzt, schützt nicht nur seine Investition, sondern den gesamten Betrieb.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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