PV-Anlage mit zwei Wallboxen: So gelingt das Laden von mehreren E-Autos

Immer mehr Haushalte entscheiden sich für ein zweites Elektroauto

Was im Alltag für Flexibilität sorgt, stellt die heimische Ladeinfrastruktur aber vor eine besondere Herausforderung. Wenn beide Fahrzeuge abends gleichzeitig laden sollen, stößt ein herkömmlicher Hausanschluss schnell an seine Grenzen. Dieser Beitrag erklärt, wie Sie mit einer Photovoltaikanlage und einem intelligenten System zwei Wallboxen sicher und effizient betreiben.

Die Herausforderung: Zwei Wallboxen an einem Hausanschluss

Ein einzelnes Elektroauto lässt sich meist problemlos an einer 11-kW-Wallbox laden. Kommt ein zweites Fahrzeug hinzu, verdoppelt sich der potenzielle Leistungsbedarf. Zwei Wallboxen, die gleichzeitig mit voller Leistung laden, ziehen 22 kW aus dem Netz.

Das Problem dabei: Ein typischer Hausanschluss für ein Einfamilienhaus ist für eine maximale Dauerlast von etwa 15 bis 20 kW ausgelegt – und das für den gesamten Haushalt. Laufen neben den Ladevorgängen noch Herd, Waschmaschine oder Wärmepumpe, ist eine Überlastung des Anschlusses und damit ein Stromausfall vorprogrammiert.

Praxisbeispiel: Ein Vierpersonenhaushalt hat einen Grundbedarf von 2–3 kW. Schaltet sich abends der E-Herd mit 5 kW dazu, bleiben am 15-kW-Anschluss nur noch 7 kW für die Ladevorgänge übrig – zu wenig, um zwei E-Autos schnell aufzuladen.

Die Lösung: Intelligentes Lastmanagement als Schlüssel zum Erfolg

Um eine Überlastung zu verhindern, ist ein Lastmanagementsystem unverzichtbar. Es arbeitet wie ein intelligenter „Verkehrsregler“ für den Strom und stellt sicher, dass die maximale Leistung des Hausanschlusses niemals überschritten wird. Dabei gibt es zwei grundlegende Arten.

Statisches Lastmanagement: Die einfache Aufteilung

Bei einem statischen Lastmanagement wird für die Wallboxen eine feste, maximale Gesamtleistung definiert, beispielsweise 11 kW.

  • Szenario 1: Lädt nur ein Auto, erhält es die vollen 11 kW.
  • Szenario 2: Laden zwei Autos gleichzeitig, wird die Leistung aufgeteilt, und jedes Fahrzeug erhält 5,5 kW.

Diese Methode ist einfach und kostengünstig, berücksichtigt aber nicht den sonstigen Stromverbrauch im Haus. Sie ist eine sichere Lösung, wenn auch nicht immer die schnellste.

Dynamisches Lastmanagement: Die smarte Steuerung

Ein dynamisches Lastmanagement ist die fortschrittlichste Lösung. Ein separater Stromzähler misst in Echtzeit den Gesamtverbrauch des Hauses. Das System berechnet daraus die aktuell verfügbare Leistung und gibt diese dynamisch an die Wallboxen weiter.

Praxisbeispiel: Ihr Hausanschluss liefert 15 kW. Der Haushalt verbraucht gerade 4 kW. Das dynamische Lastmanagement erkennt, dass noch 11 kW Kapazität frei sind, und stellt diese den Wallboxen zur Verfügung. Schalten Sie den Backofen ein, reduziert das System die Ladeleistung der Autos automatisch, um eine Überlastung zu vermeiden.

In der Praxis entscheiden sich die meisten Nutzer für ein dynamisches Lastmanagement für E-Autos. Es maximiert den Ladekomfort und nutzt die vorhandene Infrastruktur optimal aus – ein entscheidender Vorteil, besonders in Kombination mit einer PV-Anlage.

Auswirkungen auf die PV-Anlage: Richtig dimensionieren

Zwei Elektroautos erhöhen den jährlichen Strombedarf eines Haushalts erheblich. Pro Fahrzeug können Sie mit einem zusätzlichen Verbrauch von 2.000 bis 3.000 kWh pro Jahr rechnen, je nach Fahrleistung. Für zwei E-Autos bedeutet das einen Mehrbedarf von 4.000 bis 6.000 kWh.

Um diesen Bedarf möglichst mit günstigem Solarstrom zu decken, sollte die Photovoltaikanlage entsprechend größer dimensioniert sein.

Faustregel: Pro 1.000 kWh Jahresstromverbrauch rechnet man mit etwa 1 kWp (Kilowatt-Peak) an PV-Leistung. Für zwei E-Autos sollten Sie Ihre PV-Anlage also um zusätzliche 4 bis 6 kWp erweitern. Während für einen Haushalt mit einem E-Auto oft eine Anlage mit 8–10 kWp ausreicht, ist für zwei Fahrzeuge eine Größe von 12–15 kWp eine sinnvolle Investition.

Wenn Sie Ihre Photovoltaikanlage planen, sollten Sie diesen zukünftigen Mehrbedarf von Anfang an berücksichtigen, um spätere und teurere Erweiterungen zu vermeiden.

Die Kosten im Überblick: Damit müssen Sie rechnen

Eine Ladeinfrastruktur für zwei E-Autos erfordert höhere Anfangsinvestitionen als eine Standardlösung.

Kosten für die Wallboxen

Eine einzelne, intelligente Wallbox kostet zwischen 600 und 1.200 Euro. Für zwei lastmanagementfähige Modelle müssen Sie also mit 1.200 bis 2.400 Euro rechnen. Achten Sie darauf, dass die Wallboxen vom selben Hersteller stammen oder nachweislich miteinander kompatibel sind, damit das Lastmanagement reibungslos funktioniert.

Kosten für das Lastmanagementsystem

  • Statisches Lastmanagement: Oft ist diese Funktion bereits in den Wallboxen integriert oder für einen geringen Aufpreis von 100 bis 300 Euro erhältlich.
  • Dynamisches Lastmanagement: Hierfür wird ein externer Smart Meter am Hausanschluss benötigt. Die zusätzlichen Kosten für die Hardware und Konfiguration liegen bei etwa 500 bis 1.000 Euro.

Zusätzliche Kosten für die PV-Anlage und Installation

Eine Übersicht der aktuellen Kosten einer PV-Anlage zeigt, dass Sie für die Vergrößerung um 4–6 kWp mit ca. 5.000 bis 9.000 Euro kalkulieren sollten. Auch die Elektroinstallation für zwei Wallboxen ist aufwendiger und kann die Installationskosten um mehrere hundert Euro erhöhen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Muss ich zwei Wallboxen beim Netzbetreiber anmelden?
Ja. Jede einzelne Wallbox mit bis zu 11 kW Ladeleistung ist anmeldepflichtig. Da die theoretische Gesamtleistung bei zwei Wallboxen 11 kW übersteigt (bis zu 22 kW), ist vor der Installation eine Genehmigung durch den Netzbetreiber erforderlich. Ihr Elektrofachbetrieb übernimmt diesen Prozess für Sie.

Kann ich Wallboxen verschiedener Hersteller kombinieren?
Für ein funktionierendes Lastmanagement ist das in der Regel nicht empfehlenswert. Die Systeme kommunizieren über herstellerspezifische Protokolle. Um eine reibungslose Funktion zu gewährleisten, ist ein Master-Slave-System eines einzigen Anbieters daher die gängigste und sicherste Lösung.

Kann ich ein Auto beim Laden priorisieren?
Ja, moderne Lastmanagementsysteme erlauben oft die Einrichtung von Prioritäten. So können Sie festlegen, dass beispielsweise das Pendler-Fahrzeug immer zuerst mit voller Leistung geladen wird, bevor das zweite Auto an die Reihe kommt.

Was passiert, wenn die Sonne nicht scheint?
Wenn die PV-Anlage nicht genügend Strom liefert, wird automatisch Netzstrom bezogen. Das Lastmanagement sorgt auch in diesem Fall dafür, dass der Hausanschluss nicht überlastet wird, indem es die Ladeleistung entsprechend anpasst. Eine Wallbox mit Photovoltaik zu verbinden, ist und bleibt dennoch die wirtschaftlichste Variante.

Fazit: Vorausschauende Planung für doppelte E-Mobilität

Zwei Elektroautos mit Solarstrom vom eigenen Dach zu versorgen, ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich attraktiv. Entscheidend dafür sind eine ausreichend groß dimensionierte PV-Anlage und ein intelligentes Lastmanagement, das eine Überlastung des Hausanschlusses zuverlässig verhindert.

Auch wenn die anfänglichen Investitionen höher ausfallen, schaffen Sie damit eine zukunftssichere und komfortable Ladeinfrastruktur. Diese besondere Konstellation sollte bei der Planung von Anfang an berücksichtigt werden, um langfristig von maximaler Unabhängigkeit und niedrigen Energiekosten zu profitieren.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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