PV-Anlage für Wohnhaus mit Gewerbe: So dimensionieren Sie richtig

Viele Selbstständige, Ärzte oder Architekten kennen die Situation: Die Praxis oder das Büro befindet sich im selben Gebäude, in dem sie wohnen. Oft gibt es deshalb zwei Stromzähler – und die Frage, wie eine Photovoltaikanlage für diese Konstellation optimal geplant werden kann. Einfach den Verbrauch beider Zähler zu addieren, greift zu kurz und führt selten zum besten Ergebnis. Die Lösung liegt darin, die unterschiedlichen Verbrauchsmuster zu verstehen – und sie clever zu kombinieren.
Dieser Beitrag zeigt Ihnen, warum eine Immobilie mit gemischter Nutzung ein Idealfall für Photovoltaik ist und wie Sie die Anlagengröße so bestimmen, dass Sie das Maximum aus Ihrer Investition herausholen.
Der entscheidende Unterschied: Zwei Lastprofile unter einem Dach
Um eine PV-Anlage für ein Wohn- und Geschäftshaus richtig zu planen, muss man verstehen, wie und wann Strom in den beiden Bereichen verbraucht wird. Man spricht dabei von Lastprofilen.
Typisches Lastprofil im Wohnbereich
Im privaten Haushalt konzentriert sich der Stromverbrauch auf die Morgenstunden, etwa für Frühstück und die Vorbereitung auf den Tag, und besonders auf den Abend mit Kochen, Licht und Unterhaltungselektronik. Mittags, wenn die meisten Bewohner bei der Arbeit oder in der Schule sind, ist der Verbrauch meist gering. Am Wochenende verschiebt sich der Verbrauch und verteilt sich oft gleichmäßiger über den Tag.
Typisches Lastprofil im Gewerbebereich
In einer Praxis, einem Büro oder einer kleinen Werkstatt ist das Muster genau umgekehrt. Der Hauptverbrauch findet wochentags zwischen 8 und 18 Uhr statt, wenn Computer, Maschinen, Beleuchtung und andere Geräte laufen. Abends und an den Wochenenden sinkt der Verbrauch auf ein Minimum, oft nur für Stand-by-Geräte oder Server.
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Genau diese Kombination ist der Schlüssel zu einer außergewöhnlich wirtschaftlichen PV-Anlage. Während der Gewerbebetrieb tagsüber für eine hohe und konstante Grundlast sorgt, deckt die Solaranlage diesen Bedarf genau dann, wenn sie am meisten Strom produziert: in der Mittagszeit. Der private Haushalt profitiert ebenfalls von der Tagesproduktion für Geräte wie Waschmaschinen oder die allgemeine Grundversorgung.
Dieses Zusammenspiel sorgt für eine von Natur aus hohe Eigenverbrauchsquote. Das bedeutet, ein großer Teil des selbst erzeugten Solarstroms wird direkt vor Ort genutzt und muss nicht teuer aus dem Netz bezogen werden.
Die breite, hohe Verbrauchskurve der gemischten Nutzung füllt das „Produktionsfenster“ der Solaranlage fast perfekt aus. So können Sie Ihren Eigenverbrauch optimieren und die Rentabilität Ihrer Anlage deutlich steigern.
Schritt für Schritt zur richtigen Anlagengröße
Die Planung einer Anlage für gemischte Nutzung erfordert eine etwas genauere Analyse als bei einem reinen Einfamilienhaus. Mit den folgenden Schritten gelangen Sie zu einem soliden Ergebnis.
1. Gesamtstromverbrauch ermitteln
Sammeln Sie die Jahresstromrechnungen für den privaten und den gewerblichen Bereich. Addieren Sie den gesamten Jahresverbrauch in Kilowattstunden (kWh). Dies gibt Ihnen eine erste Orientierung.
- Praxisbeispiel: Ein Vierpersonenhaushalt mit einer angeschlossenen Arztpraxis verbraucht oft zwischen 8.000 und 12.000 kWh pro Jahr. Wenn separate Rechnungen vorliegen (z. B. 4.500 kWh privat, 7.500 kWh gewerblich), ist das die ideale Datengrundlage.
2. Das Lastprofil analysieren
Der Jahresverbrauch allein sagt noch nichts darüber aus, wann der Strom benötigt wird. Für eine präzise Planung müssen Sie jedoch wissen, wie sich der Strombedarf über den Tagesverlauf verteilt.
- Einfache Methode: Schätzen Sie den Bedarf anhand der Betriebszeiten des Gewerbes und der typischen Haushaltsnutzung. Welche Großverbraucher laufen wann?
- Genaue Methode: Wenn Sie einen Smart Meter (intelligenten Stromzähler) besitzen, können dessen Daten ausgelesen werden. Die exakteste Methode ist eine professionelle Lastgangmessung, bei der der Verbrauch über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen aufgezeichnet wird.
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Das Ziel ist es, die typische Grundlast während der Sonnenstunden vollständig mit Solarstrom zu decken. Anders als bei reinen Wohnhäusern, wo oft eine Überdimensionierung für die Einspeisung sinnvoll ist, kann hier die Deckung des Eigenbedarfs im Vordergrund stehen. Wie Sie grundsätzlich eine PV-Anlage richtig dimensionieren, erklären wir in einem separaten Beitrag.
Als Faustregel gilt: Die Nennleistung der Anlage in Kilowatt-Peak (kWp) sollte ungefähr dem Jahresstromverbrauch in Megawattstunden (MWh) entsprechen. Bei einem Verbrauch von 12.000 kWh (12 MWh) wäre eine Anlage mit ca. 12 kWp ein guter Ausgangspunkt.
Praxisbeispiel: Dimensionierung für eine Arztpraxis mit Wohnhaus
Um die Theorie greifbarer zu machen, betrachten wir ein konkretes Szenario.
- Situation: Eine Immobilie mit einer vierköpfigen Familie im Obergeschoss und einer Arztpraxis im Erdgeschoss.
- Jahresverbrauch:
- Wohnung: 4.500 kWh
- Praxis: 7.500 kWh (durch medizinische Geräte, Computer, Beleuchtung)
- Gesamt: 12.000 kWh
- Analyse: Der hohe Praxisverbrauch zwischen Montag und Freitag von 8 bis 18 Uhr schafft eine ideale Basislast für die Solarstromerzeugung.
Dimensionierungsvorschlag:
Eine PV-Anlage mit 15 kWp Leistung. In einer durchschnittlichen Region in Deutschland erzeugt eine solche Anlage jährlich etwa 14.000 bis 15.000 kWh Strom.
Mit dieser Größe wird nicht nur der gesamte Tagesbedarf von Praxis und Haushalt gedeckt, sondern die Anlage erzeugt auch Überschüsse, die ins Netz eingespeist oder zum Laden eines E-Autos genutzt werden können. Durch die hohe Tageslast lässt sich eine Eigenverbrauchsquote von 60 % oder mehr erreichen – ein hervorragender Wert.
Lohnt sich ein Stromspeicher bei gemischter Nutzung?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Weil der Eigenverbrauch durch die gewerbliche Nutzung tagsüber bereits sehr hoch ist, ist ein Speicher wirtschaftlich weniger dringend als bei einem reinen Wohnhaus.
- Szenario für einen Speicher: Ein Speicher kann sinnvoll sein, um den hohen privaten Strombedarf am Abend (Kochen, Beleuchtung) mit dem tagsüber gespeicherten Solarstrom zu decken. Er erhöht die Autarkiequote und macht Sie noch unabhängiger.
- Szenario ohne Speicher: Viele Betreiber entscheiden sich zunächst für die reine PV-Anlage, um die Investitionskosten gering zu halten. Die Erfahrung zeigt, dass die Anlage auch ohne Speicher bereits hochrentabel arbeitet. Eine Nachrüstung ist später oft problemlos möglich.
Für größere gewerbliche Anforderungen oder den Wunsch nach Notstromfähigkeit kann ein spezieller Gewerbespeicher die passende Lösung sein.
Häufige Fragen (FAQ)
Brauche ich für die PV-Anlage zwei separate Zähler?
Nein, in der Regel nicht. Meist installiert man eine sogenannte Kaskadenschaltung, die es ermöglicht, den Solarstrom auf beide Zählerkreise (privat und gewerblich) zu verteilen. Alternativ kann der Netzanschlusspunkt zu einem einzigen Zähler zusammengelegt werden. Ihr Elektroinstallateur findet die beste Lösung für Ihre Situation.
Wie wirkt sich der Gewerbeanteil auf Steuern und Förderungen aus?
Die steuerliche Behandlung kann komplexer sein. Während PV-Anlagen auf reinen Wohngebäuden oft von Vereinfachungsregelungen profitieren, muss bei gewerblicher Mitnutzung genauer hingeschaut werden. Lassen Sie sich hierzu unbedingt von einem Steuerberater beraten, der die Abschreibungsmöglichkeiten und die Behandlung der Einspeisevergütung klären kann.
Kann ich die Anlage auch zum Laden eines E-Autos nutzen?
Ja, das ist eine ideale Kombination. Gerade wenn das E-Auto tagsüber am Firmenstandort steht, kann es direkt mit überschüssigem Solarstrom geladen werden. Das senkt nicht nur die Stromkosten, sondern auch die Betriebskosten für das Fahrzeug erheblich.
Fazit: Das Beste aus zwei Welten kombinieren
Eine Immobilie, die Wohnen und Gewerbe vereint, ist der Idealfall für eine hochwirtschaftliche Photovoltaikanlage. Der Schlüssel zum Erfolg ist die clevere Kombination der unterschiedlichen Lastprofile, die zu einer von Natur aus hohen Eigenverbrauchsquote führt.
Anstatt nur den Gesamtverbrauch zu betrachten, sollten Sie den zeitlichen Verlauf Ihres Strombedarfs analysieren. So können Sie eine Anlage planen, die nicht nur Ihre Stromrechnung drastisch senkt, sondern Sie auch ein großes Stück unabhängiger von steigenden Energiepreisen macht.
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