Stromausfall trotz Photovoltaik: Das müssen Sie wissen

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein Gewitter zieht auf, die Lichter flackern und plötzlich ist alles dunkel – ein Stromausfall. Vielleicht lehnen Sie sich als Besitzer einer Photovoltaikanlage auf dem Dach entspannt zurück. Doch dann die Überraschung: Auch bei Ihnen im Haus bleibt der Strom weg. Wie kann das sein?

Dieser Moment der Verwirrung ist weit verbreitet. Viele gehen davon aus, dass die eigene Solaranlage das Haus bei einem Netzausfall automatisch mit Strom weiterversorgt. Tatsächlich schalten sich aber über 95 % aller privaten PV-Anlagen in einem solchen Fall ebenfalls ab. Dieser Artikel erklärt, warum dies kein Fehler, sondern eine entscheidende Sicherheitsfunktion ist und was Sie benötigen, um bei einem Stromausfall wirklich unabhängig zu sein.

Der überraschende Grund: Sicherheit geht vor Autarkie

Der Grund, weshalb Ihre Anlage bei einem Netzausfall den Betrieb einstellt, liegt in ihrer Konstruktion. Eine typische netzgekoppelte Photovoltaikanlage ist direkt mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden. Sie speist überschüssigen Strom ein und bezieht bei Bedarf Energie aus dem Netz. Diese Verbindung erfordert eine strenge Sicherheitslogik.

Netzgekoppelte Photovoltaikanlage

Das Herzstück dieser Sicherheit ist der Wechselrichter. Er ist mit einem sogenannten Netz- und Anlagenschutz (NA-Schutz) ausgestattet. Dieses System überwacht permanent die Spannung und Frequenz des öffentlichen Netzes. Weichen diese Werte von der Norm ab – wie es bei einem Stromausfall geschieht – trennt der Wechselrichter die PV-Anlage innerhalb von Millisekunden vom Netz.

Praxisbeispiel: Man kann sich den NA-Schutz wie einen extrem wachsamen Sicherheitsbeauftragten vorstellen. Sobald er die kleinste Störung im öffentlichen Netz feststellt, kappt er sofort die Verbindung, um sowohl Ihre Geräte als auch die Leitungen zu schützen.

Gefahr durch Inselbildung: Warum die Abschaltung Leben rettet

Diese automatische Abschaltung ist keine Schikane, sondern eine lebenswichtige Vorschrift, die in der Norm VDE-AR-N 4105 verankert ist. Sie verhindert ein Phänomen, das als „Inselbildung“ bezeichnet wird.

Eine solche Insel entsteht, wenn eine PV-Anlage bei einem allgemeinen Stromausfall weiterhin Strom in das lokale Netz einspeist. Dadurch entstünde ein kleiner, vom restlichen Netz getrennter Bereich – eine „Insel“ – der weiterhin unter Spannung steht.

Für Monteure, die an den vermeintlich abgeschalteten Leitungen arbeiten, um den Fehler zu beheben, wäre dies eine tödliche Gefahr. Sie gehen davon aus, dass das Netz spannungsfrei ist. Die Abschaltung Ihrer Anlage stellt sicher, dass kein unerwarteter Strom zurückfließt, und schützt damit das Leben der Techniker.

Notstrom, Ersatzstrom, Inselanlage: Die Lösungen für echte Unabhängigkeit

Wenn Sie bei einem Stromausfall nicht im Dunkeln sitzen möchten, benötigen Sie eine Anlage, die gezielt für diesen Fall ausgelegt ist. Man unterscheidet hier hauptsächlich zwischen zwei Konzepten: Notstrom und Ersatzstrom.

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Was bedeutet Notstrom?

Die Notstromfunktion ist die einfachste Form der Absicherung. Fällt das Netz aus, kann ein notstromfähiger Wechselrichter eine einzelne, speziell dafür vorgesehene Steckdose mit Strom versorgen.

  • Voraussetzungen: Sie benötigen einen Hybrid-Wechselrichter und einen Stromspeicher.
  • Funktion: Die Leistung ist meist auf etwa 3.000 Watt begrenzt. Sie können damit grundlegende Verbraucher wie Router, Lampen, Kühlschrank oder Ladegeräte für Telefone betreiben.
  • Alltagsszenario: Bei einem mehrstündigen Stromausfall können Sie weiterhin im Internet surfen, Ihr Essen bleibt gekühlt und Sie haben Licht in einem Raum. Das restliche Hausnetz bleibt jedoch ohne Strom.

Was ist Ersatzstrom?

Ersatzstrom ist die Komfortlösung. Diese Lösung versorgt bei einem Netzausfall das gesamte Haus oder zumindest ausgewählte Stromkreise. Die Umschaltung erfolgt meist automatisch und so schnell, dass Sie den Ausfall kaum bemerken.

  • Voraussetzungen: Zusätzlich zu Hybrid-Wechselrichter und Batteriespeicher ist eine automatische Netzumschaltbox (auch Allpolige Trenneinrichtung genannt) erforderlich. Diese trennt Ihr Haus im Bedarfsfall physikalisch sicher vom öffentlichen Netz.
  • Funktion: Das System baut ein eigenes, stabiles Hausnetz auf. Je nach Größe des Speichers und Leistung des Wechselrichters können Sie nahezu alle Geräte im Haus weiterbetreiben.
  • Alltagsszenario: Der Strom fällt aus, doch bei Ihnen laufen Heizung, Licht und sogar die Kaffeemaschine weiter. Sie sind für mehrere Stunden oder sogar Tage autark, solange die Sonne scheint oder der Speicher geladen ist.

Die Sonderlösung: Die echte Inselanlage

Echte Inselanlage

Eine Inselanlage stellt die konsequenteste Form der Autarkie dar. Sie ist permanent und vollständig vom öffentlichen Stromnetz getrennt. Solche Anlagen findet man typischerweise bei Berghütten, Ferienhäusern in abgelegenen Gebieten oder Tiny Houses, wo kein Netzanschluss verfügbar oder gewünscht ist. Sie erfordern eine sehr sorgfältige Planung von Erzeugung und Speicherkapazität, da es keine externe Stromquelle als Backup gibt.

Die technischen Voraussetzungen für Notstrom aus der PV-Anlage

Um Ihre Immobilie für einen Stromausfall zu wappnen, reicht eine Standard-PV-Anlage nicht aus. Wer Wert auf Versorgungssicherheit legt, benötigt in der Regel eine Kombination aus folgenden Komponenten:

  1. Notstromfähiger Hybrid-Wechselrichter: Er ist das Gehirn der Anlage und kann sowohl mit dem Netz als auch autark mit der Batterie arbeiten.
  2. Stromspeicher (Batterie): Er liefert die Energie, wenn die Sonne nicht scheint – also nachts oder bei schlechtem Wetter während eines Stromausfalls. Ohne Speicher ist eine Notstromversorgung praktisch unmöglich.
  3. Umschalteinrichtung (Netzumschaltbox): Für Ersatzstromsysteme ist dieses Bauteil unerlässlich. Es sorgt für die sichere physische Trennung vom öffentlichen Netz und verhindert so die gefährliche Inselbildung.

Die Nachrüstung einer bestehenden Anlage ist zwar technisch möglich, aber oft aufwendiger und teurer als die direkte Planung bei der Neuinstallation. Wer von Anfang an ein Photovoltaikanlage Komplettset mit Notstromfunktion wählt, spart in der Regel Kosten und Aufwand. Eine alternative, wenn auch oft weniger integrierte Lösung, ist ein separates Notstromaggregat.

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Häufige Fragen (FAQ) zum Thema PV und Stromausfall

Kann jede PV-Anlage notstromfähig gemacht werden?
Theoretisch ja, aber der Aufwand variiert stark. Oft muss der vorhandene Wechselrichter gegen einen Hybrid-Wechselrichter getauscht und ein Batteriespeicher samt Umschaltbox nachgerüstet werden. Dies ist jedoch häufig mit erheblichem Kosten- und Installationsaufwand verbunden.

Benötige ich immer einen Stromspeicher für Notstrom?
Ja. Da ein Stromausfall auch nachts oder an einem bewölkten Tag auftreten kann, ist ein Stromspeicher unerlässlich, um eine zuverlässige Energiequelle zu haben. Die direkte Sonneneinstrahlung allein ist zu unbeständig, um ein stabiles Notstromnetz zu betreiben.

Wie viel kostet eine Notstromfunktion?
Die Mehrkosten für einen notstromfähigen Wechselrichter und die notwendige Umschaltbox liegen typischerweise im Bereich von 1.500 bis 3.000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für den Stromspeicher, die je nach Kapazität stark variieren.

Schaltet die Anlage automatisch auf Notstrom um?
Bei vollwertigen Ersatzstromsystemen mit automatischer Umschaltbox erfolgt der Wechsel unterbrechungsfrei und automatisch. Bei einfachen Notstromlösungen kann es sein, dass eine Steckdose manuell aktiviert werden muss.

Fazit: Vorausschauende Planung ist der Schlüssel zur Autarkie

Die Erkenntnis, dass die eigene PV-Anlage bei einem Stromausfall abschaltet, ist für viele zunächst ernüchternd. Doch sie offenbart ein wichtiges Prinzip: Die Sicherheit des Stromnetzes und der darin arbeitenden Menschen hat oberste Priorität.

Wahre Unabhängigkeit bei einem Stromausfall ist also keine Standardfunktion, sondern eine bewusste Entscheidung, die eine sorgfältige Planung und die passenden Komponenten voraussetzt. Wer den Unterschied zwischen Notstrom und Ersatzstrom versteht, kann eine fundierte Entscheidung treffen, die zum eigenen Sicherheitsbedürfnis und Budget passt.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten für Ihre Anforderungen finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.

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Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

Mehr über ihn und die Arbeit:
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