Fallstudie: PV-Anlage bei hoher Schneelast im Allgäu – Statik und Ertrag im Winter

Die Vorstellung ist malerisch: Eine dicke Schneedecke liegt auf den Dächern des Allgäus und die Wintersonne glitzert. Doch für Hausbesitzer, die über eine Photovoltaikanlage nachdenken, wirft dieses Idyll Fragen auf: Hält eine Solaranlage diese Last überhaupt aus? Und produziert sie unter einer Schneedecke noch Strom? Die beruhigende Nachricht lautet: Mit der richtigen Planung und den passenden Komponenten ist Photovoltaik auch in schneereichen Regionen eine sichere und lohnende Investition. Was es dabei zu beachten gilt, zeigt diese Fallstudie.
Die besondere Herausforderung: Schnee und Statik
Deutschland ist in verschiedene Schneelastzonen eingeteilt. Während weite Teile des Landes in den Zonen 1 und 2 liegen, gehören Regionen wie das Allgäu, der Bayerische Wald oder das Erzgebirge oft zur Zone 3. Das bedeutet, dass Dächer hier eine deutlich höhere Schneelast aushalten müssen – oft mehr als 110 Kilogramm pro Quadratmeter. Das entspricht dem Gewicht von ein bis zwei Erwachsenen auf jedem Quadratmeter Dachfläche.
Diese enorme Last muss nicht nur das Dach selbst, sondern auch die Photovoltaikanlage sicher tragen können. Entscheidend sind dabei zwei Aspekte:
- Die Druckfestigkeit der Solarmodule: Wie viel Gewicht hält ein einzelnes Modul aus?
- Die Stabilität des Montagesystems: Wie sicher sind die Module auf dem Dach befestigt?
Herkömmliche Standardlösungen reichen hier oft nicht aus. Gefragt ist hier eine sorgfältige Auswahl von Komponenten, die speziell für diese Bedingungen ausgelegt sind.
Die Lösung für das Dach: Statisch geprüfte Komponenten
Stellen wir uns für diese Fallstudie ein Einfamilienhaus in der Nähe von Oberstdorf vor, gelegen in Schneelastzone 3. Der Hausbesitzer möchte seinen Strombedarf zu einem großen Teil selbst decken, hat aber Bedenken wegen der winterlichen Bedingungen.
1. Auswahl der richtigen Solarmodule
Der erste Schritt ist die Wahl von Solarmodulen mit hoher Druckbelastbarkeit. Dieser Wert wird in Pascal (Pa) angegeben. Standardmodule sind oft für eine Drucklast von 5400 Pa zertifiziert, was etwa 550 kg/m² entspricht. Für schneereiche Gebiete sind Module mit einer Belastbarkeit von 8000 Pa oder mehr die deutlich sicherere Wahl. Diese halten einer Last von über 815 kg/m² stand und bieten damit eine entscheidende Sicherheitsreserve. Solche Module zeichnen sich durch einen stabileren Rahmen und dickeres Glas aus.
2. Das Fundament: Ein robustes Montagesystem
Noch wichtiger als das einzelne Modul ist das System, das alles zusammenhält. Die Wahl des richtigen Montagesystems für Photovoltaikanlagen ist daher kein Detail, sondern die Grundlage für die Sicherheit der gesamten Anlage. In Regionen mit hoher Schneelast werden in der Regel mehr Dachhaken pro Modul gesetzt, um die Last gleichmäßiger auf den Dachstuhl zu verteilen, und auch der Abstand der Montageschienen wird verringert. Ein professioneller Installateur berechnet die Statik individuell für jedes Dach und stellt sicher, dass alle Komponenten den regionalen Bauvorschriften entsprechen.
Der Stromertrag im Winter: Realistische Erwartungen
Die zweite große Frage neben der Statik ist der Ertrag. Produziert eine Anlage überhaupt Strom, wenn Schnee darauf liegt?
Darauf gibt es keine pauschale Antwort, denn die Stromproduktion hängt von mehreren Faktoren ab. Direkt unter einer dicken, geschlossenen Schneedecke ist sie gleich null. Allerdings bleibt der Schnee selten wochenlang unverändert liegen. Wie schnell die Module wieder frei werden, hängt vor allem von folgenden Punkten ab:
- Dachneigung: Auf Dächern mit einer Neigung von 30 Grad oder mehr rutscht Schnee von den glatten Moduloberflächen oft von selbst ab, sobald die Temperaturen leicht ansteigen oder die Sonne scheint.
- Sonneneinstrahlung: Selbst durch eine dünne Schneeschicht dringt Sonnenlicht, erwärmt die dunkle Moduloberfläche und taut den Schnee von unten an, was das Abrutschen beschleunigt.
- Albedo-Effekt: Sobald die Module schneefrei sind, können sie an klaren Wintertagen sogar einen Mehrertrag erzielen. Die umliegende Schneefläche reflektiert das Sonnenlicht (Albedo-Effekt) und sorgt für eine höhere Lichteinstrahlung auf die Module.
Eine 10-kWp-Anlage im Allgäu erzeugt im Jahresdurchschnitt etwa 10.000 bis 11.500 kWh Strom. Davon entfallen zwar nur etwa 5–10 % auf die Wintermonate Dezember bis Februar, doch dieser Ertrag ist keineswegs zu vernachlässigen. Er hilft, die Grundlast des Haushalts auch an kurzen Wintertagen zu decken. Die Hauptarbeit leistet die Anlage ohnehin von März bis Oktober und gleicht die winterlichen Mindererträge damit mehr als aus.
Lohnt sich die Investition trotzdem?
Ja, absolut. Auch wenn die initialen Photovoltaik-Anlage Kosten durch ein verstärktes Montagesystem und druckfestere Module etwas höher ausfallen können, ist die Wirtschaftlichkeit nicht gefährdet. Die hohe Sonneneinstrahlung in Süddeutschland sorgt über das ganze Jahr für exzellente Erträge, die die Rentabilität der Anlage sicherstellen. Die Mehrausgaben für die Sicherheit sind eine notwendige und sinnvolle Investition in die Langlebigkeit und den störungsfreien Betrieb der Anlage über 25 Jahre und mehr.
Viele Kunden in schneereichen Regionen entscheiden sich bewusst für diese hochwertigeren Systeme, da sie langfristig denken und die Sicherheit ihrer Investition und Immobilie in den Vordergrund stellen.
FAQ: Häufige Fragen zu PV-Anlagen im Winter
Muss ich den Schnee von meinen PV-Modulen entfernen?
In der Regel nicht. Der Versuch, Schnee vom Dach zu entfernen, birgt ein hohes Unfallrisiko und kann die Module beschädigen. Die Anlagen sind statisch für die zu erwartende Schneelast ausgelegt und der Schnee rutscht meist von allein ab. Nur bei extremen Wetterlagen und offiziellen Warnungen vor außergewöhnlichen Schneelasten sollte ein Fachbetrieb zurate gezogen werden.
Beeinflusst die Ausrichtung des Daches den Ertrag im Winter?
Ja. Ein nach Süden ausgerichtetes Dach mit einer Neigung zwischen 30 und 45 Grad ist ideal. Es fängt die tief stehende Wintersonne optimal ein und begünstigt das Abrutschen des Schnees.
Gibt es spezielle „winterfeste“ Solarmodule?
Der Begriff „winterfest“ ist nicht genormt. Entscheidend ist die ausgewiesene Druckfestigkeit in Pascal (Pa). Module, die für hohe Schneelasten von über 8000 Pa zertifiziert sind, eignen sich am besten für alpine Regionen. Informationen hierzu finden Sie im Datenblatt des Herstellers.
Wie viel Strom erzeugt eine Anlage im Allgäu im Vergleich zu einer in Norddeutschland?
Trotz möglicher Schneebedeckung im Winter ist der Jahresertrag einer PV-Anlage in Süddeutschland in der Regel höher als in Norddeutschland. Grund dafür ist die höhere Sonneneinstrahlung über das gesamte Jahr. Die sonnenreichen Monate im Süden gleichen die winterlichen Einschränkungen mehr als aus.
Fazit: Mit Planung zur sicheren Wintersonne
Eine Photovoltaikanlage in einer schneereichen Region wie dem Allgäu ist technisch problemlos umsetzbar und wirtschaftlich sehr sinnvoll. Entscheidend für den Erfolg sind die sorgfältige Planung und die Auswahl der richtigen Komponenten. Wer auf druckfeste Module und ein professionell berechnetes, robustes Montagesystem setzt, investiert in Sicherheit und einen langfristig hohen Ertrag. Die Sorge vor Schneelasten oder ausbleibendem Winterstrom ist bei einer fachmännisch installierten Anlage unbegründet.
Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Hier können Sie sich umfassend über die technischen Möglichkeiten für Ihre individuelle Situation informieren.



