Preise für bifaziale Solarmodule: Wann sich die Mehrkosten lohnen

Photovoltaikanlagen auf dem Dach sind heute ein gewohnter Anblick. Ihre dunklen Module fangen das Sonnenlicht von oben ein und wandeln es in sauberen Strom um. Doch was wäre, wenn auch die Unterseite der Module Energie erzeugen könnte? Genau das ist die Idee hinter bifazialen Solarmodulen – einer Technologie, die das Potenzial Ihrer Anlage deutlich steigern kann, sofern die Bedingungen stimmen.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie bifaziale Module funktionieren, welche Mehrkosten damit verbunden sind und in welchen konkreten Anwendungsfällen sich die Investition für Sie lohnt.
Was sind bifaziale Solarmodule und wie funktionieren sie?
Der Begriff „bifazial“ bedeutet „zweiseitig“. Während herkömmliche (monofaziale) Module nur auf der Vorderseite aktive Solarzellen haben, sind bifaziale Module so konstruiert, dass sie Licht von beiden Seiten aufnehmen können.
Die Vorderseite fängt wie bei jeder anderen Anlage die direkte Sonneneinstrahlung auf. Die Rückseite hingegen nutzt das sogenannte Albedo-Licht – also das Licht, das vom Untergrund reflektiert wird. Statt einer undurchsichtigen Folie haben diese Module eine transparente Rückseite aus Glas oder einem speziellen Kunststoff, sodass die reflektierte Strahlung auch die Solarzellen auf der Rückseite erreicht.
Der entscheidende Faktor: Der Albedo-Effekt
Der zusätzliche Ertrag eines bifazialen Moduls hängt fast vollständig von der Reflexionsfähigkeit des Untergrunds ab – ein Wert, der als „Albedo“ bezeichnet wird. Je heller die Oberfläche unterhalb der Module, desto mehr Licht wird zurückgeworfen und desto höher ist der Stromertrag der Rückseite.
Hier einige typische Albedo-Werte zur Orientierung:
- Neuschnee: 80–95 % (sehr hoher Mehrertrag)
- Heller Beton oder weiße Dachfolie: 50–60 % (hoher Mehrertrag)
- Sand oder helles Gras: 20–30 % (moderater Mehrertrag)
- Dunkle Dachziegel oder Asphalt: 10–15 % (geringer Mehrertrag)
Der Standort der Anlage ist also der entscheidende Hebel für den Erfolg von bifazialen Modulen.
Die Kosten im Vergleich: Ein geringer Aufpreis für potenziell hohen Mehrertrag
Man könnte annehmen, dass eine zweiseitige Technologie deutlich teurer ist. Die gute Nachricht: Die Preisunterschiede sind geringer als erwartet.
Laut aktuellen Studien sind bifaziale Solarmodule in der Anschaffung nur etwa 3–5 % teurer als vergleichbare monofaziale Modelle. Demgegenüber steht ein potenzieller Mehrertrag von 5 % bis zu 25 %, je nach Untergrund und Aufständerung.
Diese Zahlen machen deutlich: Unter den richtigen Voraussetzungen amortisieren sich die geringen Mehrkosten durch den zusätzlichen Stromertrag sehr schnell. Es ist also weniger eine Frage der Kosten als vielmehr eine des richtigen Einsatzortes.
Wann lohnen sich bifaziale Module? Die besten Anwendungsfälle
Bifaziale Module entfalten ihr volles Potenzial nur, wenn genügend Licht an ihre Rückseite gelangt. Das bedeutet, sie benötigen Abstand zum Untergrund und eine möglichst helle Reflexionsfläche.
Optimaler Einsatz: Flachdächer und Freiflächen
Ideale Anwendungsfälle für bifaziale Technologie sind aufgeständerte Anlagen auf Flachdächern oder im Freiland.
Praxisbeispiel Flachdach: Stellen Sie sich ein Gewerbegebäude mit einem großen Flachdach vor, bedeckt mit einer hellen Bitumen- oder Kiesoberfläche. Hier lässt sich eine Photovoltaik Komplettanlage mit bifazialen Modulen ideal installieren. Die Aufständerung sorgt für einen Abstand von 50 cm bis 1 Meter zum Dach, sodass die Modulrückseite das reflektierte Licht optimal einfangen kann. Der Mehrertrag kann hier leicht 15 % und mehr betragen. Viele Betreiber streichen die Dachfläche zusätzlich weiß, um den Albedo-Wert und damit den Ertrag weiter zu maximieren.
Sehr gut geeignet: Carports und Terrassenüberdachungen
Auch für private Hausbesitzer gibt es hervorragende Einsatzmöglichkeiten: Carports, Pergolen oder Terrassenüberdachungen sind oft wie geschaffen für bifaziale Module.
Praxisbeispiel Carport: Eine Überdachung aus bifazialen Glas-Glas-Modulen für einen modernen Carport ist nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch ansprechend. Da die Module lichtdurchlässig sind, bleibt der Bereich darunter hell, während der helle Pflastersteinboden für eine gute Reflexion sorgt. Der zusätzliche Ertrag ist hier ein willkommener Bonus, der die Wirtschaftlichkeit der gesamten Anlage verbessert.
Bedingt geeignet: Fassaden und Balkongeländer
Vertikale Installationen, etwa an Fassaden oder als Balkonkraftwerk Komplettset, können ebenfalls von bifazialen Modulen profitieren, vor allem wenn der gegenüberliegende Boden hell ist. Der Mehrertrag fällt hier zwar geringer aus als bei aufgeständerten Anlagen, kann aber dennoch einen spürbaren Unterschied machen.
Nicht geeignet: Das klassische Schrägdach
Für das typische Einfamilienhaus mit geneigtem Ziegeldach sind bifaziale Module meist ungeeignet. Der Grund ist einfach: Mit nur wenigen Zentimetern ist der Abstand zwischen Modul und Dachziegeln viel zu gering. Zudem haben die meist dunklen Ziegel einen niedrigen Albedo-Wert. An die Modulrückseite gelangt somit kaum reflektiertes Licht, wodurch der bifaziale Vorteil praktisch verpufft. Ein hochwertiges monofaziales Modul ist hier die wirtschaftlichere Lösung.
Was Sie bei der Planung beachten sollten
Wenn Sie den Einsatz bifazialer Module erwägen, sind neben dem Untergrund zwei weitere Faktoren entscheidend:
- Der Neigungswinkel: Eine steilere Aufständerung fängt mehr reflektiertes Licht von einer größeren Bodenfläche ein. Während bei monofazialen Anlagen oft ein Winkel von 30–35 Grad als optimal gilt, können bei bifazialen Systemen auch steilere Winkel vorteilhaft sein.
- Der Abstand zum Boden: Je größer der Abstand, desto gleichmäßiger verteilt sich das Licht auf der Modulrückseite. Ein Abstand von mindestens einem Meter gilt als ideal, um den maximalen Mehrertrag zu erzielen.
Eine sorgfältige Planung und eine fachgerechte Montage der Photovoltaikanlage sind der Schlüssel zum Erfolg. Um typische Fragen im Vorfeld zu klären, bieten Plattformen wie Photovoltaik.info wertvolle und neutrale Informationen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Benötigen bifaziale Module einen speziellen Wechselrichter?
Nein, sie können mit denselben Wechselrichtern betrieben werden wie monofaziale Module. Der Wechselrichter muss lediglich für die potenziell höhere Spitzenleistung ausgelegt sein, damit er den zusätzlichen Ertrag verarbeiten kann.
Wie viel Mehrertrag kann ich realistisch erwarten?
Auf einem hellen Flachdach mit optimaler Aufständerung sind 15–25 % realistisch. Bei einer Installation über Rasenflächen oder hellen Pflastersteinen können Sie mit 5–12 % rechnen. Auf einem dunklen Schrägdach liegt der Mehrertrag bei nahe null.
Sind bifaziale Module langlebiger?
Viele bifaziale Module sind als Glas-Glas-Module konstruiert. Das heißt, die Solarzellen sind beidseitig von Glas umschlossen, was sie widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse macht. Dies führt oft zu einer längeren Lebensdauer und besseren Leistungsgarantien im Vergleich zu herkömmlichen Glas-Folien-Modulen.
Muss ich die Rückseite der Module reinigen?
Die Rückseite ist weniger anfällig für Verschmutzungen als die Vorderseite. Eine normale Reinigung im Rahmen der üblichen Wartung ist in der Regel ausreichend, da Regen die Rückseite meist von selbst sauber hält.
Fazit: Eine Nischentechnologie für die richtigen Standorte
Bifaziale Solarmodule sind eine faszinierende Weiterentwicklung der Photovoltaik, die den Energieertrag pro Fläche deutlich steigern kann. Sie sind jedoch keine Universallösung für jedes Dach.
Die geringen Mehrkosten von nur 3–5 % machen sie zu einer äußerst attraktiven Option, sofern die Bedingungen stimmen: für aufgeständerte Anlagen auf hellen Flachdächern, Freiflächen, Carports oder Terrassenüberdachungen. Hier spielen sie ihre Stärken voll aus und liefern einen signifikanten Mehrertrag von bis zu 25 %. Für das klassische, dunkle Schrägdach bleiben hochwertige monofaziale Module hingegen die bessere und wirtschaftlichere Wahl.
Ob sich bifaziale Module für Sie lohnen, hängt also entscheidend von Ihrem Standort ab.
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