Photovoltaik-Preise im Bundesland-Vergleich: Wo die Installation am teuersten ist

Sie planen die Anschaffung einer Photovoltaikanlage und holen die ersten Angebote ein. Dabei stellen Sie vielleicht fest: Die Preise für eine vergleichbare Anlage können sich je nach Wohnort erheblich unterscheiden. Eine in Sachsen-Anhalt angebotene Anlage kann in Hamburg schnell mehrere Tausend Euro mehr kosten. Wir erklären, woran das liegt und wie Sie die Angebote lokaler Anbieter richtig einordnen.

Preisunterschiede von über 30 % je nach Region

Eine deutschlandweite Analyse der Daten von Photovoltaik.info bestätigt: Der Standort Ihrer Immobilie hat einen wesentlichen Einfluss auf die Investitionskosten Ihrer Solaranlage. Obwohl der durchschnittliche Preis für eine komplett installierte Photovoltaikanlage in Deutschland bei etwa 1.745 € pro Kilowattpeak (kWp) liegt, gibt es erhebliche regionale Abweichungen.

Die deutlichsten Unterschiede zeigen sich zwischen den neuen und alten Bundesländern sowie zwischen Stadtstaaten und Flächenländern.

[IMAGE: Eine Deutschlandkarte mit farblich markierten Preisunterschieden bei PV-Anlagen pro Bundesland.]

Wo ist Photovoltaik am günstigsten?

Die niedrigsten Durchschnittspreise finden sich aktuell in Ostdeutschland:

  • Sachsen-Anhalt: 1.540 € pro kWp
  • Sachsen: 1.557 € pro kWp
  • Thüringen: 1.595 € pro kWp

Wo ist Photovoltaik am teuersten?

Die höchsten Preise werden in den Stadtstaaten und im Norden Deutschlands aufgerufen:

  • Hamburg: 2.060 € pro kWp
  • Bremen: 1.927 € pro kWp
  • Schleswig-Holstein: 1.850 € pro kWp

Bei einer typischen Anlagengröße von 10 kWp für ein Einfamilienhaus kann dieser Unterschied bereits über 5.000 € betragen.

Die Hauptursachen für regionale Preisdifferenzen

Diese Preisunterschiede sind kein Zufall, sondern lassen sich auf mehrere wirtschaftliche und logistische Faktoren zurückführen. Wer sie kennt, kann die Qualität und den Preis eines Angebots deutlich besser bewerten.

1. Regionale Lohnkosten des Handwerks

Der größte Treiber für die Preisunterschiede sind die Lohn- und Lohnnebenkosten der Installationsbetriebe. Die Montagekosten, also die Arbeit der Elektriker und Dachdecker vor Ort, machen erfahrungsgemäß 10 bis 15 % der Gesamtkosten aus. In Bundesländern mit einem hohen Lohnniveau wie Hamburg oder Bayern sind die Stundensätze für qualifizierte Handwerker deutlich höher als in Regionen wie Sachsen-Anhalt oder Thüringen. Diese höheren Kosten schlagen sich direkt im Endpreis für den Kunden nieder.

2. Wettbewerbsdichte und Nachfrage

Auch Angebot und Nachfrage spielen eine entscheidende Rolle. In Regionen mit einer hohen Dichte an qualifizierten Solar-Installateuren herrscht ein stärkerer Wettbewerb, der tendenziell zu niedrigeren Preisen führt. Umgekehrt kann in Gebieten, in denen die Nachfrage das Angebot an Fachbetrieben übersteigt, ein höherer Preis durchgesetzt werden. Gerade im ländlichen Raum mit wenigen Anbietern kann dies ein Faktor sein.

3. Logistik und Erreichbarkeit

Die Kosten für Transport, Gerüststellung und Anfahrt der Montageteams fließen ebenfalls in die Kalkulation ein. In dicht besiedelten Gebieten sind die Wege oft kürzer und die Logistik einfacher zu planen, während in weitläufigen ländlichen Regionen oder bei schwer zugänglichen Grundstücken höhere Aufschläge anfallen können.

Woraus setzen sich die Gesamtkosten zusammen?

Um zu verstehen, welcher Teil der Kosten variabel ist, lohnt sich ein Blick auf die typische Kostenaufteilung einer PV-Anlage. Während die Preise für Solarmodule und Wechselrichter weitgehend standardisiert sind, entstehen die regionalen Unterschiede hauptsächlich bei der Installation und Planung.

[IMAGE: Grafik, die die prozentuale Aufteilung der Gesamtkosten einer PV-Anlage zeigt (z.B. Module, Wechselrichter, Montage, Gerüst).]

  • Solarmodule: ca. 30–40 %
  • Wechselrichter: ca. 10–15 %
  • Montagesystem & Verkabelung: ca. 10–15 %
  • Installation & Montage (Arbeitskosten): ca. 10–15 %
  • Planung, Anmeldung & sonstige Kosten: ca. 10–20 %

Die Erfahrung zeigt, dass vor allem die Dienstleistungen rund um die Hardware – also Installation, Planung und Anmeldung – die regionalen Preisunterschiede ausmachen.

Wie Sie Angebote aus Ihrer Region richtig einordnen

Die Kenntnis der regionalen Preisunterschiede hilft Ihnen, realistische Erwartungen zu entwickeln. Ein Angebot aus einem teuren Bundesland ist nicht automatisch überteuert, sondern spiegelt lediglich die lokalen Gegebenheiten wider.

  1. Holen Sie mehrere Angebote ein: Um ein Gefühl für das übliche Preisniveau in Ihrer Region zu bekommen, sollten Sie mindestens zwei bis drei vergleichbare Angebote von lokalen Fachbetrieben einholen.
  2. Vergleichen Sie die Details: Achten Sie darauf, dass nicht nur der Endpreis, sondern auch die verwendeten Komponenten (Hersteller von Modulen und Wechselrichter) und der Leistungsumfang (inkl. Anmeldung, Gerüst etc.) vergleichbar sind.
  3. Nutzen Sie Orientierungswerte: Ein Photovoltaik Rechner kann Ihnen eine erste, standortbasierte Kostenschätzung liefern. So können Sie eingehende Angebote besser einordnen.
  4. Prüfen Sie Fördermöglichkeiten: Unabhängig vom regionalen Preisniveau können Sie die Kosten durch Zuschüsse senken. Informieren Sie sich über die aktuelle Photovoltaik Förderung auf Bundes- und Landesebene.

Viele Kunden entscheiden sich letztlich für einen etablierten Anbieter aus der Region, auch wenn dieser nicht der absolut günstigste ist. Ein lokaler Ansprechpartner für Service und Wartung schafft schließlich zusätzliches Vertrauen.

Häufige Fragen zu den Kosten von PV-Anlagen

Warum sind Stadtstaaten wie Hamburg und Bremen so teuer?

In Stadtstaaten kommen mehrere Faktoren zusammen: hohe Lohnkosten für Handwerker, eine große Nachfrage auf begrenztem Raum und oft komplexere bauliche Gegebenheiten (z. B. enge Bebauung, Denkmalschutz), die die Installation aufwändiger machen.

Sollte ich einen Installateur aus einem günstigeren Bundesland beauftragen?

Das ist theoretisch möglich, aber oft nicht ratsam. Der Anbieter wird die langen Anfahrtswege und eventuelle Übernachtungskosten in sein Angebot einkalkulieren, was den Preisvorteil zunichtemachen kann. Zudem kann es bei späteren Service- oder Garantiefällen zu längeren Wartezeiten und zusätzlichen Kosten kommen.

Wie viel Geld kann ich in einem günstigen Bundesland konkret sparen?

Nehmen wir als Beispiel eine durchschnittliche 10-kWp-Anlage: In Hamburg (2.060 €/kWp) würde diese Anlage rund 20.600 € kosten, in Sachsen-Anhalt (1.540 €/kWp) wären es nur 15.400 €. Der Unterschied beträgt also über 5.000 €.

Was kann ich tun, wenn mir eine Dachanlage zu teuer ist?

Für Mieter, Wohnungseigentümer oder Hausbesitzer mit kleinerem Budget gibt es eine gute Alternative: das Balkonkraftwerk. Diese Mini-Solaranlage können Sie einfach selbst installieren, um einen Teil Ihres Strombedarfs zu decken und Ihre Stromrechnung zu senken.


Die Kosten für eine Photovoltaikanlage hängen von vielen Faktoren ab – der Standort ist einer der wichtigsten. Wenn Sie die Gründe für die regionalen Preisunterschiede verstehen, sind Sie bestens gerüstet, um das passende Angebot für Ihr Zuhause zu finden.

Ratgeber teilen
OLEKSANDR PUSHKAR
OLEKSANDR PUSHKAR