Preis pro kWp mit Speicher: So bewerten Sie die Kosten für Komplettsysteme richtig

Sie haben ein Angebot für eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher erhalten und der Gesamtpreis wirkt auf den ersten Blick attraktiv. Doch ist er auch wirklich fair? Viele Anbieter bündeln die Kosten für Solarmodule und Speicher in einem Komplettpaket – was es für Käufer schwierig macht, zu beurteilen, ob das Angebot für die PV-Anlage gut ist oder ein überteuerter Speicher den Preis in die Höhe treibt.
Dieser Artikel zeigt Ihnen eine einfache Methode, mit der Sie die Kosten aufschlüsseln und den tatsächlichen Preis pro Kilowatt-Peak (kWp) Ihrer Photovoltaikanlage ermitteln können. So können Sie Angebote objektiv vergleichen und eine fundierte Entscheidung treffen.
Warum der Preis pro kWp die wichtigste Kennzahl ist
Bevor wir uns den Details von Kombi-Angeboten widmen, ist es wichtig, die zentrale Kennzahl für die Kosten einer PV-Anlage zu verstehen: den Preis pro Kilowatt-Peak (€/kWp).
Kilowatt-Peak (kWp) ist die Maßeinheit für die Spitzenleistung einer Photovoltaikanlage unter Standard-Testbedingungen. Wenn Sie den Gesamtpreis einer Anlage durch ihre Nennleistung in kWp teilen, erhalten Sie einen normierten Wert. Mit diesem Wert können Sie die Kosten von Anlagen unterschiedlicher Größe und verschiedener Anbieter objektiv vergleichen.
Als Faustregel gilt: Die Kosten für eine reine Photovoltaikanlage ohne Speicher liegen aktuell zwischen 1.200 und 1.600 € pro kWp. Kleinere Anlagen sind tendenziell teurer pro kWp, da größere Anlagen von Skaleneffekten profitieren und somit günstiger werden. Dieser Richtwert dient uns als wichtige Referenz.
Die Herausforderung: Verschleierte Kosten in Komplettpaketen
Die Kombination aus PV-Anlage und Stromspeicher ist sehr beliebt, da sie es Ihnen ermöglicht, den tagsüber erzeugten Solarstrom auch abends und nachts zu nutzen. Das wissen auch die Anbieter und schnüren daher attraktive Komplettpakete. Das Problem dabei: Ein einziger Gesamtpreis verschleiert oft, wie sich die Kosten auf die einzelnen Komponenten verteilen.
Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie erhalten ein Angebot für eine 10-kWp-Anlage mit einem 10-kWh-Speicher für insgesamt 24.000 €. Ein gutes Geschäft? Ohne die Kosten aufzuschlüsseln, lässt sich diese Frage kaum beantworten. Der Preis für die PV-Anlage könnte fair sein, der Speicher aber überteuert – oder umgekehrt.
In 3 Schritten zum transparenten Preis: So rechnen Sie richtig
Mit einer einfachen Berechnung schaffen Sie hier Klarheit. Das Ziel ist, die Kosten für den Speicher aus dem Gesamtangebot herauszurechnen, um so den reinen Preis für die PV-Anlage zu ermitteln.
Schritt 1: Ermitteln Sie die marktüblichen Kosten des Speichers
Als Erstes benötigen Sie einen realistischen Preis für den angebotenen Batteriespeicher. Die Kosten für Heimspeicher werden in Euro pro Kilowattstunde (€/kWh) Speicherkapazität angegeben.
Aktuell liegen die Kosten für einen Stromspeicher für Photovoltaik je nach Hersteller, Technologie und Größe bei etwa 700 bis 1.100 € pro kWh. Erfahrungsgemäß entscheiden sich die meisten Nutzer heute für langlebige und sichere Lithium-Eisenphosphat-Speicher (LFP), die preislich meist im Mittelfeld dieser Spanne liegen.
Praxisbeispiel:
Für den 10-kWh-Speicher aus unserem Beispiel setzen wir einen realistischen Mittelwert von 900 €/kWh an.
- Rechnung: 10 kWh × 900 €/kWh = 9.000 €
Die reinen Kosten für den Speicher betragen also rund 9.000 €.
Schritt 2: Ziehen Sie die Speicherkosten vom Gesamtpreis ab
Nun subtrahieren Sie die eben berechneten Speicherkosten vom Gesamtpreis des Angebots.
Praxisbeispiel:
- Rechnung: 24.000 € (Gesamtpreis) – 9.000 € (geschätzte Speicherkosten) = 15.000 €
Übrig bleiben 15.000 €. Das ist der angenommene Preis für die 10-kWp-Photovoltaikanlage inklusive Montage und aller weiteren Komponenten.
Schritt 3: Berechnen Sie den Preis pro kWp für die PV-Anlage
Im letzten Schritt teilen Sie den verbleibenden Betrag durch die Leistung der Anlage in kWp.
Praxisbeispiel:
- Rechnung: 15.000 € / 10 kWp = 1.500 €/kWp
Das Ergebnis von 1.500 €/kWp können Sie nun mit dem anfangs genannten Referenzbereich (1.200 bis 1.600 €/kWp) vergleichen. In unserem Beispiel liegt der Preis damit klar im marktüblichen Rahmen und das Angebot scheint fair kalkuliert. Wäre das Ergebnis deutlich höher, etwa bei 2.000 €/kWp, wäre hingegen Vorsicht geboten.
Welche Faktoren den Preis zusätzlich beeinflussen
Der Preis pro kWp ist ein hervorragender Indikator, aber nicht der einzige Faktor. Beachten Sie, dass verschiedene Aspekte die Gesamtkosten beeinflussen können:
- Komponentenqualität: Hochwertige Glas-Glas-Module oder Wechselrichter von Premium-Herstellern kosten mehr als Standardkomponenten.
- Montageaufwand: Ein komplexes Dach, ein notwendiges Gerüst oder lange Kabelwege können die Installationskosten erhöhen.
- Speichertechnologie: Speicher mit Notstromfunktion sind in der Regel teurer als solche ohne.
- Zusatzleistungen: Enthaltene Leistungen wie die Anmeldung beim Netzbetreiber oder ein Energiemanagementsystem fließen ebenfalls in den Preis ein.
Ein etwas höherer Preis pro kWp kann also gerechtfertigt sein, wenn dafür besonders langlebige Komponenten oder ein erweiterter Service geboten werden.
FAQ – Häufige Fragen zum Preis von PV-Anlagen mit Speicher
Was ist ein fairer Gesamtpreis für eine PV-Anlage mit Speicher?
Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Ein fairer Preis ergibt sich aus der Summe fair bewerteter Einzelkomponenten. Nutzen Sie die in diesem Artikel beschriebene Methode, um die Kosten für die PV-Anlage (in €/kWp) und den Speicher (in €/kWh) getrennt zu bewerten. Nur so können Sie die Fairness eines Gesamtpreises wirklich beurteilen.
Warum ist der Preis pro kWp bei kleineren Anlagen höher?
Bei jeder Installation fallen Fixkosten an, zum Beispiel für den Wechselrichter, den Zählerschrankumbau, die Planung und die Anfahrt des Montageteams. Bei einer kleinen Anlage (z. B. 5 kWp) verteilen sich diese Fixkosten auf weniger Kilowatt-Peak, was den relativen Preis pro kWp erhöht. Bei großen Anlagen (z. B. 15 kWp) fällt dieser Anteil weniger ins Gewicht.
Lohnt sich ein Stromspeicher immer?
Ein Stromspeicher erhöht den Eigenverbrauch Ihres Solarstroms erheblich und macht Sie unabhängiger vom öffentlichen Netz. Ob sich die Investition wirtschaftlich lohnt, hängt stark von Ihrem individuellen Stromverbrauchsprofil ab – insbesondere davon, wie viel Strom Sie abends und nachts benötigen. Die Frage, ob sich Photovoltaik lohnt, ist daher eng mit Ihrem persönlichen Nutzungsverhalten verknüpft – und das gilt für den Speicher ganz besonders.
Fazit: Mit Transparenz zur besten Entscheidung
Lassen Sie sich nicht von einem auf den ersten Blick günstigen Gesamtpreis für ein PV-Speicher-System blenden. Der Schlüssel zu einer guten Entscheidung liegt darin, die Kosten der beiden Hauptkomponenten – Anlage und Speicher – zu trennen.
Ziehen Sie die marktüblichen Speicherkosten vom Gesamtpreis ab, um einen realistischen Preis für die reine Photovoltaikanlage zu ermitteln. Diesen Wert können Sie anschließend über den Preis pro kWp objektiv mit dem Markt und anderen Angeboten vergleichen. Mit diesem Wissen sind Sie bestens gerüstet, um Angebote souverän zu bewerten und die passende und fairste Lösung für sich zu finden.
Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Im Shop finden Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen abgestimmt sind.



