Photovoltaik auf Tonnendächern: So meistern Sie die Herausforderung

Ein Tonnendach oder eine andere gebogene Dachform verleiht einem Gebäude oft einen einzigartigen architektonischen Charakter. Viele Besitzer solcher Immobilien nehmen jedoch an, ihre Dachfläche sei für eine Photovoltaikanlage ungeeignet. Ein verständlicher Gedanke, denn die Montage von Solarmodulen auf einer gekrümmten Oberfläche stellt besondere Anforderungen. Doch Ihr Tonnendach ist kein Hindernis für die Energiewende. Mit professioneller Planung wird es vielmehr zur Chance für eine ästhetische und effiziente Solarlösung.
In diesem Beitrag erfahren Sie, welche technischen Herausforderungen bei der Installation auf Tonnendächern zu beachten sind und welche bewährten Lösungen es gibt, um auch auf einer gewölbten Fläche maximale Solarerträge zu erzielen.
Warum Tonnendächer eine besondere Herangehensweise erfordern
Im Gegensatz zu einem klassischen Sattel- oder Flachdach besitzt ein Tonnendach keine durchgehende, ebene Fläche. Jedes Solarmodul hat eine leicht andere Ausrichtung zur Sonne und somit einen anderen Neigungswinkel. Das hat direkte Auswirkungen auf drei zentrale Aspekte der Anlagenplanung:
- Die Befestigung: Standard-Montagesysteme sind für gerade Schienen und einheitliche Winkel konzipiert. Sie passen schlichtweg nicht auf eine Krümmung.
- Die Hinterlüftung: Solarmodule verlieren an Leistung, wenn sie zu heiß werden. Eine ausreichende Luftzirkulation hinter den Modulen ist entscheidend – eine Herausforderung bei der direkten Montage auf einer Wölbung.
- Die Ertragsoptimierung: Da die Module unterschiedlich zur Sonne ausgerichtet sind, erreichen sie ihre Spitzenleistung zu verschiedenen Tageszeiten. Ohne die richtige Technologie würde das schwächste Modul die Leistung aller anderen in einem Strang drosseln.
All diese Herausforderungen lassen sich jedoch mit moderner Technik und sorgfältiger Planung meistern.
Die richtige Befestigung: Das Fundament für Sicherheit und Langlebigkeit
Die größte technische Hürde ist die sichere und dauerhafte Montage der Solarmodule. Die Unterkonstruktion für die Solarmodule muss nicht nur der Dachform folgen, sondern auch Wind- und Schneelasten standhalten, ohne die Dachhaut zu beschädigen.
Spezialisierte Unterkonstruktionen für gewölbte Flächen
Für Tonnendächer kommen keine Standardkomponenten infrage. Bewährt haben sich daher maßgeschneiderte Systeme, die speziell für gekrümmte Oberflächen entwickelt wurden. In der Praxis gibt es vor allem zwei Lösungen:
- Individuell gebogene Montageschienen: Hierbei werden lange Aluminiumprofile exakt an den Radius des Daches angepasst. Die Solarmodule werden dann auf diesen Schienen montiert. Diese Methode ist besonders stabil und stellt einen optimalen Abstand zur Dachoberfläche sicher, was eine gute Hinterlüftung gewährleistet.
- Kurzschienensysteme oder Punktbefestigungen: Diese Systeme verwenden sehr kurze Schienenstücke oder einzelne Befestigungspunkte, die sich flexibler auf der Wölbung verteilen lassen. Sie erlauben es, kleine Winkelunterschiede zwischen den Modulen auszugleichen.
Unabhängig vom System ist eine Prüfung der Statik unerlässlich. Ein Statiker muss bestätigen, dass die Dachkonstruktion das zusätzliche Gewicht der Anlage tragen kann. Besonders bei Dächern mit einer empfindlichen Abdichtung aus Bitumen oder Folie muss die Montage die Dachhaut absolut intakt lassen.
Flexible Solarmodule: Die anpassungsfähige Alternative
Eine weitere Option sind flexible Solarmodule. Sie sind leicht, biegsam und können oft direkt auf die Dachoberfläche geklebt werden, insbesondere auf Metalldächern. Dadurch wird eine aufwendige Unterkonstruktion überflüssig, und die Optik bleibt sehr unauffällig.
Allerdings hat diese Methode einen entscheidenden Nachteil: die Hinterlüftung. Werden die Module direkt verklebt, kann die Luft dahinter nicht zirkulieren. Die Folge ist ein Wärmestau, der die Leistung der PV-Anlage an heißen Tagen um 10 bis 15 % reduzieren kann.
Praxisbeispiel: Für eine große Lagerhalle mit einem leichten Tonnendach aus Trapezblech können flexible Module eine sinnvolle Lösung sein, um das Gewicht gering zu halten. Die Planung muss jedoch die potenziellen Ertragseinbußen durch die höhere Betriebstemperatur einkalkulieren. Für maximale Effizienz sind klassische, gerahmte Module mit einer gut hinterlüfteten Unterkonstruktion meist die bessere Wahl.
Maximaler Ertrag trotz unterschiedlicher Ausrichtung
Auf einem Tonnendach sind je nach Position manche Module morgens, andere mittags und wieder andere nachmittags optimal zur Sonne ausgerichtet. In einer herkömmlichen Reihenschaltung (String) würde das Modul mit der geringsten Sonneneinstrahlung die Leistung aller anderen Module im Strang auf sein niedriges Niveau herabziehen.
Die Lösung: Leistungsoptimierer und Modulwechselrichter
Die Lösung liegt im Einsatz sogenannter „Module-Level Power Electronics“ (MLPE), die auf Tonnendächern praktisch unerlässlich sind.
- Leistungsoptimierer: Jedes Solarmodul wird mit einem kleinen elektronischen Bauteil ausgestattet, dem sogenannten Optimierer. Dieser sorgt dafür, dass jedes Modul unabhängig von den anderen seinen maximal möglichen Stromertrag liefert. Die optimierten Erträge werden dann an einen zentralen, passenden Wechselrichter gesendet.
- Modulwechselrichter (auch Mikrowechselrichter): Hierbei erhält jedes einzelne Modul seinen eigenen kleinen Wechselrichter. Der Gleichstrom des Moduls wird direkt vor Ort in Wechselstrom umgewandelt.
Ein einfaches Beispiel: Stellen Sie sich ein Team von Ruderern vor. In einer Standardanlage müssen alle im Takt des langsamsten Ruderers rudern. Mit Leistungsoptimierern kann jeder Ruderer in seiner eigenen, maximalen Geschwindigkeit rudern, was die Gesamtleistung des Bootes erheblich steigert.
Diese Technologien stellen sicher, dass die unterschiedlichen Ausrichtungen auf dem Tonnendach kein Nachteil sind, sondern den Ertrag über den Tag hinweg sogar verstetigen können.
Kosten und Wirtschaftlichkeit: Was Sie erwarten können
Eine Photovoltaikanlage auf einem Tonnendach ist in der Regel mit höheren Investitionskosten verbunden als eine Standardinstallation. Sie sollten mit einem Aufpreis von etwa 15 bis 30 % rechnen.
Die Mehrkosten entstehen durch:
- Spezial-Unterkonstruktion: Maßgefertigte oder flexible Montagesysteme sind teurer.
- Höherer Planungsaufwand: Die exakte Vermessung und Ertragssimulation sind komplexer.
- Mehraufwand bei der Montage: Die Installation erfordert mehr Zeit und Präzision.
- Leistungsoptimierer/Modulwechselrichter: Diese Komponenten sind eine zusätzliche Investition, die sich aber durch den Mehrertrag bezahlt macht.
Die Anfangsinvestition ist zwar höher, doch eine professionell geplante Anlage stellt sicher, dass Sie das volle Potenzial Ihres Daches ausschöpfen und über Jahrzehnte von stabilen und hohen Solarerträgen profitieren.
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6.999,00 €FAQ: Häufige Fragen zu PV-Anlagen auf Tonnendächern
Ist mein Tonnendach überhaupt für Photovoltaik geeignet?
Die Eignung hängt von der Statik, dem Material der Dacheindeckung und dem Krümmungsradius ab. Eine professionelle Begutachtung vor Ort ist der erste und wichtigste Schritt. In den meisten Fällen findet sich eine technische Lösung.
Wie lange dauert die Installation auf einem gewölbten Dach?
Aufgrund der komplexeren Montage der Unterkonstruktion dauert die Installation in der Regel etwas länger als bei einem Standard-Schrägdach. Planen Sie je nach Anlagengröße einen bis zwei Tage zusätzlich ein.
Verliere ich durch die Wölbung nicht viel Ertrag im Vergleich zu einem Süddach?
Nicht zwangsläufig. Durch den Einsatz von Leistungsoptimierern wird der Ertrag jedes einzelnen Moduls maximiert. Die Verteilung der Module über die Wölbung kann sogar zu einer gleichmäßigeren Stromproduktion über den Tag führen, da zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Teile der Anlage ihre maximale Leistung erreichen.
Welche Module sind am besten geeignet?
Für die meisten Tonnendächer sind hochwertige, gerahmte Glas-Folien- oder Glas-Glas-Module in Kombination mit einer maßgeschneiderten Unterkonstruktion die robusteste und ertragreichste Lösung. Flexible Module sind eine Nischenlösung für spezielle Anwendungsfälle, etwa bei sehr geringer Dachlast oder wenn keine Dachdurchdringung gewünscht ist.
Fazit: Das Tonnendach als Chance begreifen
Ein Tonnendach ist kein Ausschlusskriterium für eine Photovoltaikanlage, sondern eine lösbare technische Herausforderung. Mit der richtigen Planung, spezialisierten Montagesystemen und dem Einsatz von Leistungsoptimierern oder Modulwechselrichtern lässt sich auch auf einer gekrümmten Fläche eine hocheffiziente und ästhetisch ansprechende Solaranlage realisieren. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Zusammenarbeit mit erfahrenen Fachleuten, die die Besonderheiten dieser Dachform verstehen und die passenden Komponenten auswählen.
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