Photovoltaik auf dem Reihenhaus: Kosten und typische Anlagengrößen

Viele Besitzer von Reihenhäusern gehen davon aus, dass sich eine Photovoltaikanlage für sie nicht lohnt. Die Bedenken sind oft dieselben: Die Dachfläche sei zu klein, die Ausrichtung ungünstig oder der Schatten des Nachbarhauses ein unüberwindbares Hindernis. Doch in der Praxis sieht es heute anders aus: Dank moderner, hocheffizienter Solarmodule und intelligenter Planung lässt sich auch auf dem typischen Reihenhausdach ein Großteil des eigenen Strombedarfs decken und die Stromrechnung nachhaltig senken.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Anlagengröße für ein Reihenhaus realistisch ist, mit welchen Kosten Sie rechnen müssen und worauf Sie bei der Planung besonders achten sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Typische Größe: Für Reihenhäuser eignen sich in der Regel Anlagen mit einer Leistung zwischen 5 und 7 Kilowatt-Peak (kWp).
  • Benötigte Fläche: Eine solche Anlage benötigt eine freie, unverschattete Dachfläche von etwa 25 bis 42 Quadratmetern.
  • Kostenrahmen: Rechnen Sie für eine Komplettanlage ohne Speicher mit Kosten zwischen 8.000 und 15.400 Euro. Ein Stromspeicher kostet zusätzlich.
  • Herausforderung: Die größte Herausforderung ist die oft begrenzte und durch Gauben oder Dachfenster unterbrochene Dachfläche.
  • Ertrag: Eine 6-kWp-Anlage kann jährlich rund 5.400 bis 6.600 Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugen und damit den Bedarf einer vierköpfigen Familie vollständig decken.

Warum das Reihenhaus ein besonderer Fall für Photovoltaik ist

Im Vergleich zu einem freistehenden Einfamilienhaus stellt das Reihenhaus besondere Anforderungen an die Planung einer Photovoltaikanlage. Die gute Nachricht ist jedoch: Für praktisch jede Herausforderung gibt es heute eine technische Lösung.

Die begrenzte Dachfläche: Herausforderung und Lösung

Die nutzbare Dachfläche eines Reihenhauses liegt oft nur zwischen 40 und 60 Quadratmetern. Bei einem Reihenmittelhaus verteilt sich diese Fläche meist auf zwei Dachseiten, zum Beispiel nach Osten und Westen. Zusätzliche Dachfenster, Schornsteine oder Gauben verkleinern die nutzbare Fläche weiter. Ein Reihenendhaus bietet hier oft etwas mehr Flexibilität, da manchmal auch ein Garagendach oder eine seitliche Giebelwand genutzt werden kann.

Die Lösung für begrenzte Flächen sind moderne Hochleistungsmodule, die auf derselben Fläche deutlich mehr Strom erzeugen als ältere Modelle. So lässt sich der verfügbare Platz optimal ausnutzen, um die gewünschte Anlagenleistung zu erreichen.

Typische Anlagengröße für ein Reihenhaus: Was ist realistisch?

Die ideale Anlagengröße orientiert sich an Ihrem Stromverbrauch und der verfügbaren Dachfläche.

  • Stromverbrauch: Ein typischer Vierpersonenhaushalt in einem Reihenhaus verbraucht jährlich etwa 4.000 kWh Strom.
  • Dachfläche: Als Faustregel gilt: Pro kWp Leistung sind etwa 5 bis 6 Quadratmeter Dachfläche einzuplanen.

Auf einer unverschatteten Dachfläche von 40 m² lässt sich also problemlos eine Anlage mit 6 bis 7 kWp installieren. Eine solche Anlage ist ideal, um den Jahresverbrauch einer Familie zu decken.

Praxisbeispiel: Eine 6-kWp-Anlage auf einem Reihenhausdach benötigt eine Fläche von ca. 30–36 m². In Deutschland erzeugt sie je nach Standort und Ausrichtung jährlich zwischen 5.400 und 6.600 kWh Strom. Damit deckt sie nicht nur den aktuellen Bedarf, sondern bietet auch Reserven für die Zukunft, etwa für ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe.

Kosten einer Photovoltaik-Komplettanlage für das Reihenhaus

Die spezifischen Kosten hängen von den gewählten Komponenten, dem Installationsaufwand und der Anlagengröße ab. Bei kleineren Anlagen bis 10 kWp, wie sie für Reihenhäuser typisch sind, liegen die Kosten pro kWp etwas höher als bei sehr großen Anlagen.

Als Orientierung können Sie mit folgenden Preisrahmen rechnen (schlüsselfertig, inklusive Montage):

Anlagengröße: 5 kWp
Durchschnittliche Kosten (ohne Speicher): 8.000 € – 11.000 €

Anlagengröße: 6 kWp
Durchschnittliche Kosten (ohne Speicher): 9.600 € – 13.200 €

Anlagengröße: 7 kWp
Durchschnittliche Kosten (ohne Speicher): 11.200 € – 15.400 €

Diese Werte dienen als erste Schätzung. Ein detailliertes Angebot erhalten Sie nach einer individuellen Planung durch einen Fachbetrieb.

Lohnt sich ein Stromspeicher für das Reihenhaus?

Ein Stromspeicher erhöht den Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stroms erheblich. Ohne Speicher nutzen Sie nur etwa 30 % Ihres Solarstroms direkt, da die meiste Energie mittags produziert wird, wenn oft niemand zu Hause ist. Mit einem Speicher kann dieser Wert auf 60 bis 80 % steigen.

Die Kosten für einen Stromspeicher liegen bei etwa 800 bis 1.200 Euro pro kWh Speicherkapazität. Ein für ein Reihenhaus passender 5-kWh-Speicher kostet also zusätzlich rund 4.000 bis 6.000 Euro. Die Erfahrung zeigt, dass viele Hausbesitzer ihre Anlage zunächst ohne Speicher installieren, sie aber so auslegen lassen, dass eine Nachrüstung später problemlos möglich ist.

Besondere Herausforderungen beim Reihenhausdach

Zwei Faktoren erfordern bei der Planung besondere Aufmerksamkeit: Verschattung und Dachaufbauten.

Umgang mit Verschattung

Gerade in dicht bebauten Reihenhaussiedlungen kann es durch Nachbargebäude, hohe Bäume oder den eigenen Schornstein zu Teilverschattungen kommen.

Fällt ein Schatten nur auf ein einzelnes Modul, kann das die Leistung des gesamten Strangs reduzieren. Hierfür gibt es eine effektive Lösung: Leistungsoptimierer. Diese kleinen Geräte werden hinter jedem oder jedem zweiten Modul installiert und stellen sicher, dass jedes Modul unabhängig von den anderen seine maximale Leistung erbringt. So werden Ertragsverluste durch Schatten minimiert.

Dachfenster, Gauben und Schornsteine

Diese Elemente verringern nicht nur die verfügbare Fläche, sondern machen auch eine durchdachte Anordnung der Solarmodule notwendig. Ein erfahrener Installateur kann ein sogenanntes Belegungsbild erstellen, das die Module optimal um die Hindernisse herum platziert und so die Dachfläche bestmöglich ausnutzt.

Eigenverbrauch und Wirtschaftlichkeit: Eine Beispielrechnung

Wie wirkt sich eine PV-Anlage konkret auf Ihre Stromrechnung aus? Betrachten wir eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh und einer 6-kWp-Anlage. Der Strompreis wird mit 35 Cent/kWh angenommen.

  • Fall 1: Ohne Stromspeicher (30 % Eigenverbrauch)
    Sie verbrauchen 1.200 kWh Ihres eigenen Solarstroms.
    Ihre Ersparnis: 1.200 kWh x 0,35 €/kWh = 420 € pro Jahr.
    Der überschüssige Strom (4.800 kWh) wird ins Netz eingespeist und vergütet.

  • Fall 2: Mit Stromspeicher (70 % Eigenverbrauch)
    Sie verbrauchen 2.800 kWh Ihres eigenen Solarstroms.
    Ihre Ersparnis: 2.800 kWh x 0,35 €/kWh = 980 € pro Jahr.
    Der überschüssige Strom (3.200 kWh) wird ebenfalls eingespeist.

Die Amortisationszeit für eine Anlage auf dem Reihenhaus liegt je nach Anlagengröße und Eigenverbrauchsquote typischerweise zwischen 10 und 15 Jahren. Um die Wirtschaftlichkeit weiter zu steigern, können Sie den Eigenverbrauch optimieren: Lassen Sie Großverbraucher wie die Waschmaschine gezielt dann laufen, wenn die Sonne scheint.

Häufige Fragen (FAQ) zur PV-Anlage auf dem Reihenhaus

Benötige ich die Zustimmung meiner Nachbarn?
Für die Installation auf Ihrem eigenen Dach benötigen Sie in der Regel keine Zustimmung der Nachbarn. Es empfiehlt sich jedoch ein Blick in die Teilungserklärung oder Gemeinschaftsordnung Ihrer Eigentümergemeinschaft, da dort in seltenen Fällen abweichende Regelungen bestehen können.

Was ist, wenn mein Dach nicht perfekt nach Süden ausgerichtet ist?
Eine reine Südausrichtung ist nicht mehr zwingend notwendig. Eine Ost-West-Ausrichtung ist sogar sehr vorteilhaft, da der Strom morgens und abends erzeugt wird – also genau dann, wenn der Verbrauch im Haushalt am höchsten ist. Das steigert den Eigenverbrauch auf natürliche Weise.

Reicht der Platz auf dem Reihenhausdach auch für eine Wärmepumpe?
Ja, das ist möglich, erfordert aber eine maximale Ausnutzung der Dachfläche. Der hohe Strombedarf einer Wärmepumpe macht eine möglichst große PV-Anlage sinnvoll. Hier sind Hochleistungsmodule die erste Wahl, um auf begrenztem Raum die nötige Leistung zu installieren.

Gibt es Alternativen, wenn das Dach ungeeignet ist?
Sollte das Hauptdach tatsächlich ungeeignet sein, prüfen Sie alternative Flächen wie ein Garagendach, einen Carport oder sogar eine Fassade. Für Mieter oder als einfache Einstiegslösung kann auch ein Balkonkraftwerk eine sinnvolle Option sein, um die Stromgrundlast zu senken.

Fazit: Das Reihenhausdach ist wertvoller, als Sie denken

Auch wenn die Dachfläche eines Reihenhauses begrenzt ist, bietet sie in den meisten Fällen ausreichend Potenzial für eine wirtschaftlich sinnvolle Photovoltaikanlage. Mit einer Größe von 5 bis 7 kWp können Sie nicht nur Ihre Stromkosten drastisch senken, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. Entscheidend ist eine sorgfältige Planung, die die Besonderheiten Ihres Daches berücksichtigt und auf moderne, leistungsstarke Komponenten setzt.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Sie möchten Ihre individuelle Situation besser einschätzen? Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen für Reihenhäuser abgestimmt sind.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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