Photovoltaik mieten statt kaufen: Anbieter & Kosten im Überblick

Die Entscheidung für eine eigene Solaranlage
Die Entscheidung für eine eigene Solaranlage ist oft mit einer hohen Anfangsinvestition verbunden. Doch es gibt eine Alternative, die zunehmend an Bedeutung gewinnt: das Mieten einer Photovoltaikanlage. Dieses Modell ermöglicht es Hausbesitzern, von sauberem Solarstrom zu profitieren, ohne sofort eine fünfstellige Summe investieren zu müssen. Hier erfahren Sie, wie das Mietmodell funktioniert, welche Anbieter es gibt und für wen sich diese Option wirklich lohnt.
Wie funktioniert das Mieten einer Solaranlage?
Das Prinzip der PV-Miete ist einfach: Statt eine Anlage zu kaufen, schließen Sie einen langfristigen Vertrag mit einem Anbieter ab. Dieser plant, installiert und betreibt die Photovoltaikanlage auf Ihrem Dach. Als Hausbesitzer zahlen Sie dafür eine feste monatliche Miete und können im Gegenzug den erzeugten Solarstrom für Ihren Eigenbedarf nutzen.
Der Anbieter bleibt während der gesamten Vertragslaufzeit Eigentümer der Anlage und ist damit auch für Wartung, Versicherung und eventuelle Reparaturen verantwortlich. So erhalten Sie ein Rundum-sorglos-Paket und profitieren von planbaren Kosten.
Ein typisches Szenario: Eine vierköpfige Familie möchte ihre Stromkosten senken und unabhängiger vom Stromnetz werden. Die Anschaffungskosten von 15.000 € für eine passende Anlage mit Speicher stellen jedoch eine Hürde dar, weshalb sich die Familie für ein Mietmodell entscheidet. Für eine feste monatliche Rate von beispielsweise 180 € erhält sie eine komplette Anlage inklusive Installation und Service. Den Großteil ihres Strombedarfs deckt die Familie nun mit selbst erzeugtem Solarstrom und reduziert so ihre monatliche Stromrechnung erheblich.
Vor- und Nachteile der PV-Miete im Detail
Wie bei jeder Entscheidung hat auch die Miete einer Solaranlage klare Vorteile, aber eben auch Nachteile. Eine sorgfältige Abwägung ist entscheidend, um die richtige Wahl für die eigene Situation zu treffen.
Die Vorteile: Kein Startkapital und voller Service
Der offensichtlichste Vorteil ist der Wegfall der hohen Anfangsinvestition. Sie müssen keine Ersparnisse antasten oder einen Kredit aufnehmen.
Weitere Pluspunkte sind:
- Planungssicherheit: Sie zahlen eine feste monatliche Rate, die über die gesamte Laufzeit gleich bleibt. Das schützt Sie vor steigenden Strompreisen.
- Rundum-sorglos-Paket: Der Anbieter kümmert sich um alles – von der Planung über die Installation bis hin zur Versicherung und Wartung. Fällt ein Bauteil aus, ist die Reparatur im Mietpreis enthalten.
- Moderne Technik: Mietanbieter setzen in der Regel auf aktuelle und leistungsfähige Komponenten, oft inklusive eines Stromspeichers und einer Wallbox für Elektroautos.
Die Nachteile: Höhere Gesamtkosten und lange Bindung
Der Komfort des Mietmodells hat seinen Preis. Über die gesamte Laufzeit von meist 20 Jahren sind die Gesamtkosten deutlich höher, als wenn Sie eine Photovoltaikanlage kaufen.
Beachten Sie außerdem folgende Punkte:
- Lange Vertragslaufzeiten: Mietverträge laufen typischerweise 20 Jahre. Eine vorzeitige Kündigung ist oft schwierig und teuer. Bei einem Hausverkauf muss der Vertrag in der Regel vom neuen Eigentümer übernommen werden.
- Kein Eigentum: Die Anlage gehört Ihnen nicht. Sie können sie nicht nach Belieben verändern oder erweitern. Am Ende der Laufzeit haben Sie meist die Option, die Anlage zu einem geringen Restwert zu übernehmen, sie abbauen zu lassen oder den Vertrag zu verlängern.
- Weniger Flexibilität: Sie sind an die vom Anbieter ausgewählten Komponenten gebunden.
Welche Anbieter gibt es und was unterscheidet sie?
Der Markt für Miet-Solaranlagen wächst stetig und lässt sich grob in zwei Kategorien einteilen: bundesweit agierende Spezialisten und regionale Energieversorger wie Stadtwerke.
Nationale Anbieter im Fokus
Große, überregionale Anbieter haben das Mietmodell in Deutschland populär gemacht. Zu den bekanntesten gehören Enpal, DZ-4 und E.ON. Diese Unternehmen bieten meist standardisierte Pakete an, die oft bereits einen Stromspeicher und manchmal auch eine Wallbox umfassen. Ihre Prozesse sind stark digitalisiert, was eine schnelle Abwicklung von der Anfrage bis zur Installation ermöglicht. Viele Kunden entscheiden sich für diese Komplettpakete, weil sie eine einfache und umfassende Lösung suchen.
Regionale Stadtwerke als Alternative
Zunehmend entdecken auch lokale Stadtwerke das Mietmodell für sich. Anbieter wie die Stadtwerke Münster oder Mainova in Frankfurt bieten eigene „Solar-Cloud“- oder Pachtmodelle an. Der Vorteil liegt hier oft im persönlichen Ansprechpartner vor Ort und dem Vertrauen in einen etablierten, regionalen Versorger. Die Konditionen können sich jedoch stark unterscheiden, weshalb sich ein genauer Vergleich lohnt.
Kosten und Vertragsbedingungen: Worauf Sie achten müssen
Um die Mietkosten fair bewerten zu können, ist es hilfreich zu wissen, was eine Photovoltaikanlage bei einem Direktkauf kostet. Eine typische Anlage für ein Einfamilienhaus liegt zwischen 12.000 und 20.000 €. Die Mietpreise spiegeln diese Investition wider – verteilt auf 20 Jahre und inklusive aller Serviceleistungen.
Monatliche Mietrate
Die monatliche Rate hängt stark von der Anlagengröße (gemessen in Kilowatt-Peak, kWp) und den inkludierten Komponenten ab.
- Kleine Anlagen (ca. 5 kWp) ohne Speicher: Ab ca. 100 € pro Monat.
- Mittlere Anlagen (ca. 8-10 kWp) mit Speicher: Zwischen 150 € und 250 € pro Monat.
- Große Anlagen mit Speicher und Wallbox: Können auch über 300 € pro Monat kosten.
Eine Faustregel besagt: Eine 10-kWp-Anlage mit Speicher, die gekauft rund 18.000 € kosten würde, liegt im Mietmodell bei etwa 200 € monatlich.
Vertragslaufzeit und Kündigung
Die Standardlaufzeit beträgt 20 Jahre. Dies entspricht der garantierten Leistungsdauer der meisten Solarmodule. Prüfen Sie die Vertragsbedingungen genau, insbesondere die Regelungen für den Fall eines Umzugs. In der Regel muss der Käufer des Hauses den Mietvertrag übernehmen – eine Klausel, die nicht für jeden potenziellen Käufer attraktiv ist.
Was passiert am Ende der Laufzeit?
Nach Ablauf der 20 Jahre gibt es üblicherweise drei Optionen:
- Übernahme der Anlage: Sie können die Anlage für einen symbolischen Betrag (oft 1 €) oder einen geringen Restwert kaufen. Sie ist dann Ihr Eigentum.
- Vertragsverlängerung: Sie können den Mietvertrag zu neuen, meist günstigeren Konditionen verlängern.
- Rückbau: Der Anbieter demontiert die Anlage auf seine Kosten.
Für wen lohnt sich die Miete einer Photovoltaikanlage?
Das Mietmodell ist nicht für jeden die beste Lösung, aber für bestimmte Zielgruppen bietet es eine sehr attraktive Alternative zum Kauf.
- Für Sicherheitsorientierte: Wenn Sie unvorhergesehene Kosten für Reparaturen scheuen und eine absolut planbare Investition bevorzugen, ist das Rundum-sorglos-Paket der Miete ideal. Sie zahlen einen festen Betrag und müssen sich um nichts weiter kümmern.
- Für Menschen ohne Startkapital: Sie möchten sofort von der Energiewende profitieren und Ihre Stromkosten senken, verfügen aber nicht über die notwendigen Ersparnisse für den Kauf? Dann überbrückt das Mietmodell diese finanzielle Hürde.
- Für Technik-Laien: Wenn Sie sich nicht mit der technischen Planung, Komponentenauswahl und dem Betrieb einer Anlage auseinandersetzen möchten, nimmt Ihnen der Mietanbieter diese Komplexität vollständig ab.
Die Miete ist weniger geeignet für Personen, die langfristig die maximale finanzielle Rendite erzielen, volle Kontrolle über ihre Anlage haben und flexibel bleiben möchten. In diesen Fällen ist der Kauf meist die wirtschaftlichere Option.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Solaranlagen-Miete
Bin ich der Eigentümer der gemieteten Anlage?
Nein, während der Vertragslaufzeit bleibt der Anbieter Eigentümer der Anlage. Erst nach Vertragsende haben Sie in den meisten Fällen die Möglichkeit, sie zu erwerben.
Was passiert, wenn ich mein Haus verkaufe?
Der Mietvertrag ist an das Gebäude gebunden. Im Falle eines Verkaufs muss der neue Eigentümer den Vertrag übernehmen. Dies sollte transparent im Kaufvertrag des Hauses geregelt werden.
Wer ist für Reparaturen und Wartung zuständig?
Alle Wartungs- und Reparaturarbeiten übernimmt der Anbieter. Die Kosten dafür sind bereits in Ihrer monatlichen Miete enthalten.
Kann ich die Anlage nachträglich um einen Speicher erweitern?
Das hängt vom Anbieter und dem spezifischen Vertrag ab. Die Möglichkeit, nachträglich einen Photovoltaik-Speicher zu integrieren, sollte vor Vertragsabschluss geklärt werden. Bei vielen Komplettpaketen ist ein Speicher jedoch von Anfang an Teil des Systems.
Bekomme ich eine Vergütung für überschüssigen Strom?
Ja, der Strom, den Sie nicht selbst verbrauchen, wird ins öffentliche Netz eingespeist. Die Einspeisevergütung steht in der Regel Ihnen als Anlagenbetreiber im Sinne des EEG zu. Die Abwicklung übernimmt meist der Mietanbieter für Sie.
Die Entscheidung zwischen Miete und Kauf einer Photovoltaikanlage ist eine sehr persönliche. Die Miete bietet einen bequemen und risikoarmen Einstieg in die Solarenergie, vor allem wenn die Anfangsinvestition abschreckt. Wägen Sie die Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander ab und vergleichen Sie verschiedene Angebote.
Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten und zur Planung Ihrer Anlage finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen für den Kauf abgestimmt sind.



