Photovoltaik auf Faserzementdach (Eternit): Sicher montieren ohne Asbestrisiko

Viele Dächer von Gebäuden aus den 1960er- bis 1980er-Jahren sind mit Faserzementplatten gedeckt, umgangssprachlich oft als Eternitdach bezeichnet. Diese Dächer sind langlebig und robust, werden aber zu einer besonderen Herausforderung, wenn eine moderne Photovoltaikanlage installiert werden soll. Der Grund dafür liegt in einem Material, das früher zur Verstärkung diente: Asbest.

In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie die Risiken richtig einschätzen, welche sicheren Befestigungsmethoden es gibt und warum die Zusammenarbeit mit spezialisierten Fachbetrieben bei diesem Dachtyp unerlässlich ist.

Die Herausforderung: Faserzement und die unsichtbare Gefahr durch Asbest

Faserzement ist ein Verbundwerkstoff, der ursprünglich aus Zement und zugfesten Fasern bestand. Bis Anfang der 1990er-Jahre wurden hierfür Asbestfasern verwendet, da sie extrem hitzebeständig und stabil sind. Das große Problem: Werden diese Platten mechanisch bearbeitet – also gebohrt, gesägt oder auch nur gebrochen –, können krebserregende Asbestfasern freigesetzt und eingeatmet werden.

In Deutschland ist die Herstellung und Verwendung von Asbestprodukten seit 1993 verboten. Als Faustregel gilt daher: Faserzementdächer, die vor 1990 installiert wurden, enthalten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Asbest.

Aus diesem Grund ist jede Form der mechanischen Bearbeitung asbesthaltiger Materialien für Privatpersonen und nicht zertifizierte Betriebe strengstens untersagt. Die rechtliche Grundlage hierfür ist die Technische Regel für Gefahrstoffe (TRGS 519). Nur Fachbetriebe mit entsprechender Zertifizierung dürfen an solchen Dächern arbeiten.

Grundvoraussetzung: Prüfung von Statik und Zustand des Daches

Bevor es an die Montage geht, müssen zwei grundlegende Fragen geklärt werden: Ist das Dach stabil genug und in welchem Zustand sind die Platten?

  1. Tragfähigkeit des Dachstuhls: Eine Photovoltaikanlage bringt zusätzliches Gewicht auf das Dach. Ein modernes Solarmodul wiegt etwa 20 bis 25 kg/m², hinzu kommt die Unterkonstruktion mit 2 bis 5 kg/m². Gerade bei älteren Dachstühlen muss ein Statiker prüfen, ob die zusätzliche Last sicher getragen werden kann.
  2. Zustand der Faserzementplatten: Alte Platten können mit der Zeit spröde werden. Ein Installateur muss den Zustand sorgfältig prüfen, um sicherzustellen, dass die Platten bei der Montage nicht brechen.

Die Prüfung der Statik ist ein zentraler Schritt bei jeder Photovoltaik-Installation und erfordert bei älteren Bauten besondere Aufmerksamkeit.

Sichere Befestigungsmethoden für Faserzementdächer

Die Wahl des Montagesystems hängt entscheidend davon ab, ob das Dach asbesthaltig ist oder nicht. Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Eigentümer hier auf Nummer sicher gehen und von einer Asbestbelastung ausgehen, wenn das Alter des Daches unklar ist.

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Methode 1: Befestigung auf asbestfreiem Faserzement (nach 1993)

Wenn zweifelsfrei nachgewiesen ist, dass Ihr Dach asbestfrei ist (z. B. durch Bauunterlagen oder eine Materialanalyse), ist eine Befestigung mit sogenannten Stockschrauben möglich. Diese werden durch die Wellplatten hindurch direkt in den darunterliegenden Dachsparren verschraubt. Eine spezielle Dichtung sorgt dafür, dass kein Wasser eindringen kann. Diese Methode ist bewährt, kommt aber nur für Dächer neueren Datums infrage.

Methode 2: Bohrfreie Montage mit Spezialklemmen

Für einige Wellplattentypen gibt es spezielle Klemmsysteme, die eine Montage ohne Bohren ermöglichen. Diese Klemmen umgreifen den Rand der Platten und werden dort fixiert.

Nahaufnahme einer Spezialklemme, die eine Faserzementplatte umgreift, ohne sie zu durchbohren

Vorteil: Es werden keine potenziell schädlichen Fasern freigesetzt.
Nachteil: Diese Systeme sind nicht für alle Dachtypen zugelassen und erfordern eine genaue Prüfung der Wind- und Schneelasten durch einen Fachmann. In der Praxis kommen sie jedoch eher selten zum Einsatz.

Methode 3: Durchstecksysteme mit Ersatzplatten (Die Profi-Lösung für Asbestdächer)

Dies ist die sicherste und am weitesten verbreitete Methode für asbesthaltige Faserzementdächer. Der Prozess wird ausschließlich von einem nach TRGS 519 zertifizierten Betrieb durchgeführt:

  1. Sichere Demontage: An den geplanten Befestigungspunkten wird jeweils eine alte Wellplatte fachgerecht und vorsichtig entfernt.
  2. Einsetzen einer Ersatzplatte: An ihrer Stelle wird eine moderne, asbestfreie Faserzementplatte gleicher Form montiert.
  3. Montage des Dachhakens: Durch diese neue Ersatzplatte wird nun der Dachhaken oder die Stockschraube geführt und sicher im Dachsparren verankert. Eine hochwertige Dichtung schützt vor Feuchtigkeit.

Grafik, die den Aufbau eines Durchstecksystems zeigt: Ersatzplatte, Dichtungsmanschette, Befestigungsschraube im Dachsparren

Dieses Vorgehen stellt sicher, dass nicht in das asbesthaltige Material gebohrt wird. Es bietet die höchste Stabilität und Dichtigkeit. Solche spezialisierten Montagesysteme für Photovoltaik wurden speziell für solche Fälle entwickelt und gelten heute als Industriestandard.

Kosten und Wirtschaftlichkeit: Lohnt sich die Investition?

Die Installation einer PV-Anlage auf einem Faserzementdach ist aufwendiger und damit teurer als auf einem Ziegeldach. Rechnen Sie mit Mehrkosten von etwa 15 bis 30 %. Diese entstehen durch:

  • Höheren Planungsaufwand (Statikprüfung)
  • Einsatz von zertifiziertem Personal (TRGS 519)
  • Spezielle Montagesysteme und Ersatzplatten
  • Gegebenenfalls Kosten für die fachgerechte Entsorgung demontierter Platten

Diese zusätzlichen Ausgaben müssen Sie bei der Berechnung der gesamten Kosten einer Photovoltaikanlage berücksichtigen.

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Die Alternative: Dachsanierung vor der PV-Montage

Eine Photovoltaikanlage hat eine Lebensdauer von 25 Jahren und mehr. Oft ist die verbleibende Lebensdauer eines alten Faserzementdaches deutlich kürzer. In vielen Fällen ist es daher wirtschaftlich und technisch am sinnvollsten, das Dach vor der PV-Installation komplett zu sanieren.

Vorteile einer Sanierung:

  • Das Asbestproblem wird dauerhaft und vollständig gelöst.
  • Die Dämmung kann auf den neuesten Stand gebracht werden, was Heizkosten spart.
  • Der Wert Ihrer Immobilie steigt.
  • Die PV-Anlage wird auf einem neuen, perfekt vorbereiteten Dach montiert, was die Installation vereinfacht und langfristig Sicherheit bietet.

FAQ – Häufige Fragen zur PV-Anlage auf Eternitdächern

Wie erkenne ich, ob mein Dach Asbest enthält?
Prüfen Sie das Baujahr des Hauses oder die Rechnungen der Dacheindeckung. Liegt das Datum vor 1990, ist von Asbest auszugehen. Manchmal tragen asbestfreie Platten eine Prägung wie „AF“ (asbestfrei) oder „NT“ (Neue Technologie). Absolute Sicherheit bringt nur eine Laboranalyse einer Materialprobe, die jedoch von einem Fachmann entnommen werden muss.

Darf ich die Anlage selbst montieren?
Auf einem nachweislich asbesthaltigen Dach: auf keinen Fall. Dies ist gesetzlich verboten und hochgradig gesundheitsgefährdend. Die Arbeiten dürfen nur von Betrieben mit TRGS 519-Zertifizierung ausgeführt werden.

Welche Befestigungsmethode ist die beste?
Für asbesthaltige Dächer ist das Durchstecksystem mit Ersatzplatten die sicherste und stabilste Methode. Sie umgeht das Bohrverbot und sorgt für eine feste Verankerung in der Unterkonstruktion.

Übernimmt meine Versicherung Schäden bei einer unsachgemäßen Montage?
Sehr unwahrscheinlich. Versicherungen setzen eine fachgerechte Installation nach den geltenden Normen und Vorschriften voraus. Bei Arbeiten an Asbestdächern ist der Nachweis eines zertifizierten Betriebs entscheidend.

Wie wirkt sich das zusätzliche Gewicht auf mein altes Dach aus?
Diese Frage kann nur ein Statiker nach einer Prüfung vor Ort beantworten. Er berechnet die Lastreserven des Dachstuhls und gibt grünes Licht für die Installation oder empfiehlt verstärkende Maßnahmen.

Fazit: Eine sichere Investition mit der richtigen Planung

Eine Photovoltaikanlage auf einem Faserzementdach ist realisierbar, erfordert aber eine sorgfältige und professionelle Herangehensweise. Der Schutz Ihrer Gesundheit und die Stabilität Ihres Daches haben oberste Priorität.

Fassen wir die wichtigsten Punkte zusammen:

  1. Sicherheit zuerst: Klären Sie das Alter des Daches und gehen Sie im Zweifel von einer Asbestbelastung aus.
  2. Keine Eigenleistung: Beauftragen Sie ausschließlich einen Fachbetrieb mit der notwendigen Zertifizierung (TRGS 519).
  3. Statik prüfen lassen: Ein Statiker muss die Tragfähigkeit des Daches bestätigen.
  4. Richtige Methode wählen: Für Asbestdächer ist das System mit Ersatzplatten die bewährte Profi-Lösung.
  5. Alternative prüfen: Oft ist eine komplette Dachsanierung vor der PV-Montage die wirtschaftlichste und langfristig sicherste Lösung.

Mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Partnern können Sie auch auf einem älteren Faserzementdach sicher und effizient saubere Sonnenenergie erzeugen.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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