Photovoltaik-Servicevertrag: Was nach dem Kauf wirklich zählt

Die Entscheidung für eine Photovoltaikanlage ist gefallen, die Angebote liegen auf dem Tisch. Die meisten vergleichen jetzt vor allem zwei Dinge: die Leistung in Kilowatt-Peak (kWp) und den Preis. Doch die wahre Qualität eines Angebots zeigt sich oft erst Jahre nach der Installation. Ein entscheidender Faktor wird dabei häufig übersehen: der After-Sales-Service. Denn was passiert, wenn die Anlage nicht die volle Leistung bringt, ein Fehler auftritt oder eine regelmäßige Wartung ansteht?

Ein guter Servicevertrag ist mehr als nur eine zusätzliche Kostenposition – er ist die Versicherung für Ihren Ertrag über 20 Jahre und länger. Eine Untersuchung des TÜV Rheinland aus dem Jahr 2023 belegt: Rund 30 % aller installierten PV-Anlagen weisen Mängel auf, wobei die Hälfte davon sogar als gravierend eingestuft wird. Viele dieser Probleme, oft durch Installationsfehler verursacht, bleiben ohne professionelle Überwachung jahrelang unentdeckt und kosten Sie bares Geld.

Was bedeutet After-Sales-Service bei Photovoltaik?

Der Begriff „After-Sales-Service“ umfasst alle Dienstleistungen, die ein Anbieter nach dem Kauf und der Installation einer Photovoltaikanlage leistet. Er geht weit über die gesetzliche Gewährleistung oder die Produktgarantien der Hersteller hinaus und sichert den optimalen Betrieb Ihrer Investition ab.

Im Kern besteht ein guter Service aus vier Bausteinen:

  1. Anlagen-Monitoring: Die kontinuierliche Fernüberwachung der Leistungsdaten Ihrer Anlage. So werden Abweichungen und Störungen schnell erkannt, oft bevor Sie selbst etwas bemerken.
  2. Wartung und Inspektion: Regelmäßige Überprüfungen der Komponenten vor Ort, von den Modulen über die Verkabelung bis zum Wechselrichter.
  3. Reparatur-Service: Schnelle und unkomplizierte Hilfe im Störungsfall, inklusive der Beschaffung von Ersatzteilen.
  4. Garantieabwicklung: Unterstützung bei der Geltendmachung von Garantieansprüchen gegenüber den Herstellern der Komponenten.

Viele Anbieter bündeln diese Leistungen in sogenannten Service- oder Wartungsverträgen. Deren Umfang und Kosten können sich jedoch stark unterscheiden und sollten daher ein zentraler Punkt beim Vergleich von Photovoltaik-Angeboten sein.

Warum ein guter Service wichtiger ist als gedacht

Photovoltaikanlagen gelten als äußerst wartungsarm, und das stimmt im Grunde auch. Es gibt keine beweglichen Teile, die verschleißen könnten. Dennoch sind sie keine „Installieren-und-Vergessen“-Technologie. Denn verschiedene Faktoren können die Leistung und damit Ihre Rendite über die Jahre schleichend oder auch plötzlich schmälern.

Leistungsabfall durch Verschmutzung: Laut Studien des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) sinkt die Leistung von PV-Modulen durch natürliche Alterung jährlich um etwa 0,5 % bis 1 %. Weitaus gravierender kann jedoch die Verschmutzung durch Staub, Pollen, Laub oder Vogelkot sein. Je nach Standort und Dachneigung kann hier ein Leistungsverlust von bis zu 10 % oder mehr entstehen.

  • Praxisbeispiel: Eine 10-kWp-Anlage in Süddeutschland erzeugt rund 10.000 kWh Strom pro Jahr. Bei einer Einspeisevergütung und Strompreisersparnis von insgesamt 30 Cent pro kWh entspricht ein Leistungsverlust von 10 % einem jährlichen finanziellen Schaden von 300 €. Über fünf Jahre summiert sich das bereits auf 1.500 €.
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Technische Defekte und unentdeckte Fehler: Ein defekter Stecker, ein durch Marder beschädigtes Kabel oder ein unbemerkter Ausfall eines Modulstrangs – solche Probleme führen zu sofortigen Ertragseinbußen. Ohne professionelles Monitoring fallen diese Fehler oft erst bei der nächsten Jahresabrechnung auf.

Servicepakete im Detail: Was ist für Sie sinnvoll?

Nicht jeder Anlagenbetreiber benötigt das Rundum-sorglos-Paket. Die Wahl des richtigen Serviceumfangs hängt von der Größe Ihrer Anlage, den örtlichen Gegebenheiten und Ihrem persönlichen Sicherheitsbedürfnis ab.

Das Anlagen-Monitoring: Ihr digitales Frühwarnsystem

Ein professionelles Monitoring der PV-Anlage ist die absolute Grundlage und sollte in jedem Fall Teil des Angebots sein. Es ist das digitale Auge, das Ihre Anlage rund um die Uhr im Blick behält. Moderne Systeme vergleichen die Ist-Leistung kontinuierlich mit Soll-Werten, die auf Basis der aktuellen Sonneneinstrahlung errechnet werden. Weichen die Werte signifikant voneinander ab, wird automatisch ein Alarm ausgelöst.

In der Praxis entscheiden sich die meisten Nutzer für ein aktives Monitoring durch den Installateur. So müssen sie nicht selbst täglich die Daten prüfen, sondern werden vom Fachmann kontaktiert, sobald Handlungsbedarf besteht.

Der Wartungsvertrag: Regelmäßige Vorsorge

Ein klassischer Wartungsvertrag umfasst regelmäßige Inspektionen der Anlage vor Ort, meist alle ein bis zwei Jahre. Dabei werden folgende Punkte geprüft:

  • Sichtprüfung: Kontrolle der Module auf Schäden (z. B. Glasbruch, Hotspots), Überprüfung der Unterkonstruktion und der Kabelführung.
  • Elektrische Messungen: Überprüfung der Strangspannungen und Isolationswiderstände, um Leistung und Sicherheit zu gewährleisten.
  • Wechselrichter-Check: Auslesen des Fehlerspeichers und Prüfung der Lüfter.
  • Reinigung: Oft als optionaler Baustein buchbar.

Die Verbraucherzentrale rät bei Standardanlagen auf Einfamilienhäusern oft von teuren, langfristigen Verträgen ab. Hier kann eine Wartung nach Bedarf die wirtschaftlichere Lösung sein. Für größere oder schwer zugängliche Anlagen ist ein fester Vertrag jedoch eine sinnvolle Absicherung.

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Service on Demand: Flexibilität statt fester Bindung

Die Alternative zum festen Vertrag ist die Beauftragung von Serviceleistungen bei Bedarf. Sie zahlen also nur, wenn tatsächlich eine Inspektion, Reinigung oder Reparatur anfällt. Diese Variante bietet maximale Flexibilität, erfordert aber, dass Sie selbst den Zustand Ihrer Anlage im Blick behalten und sich im Bedarfsfall aktiv um einen Dienstleister kümmern.

Was dürfen Wartung und Service kosten? Eine realistische Einschätzung

Die Kosten für Serviceleistungen sind ein wichtiger Faktor für die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage und sollten realistisch kalkuliert werden. Gute Anhaltspunkte für typische Preise bei einer Anlage bis 10 kWp liefert eine Branchenumfrage unter Solar-Installateuren (2023):

  • Basis-Monitoring (Portalzugang): Oft im Kaufpreis enthalten oder ca. 50–100 € pro Jahr für erweiterte Funktionen und Berichte.
  • Vollwartungsvertrag (inkl. Inspektion, ohne Reinigung): 150–300 € pro Jahr.
  • Einmalige Inspektion/Wartung nach Bedarf: 200–400 € je nach Aufwand.
  • Professionelle Modulreinigung: ca. 2–3 € pro Quadratmeter Modulfläche.

Faustregel: Die jährlichen Kosten für einen umfassenden Wartungsvertrag sollten nach Empfehlung der Verbraucherzentralen nicht mehr als 1 bis 2 % der ursprünglichen Investitionssumme ausmachen.

So bewerten Sie Serviceleistungen im Angebot

Um die Qualität des After-Sales-Service in einem Angebot zu beurteilen, sollten Sie über den reinen Preis hinausschauen. Stellen Sie Ihrem Anbieter gezielt diese Fragen:

  • Reaktionszeit: Wie schnell ist ein Techniker im Störungsfall garantiert vor Ort? (48 Stunden sollten das Maximum sein.)
  • Leistungsumfang: Was genau ist im Wartungsvertrag enthalten? Sind Anfahrtskosten und Arbeitszeit bei Reparaturen abgedeckt?
  • Monitoring: Wer überwacht die Anlage aktiv – Sie oder der Anbieter? Wie werden Sie im Fehlerfall informiert?
  • Vertragslaufzeit: Wie lange sind Sie an den Vertrag gebunden und wie lauten die Kündigungsfristen?
  • Kompetenz: Verfügt der Anbieter über eigenes, geschultes Servicepersonal oder werden Subunternehmer beauftragt?

Ein seriöses Angebot listet diese Punkte transparent auf. Die Plattform Photovoltaik.info arbeitet beispielsweise mit ausgewählten Fachpartnern zusammen, die nachweislich hohe Standards bei der Installation und im anschließenden Service erfüllen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist ein Wartungsvertrag für meine PV-Anlage gesetzlich vorgeschrieben?

Nein, eine gesetzliche Pflicht zur Wartung von privaten Photovoltaikanlagen besteht nicht. Einige Versicherungen oder Förderprogramme können jedoch einen Nachweis über regelmäßige Inspektionen verlangen.

Wie oft sollte eine Photovoltaikanlage gewartet werden?

Eine Sichtprüfung durch den Betreiber sollte jährlich erfolgen. Eine professionelle Inspektion durch einen Fachbetrieb wird alle zwei bis vier Jahre empfohlen. Bei Anlagen in staubiger Umgebung (z. B. in der Landwirtschaft) oder mit flacher Neigung können kürzere Intervalle sinnvoll sein.

Kann ich meine Solaranlage selbst reinigen?

Davon wird im Allgemeinen abgeraten. Das Betreten des Daches ist gefährlich. Zudem können ungeeignete Reinigungsmittel oder zu hoher Druck die Moduloberflächen beschädigen, was zum Garantieverlust führen kann.

Was passiert, wenn mein Installationsbetrieb nicht mehr existiert?

Das ist ein wichtiger Punkt. Die Produktgarantien der Hersteller (z. B. für Module und Wechselrichter) bleiben davon unberührt. Für Service und Wartung müssen Sie sich dann allerdings einen neuen Fachbetrieb suchen. Deshalb ist es ratsam, auf etablierte Anbieter mit langjähriger Markterfahrung zu setzen.

Die Investition in eine Photovoltaikanlage ist eine langfristige Entscheidung. Beziehen Sie den After-Sales-Service von Anfang an als wichtiges Kriterium in Ihren Angebotsvergleich ein. So stellen Sie sicher, dass Ihre Anlage nicht nur heute, sondern auch in 20 Jahren noch maximale Erträge und Freude bereitet.

Sie möchten Ihre individuelle Situation besser einschätzen oder suchen einen verlässlichen Partner? Weitere praxisnahe Informationen und geprüfte Fachbetriebe finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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