Notstrom nachrüsten oder Komplettsystem? Die entscheidenden Unterschiede für Ihre Sicherheit

Ein plötzlicher Stromausfall – und das moderne Leben steht still. Kein Licht, keine Heizung, kein Internet. Genau in solchen Momenten zeigt eine Photovoltaikanlage mit Notstromfunktion ihren wahren Wert.
Doch Notstrom ist nicht gleich Notstrom. Ob Sie eine bestehende Anlage nachrüsten oder von Anfang an auf ein integriertes System setzen, hat erhebliche Auswirkungen auf Ihren Komfort und Ihre Sicherheit.
Dieser Beitrag erklärt die drei entscheidenden technischen Unterschiede – Umschaltzeit, Phasenversorgung und Schwarzstartfähigkeit – und hilft Ihnen, die richtige Entscheidung für Ihr Zuhause zu treffen.
Die Grundlagen: Was Notstrom wirklich bedeutet
Bevor wir in die technischen Details eintauchen, ist es wichtig, zwei zentrale Begriffe zu klären, die oft verwechselt werden. Die Entscheidung für eines dieser Konzepte legt den Grundstein für die technischen Anforderungen an Ihre Anlage.
Der feine Unterschied: Notstrom vs. Ersatzstrom
Notstrom bedeutet in der Regel, dass bei einem Netzausfall nur ausgewählte, essenzielle Verbraucher über eine separate Steckdose oder einen bestimmten Stromkreis weiterversorgt werden. Dazu könnten beispielsweise die Beleuchtung im Wohnzimmer, der Kühlschrank und der Internet-Router gehören, während der Rest des Hauses ohne Strom bleibt. Diese Lösung ist einfacher und kostengünstiger umzusetzen.
Ersatzstrom hingegen versorgt das gesamte Hausnetz oder große Teile davon, sodass alle Steckdosen und fest installierten Verbraucher wie gewohnt weiterfunktionieren. Sie bemerken den Stromausfall kaum. Dies bietet maximalen Komfort, erfordert aber eine leistungsfähigere und komplexere Systemauslegung – insbesondere, wenn auch Geräte wie Wärmepumpen oder Elektroherde versorgt werden sollen.
Die 3 entscheidenden Kriterien für eine zuverlässige Notstromversorgung
Die Qualität Ihrer Absicherung hängt – unabhängig von der Wahl zwischen Not- oder Ersatzstrom – von drei technischen Faktoren ab. Diese bestimmen, wie nahtlos und umfassend Ihre Versorgung im Ernstfall ist.
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Ab 1.299,00 €Kriterium 1: Die Umschaltzeit – Flimmern oder nahtloser Übergang?
Die Umschaltzeit ist die Dauer, die Ihr System benötigt, um bei einem Netzausfall von Netz- auf Batteriestrom umzuschalten. Diese Zeitspanne kann von wenigen Millisekunden bis zu mehreren Sekunden reichen – mit spürbaren Folgen.
Lange Umschaltzeiten (typisch für Nachrüstungen, > 5 Sekunden): Der Strom ist für einen merklichen Moment weg: Lichter flackern, der Fernseher geht aus und empfindliche Geräte wie Computer oder Router starten neu. Für ein Homeoffice ist dies oft problematisch, da Arbeit und Videokonferenzen jäh unterbrochen werden.
Kurze Umschaltzeiten (typisch für integrierte Systeme, < 20 Millisekunden): Der Übergang ist so schnell, dass er praktisch nicht wahrnehmbar ist. Man spricht hier von einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV). Alle Geräte laufen ohne Unterbrechung weiter.
Praxisbeispiel: Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten im Homeoffice an einer wichtigen Präsentation. Bei einer langen Umschaltzeit fällt Ihr PC aus – und die letzten Änderungen sind womöglich verloren. Ein System mit USV-Qualität sorgt dafür, dass Sie ungestört weiterarbeiten können.
Kriterium 2: Die Phasenversorgung – Nur Licht oder auch der Herd?
Das deutsche Stromnetz versorgt Häuser über drei Phasen (L1, L2, L3). Viele Haushaltsgeräte wie Lampen oder Laptops benötigen nur eine Phase. Große Verbraucher wie ein Elektroherd, eine Wärmepumpe oder ein Durchlauferhitzer brauchen für ihren Betrieb jedoch alle drei Phasen, den sogenannten Drehstrom.
1-phasige Notstromversorgung: Viele einfache Nachrüstlösungen können im Notstrombetrieb nur eine der drei Phasen versorgen. Das bedeutet, dass nur die an dieser Phase angeschlossenen Stromkreise funktionieren. Ihr Herd oder Ihre Wärmepumpe bleiben definitiv aus.
3-phasige Notstromversorgung: Moderne, integrierte Systeme sind in der Lage, alle drei Phasen des Hausnetzes zu versorgen. Damit steht die volle Funktionalität Ihres Hauses zur Verfügung, vorausgesetzt, Ihr Stromspeicher und Wechselrichter sind ausreichend dimensioniert.

Praxisbeispiel: Bei einem Stromausfall im Winter ist eine funktionierende Heizung entscheidend. Eine Wärmepumpe benötigt fast immer eine 3-phasige Versorgung. Nur ein System, das dies leisten kann, bietet Ihnen in diesem Szenario echte Sicherheit und Komfort.
Kriterium 3: Die Schwarzstartfähigkeit – Echte Autarkie bei Netzausfall
Was passiert, wenn der Stromausfall länger andauert und Ihr Batteriespeicher leer ist? Hier kommt die Schwarzstartfähigkeit ins Spiel. Sie beschreibt die Fähigkeit der Anlage, sich nach einer vollständigen Entladung allein durch Sonnenenergie wieder in Betrieb zu nehmen – ganz ohne Starthilfe vom öffentlichen Netz.
Ein schwarzstartfähiger Hybrid-Wechselrichter kann die Solarmodule aktivieren, den Speicher wieder aufladen und das Hausnetz versorgen, selbst wenn das öffentliche Netz tagelang ausfällt. Systeme ohne diese Fähigkeit bleiben bei leerem Speicher trotz Sonnenschein funktionslos, bis der Netzstrom zurückkehrt.
Praxisbeispiel: Bei einem mehrtägigen Blackout würde eine Anlage ohne Schwarzstartfähigkeit nach der ersten Nacht zu einem nutzlosen Kasten. Eine schwarzstartfähige Anlage hingegen erwacht mit den ersten Sonnenstrahlen wieder zum Leben, lädt den Speicher und sichert Ihre Versorgung Tag für Tag. Sie ist der Schlüssel zu wahrer Unabhängigkeit.

Nachrüstlösung vs. integriertes System: Der direkte Vergleich
Wie gut eine Anlage diese drei Kriterien erfüllt, hängt maßgeblich davon ab, ob Sie ein bestehendes System nachrüsten oder eine von Grund auf integrierte Lösung installieren.
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6.299,00 €Die Nachrüstlösung: Der pragmatische Weg mit Kompromissen
Eine Nachrüstung kommt oft für Besitzer bestehender PV-Anlagen infrage. Hier wird meist ein AC-gekoppelter Batteriespeicher samt einer externen Umschaltbox (Backup-Box) in das System integriert.
- Umschaltzeit: Meist mehrere Sekunden. Eine spürbare Unterbrechung ist die Regel.
- Phasenversorgung: Häufig nur 1-phasig. Eine Versorgung von Großverbrauchern ist in der Regel nicht möglich.
- Schwarzstartfähigkeit: Nicht immer gegeben und muss gezielt geprüft werden. Oft ist dies nur mit zusätzlichen Komponenten und höherem Aufwand realisierbar.
Diese Option ist daher besonders für Besitzer älterer Anlagen interessant, die eine Grundsicherheit für die wichtigsten Verbraucher herstellen möchten, ohne die gesamte Anlage zu erneuern. Sie erkaufen sich die geringeren Anfangsinvestitionen mit deutlichen Komforteinbußen.
Das integrierte System: Die kompromisslose Komplettlösung
Hier sind alle Komponenten – meist in Form eines Hybrid-Wechselrichters, der Solar- und Batteriewechselrichter in einem ist – von vornherein aufeinander abgestimmt. Das System ist explizit für den Notstrombetrieb konzipiert.
- Umschaltzeit: Meist unter 20 Millisekunden (USV-Qualität). Der Übergang ist nicht spürbar.
- Phasenversorgung: In der Regel 3-phasig. Das gesamte Haus wird versorgt, inklusive großer Verbraucher.
- Schwarzstartfähigkeit: Gehört bei hochwertigen Systemen zum Standard.
Viele Kunden, die neu bauen, sanieren oder eine komplett neue Anlage planen, entscheiden sich heute für ein solches System. Es bietet den höchsten Komfort, maximale Sicherheit und echte Autarkie, was den höheren Anschaffungspreis für viele rechtfertigt.

Fazit: Welche Lösung passt zu Ihnen?
Die Entscheidung hängt von Ihren Prioritäten und Ihrer Ausgangssituation ab:
Eine Nachrüstlösung ist sinnvoll, wenn Sie bereits eine PV-Anlage besitzen und eine kostengünstige Grundabsicherung für wenige, essenzielle Geräte suchen. Sie müssen jedoch mit einer spürbaren Umschaltzeit und einer eingeschränkten Versorgung leben.
Ein integriertes Komplettsystem ist die richtige Wahl, wenn Sie eine neue Anlage planen und keine Kompromisse bei Komfort und Sicherheit eingehen wollen. Es ist die Voraussetzung für eine 3-phasige Versorgung, eine unterbrechungsfreie Umschaltung und echte Autarkie durch Schwarzstartfähigkeit.
Letztendlich ist die Frage, was Ihnen Ihre Sicherheit wert ist: Reicht es Ihnen, wenn nur das Licht anbleibt, oder möchten Sie von einem Stromausfall so gut wie nichts bemerken?
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Notstrom und Ersatzstrom?
Notstrom versorgt nur einzelne, ausgewählte Verbraucher über einen separaten Stromkreis. Ersatzstrom versorgt das gesamte Hausnetz, sodass alle Steckdosen und Geräte wie gewohnt funktionieren.
Lädt meine Solaranlage bei Stromausfall weiter?
Das funktioniert nur bei einem schwarzstartfähigen System. Ohne diese Funktion kann der Wechselrichter bei Netzausfall nicht arbeiten und die Solarmodule produzieren keinen Strom – auch nicht zum Laden des Speichers.
Benötige ich für eine Wärmepumpe immer eine 3-phasige Notstromversorgung?
Ja, in den allermeisten Fällen benötigen Wärmepumpen und andere große Verbraucher wie E-Herde eine 3-phasige Stromversorgung (Drehstrom). Eine 1-phasige Notstromlösung kann diese Geräte nicht betreiben.
Wie lange hält der Strom aus dem Speicher bei einem Stromausfall?
Das hängt von der Kapazität Ihres Speichers und Ihrem Stromverbrauch ab. Ein typischer Speicher für ein Einfamilienhaus (8-10 kWh) kann eine Grundlast (Kühlschrank, Licht, Internet) für 12 bis 24 Stunden decken. Bei sparsamem Verbrauch und täglicher Nachladung durch die Solaranlage sind auch mehrere Tage Autarkie möglich.
Die Wahl der richtigen Notstromlösung hängt also stark von Ihren individuellen Anforderungen ab. Eine sorgfältige Planung ist entscheidend, um die passenden Komponenten für Ihr Zuhause zu finden. Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten erhalten Sie direkt auf Photovoltaik.info.



