Mieterstrom vor dem Aus? Studie enthüllt Gefahren für Millionen Mieter
Die Energiewende ist in aller Munde, doch während Hausbesitzer zunehmend auf Solarenergie vom eigenen Dach setzen, bleibt ein riesiges Potenzial ungenutzt: die Dächer von Mehrfamilienhäusern. Das Modell des Mieterstroms sollte hier Abhilfe schaffen und Millionen von Mietern den Zugang zu günstigem, sauberem Strom ermöglichen. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) schlägt nun jedoch Alarm und warnt vor einem drohenden Aus für viele dieser Projekte. Die Folge: Die Energiewende könnte an den Wohnungstüren von Millionen Mietern scheitern.
Was Mieterstrom so wichtig macht: Ein Überblick
Das Prinzip von Mieterstrom ist einfach und genial zugleich: Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses produziert Strom, der direkt an die Mieter im selben Gebäude verkauft wird – ohne den Umweg über das öffentliche Netz. Das hat entscheidende Vorteile:
- Günstigerer Strom: Da Netzentgelte, Stromsteuer und andere Umlagen entfallen, ist Mieterstrom in der Regel deutlich günstiger als der reguläre Tarif vom Grundversorger.
- Teilhabe an der Energiewende: Mieter, die keine eigene Immobilie besitzen, können aktiv an der Energiewende teilhaben und ihren CO₂-Fußabdruck reduzieren.
- Stabile Preise: Die Stromkosten werden kalkulierbarer und unabhängiger von den Schwankungen am Energiemarkt.
Gerade in Städten, wo die Mehrheit der Menschen zur Miete wohnt, ist Mieterstrom ein unverzichtbarer Baustein, um die Energiewende flächendeckend und sozial gerecht umzusetzen.
Studie enthüllt: Wirtschaftlichkeit von Mieterstrom in Gefahr
Der Knackpunkt, vor dem die Experten des IW warnen, liegt im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Bisher erhalten Betreiber von Mieterstromanlagen eine sogenannte Einspeisevergütung für den überschüssigen Strom, der nicht im Haus verbraucht und daher ins öffentliche Netz eingespeist wird. Diese Vergütung ist oft das Zünglein an der Waage, das ein Projekt wirtschaftlich tragfähig macht.
Die Analyse des IW kommt zu einem düsteren Ergebnis: Fällt diese Einspeisevergütung weg, bricht die finanzielle Grundlage für kleine und mittlere Mieterstromprojekte zusammen. Genau diese Projekte auf typischen Mehrfamilienhäusern sind aber entscheidend für den Erfolg des Modells.
Sönke Tangermann vom Ökoenergieanbieter Green Planet Energy eG, der auf die Studie hinweist, bringt es auf den Punkt: Der Zugang zu günstigem Solarstrom droht genau dort wegzubrechen, wo er am dringendsten gebraucht wird – in den normalen Mietshäusern, in denen rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung lebt.
Mieterstrom-Potenzial: Millionen ungenutzter Dächer
Die Dimension des Problems wird deutlich, wenn man sich die Zahlen ansieht. In Deutschland gibt es rund drei Millionen Mehrfamilienhäuser, deren Dächer sich ideal für Solaranlagen eignen würden. Technisch könnten so bis zu 20 Millionen Wohnungen mit sauberem Mieter- oder Gebäudestrom versorgt werden. Doch die Realität sieht anders aus: Bisher sind nur wenige tausend Mieterstromanlagen registriert.
Anstatt dieses enorme Potenzial endlich zu heben, droht der geplante Wegfall der Vergütung, das zarte Pflänzchen Mieterstrom im Keim zu ersticken. Die Energiewende in den Städten, die ohnehin schon ein „blinder Fleck“ ist, würde einen empfindlichen Rückschlag erleiden.
Fazit: Ein Weckruf für die Politik
Die Warnung der Studie ist unmissverständlich: Ohne verlässliche und wirtschaftlich attraktive Rahmenbedingungen wird der Ausbau von Mieterstrom stagnieren. Ein politisches Festhalten an der Streichung der Einspeisevergütung wäre ein fatales Signal an Vermieter, Wohnungswirtschaft und Energiegenossenschaften, die bereit sind, in die dezentrale Energiezukunft zu investieren.
Für Millionen Mieterinnen und Mieter steht viel auf dem Spiel: die Chance auf bezahlbare Energiekosten und die Möglichkeit, selbst ein Teil der Lösung im Kampf gegen den Klimawandel zu werden. Es ist an der Zeit, dass die Politik die Weichen richtig stellt und dafür sorgt, dass die Energiewende nicht nur im Eigenheim, sondern auch im Mietshaus ankommt.







