Rekord: 1 TWh ungenutzter Solarstrom durch PV Abregelung in Bayern

Rekord bei PV Abregelung in Bayern: Fast 1 TWh ungenutzter Solarstrom 2024

Die Abregelung von Photovoltaikanlagen in Bayern hat im Jahr 2024 ein neues Rekordniveau erreicht. Fast eine Terawattstunde (TWh) Solarstrom, genauer 981 Gigawattstunden (GWh), blieb ungenutzt. Diese Energiemenge entspricht in etwa dem jährlichen Stromverbrauch von 300.000 Durchschnittshaushalten. Damit entfielen rund 71 Prozent der bundesweit abgeregelten PV-Energie allein auf Bayern. Die Abregelungen, also die zwangsweise Drosselung der Stromeinspeisung, erfolgen immer dann, wenn das Stromnetz überlastet ist und den erzeugten Strom nicht mehr aufnehmen oder weiterleiten kann. Besonders betroffen sind große Solarparks wie der in Schornhof bei Augsburg. Die Situation führt zu erheblichen finanziellen Verlusten, die letztlich von den Stromverbrauchern getragen werden, da Netzbetreiber die Anlagenbetreiber für den entgangenen Ertrag entschädigen und diese Kosten auf die Netzentgelte umlegen.

Ursachen der PV Abregelung in Bayern

Die Ursache für die zunehmenden Abregelungen ist ein Paradoxon des Erfolgs: Der massive und politisch gewollte Ausbau der Photovoltaik überholt die Kapazitäten der bestehenden Stromnetze. Allein im Jahr 2024 wuchs die PV-Leistung in Deutschland um rund 10 Gigawatt. Gepaart mit einem überdurchschnittlich sonnenreichen Sommer führte dies vor allem zur Mittagszeit, wenn Solaranlagen ihre Spitzenleistung erreichen, zu massiven Netzengpässen.

Bayern, als Spitzenreiter bei der Förderung und dem Ausbau von PV-Freiflächenanlagen, steht hier besonders im Fokus. Der stetige Flächenzuwachs für PV-Freiflächenanlagen konzentriert sich oft auf ländliche Regionen, deren Netzinfrastruktur historisch nicht für die Aufnahme derart großer Energiemengen ausgelegt ist. Der Netzbetreiber Tennet bestätigt, dass das bestehende Netz mit dem rasanten Tempo des Solarausbaus nicht mehr Schritt halten kann. Wenn die lokale und überregionale Netzkapazität erschöpft ist, muss die Erzeugung gedrosselt werden, um einen Netzzusammenbruch zu verhindern – wertvoller Solarstrom geht verloren.

Finanzielle Folgen der Solarstrom Abregelung in Bayern

Die Abregelung hat nicht nur ökologische, sondern auch erhebliche finanzielle Konsequenzen. Gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) haben Betreiber von PV-Anlagen einen Anspruch auf Entschädigung, wenn ihre Anlagen durch den Netzbetreiber gedrosselt werden. Diese Kosten werden über die Netzentgelte auf alle Stromkunden in Deutschland umgelegt und tragen so zu steigenden Stromrechnungen bei.

Für die Anlagenbetreiber selbst stellt die Situation eine wirtschaftliche Herausforderung dar. Zwar erhalten sie eine finanzielle Kompensation, diese deckt aber oft nicht den vollständigen Einnahmeverlust, der durch den ungenutzten Strom entsteht. Die Abregelungen führen somit zu einem doppelten Nachteil: Den Betreibern entgehen Einnahmen, die zur Amortisierung ihrer Investitionen notwendig sind, und die Verbraucher zahlen über höhere Netzentgelte für Strom, der nie produziert wurde. Die rechtlichen Rahmenbedingungen hierfür entwickeln sich stetig weiter, wie auch die kommende EEG Novelle 2025 zeigt, die neue Pflichten und Chancen für Investitionen in erneuerbare Energien mit sich bringen wird.

Lösungen und Perspektiven für weniger PV Abregelung in Bayern

Um die Abregelungen zu reduzieren und den wertvollen Solarstrom besser zu nutzen, sind verschiedene Maßnahmen auf mehreren Ebenen erforderlich.

Eine der wichtigsten, aber auch langwierigsten Lösungen ist der physische Ausbau der Stromnetze. Netzbetreiber wie Tennet planen bereits umfangreiche Erweiterungen, um die Kapazitäten zu erhöhen und Engpässe zu minimieren. Dies ist jedoch ein kapital- und zeitintensiver Prozess.

Eine schnellere und zunehmend wichtige Lösung ist der Ausbau von Speichertechnologien. Großbatteriespeicher können überschüssigen Solarstrom zur Mittagszeit aufnehmen und ihn später, wenn die Nachfrage steigt und die Sonne nicht mehr scheint, wieder ins Netz einspeisen. Auch im dezentralen Bereich können private Haushalte einen wichtigen Beitrag leisten. So ermöglichen PV-Anlagen mit Speicher und Montagesets Eigenheimbesitzern, ihren Eigenverbrauch zu maximieren und das öffentliche Netz zu entlasten. Selbst Mieter können sich durch Balkonkraftwerke mit Speicher oder auch Modelle ohne Speicher aktiv an der Energiewende beteiligen und zur Stabilisierung der lokalen Netze beitragen.

Schließlich spielt die Flexibilisierung der Stromnachfrage eine entscheidende Rolle. Durch intelligente Stromzähler (Smart Meter) und dynamische Stromtarife können Verbraucher finanzielle Anreize erhalten, ihren Stromverbrauch gezielt in Zeiten hoher Solarstromproduktion zu verlagern – etwa zum Laden von Elektroautos oder zum Betrieb von Wärmepumpen.

Die Rekord-Abregelung in Bayern ist ein klares Signal, dass die Energiewende nicht nur den Bau von Erzeugungsanlagen, sondern auch eine intelligente und vorausschauende Weiterentwicklung der gesamten Energieinfrastruktur erfordert. Weitere aktuelle Entwicklungen zum Thema finden Sie in unseren Bayern Solar News.

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