Photovoltaik-Zubau in Deutschland: Prognose 2030 leicht verfehlt?

Photovoltaik Zubau Prognose 2030: Deutschlands Ausbauziele im Blick

Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) gehen in ihrer mittelfristigen Prognose von einem massiven Zuwachs der installierten Photovoltaik-Leistung aus. Bis zum Jahr 2030 soll die Kapazität um 114 Gigawatt (GW) auf einen Gesamtstand von 189 GW anwachsen. Diese Prognose, basierend auf dem mittleren Szenario für die Netzentwicklungsplanung 2037/2045, unterstreicht die zentrale Rolle der Solarenergie für die Energiewende.

Trotz des erwarteten starken Wachstums wird das von der Bundesregierung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankerte Ziel von 215 GW installierter Leistung bis 2030 voraussichtlich verfehlt. Die langfristigen Prognosen der Netzbetreiber zeigen jedoch eine weiterhin steile Entwicklungskurve: Bis 2037 wird ein Anstieg auf 335 GW und bis 2045 sogar auf 595 GW erwartet.

Bereits das Jahr 2023 markierte einen Rekordzubau von 14,1 GW, was einem Zuwachs von 20,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Stromerzeugung aus Photovoltaik-Anlagen stieg im selben Zeitraum um 14,4 Prozent auf 70,9 Terawattstunden (TWh). Dieser Zuwachs wird sowohl durch große Solarparks als auch durch eine wachsende Zahl von privaten Dachanlagen und Balkonkraftwerken getragen. Für Hausbesitzer bieten sich hierbei komplette PV-Anlagen mit Speicher und Montagesets an, um die eigene Energieunabhängigkeit zu maximieren. Auch Mieter können durch die einfache Installation von Balkonkraftwerken ohne Speicher aktiv an der Energiewende teilhaben.

Eine positive wirtschaftliche Entwicklung begleitet diesen Ausbau: Jüngsten Prognosen zufolge werden die Kosten für die EEG-Förderung in den kommenden Jahren voraussichtlich sinken, was den Bundeshaushalt und somit die Steuerzahler entlastet.

Regionale Unterschiede beim Photovoltaik-Ausbau in Deutschland

Der Ausbau der Solarenergie in Deutschland verläuft regional sehr unterschiedlich. An der Spitze der Bundesländer mit der höchsten installierten Gesamtleistung steht Bayern mit 22,1 GW, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (15,7 GW) und Baden-Württemberg (13,8 GW). Auch Niedersachsen (11,6 GW) und Rheinland-Pfalz (8,5 GW) leisten einen wesentlichen Beitrag.

Auch beim Zubau im Jahr 2023 war Bayern mit 3,8 GW neu installierter Leistung führend. Dahinter folgen Niedersachsen mit 1,9 GW und Nordrhein-Westfalen mit 1,7 GW. Um die eigenen Ziele zu erreichen, setzen Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen gezielte Förderprogramme auf, beispielsweise zur Erschließung weiterer Freiflächen für die Photovoltaik. Die Stadtstaaten Berlin (0,5 GW), Bremen (0,3 GW) und Hamburg (0,2 GW) weisen aufgrund ihrer geringeren Fläche erwartungsgemäß die niedrigsten Gesamtkapazitäten auf.

Erneuerbare Energien und Netzinfrastruktur: Ein Ausblick

Neben der Photovoltaik treiben auch andere erneuerbare Energien die Transformation des Stromsystems voran. Die Prognosen der Netzbetreiber sehen für die Onshore-Windkraft einen Anstieg auf 116 GW bis 2030 vor, was jedoch unter dem Regierungsziel von 134 GW liegt. Langfristig soll die Kapazität auf 184 GW (2037) und 293 GW (2045) wachsen. Bei der Offshore-Windkraft werden bis 2030 29 GW erwartet, womit das Ziel von 30 GW nur knapp verfehlt würde. Für Biogasanlagen wird ein moderates Wachstum auf 6,9 GW bis 2030 prognostiziert.

Eine der größten Herausforderungen für die Erreichung dieser Ziele ist der Ausbau der Stromnetze. Die Netzinfrastruktur muss mit dem rasanten Wachstum der dezentralen Energieerzeugung Schritt halten. Experten warnen bereits, dass Engpässe in den Netzen den Anschluss neuer Anlagen, von großen Solarparks bis hin zu Rechenzentren, verzögern und die Energiewende ausbremsen könnten.

Sektorenkopplung: Speicher, Wasserstoff und E-Mobilität für die Energiewende

Für eine stabile Energieversorgung bei einem hohen Anteil erneuerbarer Energien sind Speichersysteme und die intelligente Verknüpfung von Strom-, Wärme- und Verkehrssektor (Sektorenkopplung) unerlässlich. Die Netzbetreiber prognostizieren einen Anstieg der Batteriespeicherkapazität auf 36 GW bis 2030. Auch hier liegt die Prognose unter dem Regierungsziel von 50 GW. Dezentrale Lösungen wie Balkonkraftwerke mit Speicher werden dabei eine immer wichtigere Rolle spielen, um Verbrauchsspitzen zu glätten und das Netz lokal zu entlasten.

Im Bereich grüner Wasserstoff wird die Kapazität von Elektrolyseuren bis 2030 auf 17 GW geschätzt, während die Bundesregierung 20 GW anstrebt. Wasserstoff gilt als Schlüsseltechnologie für die Dekarbonisierung der Industrie und des Schwerlastverkehrs.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Elektromobilität. Die Zahl der Elektrofahrzeuge soll bis 2030 auf 17 Millionen ansteigen und bis 2045 auf 37 Millionen wachsen. Diese Fahrzeuge dienen nicht nur der Fortbewegung, sondern können zukünftig als riesiger, mobiler Stromspeicher fungieren und zur Netzstabilität beitragen.

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